<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>André Walter</title>
	<atom:link href="https://andre-walter.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://andre-walter.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Mon, 28 Sep 2026 20:35:49 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.1.2</generator>

<image>
	<url>https://andre-walter.de/wp-content/uploads/cropped-aw-32x32.png</url>
	<title>André Walter</title>
	<link>https://andre-walter.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Eine (Roman-)Welt entsteht: Haselbrock 1907</title>
		<link>https://andre-walter.de/eine-roman-welt-entsteht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Sep 2026 20:07:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=2538</guid>

					<description><![CDATA[Mein historischer Roman spielt in einer fiktiven Gegend »irgendwo zwischen Münster und Dortmund«. Beliebig sollte sie deshalb aber nicht sein, sondern authentisch. Flüsse, Bäche, Dörfer, Straßen und Höfe sollen so heißen und dort liegen, wie sie auch in der wirklichen Welt hätten heißen und liegen können. Hier kommt mir natürlich mein Faible für Landkarten zugute. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mein <a href="https://andre-walter.de/recherche-fuer-meinen-historischen-roman/">historischer Roman</a> spielt in einer fiktiven Gegend »irgendwo zwischen Münster und Dortmund«. Beliebig sollte sie deshalb aber nicht sein, sondern authentisch. Flüsse, Bäche, Dörfer, Straßen und Höfe sollen so heißen und dort liegen, wie sie auch in der wirklichen Welt hätten heißen und liegen können.</strong> <strong>Hier kommt mir natürlich mein Faible für Landkarten zugute. Also habe ich meine Romanwelt als Karte angelegt – mit allem, was dazugehört.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seien Sie also Willkommen in »Haselbrock« im Jahre 1907!</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1730" height="1080" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte1-1730x1080.png" alt="" class="wp-image-2568" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte1-1730x1080.png 1730w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte1-300x187.png 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte1-768x479.png 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte1-1536x959.png 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte1.png 1866w" sizes="(max-width: 1730px) 100vw, 1730px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Haselbrock. Das Dorf ist ländlich geprägt. Die Menschen leben von Ackerbau und Viehzucht, ein wenig auch vom Torf. Die Industrialisierung des Ruhrgebiets scheint noch weit genug entfernt zu sein. Aber sie rückt näher. Mein ausgedachter Ort liegt zwar im echten Bistum Münster, gehört Verwaltungstechnisch aber in den ebenso erfundenen »Kreis Vennstedde«. Dem gehören außerdem die kleineren Dörfer »Haverhorst« und »Emkentrup«, sowie die »Kattendieker Bauerschaft« an. Durch den Kreis schlängelt sich die »Wenneke«, ein etwas breiterer Fluss, der von zahlreichen kleineren Bächen gespeist wird. Zudem gibt es einen langgezogenen Höhenzug, der noch eine wichtige Rolle spielen wird.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1849" height="1080" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte2-1849x1080.png" alt="" class="wp-image-2569" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte2-1849x1080.png 1849w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte2-300x175.png 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte2-768x449.png 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte2-1536x897.png 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte2.png 1928w" sizes="(max-width: 1849px) 100vw, 1849px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Was der Name Haselbrock genau bedeutet und welche Legende es zu dem Dorf gibt, verrate ich im Roman. Aber so viel lässt sich vielleicht erahnen: Mit Haselnüssen hat die Sache durchaus etwas zu tun 😉</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich hat Haselbrock auch eine Geschichte. Und seine (fiktive) Geschichte erklärt, warum die Straßen verlaufen, wie sie verlaufen, warum Höfe dort stehen, wo sie stehen, und warum Haselbrock im Jahr 1907 so aussieht, wie es aussieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die ein oder andere Szenerie stehen natürlich teilweise Originalschauplätze aus dem Münsterland Pate, aber letztlich ist es nicht nur ein Arrangement dieser, sondern eine -wie ich finde- organische und glaubhafte Romanwelt. Denn Haselbrock soll erfunden sein, aber nicht erfunden wirken! Daher habe ich auch auf die Topografie geachtet. Wo ist das Gelände höher, wo niedriger? Wie verlaufen deshalb Bäche her und wo nicht.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1920" height="879" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte3-1920x879.png" alt="" class="wp-image-2570" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte3-1920x879.png 1920w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte3-300x137.png 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte3-768x352.png 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte3-1536x703.png 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte3-2048x938.png 2048w" sizes="(max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Und das wiederum hilft mir beim Schreiben. Ich habe nicht nur die wichtigen Handlungsorte vor Augen, sondern auch Entfernungen und Sichtachsen. Wenn zwei meiner Figuren auf einem Hügel stehen und über das Land blicken, weiß ich, was sie von dort aus sehen können. Fährt jemand mit der Kutsche ins nächste Dorf, kenne ich den Weg – und kann abschätzen, wie lange die Fahrt dauert und was sie unterwegs sehen. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1920" height="790" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte4-1920x790.png" alt="" class="wp-image-2571" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte4-1920x790.png 1920w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte4-300x124.png 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte4-768x316.png 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte4-1536x632.png 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte4-2048x843.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Angefangen hatte alles mit einer groben Skizze auf Papier. Gebastelt habe ich diese Karte dann aber nicht in einem Zeichenprogramm, sondern wieder mit QGIS, also einem echten Geoinformationssystem. <a href="https://andre-walter.de/kartensammlung/" data-type="page" data-id="140">Damit erstelle ich schon länger zahlreiche Karten aus meiner Heimat.</a> Für meine Romanwelt hat das einen schönen Nebeneffekt: Die Karte sieht nicht nur wie eine Karte aus, sie verhält sich auch so. Ich konnte sie immer wieder ein bisschen umbauen und anpassen,  Entfernungen messen und ziemlich genau nachvollziehen, wie weit meine Figuren tatsächlich unterwegs sind. Von Haverhorst bis zum Ausflugslokal der alten Grete sind es beispielsweise nicht ganz 2,1 Kilometer:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1920" height="757" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte6-1920x757.png" alt="" class="wp-image-2572" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte6-1920x757.png 1920w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte6-300x118.png 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte6-768x303.png 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte6-1536x606.png 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Hasselbrockkarte6-2048x808.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Sicherlich hätte ich auch einfach schreiben können, dass hinter einem Abzweig nach dem Dorf das Lokal liegt. Aber genau das wollte ich nicht. So habe ich beim Schreiben den genauen Ort vor mir:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-container-core-quote-is-layout-e8a3a1cc wp-block-quote-is-layout-flow" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--10);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--10);padding-top:0;padding-bottom:0">
<p class="has-playfair-font-family has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hinter dem Dorf Haverhorst blieb sein Blick an einem Schild hängen: »Ausflugslokal Grete Haverhorst«. Ihm lag schon die Frage auf der Zunge, wer hier wohl nach wem benannt sei, doch da durchbrach der Kutscher schließlich die Stille. Er zeigte auf den Fluss, der sich vor ihnen auftat: »Kiek mo, das ist die Wenneke! (&#8230;) Hinter der Brücke machte die Wenneke zu seiner Linken einen scharfen Knick und folgte fortan parallel dem Weg. Zur Rechten erhob sich ein Steilhang, darüber dichter, dunkler Forst. Erst nach einer langgezogenen Kurve um den Hang herum öffnete sich der Blick: Eine lange Allee lag vor ihnen und schnitt durch die Felder. Klein am Horizont zeichnete sich ein Kirchturm ab. Sie fuhren direkt darauf zu. Ein verwittertes Holzschild am Wegesrand wies knapp den Weg zum »Hof Krose«. (&#8230;)</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Im Moment experimentiere ich noch mit verschiedenen Stilen, aber das Schöne ist ja: anpassbar und verschiebbar ist alles noch bis zum Buchdruck. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1700" height="1080" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/haselbrock_entwurf24-1700x1080.png" alt="" class="wp-image-2609" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/haselbrock_entwurf24-1700x1080.png 1700w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/haselbrock_entwurf24-300x191.png 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/haselbrock_entwurf24-768x488.png 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/haselbrock_entwurf24-1536x976.png 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/haselbrock_entwurf24.png 1758w" sizes="auto, (max-width: 1700px) 100vw, 1700px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wie ich es auch drehe und wende: mein Haselbrock in Vennstedde bleibt fiktiv. Ja, es gibt tatsächlich ein echtes »Hasselbrock« in Norddeutschland (Gemeinde Walchum), aber das hat mit meinem Haselbrock nichts gemein. Auch die Wenneke fließt nirgendwo, und auch nach Haverhorst oder Emkentrup wird kein Wegweiser führen. Trotzdem möchte ich, dass es ich sich anfühlt, wie echt. Und dieses Gefühl will ich auch in meinen Romantext bringen, sodass Sie beim Lesen spüren: ich war zwar noch nie dort, aber es kommt mir&#8230; vertraut vor.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Die Landkarte ist noch in Arbeit und wird später in passender Form natürlich auch im Roman abgedruckt.</strong></em> </p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Steiger kommt wieder – am 26.November!</title>
		<link>https://andre-walter.de/der-steiger-kommt-wieder-am-26-november/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 19:57:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=2494</guid>

					<description><![CDATA[Nach meiner Lesung im Mai in Brambauer geht es diesmal in die Stadtbücherei Lünen. Und natürlich habe ich nicht nur mein Buch im Gepäck! Donnerstag, 26. November 2026 18:00–19:30 UhrStadtbücherei Lünen · Gartenstraße 4Der Eintritt ist frei. Zur besseren Planung für mich bitte ich um (kostenlose) Anmeldungen über die VHS – spontan vorbeikommen ist aber [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nach meiner Lesung im Mai in Brambauer geht es diesmal in die Stadtbücherei Lünen. Und natürlich habe ich nicht nur mein Buch im Gepäck!</strong></p>



<blockquote class="wp-block-quote has-contrast-color has-accent-3-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-3 is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-alata-font-family has-large-font-size wp-block-paragraph" style="font-style:normal;font-weight:700"><strong>Donnerstag, 26. November 2026 </strong><br><strong>18:00–19:30 Uhr</strong><br><strong><br>Stadtbücherei Lünen · Gartenstraße 4<br>Der Eintritt ist frei.</strong></p>



<p class="has-alata-font-family has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="font-style:normal;font-weight:700">Zur besseren Planung für mich bitte ich um (kostenlose) Anmeldungen über die VHS  –  spontan vorbeikommen ist aber ebenso möglich!<br><strong><br>»<a href="https://www.vhs-luenen.de/kurssuche/kurs/Lesung-Der-Steiger-kam-am-ersten-Mai/BE1230#inhalt">https://www.vhs-luenen.de/kurssuche/kurs/Lesung-Der-Steiger-kam-am-ersten-Mai/BE1230#inhalt</a></strong></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Abend lese und erzähle ich zusammen mit Dominik Kurz aus meinem Buch »Der Steiger kam am ersten Mai«. Kindheitserinnerungen an die letzten Jahre des Bergbaus in Lünen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es geht um Halden und Zechenkolonien, um Kohle und Kumpel. Von Protest, Schließung und Sprengung der letzten Lüner Zeche. Denn mein Vater war Bergmann auf Minister Achenbach, ebenso meine Großväter. Ich selbst dagegen war ein ziemlich »bergfremdes« Kind, das dass Ende des Bergbaus mit ganz eigenen Augen erlebt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei bleibt es nicht beim gesprochenen Wort: historische und persönliche Fotos begleiten die Geschichten auf der Leinwand, alte Karten zeigen das Lünen von damals und einige originale Erinnerungsstücke und Bergbau-Exponate bringe ich ebenfalls mit. So wird der Abend zur kleinen Zeitreise in eine Welt, als der Bergbau die Bühne verließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und weil zu einem solchen Abend auch ein bisschen Bergbautradition gehört, wird zum Abschluss natürlich gemeinsam das Steigerlied gesungen. Selbstverständlich signiere ich auch Bücher und Autogrammkarten an dem Abend!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich freue mich auf bekannte und neue Gesichter, auf Erinnerungen, Gespräche und vielleicht auch auf die eine oder andere Geschichte aus dem Publikum.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Glück Auf – wir sehen uns in Lünen!</strong></p>



<p class="has-accent-3-color has-text-color has-link-color wp-elements-4 wp-block-paragraph"><strong>Jetzt anmelden: </strong><br><strong><a href="https://www.vhs-luenen.de/kurssuche/kurs/Lesung-Der-Steiger-kam-am-ersten-Mai/BE1230#inhalt">https://www.vhs-luenen.de/kurssuche/kurs/Lesung-Der-Steiger-kam-am-ersten-Mai/BE1230#inhalt</a></strong></p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorlesung_Plakat-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1810" height="2560" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorlesung_Plakat-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-2525" style="width:927px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorlesung_Plakat-scaled.jpg 1810w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorlesung_Plakat-212x300.jpg 212w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorlesung_Plakat-724x1024.jpg 724w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorlesung_Plakat-768x1086.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorlesung_Plakat-1086x1536.jpg 1086w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorlesung_Plakat-1448x2048.jpg 1448w" sizes="auto, (max-width: 1810px) 100vw, 1810px" /></a></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Schloss, welches ich nie sah</title>
		<link>https://andre-walter.de/das-schloss-dass-ich-nie-sah/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Sep 2026 19:24:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte(n) zwischen Lünen und Selm]]></category>
		<category><![CDATA[Alstedde]]></category>
		<category><![CDATA[Buddenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Frydag]]></category>
		<category><![CDATA[Hitler]]></category>
		<category><![CDATA[Lippholthausen]]></category>
		<category><![CDATA[Lünen]]></category>
		<category><![CDATA[Rünxleben]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=2453</guid>

					<description><![CDATA[Ein Mord, Hitler und eine Hecke: die Geschichte vom Haus Buddenburg in Lünen-Lippholthausen Vom Schloss wussten wir nichts. Für uns war das einfach der Wald, in dem wir spielten: Lünen-Alstedde und Lippholthausen, irgendwann Anfang der 1990er Jahre. Mit Freunden und Cousins streifte ich als Kind durch den Wald an der Lippe. Wir liefen über schmale [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h3 class="wp-block-heading has-text-align-center has-x-large-font-size">Ein Mord, Hitler und eine Hecke: <br>die Geschichte vom Haus Buddenburg in <br>Lünen-Lippholthausen</h3>



<figure class="wp-block-image alignwide size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="674" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/BuddenbergVergleich2-1024x674.jpg" alt="" class="wp-image-2444" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/BuddenbergVergleich2-1024x674.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/BuddenbergVergleich2-300x197.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/BuddenbergVergleich2-768x505.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/BuddenbergVergleich2-1536x1010.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/BuddenbergVergleich2.jpg 1642w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Vom Schloss wussten wir nichts. Für uns war das einfach der Wald, in dem wir spielten: Lünen-Alstedde und Lippholthausen, irgendwann Anfang der 1990er Jahre. Mit Freunden und Cousins streifte ich als Kind durch den Wald an der Lippe. Wir liefen über schmale Pfade, über Wiesen und zwischen den Bäumen hindurch und rollten mit Fahrrad oder Schlitten den »Buddenberg« hinunter. Was Kinder eben so machen, wenn es hinter der Siedlung bergab geht und ein Wald sich befindet, an dem sich die Lippe entlangschlängelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass wir dabei durch den ehemaligen Schlossgarten liefen, war uns nicht klar. Dass hier einmal ein großes Schloss gestanden hatte, ebenfalls nicht. Und erst recht nicht, dass sich an diesem Ort ein Mord ereignet hatte, Adolf Hitler hier gewesen war und das Gebäude später Künstlern als Arbeits- und Ausbildungsstätte gedient hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Schloss selbst kannte ich zunächst nur aus Erzählungen meiner Großeltern und von alten Bildern. Eines davon war allerdings gar nicht so alt: Mein Onkel Otto Elsner hatte Schloss Buddenburg 1992 gemalt – vierzehn Jahre nach seinem Abriss. Ob ihm dabei eine historische Fotografie oder eine alte Postkarte als Vorlage diente, weiß ich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Bild hing lange im Gästezimmer von Oma und Opa  Heute hängt es bei mir:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="715" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/schloss_buddenburg_otto_elsner-1024x715.jpg" alt="" class="wp-image-2195" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/schloss_buddenburg_otto_elsner-1024x715.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/schloss_buddenburg_otto_elsner-300x210.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/schloss_buddenburg_otto_elsner-768x537.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/schloss_buddenburg_otto_elsner-1536x1073.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/schloss_buddenburg_otto_elsner.jpg 1546w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich 1983 auf die Welt kam, war Schloss Buddenburg nämlich bereits verschwunden. Einige Jahre zuvor war das baufällige Gebäude abgerissen worden. Und in meiner Kindheit erinnerte vor Ort (im Gegensatz zu heute) kaum noch etwas daran: Keine Ligusterhecke zeichnete den Grundriss nach, keine Informationstafeln erzählten die Geschichte. Was vom Schlosspark übrig geblieben war, hatte sich die Natur längst zurückgeholt&#8230;</p>



<div style="height:19px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Burg an einer alten Grenze</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die alte Buddenburg lag am Nordufer in einer Lippeschleife, westlich von Lünen, im heutigen Stadtteil Lippholthausen. Im Mittelalter war dies eine politisch und territorial unruhige Gegend, um die sich <a href="https://andre-walter.de/1601-scharmuetzel-um-schanze-ferige-brambauer/" data-type="post" data-id="851">hin und wieder gestritten wurde</a>. Hier lagen die Grafschaften Mark und Dortmund, das kurkölnische Vest Recklinghausen und das Fürstbistum Münster dicht beieinander. Die Lippe war nicht nur ein Fluss, sondern über weite Strecken auch Grenze, Verkehrsweg und Hindernis. Schon <a href="https://andre-walter.de/von-roemern-und-huenen-der-heikenberg-in-alstedde/" data-type="post" data-id="935">die alten Römer nutzten den Fluss und waren am benachbarten Heikenberg kurzzeitig</a> anwesend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Name Buddenburg soll auf die Brüder Gottschalk und Gottfried Budde zurückgehen. Sie hatten gegen Ende des 13. Jahrhunderts nahe der Lippe ein festes Haus errichtet. Lange Bestand hatte diese erste Burg nicht: Im Jahr 1293 mussten die Brüder sie auf Anordnung der beteiligten Landesherren wieder abbrechen. Der Bau war offenbar ohne deren Zustimmung entstanden. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass an dieser Stelle keine neue Burg errichtet werden dürfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Urkunde dazu taucht allerdings die Buddenburg namentlich als solche nicht auf. Vielmehr ist ist von einer »Burg in Lippholthausen die Rede, die Gottfried Budde und sein gleichnamiger Sohn errichtet hatten«. Graf Eberhard von der Mark verpflichtete sich gegenüber dem Kölner Erzbischof, die Befestigung wieder abbrechen zu lassen und dafür zu sorgen, dass sie nicht erneut errichtet wurde.«</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="816" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/abbruch_Buddenburg_1293-1024x816.jpg" alt="" class="wp-image-2456" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/abbruch_Buddenburg_1293-1024x816.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/abbruch_Buddenburg_1293-300x239.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/abbruch_Buddenburg_1293-768x612.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/abbruch_Buddenburg_1293.jpg 1356w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">1293 amtlich besiegelt: Die Befestigung der Brüder Budde in Lippholthausen muss abgebrochen werden. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Doch bereits 1330 wird erneut eine Buddenburg erwähnt. Ob dieser zweite Bau tatsächlich genau dort stand, wo zuvor die Burg der Brüder Budde gelegen hatte, weiß ich nicht genau. Mit der zweiten Buddenburg ist jedenfalls erstmals die Familie Frydag verbunden. In den Quellen erscheint ein Herr Evert Frydag, der sich später auch Evert Frydag von Buddenburg nannte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1349 erklärte Evert Frydag die Burg gegenüber Dortmund zum Offenhaus, sprich: Grafen und die Reichsstadt durften die Anlage im Kriegsfall als Stützpunkt nutzen. Rund achtzig Jahre später änderten sich die Bündnisse: 1432 stellte Johann Frydag die Buddenburg dem Grafen Gerhard von der Mark als Offenhaus zur Verfügung. Im 16. Jahrhundert gehörten die Buddenburg und ihr Umland schließlich selbst zur Grafschaft Mark. Aus dem Besitz entwickelte sich die »Herrlichkeit Buddenburg«, ein kleiner Gerichts- und Verwaltungsbezirk. Der jeweilige Herr von Frydag verfügte dort über die niedere Gerichtsbarkeit und ließ sich durch einen eigenen Richter vertreten. Für größere Rechtsangelegenheiten war der Magistrat der Stadt Lünen zuständig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übrigens, falls Sie, wie ich, über das Wort »Herrlichkeit« gestolpert sind: das meint weniger einen besonders schönen, herrlichen Landstrich, sondern ein schlicht einen räumlich begrenzter Herrschaftsbereich mit eigenen Rechten. Die Buddenburg war zugleich Mittelpunkt eines kleinen Herrschafts- und Gerichtsbezirks, zu dem Höfe, Abgaben und bestimmte Rechte gehörten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Familie von Frydag blieb ungefähr sechs Jahrhunderte mit der Buddenburg verbunden. Sie gehörte zu den alten westfälischen Adelsfamilien. Ihre Beziehungen reichten nach Dortmund, Lünen und in weitere Teile Westfalens. Kirchlich gehörte die Familie zur Gemeinde Brechten, besaß aber auch einen eigenen Sitz und eine Begräbnisstätte in der Lüner Stadtkirche St. Georg.</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-2 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="295" height="330" data-id="2424" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg_Mulher.png" alt="" class="wp-image-2424" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg_Mulher.png 295w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg_Mulher-268x300.png 268w" sizes="auto, (max-width: 295px) 100vw, 295px" /><figcaption class="wp-element-caption">Karte von  1613</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="597" data-id="2423" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg_Situationsplan-1024x597.png" alt="" class="wp-image-2423" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg_Situationsplan-1024x597.png 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg_Situationsplan-300x175.png 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg_Situationsplan-768x448.png 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg_Situationsplan.png 1204w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Lippe: Situations Plan des Lippe Flusses, anfangend von oberhalb Buddenburg bis zum Hause Horst | Digitalisierung: Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen | Datenpartner: Landesarchiv Nordrhein-Westfalen. Abteilung Westfalen | Lizenz: <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/</a> | URL: <a href="https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/XVWOXOTOGBZDOBFNNDQMVOU65VCUDM2U">https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/XVWOXOTOGBZDOBFNNDQMVOU65VCUDM2U</a></figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/W_Karten_A-06959_r_vlnr_01-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="807" height="1024" data-id="2192" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/W_Karten_A-06959_r_vlnr_01-807x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2192" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/W_Karten_A-06959_r_vlnr_01-807x1024.jpg 807w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/W_Karten_A-06959_r_vlnr_01-237x300.jpg 237w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/W_Karten_A-06959_r_vlnr_01-768x974.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/W_Karten_A-06959_r_vlnr_01-1211x1536.jpg 1211w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/W_Karten_A-06959_r_vlnr_01-1615x2048.jpg 1615w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/W_Karten_A-06959_r_vlnr_01-scaled.jpg 2019w" sizes="auto, (max-width: 807px) 100vw, 807px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Quelle: <a href="https://www.archive.nrw.de/archivsuche?link=VERZEICHUNGSEINHEIT-Vz_cc5bd77b-c388-4821-93a0-64f32965f07b">Archive.nrw</a>: <em>Buddenburg (Lünen) Lageplan des Gerichts und Guts Buddenburg mit Dorf Lippholthausen 1803 60 Ruten = 11,2 cm 91 x 133 kol. Zeichnung Henrich Wilhelm Buchholtz KSA Nr. 235</em></figcaption></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Von den älteren Gebäuden der Buddenburg ist nur wenig bekannt. Einen Eindruck vermittelt ein Plan, der dem Landvermesser Detmar Mülher aus dem Jahr 1613 zugeschrieben wird. Darauf ist die Anlage von Wasser umgeben. Der Zugang erfolgte von Süden über eine Zugbrücke. Hinter der Brücke lag ein Torhaus. Das eigentliche Herrenhaus besaß einen hohen Giebel; daneben standen weitere Gebäude, die vermutlich wirtschaftlichen Zwecken dienten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Lippe umfloss das Gelände ursprünglich in einem weiten Bogen. Nach Norden wurde die Burg durch eine Landwehr geschützt. Vermutlich handelte es sich also um Erdwälle, Gräben und dichten Bewuchs (oft mit vielen Dornen). Das ist natürlich kein Vergleich zu einer gemauerten Festungsmauer, erschwerte und verlangsamte aber dennoch das unbemerkte Durchqueren des Geländes. (Spuren von solchen Landwehren kann man heute übrigens noch in Brambauer am Ententeich erkennen, anderswo zumindest im Straßennamen »Landwehr« in Alstedde). </p>



<p class="wp-block-paragraph">Später kam ein künstlich angelegter Wassergraben hinzu. Hintergrund waren offenbar wiederholte Truppendurchzüge während des Spanisch-Niederländischen Krieges. Zwischen 1584 und 1600 überquerten Soldaten mehrfach in der Nähe der Buddenburg die Lippe. Der zusätzliche Graben sollte die ungeschützte Nordseite der Anlage sichern. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Aus der alten Burg wird ein Schloss</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Mitte des 19. Jahrhunderts genügte die alte Anlage wohl nicht mehr den Ansprüchen ihrer Bewohner. Sie wurde 1845 abgebrochen. In unmittelbarer Nähe entstand 1846 ein repräsentativer Neubau im klassizistischen Stil. Die Bauleitung übernahm Ferdinand Zangerl aus Bork. Als architektonisches Vorbild soll Schloss Tegel bei Berlin gedient haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Neubau ist das Schloss, das auf den bekannten Fotografien und Postkarten zu sehen ist. Es gab ein zweigeschossiges Hauptgebäude mit einem rechteckigen Grundriss. An den Ecken befanden sich vier kleine Türme. Der mittlere Teil der Fassade mit dem Eingang war vorgezogen und wurde von einem Giebel mit den Wappen der Familien von Frydag und von Romberg bekrönt. Eine breite Freitreppe führte zum Eingang. An der Rückseite erhob sich ein runder Turm.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;galleryId&quot;:&quot;6ac21cbf9e7c0&quot;}" data-wp-interactive="core/gallery" class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--20);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)">
<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbf9ec57&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbf9ec57" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="986" height="616" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2198" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bild45.jpg" alt="" class="wp-image-2198" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bild45.jpg 986w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bild45-300x187.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bild45-768x480.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 986px) 100vw, 986px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbf9f1e6&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbf9f1e6" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="808" height="552" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2197" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bild46.jpg" alt="" class="wp-image-2197" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bild46.jpg 808w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bild46-300x205.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bild46-768x525.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 808px) 100vw, 808px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>
<figcaption class="blocks-gallery-caption wp-element-caption">Von Friedhelm Eschner kolorierte Fotos des Schlosses</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/KP0590-Schloss-Buddenburg-Schlossgebaeude-1914.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="626" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/KP0590-Schloss-Buddenburg-Schlossgebaeude-1914-1024x626.jpg" alt="" class="wp-image-2455" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/KP0590-Schloss-Buddenburg-Schlossgebaeude-1914-1024x626.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/KP0590-Schloss-Buddenburg-Schlossgebaeude-1914-300x183.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/KP0590-Schloss-Buddenburg-Schlossgebaeude-1914-768x469.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/KP0590-Schloss-Buddenburg-Schlossgebaeude-1914-1536x938.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/KP0590-Schloss-Buddenburg-Schlossgebaeude-1914-2048x1251.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Grundriss des Schlosses, aufgenommen 1914. (Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Vor dem Hauptgebäude standen zwei kleinere, ebenfalls zweigeschossige Pavillons. In ihren Erdgeschossen befanden sich eine Wagenremise und ein Pferdestall. Die oberen Stockwerke enthielten Wohnungen für den Förster und den Kutscher.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/803Schloss-BuddenburgGiebelum1960.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="642" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/803Schloss-BuddenburgGiebelum1960-1024x642.jpg" alt="" class="wp-image-2429" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/803Schloss-BuddenburgGiebelum1960-1024x642.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/803Schloss-BuddenburgGiebelum1960-300x188.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/803Schloss-BuddenburgGiebelum1960-768x481.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/803Schloss-BuddenburgGiebelum1960.jpg 1334w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Das Wappen der Familie Frydag über dem Portal, aufgenommen 1960, Unbekannter Fotograf (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der umgebende Park war im englischen Stil gestaltet: mit geschwungenen Wegen, Baumgruppen, offenen Wiesen und wechselnden Blickachsen sollte es natürlich, organisch wirken. Also ein deutlicher Kontrast zu den streng geometrischen Parks des Barock, wie etwa am Schloss Nordkirchen. Manche der alten Wege sind übrigens bis heute erkennbar und gangbar. Vielleicht bin ich als Kind also über Wege gelaufen, die schon die Bewohner und Bediensteten des Schlosses benutzt hatten?  Damals habe ich darüber nicht nachgedacht.</p>



<div style="height:49px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Das Ende der Familie von Frydag</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1902 starb Udo von Frydag, der letzte männliche Vertreter der Buddenburger Familienlinie. Er blieb kinderlos. Der Besitz fiel daraufhin an seinen Neffen Udo von Rüxleben, der wiederum 1908 starb.  </p>



<h3 class="wp-block-heading">Mord auf Schloss Buddenburg</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tod von Udo von Rüxleben klingt  zunächst wie ein normaler Eintrag in einer Chronik. Allerdings verbirgt sich dahinter eine Geschichte, über die in den Zeitungen des ganzen Deutschen Reiches berichtet wurde: In der Nacht vom 1. auf den 2. Mai 1908 wurde der 35-jährige Schlossherr nämlich von seiner eigenen Frau Wanda erschossen. Sie richtete die Waffe anschließend gegen sich selbst und starb wenig später ebenfalls an ihren Verletzungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Udo und Wanda von Rüxleben waren zu diesem Zeitpunkt erst wenige Monate verheiratet. Die Hochzeit hatte im November 1907 in Berlin stattgefunden. Wanda, eine geborene von Strombeck, war 26 Jahre alt. Was sich in jener Nacht genau zwischen den beiden abgespielt hat, lässt sich -zumindest für mich- nicht vollständig rekonstruieren. Dass Wanda auf ihren Mann schoss, ist ohne Zweifel. Bei den Gründen dafür wird es dagegen kompliziert&#8230;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="591" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/640-Wanda-u.-Udo-v.-Ruexleben-um-1905-Foto-Luener-Zeitung-1024x591.jpg" alt="" class="wp-image-2390" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/640-Wanda-u.-Udo-v.-Ruexleben-um-1905-Foto-Luener-Zeitung-1024x591.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/640-Wanda-u.-Udo-v.-Ruexleben-um-1905-Foto-Luener-Zeitung-300x173.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/640-Wanda-u.-Udo-v.-Ruexleben-um-1905-Foto-Luener-Zeitung-768x444.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/640-Wanda-u.-Udo-v.-Ruexleben-um-1905-Foto-Luener-Zeitung-1536x887.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/640-Wanda-u.-Udo-v.-Ruexleben-um-1905-Foto-Luener-Zeitung.jpg 1870w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Illustration von Wanda und Udo von Rünxleben (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht hilft da zunächst ein bisschen geografischer Abstand. So beschreibt eine Meldung der Bergedorfer Zeitung (Hamburg!) vom 5. Mai 1908, Udo von Rüxleben habe am Abend einen Freund, den Freiherrn von Romberg auf Schloss Buldern, besucht und sei gegen ein Uhr nachts nach Buddenburg zurückgekehrt. Nach einem kurzen Wortwechsel zwischen den Eheleuten habe Wanda mit einem Revolver viermal auf ihren Mann geschossen. Die Kugeln trafen ihn nach dieser Darstellung in Kopf und Brust; er starb noch am Tatort. Anschließend schoss Wanda zweimal auf sich selbst. Auch das Hauspersonal, das durch die Schüsse geweckt worden sein soll, findet sich bereits in diesen frühen Berichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im selben Artikel heißt es zunächst noch, das Motiv sei nicht festgestellt worden, weil Wanda nicht vernehmungsfähig gewesen sei. Nur wenige Absätze später wird dagegen bereits eine beinahe lückenlose Erklärung geliefert: Wanda sei krankhaft eifersüchtig gewesen, habe ihrem Mann eine Geliebte unterstellt und die Tat schon länger geplant. Sie soll die Türen im Wohnbereich verschlossen und mit dem geladenen Revolver auf seine Rückkehr gewartet haben. Die Zeitung behauptete sogar ausdrücklich, Udo habe in Wirklichkeit überhaupt keine Geliebte gehabt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Zeitungen berichteten wenige Tage später jedoch genau das Gegenteil. Im Merseburger Korrespondenten hieß es am 8. Mai, Wandas Eifersucht sei »nicht ganz unbegründet« gewesen. Was damit konkret gemeint war und worauf diese Einschätzung beruhte, wird allerdings nicht erklärt. Und so ist es, wie es immer ist: die einen schreiben so, die anderen so, dabei war keiner. In der einen Zeitung war Udo der gesellige, aber treue Ehemann und Wanda eine maßlos eifersüchtige Frau; in der anderen hatte ihre Eifersucht zumindest einen Anlass. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere Einzelheiten passen nicht immer zusammen. Selbst die Bergedorfer Zeitung widerspricht sich innerhalb ihres Berichts beim Zeitpunkt von Wandas Tod. Einmal heißt es, sie sei bereits in der Nacht zum Sonntag gestorben, später ist davon die Rede, sie sei ihren Verletzungen erst nach 48 Stunden erlegen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Geschichte betrifft Udo von Rüxlebens Testament. Zeitgenössische Berichte behaupteten, er habe kurz vor seinem Tod ein neues Testament verfasst und darin seinen Bruder zum Erben eingesetzt. Einige Zeitungen deuteten dies sogar als eine Art Todesahnung. Spätere Meldungen versuchten wiederum, diese angebliche Vorahnung durch einen heftigen Ehestreit kurz vor der Tat zu erklären. Ob Wanda von dem Testament wusste und ob es für die Auseinandersetzung überhaupt eine Rolle spielte, kann ich bislang nicht sicher feststellen. Sicher ist dagegen, dass nach Udos Tod tatsächlich sein Bruder Otto von Rüxleben den Besitz übernahm. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Fragen bleiben mir, aber so ging es wohl bisher allen, die sich mit diesem Mordfall beschäftigten. Besonders ausführlich hat ihn die Lüner Autorin Sabine Grimm untersucht. Ihr Buch »Der Buddenburg-Mord« erschien erstmals 2010 und wurde 2014 nochmal überarbeitet. Denn erst nach der Buchveröffentlichung erhielt sie nach eigenen Angaben von einer Nachfahrin der Familie des Ermordeten eine Familienchronik, die weitere Einzelheiten enthielt. Grimm sammelte außerdem zeitgenössische Berichte und Überlieferungen und versuchte daraus die Geschichte des Ehepaares zu rekonstruieren. Ihr Buch verwendet allerdings selbst die Bezeichnung »Doppelmord«. Genau genommen handelt es sich nach der bekannten Abfolge eher um einen Mord mit anschließendem Suizid: Wanda erschoss ihren Mann und verletzte danach sich selbst tödlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 2026 nahm Sylvia vom Hofe von den Ruhr Nachrichten (<a href="https://www.ruhrnachrichten.de/luenen/ehedrama-wanda-von-ruexleben-mord-schloss-buddenburg-1908-liebe-tragoedie-w1175363-2002023486/">Artikel hinter Bezahlschranke</a>) den Fall noch einmal auf. Auch sie arbeitete mit den Zeitungsberichten von 1908 und ging unter anderem der Tatwaffe, Aussagen aus dem Umfeld, dem Testament, der Beerdigung und Wandas früher veröffentlichten Gedichten nach. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Daneben taucht die Geschichte in älteren Darstellungen zur Buddenburg auf. Fredy Niklowitz (Lünens Stadtarchivar i.R.) behandelte das Haus bereits 2000 in der vom Museum und Stadtarchiv Lünen herausgegebenen Schrift Haus Buddenburg. Seine Arbeit gehört zu den wichtigen Grundlagen für die allgemeine Geschichte des Schlosses; eine eigenständige Untersuchung des Mordfalls wie bei Grimm ist sie jedoch nicht. Noch ältere Literatur zur Buddenburg reicht bis zu Karl-Heinz Ludwigs Manuskript von 1948 und August Meininghaus&#8216; Untersuchung zur ältesten Geschichte der Burg von 1917 zurück. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wer auch immer schon darüber geschrieben hat, der Kern dieser Geschichte bleibt ohne Zweifel:  Am frühen Morgen des 2. Mai 1908 erschoss Wanda von Rüxleben ihren Mann Udo auf Schloss Buddenburg und fügte sich anschließend selbst tödliche Verletzungen zu. Die Frage nach dem Warum bleibt spekulativ. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Udo von Rüxleben wurde in der Familiengruft auf Buddenburg beigesetzt. Wanda soll sich gewünscht haben, ebenfalls dort bestattet zu werden. Die Familie lehnte dies nach einem Zeitungsbericht jedoch ab; ihr Leichnam wurde nach Berlin überführt. Wo genau die Familiengruft auf dem Gelände war, konnte ich allerdings nicht herausfinden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Schloss wird weltlich</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Udos Tod erbte sein Bruder Otto von Rüxleben das Anwesen. Wie es die ersten Jahre danach weiterging, darüber ist nichts überliefert, zumindest nicht bis 1913: in dem Jahr verkaufte Otto einen großen Teil des Besitzes an die Stadt Lünen. Damit endete nach ungefähr sechs Jahrhunderten die unmittelbare Verbindung der Familie von Frydag mit der Buddenburg.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das alte Schlossarchiv</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Stadt Lünen 1913 Buddenburg erwarb, sollte auch das alte Hausarchiv in ihren Besitz übergehen. Doch trotz einer entsprechenden Absprache mit Otto wurden die Unterlagen nicht übergeben. Jahrelange Bemühungen des Historikers Josef Lappe blieben zunächst erfolglos. Offenbar hatte von Rüxleben zumindest einen Teil der Urkunden an den Lüner Althändler Sally Bendix verkauft. 1926 bot dessen Sohn die Stücke verschiedenen Städten zum Kauf an. Auf Lappes dringenden Rat konnte Lünen schließlich 67 Urkunden für jeweils zehn Reichsmark zurückkaufen. Weitere Dokumente tauchten erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf. Andere Teile des einst umfangreichen Buddenburger Archivs gelangten an andere Orte oder blieben verloren; darunter vor allem jene Akten über den Schlossneubau von 1846/47. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Ausflugsziel Buddenburg</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Schloss selbst soll nach dem Verkauf an die Stadt Lünen einem Dortmunder Bürger als Sommersitz gedient haben, jedoch konnte ich dazu nichts Genaueres finden. 1919 gab es Pläne, ein Hotel oder Kurhaus im Schloss einzurichten. Aus heutiger Sicht mag das auf den ersten Gedanken völlig abwegig klingen, aber Lippholthausen war damals noch nicht von Industrie geprägt. Es gab kein Lippewerk und kein Kohlekraftwerk. Im Gegenteil: vor allem die nahe gelegene Quelle (der »Lüner Brunnen«) lockten immer noch Ausflügler an, wenngleich an die Wirkung eines Jungbrunnen zu der Zeit niemand mehr glaubte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf einem Luftbild von 1926 erkennt man gut das Schloss, besonders aber auch die auf dem anderen Ufer liegenden Wirtschaftsgebäude. Felder und Bäume drumherum, aber keine Industrie. Was mir noch auf diesem Luftbild auffällt: Es gibt gar keine Brücke?!</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_1920er-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-2222" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_1920er-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_1920er-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_1920er-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_1920er-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_1920er.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">RVR, 1926, <a href="http://www.govdata.de/dl-de/by-2-0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0&nbsp;</a></figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="820" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/651-Schloss-Buddenburg-von-Sueden-1922--1024x820.jpg" alt="" class="wp-image-2393" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/651-Schloss-Buddenburg-von-Sueden-1922--1024x820.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/651-Schloss-Buddenburg-von-Sueden-1922--300x240.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/651-Schloss-Buddenburg-von-Sueden-1922--768x615.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/651-Schloss-Buddenburg-von-Sueden-1922-.jpg 1349w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Paar (?) ließ sich 1922 vor dem Schloss fotografieren. Wer die Personen oder der Fotograf sind, ist nicht bekannt. (Quelle: Stadtarchiv Lünen). Die Schuhe der Dame sind auch interessant&#8230;</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wie auch immer: Hotel oder Kurhaus wurden damals nicht verwirklicht. Das Gebäude stand anschließend längere Zeit wohl weitgehend leer und blieb im Besitz der Stadt Lünen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ein bisschen Ausflugsziel wurde das Schloss dennoch. 1926 kaufte der Essener Drogist August Krüger zwei motorisierte Ausflugsboote. Sie erhielten die Namen »Tante Martha« und »Lünen« und ankerten »Im Hagen«, gegenüber der damaligen Metallwarenfabrik Quitmann (wo heute das Lippezentrum steht, also noch vor der Brücke der Fußgängerzone). Der Name »Tante Martha« soll auf Krügers Ehefrau Martha zurückgehen, die nach einer im Stadtarchiv überlieferten Erinnerung besonders bei Kindern beliebt war. Von dort fuhren die Boote die Lippe hinab nach Lippholthausen und zur Buddenburg. Sonntags verkehrten sie im Halbstundentakt, bei gutem Wetter zusätzlich am Mittwochnachmittag. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="986" height="588" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bild47.jpg" alt="" class="wp-image-2196" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bild47.jpg 986w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bild47-300x179.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bild47-768x458.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 986px) 100vw, 986px" /><figcaption class="wp-element-caption">Koloration von Friedhelm Eschner</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zehn Jahre dauerte dieser Ausflugsverkehr. Für viele Familien war dies ein beliebter Tagesausflug. Bootsfahrt, Schloss, anschließend am Lüner Brunnen oder einer anderen Gaststätte einkehren. Erst Ende 1936 war damit Schluss: Im Zuge der Eindeichung und Umgestaltung der Lippe (hier inbs. die Errichtung des Wehrs) wurde die Schifffahrt eingestellt, »Tante Martha« und »Lünen« kamen anschließend auf den Sorpesee.</p>



<div style="height:49px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Schloss Buddenburg im Nationalsozialismus</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und noch etwas änderte sich schon 1934: Die Stadt Lünen verpachtete die Buddenburg ab dem 10. Januar 1934 an den »Freiwilligen Arbeitsdienst« (FAD), dem Vorläufer des später eingerichteten Reichsarbeitsdienstes (RAD). Laut zeitgenössischen Berichten richtete der FAD eine Bezirksarbeitsdienstführerschule ein. Hinter dem sperrigen Wort verbirgt sich, dass hier nicht nur ein Arbeiterlager war, sondern vielmehr Führungskräfte für den Arbeitsdienst ausgebildet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu wurden auf dem gegenüberliegenden Flussufer der Lippe, neben den Wirtschaftsgebäuden, Baracken und Lager errichtet. Für den Bau wurde auch eigens eine Schmalspur-Feldbahn zum Transport der Baumaterialien installiert. Es folgte ebenso ein Schießstand an der Moltkestraße. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="678" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Schmalspurbahn_Buddenburg-1024x678.jpg" alt="" class="wp-image-2468" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Schmalspurbahn_Buddenburg-1024x678.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Schmalspurbahn_Buddenburg-300x199.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Schmalspurbahn_Buddenburg-768x508.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Schmalspurbahn_Buddenburg.jpg 1080w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bau der Feldbahn, aufgenommen vom Justus Pabst (Quelle: Stadtarchiv Lünen). Der genaue Aufnahmestandort ist unbekannt, ich frage mich aber, was für eine Erhebung rechts im Hintergrund sein könnte oder ob es sich doch nur um Wald in der Ferne handelt?</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image alignwide size-full"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/736-Schloss-Buddenburg-FAD-Lager1934-Pabst-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="659" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/736-Schloss-Buddenburg-FAD-Lager1934-Pabst-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-2402" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/736-Schloss-Buddenburg-FAD-Lager1934-Pabst-scaled.jpg 2560w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/736-Schloss-Buddenburg-FAD-Lager1934-Pabst-300x77.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/736-Schloss-Buddenburg-FAD-Lager1934-Pabst-1024x264.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/736-Schloss-Buddenburg-FAD-Lager1934-Pabst-768x198.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/736-Schloss-Buddenburg-FAD-Lager1934-Pabst-1536x396.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/736-Schloss-Buddenburg-FAD-Lager1934-Pabst-2048x528.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Unterkünfte des Reichsarbeitsdienstes, aufgenommen von Justus Pabst 1938 (Quelle: Stadtarchiv Lünen). Das Schloss befand sich hinter Pabsts Aufnahmestandort. </figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="678" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/casinoBuddenburg-1024x678.jpg" alt="" class="wp-image-2465" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/casinoBuddenburg-1024x678.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/casinoBuddenburg-300x199.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/casinoBuddenburg-768x508.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/casinoBuddenburg.jpg 1080w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Kameradschaftsheim, vermutlich vormals die Orangerie des Schlosses. Genauer Standort und Fotograf unbekannt. (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_50er.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1920" height="1080" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_50er.jpg" alt="" class="wp-image-2221" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_50er.jpg 1920w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_50er-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_50er-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_50er-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_50er-1536x864.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Erweiterungen durch den FAD/RAD.<br>Luftbild: RVR, 1952, <a href="http://www.govdata.de/dl-de/by-2-0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0&nbsp;</a>, eigene Bearbeitung</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorplatz-Buddenburg_1930er.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1922" height="1440" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorplatz-Buddenburg_1930er.jpg" alt="" class="wp-image-2433" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorplatz-Buddenburg_1930er.jpg 1922w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorplatz-Buddenburg_1930er-300x225.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorplatz-Buddenburg_1930er-1024x767.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorplatz-Buddenburg_1930er-768x575.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Vorplatz-Buddenburg_1930er-1536x1151.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1922px) 100vw, 1922px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Vorplatz und Wirtschaftsgebäude ca. 1936 von Justus-Pabst aufgenommen. Im Hintergrund deutlich erkennbar ist die Zeche Minister Achenbach Schacht IV in Brambauer sowie (wenn man genau hinschaut) der Kirchturm der Herz-Jesu Kirche Brambauer. </figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Hitlers Besuch im Juni 1934</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Am 29. Juni 1934 bekam die Buddenburg dann prominenten Besuch: Adolf Hitler kam nach Lippholthausen, um die Führerschule und anschließend weitere Einrichtungen des Arbeitsdienstes in Westfalen zu besichtigen. Für Hitler war es, so mein Eindruck,  der erste offizielle Besuch einer solchen Einrichtung. Die Reise war auch wohl kurzfristig angesetzt worden und auch die Reisepläne danach wurden ebenso kurzfristig geändert. Zu den Gründen später mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bleiben wir zunächst bei diesem 29. Juni, einem Freitag: Schon am frühen Morgen liefen die Vorbereitungen. Gegen 7.30 Uhr wurde das Spalier des Freiwilligen Arbeitsdienstes aufgestellt. Vor dem Schloss nahmen die Lehrabteilungen sowie Ehrenformationen von SA und SS Aufstellung. Unter den anwesenden Funktionären befanden sich Arbeitsdienstführer Konstantin Hierl, die Gauleiter Josef Wagner und Alfred Meyer sowie weitere Führer von SA, SS und Arbeitsdienst. Hitler kam aus Essen. Seine Ankunft verzögerte sich zunächst und während die Männer auf der Buddenburg warteten, regnete es stark. Erst gegen zehn Uhr besserte sich das Wetter.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="643" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/670-Schloss-Buddenburg-FAD-bzw.-RA-Adolf-Hitler-1934-Foto-unbekannt-1024x643.jpg" alt="" class="wp-image-2193" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/670-Schloss-Buddenburg-FAD-bzw.-RA-Adolf-Hitler-1934-Foto-unbekannt-1024x643.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/670-Schloss-Buddenburg-FAD-bzw.-RA-Adolf-Hitler-1934-Foto-unbekannt-300x188.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/670-Schloss-Buddenburg-FAD-bzw.-RA-Adolf-Hitler-1934-Foto-unbekannt-768x483.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/670-Schloss-Buddenburg-FAD-bzw.-RA-Adolf-Hitler-1934-Foto-unbekannt-1536x965.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/670-Schloss-Buddenburg-FAD-bzw.-RA-Adolf-Hitler-1934-Foto-unbekannt.jpg 1719w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Hitler und Schloss Buddenburg, 1934, unbekannter Fotograf. (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auf einem der erhaltenen Fotos sieht man die Inszenierung dieses Besuchs besonders deutlich. Vor der großen Freitreppe stehen Uniformierte in langen Reihen, während sich auf den Stufen zahlreiche Funktionäre versammelt haben. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="687" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/665-Schloss-Buddenburg-1934-Foto-unbekannt-1024x687.jpg" alt="" class="wp-image-2399" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/665-Schloss-Buddenburg-1934-Foto-unbekannt-1024x687.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/665-Schloss-Buddenburg-1934-Foto-unbekannt-300x201.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/665-Schloss-Buddenburg-1934-Foto-unbekannt-768x516.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/665-Schloss-Buddenburg-1934-Foto-unbekannt-1536x1031.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/665-Schloss-Buddenburg-1934-Foto-unbekannt.jpg 1609w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Empfang besichtigte Hitler die Lehr- und Unterkunftsräume der Schule. Außerdem wurden ihm sportliche Übungen einer Arbeitsdienstabteilung vorgeführt. Im Mittelpunkt der Berichterstattung in den Zeitungen stand dabei auch Konstantin Hierl: Hitler lobte ihn auf der Buddenburg öffentlich für den Aufbau des nationalsozialistischen Arbeitsdienstes und kündigte seine weitere Aufwertung an. (Nur wenige Tage später, am 3. Juli 1934, wurde Hierl zum Reichskommissar für den Arbeitsdienst ernannt). Der Besuch auf der Buddenburg war damit jedenfalls mehr als ein rein lokaler Termin und stand wohl im Zusammenhang mit der politischen Aufwertung des Arbeitsdienstes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei muss man berücksichtigen, dass diese Berichte darüber natürlich Teil der nationalsozialistischen Propaganda waren. Sie schilderten begeisterte Menschen an den Straßen, die Leistungen der Arbeitsdienstmänner und Hitlers Anerkennung für deren Arbeit in entsprechend überschwänglicher Sprache. Kurios wirkte auf mich daher zunächst ein anderer Foto-Fund im Stadtarchiv Lünen: Hitler steht hier nicht vor angetretenen Formationen, sondern inmitten einer Gruppe von Männern und scheint zu scherzen. Er beugt sich im Gespräch zu einem von ihnen hinüber, während mehrere der Umstehenden lachen. Bei dem Mann dürfte es sich wohl um Konstantin Hierl handeln.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="589" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/673-Schloss-Buddenburg-1024x589.jpg" alt="" class="wp-image-2405" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/673-Schloss-Buddenburg-1024x589.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/673-Schloss-Buddenburg-300x172.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/673-Schloss-Buddenburg-768x441.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/673-Schloss-Buddenburg-1536x883.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/673-Schloss-Buddenburg.jpg 1879w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Nun noch einmal zum Datum, denn jetzt wird es interessant: Der Besuch auf der Buddenburg fand wie genannt am 29. Juni 1934 statt. Einen Tag später begann die Mordaktion gegen die SA-Führung um Ernst Röhm und weitere tatsächliche oder vermeintliche Gegner Hitlers, die von den Nationalsozialisten später als <strong>»</strong>Röhm-Putsch« bezeichnet wurde. Es scheint so, dass Hitler die Besichtigung der Buddenburg und weiterer Arbeitsdienstlager kurzfristig angesetzt hatte, ein Teil der ursprünglichen Route bis nach Xanten aber ebenso kurzfristig abgesagt wurde. Wolfgang Benz beschrieb bereits 1968 den Besuch zumindest als demonstratives Zeichen von Hitlers Interesse am Arbeitsdienst, wobei einige Quellen berichten, dass Hierl bei dem Besuch über die bevorstehende Ausschaltung der SA-Führung informiert wurde. Wann genau Hitler mit ihm darüber sprach, wird allerdings unterschiedlich dargestellt. Hierls eigene spätere Erinnerungen verlegen ein entsprechendes Gespräch nach Bad Godesberg. Das bedeutet: Es kann sein, dass Hierl bereits auf der Buddenburg über die anstehenden Morde informiert wurde, oder doch erst in Bad Godesberg. Eindeutig lässt es sich für mich nicht rekonstruieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sich aber rekonstruieren lässt, ist der ungefähre zeitliche und geografische Ablauf von Hitlers Reiseroute, bevor er in München ankam:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Reise_Hitler_Buddenburg.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="685" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Reise_Hitler_Buddenburg-1024x685.png" alt="" class="wp-image-2415" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Reise_Hitler_Buddenburg-1024x685.png 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Reise_Hitler_Buddenburg-300x201.png 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Reise_Hitler_Buddenburg-768x513.png 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Reise_Hitler_Buddenburg-1536x1027.png 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Reise_Hitler_Buddenburg.png 1774w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wie das nun alles wirklich zusammen hängt, vermag ich nicht zu beantworten. Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Buddenburg-Besuch und der am nächsten Tag stattfindenden Putsch-Inszenierung, bei der neben SA-Führern auch andere politische Gegner und missliebige Personen getötet wurden, sehe ich nicht. Aber zumindest erschien es Hitler aus irgendeinem Grund (Gespräch mit Hierl /Aufwertung FAD?) wichtig, kurzfristig auf der Buddenburg vorbeizusehen und danach die Route abzuändern, damit er rechtzeitig in München ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1935 ging der FAD schließlich im Reichsarbeitsdienst (RAD) auf. Auch die Schule auf Schloss Buddenburg bestand weiter und wurde später als Feldmeisterschule genutzt. Der Arbeitsdienst wurde dabei zunehmend militärisch geprägt. Doch noch mehr: die »Feierstunden des Deutschseins« wurden auf der Buddenburg gefeiert.</p>



<h3 class="wp-block-heading">»Deutsche Freilichtspiele« auf Schloss Buddenburg</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Nutzung der Buddenburg während der Zeit des Nationalsozialismus gehörte nämlich auch eine große Freilichtbühne. Sie befand sich unmittelbar auf der Rückseite des Schlosses (Nordseite). Auf einem Foto aus dem Stadtarchiv ist zu erkennen, dass das Gebäude selbst dabei Teil der Kulisse wurde:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/758schloss-BuddenburgFreilichtspiele-1938-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2403" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/758schloss-BuddenburgFreilichtspiele-1938-1024x1024.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/758schloss-BuddenburgFreilichtspiele-1938-300x300.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/758schloss-BuddenburgFreilichtspiele-1938-150x150.jpg 150w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/758schloss-BuddenburgFreilichtspiele-1938-768x768.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/758schloss-BuddenburgFreilichtspiele-1938.jpg 1080w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Festspiele 1939. (Foto: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Schlossfassade entstand eine aufwendige Bühnenanlage mit Mauern, Treppen und großen Wappen, die ans Mittelalter erinnert. Davor fanden mehrere hundert, vielleicht auch deutlich mehr Zuschauer Platz, überwiegend Kinder. Über das Programm habe ich bislang leider nur wenig herausfinden können, weder von wann bis wann, noch wie oft diese Spiele stattfanden. Sicher belegt ist nur eine 1939 in Lünen erschienene Schrift mit dem Titel <em>Feierstunden des Deutschseins. Freilichtspiele Schloss Buddenburg/Lünen</em>. Sie wird zumindest in der <a href="https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/urkunden_datenbank/suche/vollansicht_archiv.php?id=63">Literaturübersicht des LWL</a> zu Haus Buddenburg aufgeführt. Darüber hinaus wurden lt. Fredy Niklowitz »Hutten der Rebel«, »Egmont« und »Till Eulenspiegel« aufgeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Möglicherweise zeigt das Foto sogar tatsächlich eine Aufführung von »Hutten der Rebel«. Dabei handelte es sich um ein 1939 erschienen Schauspiel von Kurt Eggers, einem SS-Obersturmbannführer. Das Drama instrumentalisiert die historische Figur des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_von_Hutten">Reichsritters Ulrich von Hutten</a> im Sinne der NS-Ideologie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom Schlosspark zum Industriestandort </h3>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel zum Auf- bzw. Ausbau des Lagers begann in unmittelbarer Nähe des Schlossparks der Bau des Lippewerks 1937. Bauherr waren die Vereinigten Aluminium-Werke, kurz VAW. Bereits 1938 nahm das Werk die Produktion auf. Es stellte aus dem eingeführten Rohstoff Bauxit zunächst Aluminiumoxid und daraus schließlich Aluminium her. Das neue Werk gehörte zum starken Ausbau der deutschen Aluminiumproduktion in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg. Aluminium war besonders wichtig für den Bau von (Kampf-)Flugzeugen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo zuvor der Schlosspark in die Lippeaue überging, entstanden nun Werkhallen, Gleise, technische Anlagen und ein Kohlekraftwerk mit Lippe-Wehr. Hier im Schloss also die Kaderschmiede für den NS-Arbeitsdienst, und nebenan auf dem Lippewerk Aluminiumproduktion für die Aufrüstung bzw. Kriegsvorbereitung. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Die letzten Kriegsjahre</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Kriegsjahren wurde aus der Feldschule ein Wehrertüchtigungslager. Den Krieg selbst überstand die Buddenburg scheinbar unbeschadet, trotz umfangreicher Bombenabwürfe auf das Lüner Stadtgebiet und hier besonders das Lippewerk und die nicht weit entfernte Zeche Minister Achenbach. Etwa einen Kilometer nördlich stand eine Flakstellung und ca. anderthalb Kilometer südlich eine zweite Flakstellung; an der Moltkestraße befanden sich Flakscheinwerfer. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den Kriegsluftbildern der Alliierten (die nach den Bombenabwürfen aufgenommen wurden und die ich aus urheberrechtlichen Gründen hier leider nicht zeigen kann) scheint das Schloss selbst nicht getroffen zu sein. Die Baracken des RAD haben ein oder zwei Treffer abbekommen, einige Meter daneben sieht man deutlich eine Spur von 12 Bombenkratern eines Flugzeuges, die ihr Ziel verfehlt haben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurzer Einschub an dieser Stelle: Interessant ist in dem Zusammenhang für mich persönlich, dass auch einige Blindgänger im Boden lagen. Denn 2005 hatte ich im Rahmen meiner Ausbildung bei der Stadtverwaltung Lünen die Gelegenheit, bei einer solchen Blindgänger-Entschärfung dabei zu sein. Die Bombe lag ca. 300 Meter südwestlich von Schloss Buddenburg und musste für den Bau des Biomassekraftwerkes (BMK) entschärft werden. Aufgrund meiner Ortskenntnis war ich für die Sicherung zweier Wege am Rande des Schlossparks zuständig. Am Ende ging alles gut und es war absolut spannend. Es war nur Schweinekalt an diesem verschneiten Wintertag im Schlosspark, sich die Beine in den Bauch zu stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück zu den letzten Kriegstagen: Beim benachbarten Lippewerk wurden während des Krieges ausländische Arbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt. Für 1944 ist dort ein eigenes Kriegsgefangenenlager nachgewiesen. In Unterlagen des Stadtarchivs Lünen aus dem Jahr 1945 tauchen außerdem ein »Russenlager« am Lippewerk sowie Plünderungen beim Schloss Buddenburg auf. Ob sich das Gefangenenlager unmittelbar auf dem Schlossgelände befand, geht daraus nicht hervor.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Von der Feldschule zur Kunstschule</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Kriegsende bekam das Schloss zunächst eine ganz andere Aufgabe. Zeitweise wurden dort Vertriebene und Wohnungslose untergebracht; außerdem wird eine Schule für Spätaussiedler genannt. Aus der ehemaligen Führerschule des Arbeitsdienstes war damit zunächst eine Notunterkunft geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon bald zog jedoch wieder eine Schule in die alten Räume ein – diesmal eine völlig andere. Die Dortmunder »Meisterschule des Deutschen Handwerks«, aus der später die Werkkunstschule Dortmund hervorging, musste nach der Zerstörung ihres Dortmunder Gebäudes einen neuen Standort finden. Von 1946 an wurde Schloss Buddenburg für rund zehn Jahre zu ihrem Ausweichquartier. Die Quellen nennen für den Aufenthalt meist die Jahre 1946 bis 1955; andere Darstellungen reichen bis 1956.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="753" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/802Schloss-Buddenburg-Innen1961-1024x753.jpg" alt="" class="wp-image-2419" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/802Schloss-Buddenburg-Innen1961-1024x753.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/802Schloss-Buddenburg-Innen1961-300x221.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/802Schloss-Buddenburg-Innen1961-768x565.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/802Schloss-Buddenburg-Innen1961.jpg 1468w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schloss Buddenburg Innen im Jahr 1961. Unbekannter Fotograf. Quelle: Stadtarchiv Lünen</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Unterrichtet wurden unter anderem Malerei, Grafik, Bildhauerei, Textilgestaltung sowie Bau und Raum. Zu den Lehrern gehörten später bekannte Künstler wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Deppe">Gustav Deppe</a> und der Bildhauer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karel_Niestrath">Karel Niestrath</a> (bekannt u.a. durch das Mahnmal Bitterfeld in Dortmund). Niestraths eigene Arbeiten waren während des Nationalsozialismus als »entartete Kunst« verfolgt und aus Museen entfernt worden. Das ist schon ein bemerkenswerter Wechsel: Wo zuvor also Arbeitsdienstführer ausgebildet und Jugendliche militärisch vorbereitet worden waren, saßen nun junge Künstler in den Räumen und arbeiteten an Gemälden, Grafiken und Skulpturen, die zuvor verabscheut wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch einige der Schüler blieben später mit Lünen verbunden. Der Bildhauer Anselm Treese studierte von 1953 bis 1956 auf der Buddenburg bei Karel Niestrath. Nach dem Ende seiner Ausbildung blieb er in Lünen und schuf hier zahlreiche Arbeiten für den öffentlichen Raum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mitte der 1950er Jahre kehrte die Schule schließlich nach Dortmund zurück. Damit endete auch diese ungewöhnliche Phase der Buddenburg. Von 1958 bis 1965 nutzte eine Förderschule für Spätaussiedler das Gebäude. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="688" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/829Schloss-Buddenburg-1975-1024x688.jpg" alt="" class="wp-image-2417" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/829Schloss-Buddenburg-1975-1024x688.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/829Schloss-Buddenburg-1975-300x202.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/829Schloss-Buddenburg-1975-768x516.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/829Schloss-Buddenburg-1975-1536x1032.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/829Schloss-Buddenburg-1975.jpg 1607w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schloss Buddenburg auf einem Luftbild von 1975. Verfasser unbekannt. Quelle: Stadtarchiv Lünen<br>Die Wirtschaftsgebäude und alles andere auf dem gegenüberliegenden Lippeufer sind bereits abgerissen. Oben links am Rand die Heinrich-Imbusch-Straße, wo ich als Kind gewohnt habe.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">1969 erwarben die Vereinigten Aluminium-Werke das Schloss und die zugehörigen Ländereien. Das nahe Lippewerk hatte die Umgebung bereits stark verändert. Teile des Schlosses wurden zunächst als Wohnungen für ausländische Arbeiter genutzt. Gleichzeitig verschlechterte sich der bauliche Zustand zunehmend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im November 1977 wurden schließlich das Hauptgebäude und die beiden Seitenpavillons abgerissen. Die südlich der Lippe gelegenen Wirtschaftsgebäude waren bereits in den 1960er-Jahren verschwunden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="661" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1920px-HausBuddenburg19771110_a-1024x661.jpeg" alt="" class="wp-image-2202" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1920px-HausBuddenburg19771110_a-1024x661.jpeg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1920px-HausBuddenburg19771110_a-300x194.jpeg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1920px-HausBuddenburg19771110_a-768x496.jpeg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1920px-HausBuddenburg19771110_a-1536x992.jpeg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1920px-HausBuddenburg19771110_a.jpeg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Von Ulrich Grepel &#8211; Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1134381">https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1134381</a></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Buddenburg hatte bis zum Abriss also innerhalb weniger Jahrzehnte völlig unterschiedliche Bewohner erlebt: eine Adelsfamilie, Schüler des Arbeitsdienstes, Jugendliche in militärischer Ausbildung, Flüchtlinge, Kunststudierende und Spätaussiedler. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann kommt 1966 noch eine Rockband hinzu: Die Lünener »Boy Scouts« nutzen das Schloss als Kulisse für ihre Bandfotos. Die Gruppe war im selben Jahr aus Mitgliedern der Pfadfindergruppe »Stamm Goldener Löwe« des Bundes Deutscher Pfadfinder entstanden. Mit Gitarren, Schlagzeug, Verstärker und einem Renault posierten die jungen Musiker vor dem Schloss. (<a href="https://www.flickr.com/photos/29408432@N02/albums/72157619365916759/">Fotos siehe hier bei Gerd Borchert</a> )</p>



<div style="height:62px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Heute: Eine Hecke zeichnet das Schloss nach</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kommt man heute zum ehemaligen Schlossplatz, sieht man zunächst eine offenen Grünfläche zwischen den Bäumen, zu der eine Treppe und ein Weg führen. Dahinter erhebt sich eine hohe Hecke. Alte Bäume und dichter Bewuchs begrenzen den Blick. Informationstafeln zeigen historische Ansichten und den Grundriss der Anlage. Obwohl das Schloss abgerissen ist, lässt sich seine Form trotzdem noch ablesen, wenn man genauer auf die Hecke schaut: Der Förderverein für Kunst und Kultur Lünen ließ entlang der früheren Außenmauern des Hauptgebäudes und der beiden Pavillons eine Ligusterhecke pflanzen. Auf einer Gesamtlänge von 256 Metern zeichnet sie den Grundriss der Schlossanlage nach. Die Anpflanzung entstand 2006 und 2007.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="492" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_heute-1024x492.jpg" alt="" class="wp-image-2223" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_heute-1024x492.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_heute-300x144.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_heute-768x369.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_heute-1536x737.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luftbild_Buddenburg_heute-2048x983.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">RVR, 2025, <a href="http://www.govdata.de/dl-de/by-2-0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0&nbsp;</a></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Eine schöne Sache! Die Hecke versucht natürlich nicht, völlig exakt den Grundriss nachzubauen (dazu fehlen ja auch die Räume), sie gibt aber einen guten Eindruck von den Ausmaßen der Gebäude. So kann man an ihr entlanggehen und sich vorstellen, wo die Fassade verlief, wo die Seitenpavillons standen und wie weit sich die Anlage ausdehnte. Der leere Innenraum gehört dabei ebenso zur Erinnerung wie die Hecke selbst. Sogar Fenster sind angedeutet und ein übergroßes Holzbett ist aufgestellt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="607" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg2026_21-1024x607.jpg" alt="" class="wp-image-2458" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg2026_21-1024x607.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg2026_21-300x178.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg2026_21-768x455.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg2026_21-1536x910.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg2026_21.jpg 1822w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure data-wp-context="{&quot;galleryId&quot;:&quot;6ac21cbfa101f&quot;}" data-wp-interactive="core/gallery" class="wp-block-gallery has-nested-images columns-2 is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--20);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)">
<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfa14fa&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfa14fa" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="771" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2204" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143818325-1024x771.jpg" alt="" class="wp-image-2204" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143818325-1024x771.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143818325-300x226.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143818325-768x578.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143818325.jpg 1080w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfa1a84&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfa1a84" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="771" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2206" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143700364-1024x771.jpg" alt="" class="wp-image-2206" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143700364-1024x771.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143700364-300x226.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143700364-768x578.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143700364.jpg 1080w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfa1f76&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfa1f76" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="771" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2203" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143629972-1024x771.jpg" alt="" class="wp-image-2203" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143629972-1024x771.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143629972-300x226.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143629972-768x578.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143629972.jpg 1080w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfa247e&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfa247e" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="771" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2207" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143626174-1024x771.jpg" alt="" class="wp-image-2207" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143626174-1024x771.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143626174-300x226.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143626174-768x578.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143626174.jpg 1080w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfa2a64&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfa2a64" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="771" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2205" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143602326-1024x771.jpg" alt="" class="wp-image-2205" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143602326-1024x771.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143602326-300x226.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143602326-768x578.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143602326.jpg 1080w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfa2f54&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfa2f54" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="771" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2208" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143508730-1024x771.jpg" alt="" class="wp-image-2208" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143508730-1024x771.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143508730-300x226.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143508730-768x578.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250603_143508730.jpg 1080w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem  erzählen auch kleine Metalltafeln im ehemaligen Schlosspark von der Buddenburg. Eine davon lässt den Baumeister Ferdinand Zangerl selbst zu Wort kommen: »Ich bin sehr stolz darauf, dass ich […] das Schloss Buddenburg 1845 im klassizistischen Stil erbauen durfte.« Dabei handelt es sich allerdings offenbar nicht um ein überliefertes Zitat Zangerls, sondern um eine moderne, für den Rundweg verfasste Rollenrede.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="539" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/infoscheibeZangerlBuddenburg-1024x539.jpg" alt="" class="wp-image-2448" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/infoscheibeZangerlBuddenburg-1024x539.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/infoscheibeZangerlBuddenburg-300x158.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/infoscheibeZangerlBuddenburg-768x405.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/infoscheibeZangerlBuddenburg.jpg 1080w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Einen kuriosen Nebeneffekt bekam die Heckenanlage 2020. Im damals neuen <em>Microsoft Flight Simulator </em>tauchte an der Stelle der längst abgerissenen Buddenburg plötzlich wieder ein Gebäude auf. Der Simulator erzeugte einen großen Teil seiner dreidimensionalen Bebauung nämlich automatisch aus Luft- und Satellitenbildern und vermutlich wurde dabei die Heckenanlage mit dem nachgestellten Grundriss als Gebäude interpretiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ergebnis hatte mit dem historischen Schloss zwar überhaupt keine Ähnlichkeit – stand aber ziemlich genau dort, wo es einst gestanden hatte. Ausgerechnet die Hecke, die an das verschwundene Schloss erinnern soll, ließ die Buddenburg so zumindest virtuell wieder auferstehen. In einem Artikel über Lünen und Selm im Flight Simulator schrieb ich im August 2020 passend dazu nur kurz: »Schloss Buddenburg (1977 abgerissen) ist auch wieder auferstanden&#8230;«.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="469" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/msfs_alstedde-1024x469.jpg" alt="" class="wp-image-2431" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/msfs_alstedde-1024x469.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/msfs_alstedde-300x137.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/msfs_alstedde-768x351.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/msfs_alstedde-1536x703.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/msfs_alstedde.jpg 1851w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Buddenburg ist im Microsoft Flight Simulator 2020 wieder auferstanden&#8230; 😉</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Von den alten Wirtschaftsgebäude oder den Baracken des RAD ist nichts mehr erhalten oder sichtbar. Teilweise wurde ein Deich darüber gebaut, teilweise liegt es auf dem Gelände des Lippenwerkes, vieles ist einfach von Natur überwuchert. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/VergleichRAD-Lager_2026-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-2450" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/VergleichRAD-Lager_2026-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/VergleichRAD-Lager_2026-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/VergleichRAD-Lager_2026-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/VergleichRAD-Lager_2026-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/VergleichRAD-Lager_2026.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Fotomontage: Vom RAD-Lager ist 2026 nichts mehr erkennbar</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Was aber tatsächlich noch da ist, ist der Schlosspark. Wenngleich er mangels Pflege mehr einem Wald gleicht. Aber man findet sie noch, die Stellen, an denen keine bis wenige Bäume stehen, weil dort früher die Rasenflächen waren. Manche Wege sind gut gangbar; andere im Dickicht verschwunden. Sogar eine Bank stand noch viele Jahre zwischen den Bäumen, aber die ist mittlerweile verfallen bzw. zerstört worden. Auch die Landwehr ist an manchen Stellen noch im Ansatz erkennbar. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Spuren finden sich in der näheren Umgebung: Die Schloßallee und die Frydagstraße bewahren die Namen der Anlage und ihrer früheren Besitzer. Südlich der Lippe steht noch die Schlossmühle mit einem Teil des ursprünglichen Schlossteiches. Das heutige Gebäude wurde 1760 im Auftrag Wessel Giesberts von Frydag errichtet. Bis 1930 wurde dort Korn gemahlen; heute kann dort geheiratet werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="681" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/schlossmuehle_lippholthausen-1024x681.jpg" alt="" class="wp-image-2215" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/schlossmuehle_lippholthausen-1024x681.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/schlossmuehle_lippholthausen-300x200.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/schlossmuehle_lippholthausen-768x511.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/schlossmuehle_lippholthausen-1536x1022.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/schlossmuehle_lippholthausen.jpg 1623w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Lippe hat sich verändert. Am Wehr Buddenburg entstand 2003 ein naturnah gestalteter Fischaufstieg, auch »Lachstreppe« genannt. Er ermöglicht Fischen, das Wehr über ein längeres, flacheres Nebengerinne zu umgehen. Untersuchungen zeigten anschließend, dass die in diesem Abschnitt vorkommenden Fischarten die Anlage finden und tatsächlich überwinden konnten. 2021 wurde das Kohlekraftwerk abgerissen, während das Lippewerk weiter gewachsen ist. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1080" height="813" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Wehr_Lippholthausen-1.jpg" alt="" class="wp-image-2210" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Wehr_Lippholthausen-1.jpg 1080w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Wehr_Lippholthausen-1-300x226.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Wehr_Lippholthausen-1-1024x771.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Wehr_Lippholthausen-1-768x578.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1080px) 100vw, 1080px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1080" height="813" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Wehr_Lippholthausen-2.jpg" alt="" class="wp-image-2211" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Wehr_Lippholthausen-2.jpg 1080w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Wehr_Lippholthausen-2-300x226.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Wehr_Lippholthausen-2-1024x771.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Wehr_Lippholthausen-2-768x578.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1080px) 100vw, 1080px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Für das Titelbild dieses Artikels habe ich übrigens versucht, eine alte Aufnahme des Schlosses möglichst genau an ihrem früheren Standort in die heutige Landschaft zu halten. Ganz funktioniert das nicht mehr. Die damalige Brücke existiert nicht mehr, die heutige liegt etwas versetzt, und dort, wo man für den ursprünglichen Blick eigentlich stehen müsste, versperren inzwischen Bäume und dichter Bewuchs die Sicht. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="502" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg2026_20-1024x502.jpg" alt="" class="wp-image-2459" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg2026_20-1024x502.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg2026_20-300x147.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg2026_20-768x377.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg2026_20-1536x754.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Buddenburg2026_20-2048x1005.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bäume versperren die Sicht auf den Standort und die Brücke befindet sich heute einige Meter weiter links, als auf dem historischen Foto</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Also blieb nur der bestmögliche Kompromiss. Vielleicht passt aber gerade das ganz gut: Das Schloss lässt sich heute eben nicht mehr vollständig in die Landschaft zurückholen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="674" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/BuddenbergVergleich2-1024x674.jpg" alt="" class="wp-image-2444" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/BuddenbergVergleich2-1024x674.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/BuddenbergVergleich2-300x197.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/BuddenbergVergleich2-768x505.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/BuddenbergVergleich2-1536x1010.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/BuddenbergVergleich2.jpg 1642w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ichvorschlossbuddenburg2026-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2447" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ichvorschlossbuddenburg2026-1024x1024.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ichvorschlossbuddenburg2026-300x300.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ichvorschlossbuddenburg2026-150x150.jpg 150w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ichvorschlossbuddenburg2026-768x768.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ichvorschlossbuddenburg2026.jpg 1080w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mittelalterliche Grenzpolitik, adelige Herrschaft, ein Mord, Nationalsozialismus, Industrie, Kunst und Naturschutz – all das gehört zur Geschichte eines Ortes, der für mich als Kind einfach nur Wald war.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe keine eigene Erinnerung an Schloss Buddenburg. Als ich auf die Welt kam, war es bereits verschwunden. Meine Erinnerung an diesen Ort beginnt erst danach: mit dem Wald, den Wegen und den Erzählungen meiner Großeltern. Und mit dem gemalten Schloss im Gästezimmer meines Opas.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Heute weiß ich sehr viel mehr über den Ort – und das Bild hängt inzwischen bei mir.</strong> <strong>Das Schloss, das ich nie sah, ist also trotzdem immer ganz in meiner Nähe.</strong></p>



<div style="height:171px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen / zum Weiterlesen:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die persönlichen Erinnerungen, die Angaben zum Gemälde von Otto Elsner sowie die Hinweise auf die eigene Fotosammlung und Friedhelm Eschner stammen von mir. Für die historischen Abschnitte wurden insbesondere folgende Quellen verwendet, sofern nicht anders gekennzeichnet:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Stadt Lünen, Stadtarchiv:</strong> Bestände des Stadtarchivs, Abschnitt Haus Buddenburg. Enthält Angaben zur ersten Burg, zur Familie von Frydag, zum Verkauf an die Stadt und zum Archivbestand; sowie die Fotosammlung. An die Kolleginnen dort geht mein besonderer Dank für die Unterstützung mit Material!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Urkunde vom 18. November 1293:</strong> Vereinbarung über den Abbruch der von den Buddes errichteten Befestigung in Lippholthausen und das Verbot ihrer Wiedererrichtung. Original/Überlieferung Stadtarchiv Dortmund</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Stadt Lünen:</strong> Ausflugsziele – Schlossmühle Lippholthausen. Angaben zum heutigen Mühlengebäude und zu seiner Nutzung. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Niklowitz, Fredy (2000):</strong> Haus Buddenburg. Informationen aus dem Museum der Stadt Lünen, Heft 20, Lünen 2000. Enthält eine ausführliche Darstellung der Burg- und Schlossgeschichte, der verschiedenen Nutzungen sowie der heutigen Erinnerungszeichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eschner, Friedhelm:</strong> Private Fotosammlung bzw. von Friedhelm Eschner kolorierte historische Aufnahmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Landschaftsverband Westfalen-Lippe:</strong> Buddenburg, Haus. Eintrag im Internet-Portal Westfälische Geschichte mit Angaben zur Lage, zur Herrlichkeit Buddenburg, zur Familie von Frydag und zu den Archivbeständen.(<a href="https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/urkunden_datenbank/suche/vollansicht_archiv.php?id=63">https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/urkunden_datenbank/suche/vollansicht_archiv.php?id=63</a>)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Landschaftsverband Westfalen-Lippe / LWL-GeodatenKultu</strong>r: Gedenkstätte Schloss Buddenburg, Lünen-Lippholthausen (<a href="https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/268696">https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/268696</a>)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gondermann, Michael (1995):</strong> »Lippholthausen und das Schloß Buddenburg. Internationaler Kurort und Sitz alten Adels«, in: <em>Heimatbuch Kreis Unna</em>, Bd. 16, 1995, S. 81–83</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Projekt Verwischte Spuren:</strong> Bäckerstraße / Hitler in Lünen. Angaben zum Besuch Hitlers am 29. Juni 1934 und zur Nutzung der Buddenburg durch den Arbeitsdienst. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dr. Löffler, Peter (1981), Zur Geschichte des Stadtarchivs Lünen</strong>, erschienen 1981 in: Archivpflege in Westfalen und Lippe, Heft 15. (<a href="https://www.lwl.org/waa-download/archivpflege1_49/Heft_15_1981.pdf">https://www.lwl.org/waa-download/archivpflege1_49/Heft_15_1981.pdf</a>)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen:</strong> Mehr Leben für die Lippe, Stand September 2008. Angaben zum 2003 errichteten Fischaufstieg am Wehr Buddenburg und zu den anschließenden Untersuchungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Stadtmagazin Lünen, Artikel: »Die Lippe – Liebe, Leid und Lebenslust«</strong>, in Ausgabe 100 (4/2018) <br>(<a href="https://www.stadtmag.de/cms/luenen/ausgabe-100-seite-5.html">https://www.stadtmag.de/cms/luenen/ausgabe-100-seite-5.html</a>)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><strong>Grimm, Sabine (2018):</strong> <em>Der Buddenburg-Mord</em>. 2. Auflage, Norderstedt: Books on Demand, 188 S., ISBN 978-3-7528-2981-5. Die zweite Auflage erschien am 22. November 2018.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sylvia vom Hofe, Ruhr Nachrichten Lünen vom 30.08.2026</strong>, Artikel: »Ehedrama auf Schloss Buddenburg -Als Wanda von Rüxleben (26) ihren Mann erschießt und selbst stirbt«(<a href="https://www.ruhrnachrichten.de/luenen/ehedrama-wanda-von-ruexleben-mord-schloss-buddenburg-1908-liebe-tragoedie-w1175363-2002023486/">https://www.ruhrnachrichten.de/luenen/ehedrama-wanda-von-ruexleben-mord-schloss-buddenburg-1908-liebe-tragoedie-w1175363-2002023486/</a>)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bergedorfer Zeitung und Anzeiger </strong>vom 05.Mai 1908, A<a href="https://img.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1012344304_19080505/PDF/00000002.pdf">rtikel »Ehetragödie auf Schloss Buddenburg</a>«</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Merseburger Korrespondent</strong> vom 08. Mai 1908, Rubrik »Vermischtes«<a href="https://opendata2.uni-halle.de/retrieve/7c392e3c-046d-4205-9944-d6e2ceddeae2/16818778051908050402.pdf">https://opendata2.uni-halle.de/retrieve/7c392e3c-046d-4205-9944-d6e2ceddeae2/16818778051908050402.pdf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Saale-Zeitung vom 04. Mai 1908</strong>, Beiblatt zur Abendausgabe, Artikel: »Das Drama auf Schloss Buddenburg« <a href="https://opendata2.uni-halle.de/retrieve/7c392e3c-046d-4205-9944-d6e2ceddeae2/16818778051908050402.pdf">https://opendata2.uni-halle.de/retrieve/7c392e3c-046d-4205-9944-d6e2ceddeae2/16818778051908050402.pdf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Benz, Wolfang (1968),</strong> »Vom Freiwilligen Arbeitsdienst zur Arbeitsdienstpflicht«. In: Vierteljahreshefte zur Zeitgeschichte, 16. Jahrgang 1968, 4. Heft Oktober, (<a href="https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1968_4.pdf">https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1968_4.pdf</a>)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seite „Röhm-Putsch“. In: Wikipedia&nbsp;– Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. August 2026, 14:03 UTC. URL: <a href="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=R%C3%B6hm-Putsch&amp;oldid=269942714">https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=R%C3%B6hm-Putsch&amp;oldid=269942714</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sonstige aktuelle Fotos, sowie die Reiseroute von Hitler, sind selbst erstellt. </p>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Erinnerung verschwindet</title>
		<link>https://andre-walter.de/wenn-namen-verschwinden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Aug 2026 20:30:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus der heutigen Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte(n) zwischen Lünen und Selm]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=2230</guid>

					<description><![CDATA[»Paul wurde vergessen« Diesen Satz schrieb mein Leser Karl Glowsky mit dem Kugelschreiber über ein altes Familienfoto. Dahinter verbirgt sich die Geschichte zweier Brüder aus der Selmer Heide – und die Suche nach einer zeitgemäßen Erinnerungskultur. Das Foto zeigt eine Selmer Familie. Karl hat die Personen für mich beschriftet: seine Großmutter, seinen Großvater, seinen 1916 [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="padding-top:var(--wp--preset--spacing--30);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--30)">
<p class="has-text-align-center has-alata-font-family has-large-font-size wp-block-paragraph">»Paul wurde vergessen«</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diesen Satz schrieb mein Leser Karl Glowsky mit dem Kugelschreiber über ein altes Familienfoto. Dahinter verbirgt sich die Geschichte zweier Brüder aus der Selmer Heide –</strong> <strong>und die Suche nach einer zeitgemäßen Erinnerungskultur</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Foto zeigt eine Selmer Familie. Karl hat die Personen für mich beschriftet: seine Großmutter, seinen Großvater, seinen 1916 geborenen Vater und dessen zwei Jahre ältere Schwester. Hinter ihnen stehen zwei junge Männer in Uniform. Es sind die Brüder seines Großvaters: <strong>Paul und August Glowsky.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Beide starben 1917 im Ersten Weltkrieg.</p>



<figure class="wp-block-image size-large wp-duotone-duotone-1"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/familie_glowsky-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="861" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/familie_glowsky-1-1024x861.jpg" alt="" class="wp-image-2263" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/familie_glowsky-1-1024x861.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/familie_glowsky-1-300x252.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/familie_glowsky-1-768x646.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/familie_glowsky-1.jpg 1284w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfaa929&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfaa929" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="819" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Paul-und-august-glowsky-1024x819.jpg" alt="" class="wp-image-2239" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Paul-und-august-glowsky-1024x819.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Paul-und-august-glowsky-300x240.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Paul-und-august-glowsky-768x614.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Paul-und-august-glowsky.jpg 1350w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<div style="height:72px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Zwei Brüder aus Selm</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Paul Glowsky</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Paul Glowsky wurde am 2. Februar 1888 in der Selmer Heide geboren. Er erlernte das Schneiderhandwerk und arbeitete zeitweise in Frankreich. Unter anderem lebte er in der Rue Vauban in Lyon. Aus dieser Zeit ist ein Atelierfoto erhalten, auf dem er als junger Mann in ziviler Kleidung zu sehen ist. 1917 heiratete Paul eine Frau aus Köln. Das Paar lebte zunächst in seinem Elternhaus in der Selmer Heide. </p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfaafeb&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfaafeb" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="751" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/madmoisell_meunier-1024x751.jpg" alt="" class="wp-image-2342" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/madmoisell_meunier-1024x751.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/madmoisell_meunier-300x220.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/madmoisell_meunier-768x563.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/madmoisell_meunier.jpg 1473w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button><figcaption class="wp-element-caption">Auf Französisch geschriebener Brief von Paul an eine Mademoiselle G. Meunier (oder Gneunier / Mennier).</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Als Paul in den Krieg zog, war seine Frau schwanger. Doch er kehrte nicht zurück. Nach Karls familiengeschichtlichen Unterlagen starb Paul als Unteroffizier im belgischen Ledegem am 30. Oktober 1917. Zu dieser Zeit tobten in Westflandern die schweren Kämpfe der Dritten Flandernschlacht (Passchendaele). Zwischen Juli und November 1917 versuchten britische und verbündete Truppen, die deutschen Stellungen in Westflandern zu durchbrechen; Dauerregen verwandelte das Schlachtfeld in ein kaum passierbares Schlammmeer, in dem Hunderttausende Soldaten fielen, verwundet wurden oder vermisst blieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">49 Tage nach Pauls Tod  kam sein Sohn zur Welt – Paul hat ihn nie kennengelernt. Mitte der 1950er-Jahre wurde der gefallene Unteroffizier auf den deutschen Soldatenfriedhof Menen umgebettet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Josef August Glowsky</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Pauls jüngerer Bruder Josef August Glowsky, in der Familie offenbar einfach August genannt, wurde am 16. April 1895 ebenfalls in der Selmer Heide geboren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Er diente als Grenadier in der 7. Kompanie des 3. Garde-Regiments zu Fuß. Während der französischen Offensive am Chemin des Dames, der sogenannten Schlacht bei La Malmaison, erlitt er am 25. Oktober 1917 eine schwere Gasvergiftung. </p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfab769&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfab769" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bundesarchiv_Bild_183-R05923_Flandern_deutsche_Soldaten_bei_Gasangriff-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-2345" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bundesarchiv_Bild_183-R05923_Flandern_deutsche_Soldaten_bei_Gasangriff-1024x683.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bundesarchiv_Bild_183-R05923_Flandern_deutsche_Soldaten_bei_Gasangriff-300x200.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bundesarchiv_Bild_183-R05923_Flandern_deutsche_Soldaten_bei_Gasangriff-768x512.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Bundesarchiv_Bild_183-R05923_Flandern_deutsche_Soldaten_bei_Gasangriff.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button><figcaption class="wp-element-caption">Deutsche Soldaten im Gasangriff. Von Bundesarchiv, Bild 183-R05923 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=70850346</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Tag später, am 26. Oktober 1917, starb er im Alter von nur 22 Jahren an deren Folgen. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Ehrenfriedhof bei Ardon südlich von Laon, wohin verwundete Soldaten aus dem Frontbereich gebracht wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfabd25&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfabd25" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="797" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/todesanzeige_Glowsky-1-1024x797.jpg" alt="" class="wp-image-2237" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/todesanzeige_Glowsky-1-1024x797.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/todesanzeige_Glowsky-1-300x233.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/todesanzeige_Glowsky-1-768x598.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/todesanzeige_Glowsky-1.jpg 1388w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button><figcaption class="wp-element-caption">Auffällig in der Todesanzeige: August wird beim Vornamen genannt und sein Rang als Grenadier erst danach erwähnt, Paul dagegen sofort mit Rang, aber sein Vorname nur mit P. abgekürzt</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Selmer Familie verlor  innerhalb weniger Tage zwei Söhne in zwei verschiedenen Ländern. Paul und August Glowsky sind zwei Namen in einer langen Reihe von ca. 17 Millionen Kriegstoten des Ersten Weltkriegs. </p>



<p class="wp-block-paragraph">1994 besuchte Karl mit seinem Sohn den Soldatenfriedhof Menen in Belgien; einige Jahre später nochmal mit seiner Frau. </p>



<figure data-wp-context="{&quot;galleryId&quot;:&quot;6ac21cbfac02d&quot;}" data-wp-interactive="core/gallery" class="wp-block-gallery has-nested-images columns-2 is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--20);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)">
<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfac37c&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfac37c" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="830" height="822" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2331" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/soldatenfriedhof_menen.jpg" alt="" class="wp-image-2331" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/soldatenfriedhof_menen.jpg 830w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/soldatenfriedhof_menen-300x297.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/soldatenfriedhof_menen-150x150.jpg 150w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/soldatenfriedhof_menen-768x761.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 830px) 100vw, 830px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfac83f&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfac83f" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="883" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2240" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/karl_besuch_friedhoefe3-883x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2240" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/karl_besuch_friedhoefe3-883x1024.jpg 883w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/karl_besuch_friedhoefe3-259x300.jpg 259w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/karl_besuch_friedhoefe3-768x891.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/karl_besuch_friedhoefe3.jpg 1009w" sizes="auto, (max-width: 883px) 100vw, 883px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfacdd7&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfacdd7" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="822" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2241" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/karl_besuch_friedhoefe2-1024x822.jpg" alt="" class="wp-image-2241" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/karl_besuch_friedhoefe2-1024x822.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/karl_besuch_friedhoefe2-300x241.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/karl_besuch_friedhoefe2-768x616.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/karl_besuch_friedhoefe2.jpg 1275w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfad335&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfad335" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="829" height="412" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2330" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/soldatenfriedhof.jpg" alt="" class="wp-image-2330" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/soldatenfriedhof.jpg 829w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/soldatenfriedhof-300x149.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/soldatenfriedhof-768x382.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 829px) 100vw, 829px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Friedhof alleine liegen 47.864 tote deutsche Soldaten. Das ist mehr, als Selm Einwohner hat (26.000) und etwas mehr als die Hälfte von Lünen (85.000 Einwohner). 47.684 Menschen, an die hier erinnert wird. An Einzelschicksale, zu deren Leben man nichts erfährt. Und in Selm? Wie erinnert sich die heutige Stadt an die beiden Brüder? Unterschiedlich:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Augusts Name wurde an zwei Orten in Selm in Stein festgehalten: auf einem Kriegsgrab des Selmer Friedhofs und am heutigen »Mahnmal gegen den Krieg« an der Kreuzung Kreisstraße und Sandforter Weg.</strong> <strong>Pauls Name dagegen erscheint nirgendwo in Selm – obwohl die Brüder nur wenige Tage nacheinander starben. Und obwohl Karl seit Jahrzehnten versucht, das zu ändern.</strong></p>



<div style="height:72px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--10);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--10)">Ein bekanntes Denkmal – aber kennt man es wirklich?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bleiben wir zunächst beim Mahnmal an der Kreisstraße. Unzählige Male bin ich schon daran vorbeigekommen. Ich habe davor gestanden und auch schon auf den großen Steinblöcken. Den meisten Menschen in Selm und vielen, die regelmäßig durch den Ort fahren, dürfte die Anlage bekannt sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch kennt man sie deshalb wirklich?</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1434" height="1080" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-16.jpg" alt="" class="wp-image-2252" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-16.jpg 1434w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-16-300x226.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-16-1024x771.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-16-768x578.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1434px) 100vw, 1434px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In der Denkmalliste der Stadt wird der Bau nüchtern als »Kriegerehrenmal Selm, Ecke Kreisstraße/Sandforter Weg« bezeichnet. Er trägt dort die laufende Nummer 57 und wurde am 7. Februar 1990 in die Denkmalliste eingetragen. Bei den heutigen Gedenkfeiern verwendet die Stadt dagegen eine andere Bezeichnung: »Mahnmal gegen den Krieg«. Hier sind zwei Haltungen erkennbar: Ein »Kriegerehrenmal« blickt sprachlich zunächst auf die gefallenen Soldaten. Ein »Mahnmal gegen den Krieg« richtet den Blick stärker auf das, was aus ihrem Tod zu lernen wäre. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Darstellung selbst zeigt eine Gruppe von Wehrmachtssoldaten in einem angedeuteten Graben oder einer Deckung. Einige von ihnen blicken über den Rand hinaus, ein anderer scheint einen verletzten oder Toten Soldaten zu halten. Im dem Steinblock hinter ihnen ist »1914-1918« auf zwei Seiten eingraviert. Über Ihnen erhebt sich ein Kreuz. Der Sockel unter ihnen ist mit zwei Sätzen versehen. Ich bin mir nicht sicher, ob sich der obere auf den unteren bezieht, weil sie in unterschiedlichen Schriften eingraviert sind. Wenn ich es richtig erkenne, steht dort gleichermaßen auf zwei Seiten des Denkmals: »TAPFER UND TREU KÄMPFTEN SIE (dann eine neue Zeile) UNSEREN OPFERN AN DER FRONT UND HEIMAT 1939 -1945«.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;galleryId&quot;:&quot;6ac21cbfadc3f&quot;}" data-wp-interactive="core/gallery" class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default wp-block-gallery-5 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--30);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--30)">
<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfae12a&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfae12a" class="wp-block-image size-full wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1434" height="1080" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2247" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-15.jpg" alt="" class="wp-image-2247" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-15.jpg 1434w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-15-300x226.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-15-1024x771.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-15-768x578.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1434px) 100vw, 1434px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfae6cb&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfae6cb" class="wp-block-image size-full wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1434" height="1080" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2249" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-10.jpg" alt="" class="wp-image-2249" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-10.jpg 1434w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-10-300x226.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-10-1024x771.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-10-768x578.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1434px) 100vw, 1434px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfaedbb&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfaedbb" class="wp-block-image size-full wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1434" height="1080" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2250" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-2.jpg" alt="" class="wp-image-2250" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-2.jpg 1434w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-2-300x226.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-2-1024x771.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-2-768x578.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1434px) 100vw, 1434px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfaf5f8&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfaf5f8" class="wp-block-image size-full wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="813" height="1080" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2248" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-6.jpg" alt="" class="wp-image-2248" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-6.jpg 813w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-6-226x300.jpg 226w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-6-771x1024.jpg 771w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-6-768x1020.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 813px) 100vw, 813px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfafcca&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfafcca" class="wp-block-image size-full wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="813" height="1080" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2246" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-7.jpg" alt="" class="wp-image-2246" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-7.jpg 813w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-7-226x300.jpg 226w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-7-771x1024.jpg 771w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-7-768x1020.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 813px) 100vw, 813px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfb0574&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfb0574" class="wp-block-image size-full wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1434" height="1080" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" data-id="2251" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-1.jpg" alt="" class="wp-image-2251" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-1.jpg 1434w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-1-300x226.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-1-1024x771.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-1-768x578.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1434px) 100vw, 1434px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Stein verwittert und das sieht man dem Mahnmal inzwischen deutlich an. Auf der Nord- und Westseite sind noch Namen zu erkennen; auf der Südseite konnte ich dagegen keinen einzigen mehr entziffern. Karl erinnert sich, dass dort vor etwa 15 Jahren noch der Name August Glowsky zu lesen war. Heute ist er nicht mehr auffindbar.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="771" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-5-1024x771.jpg" alt="" class="wp-image-2245" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-5-1024x771.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-5-300x226.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-5-768x578.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegerehenmal-Selm-5.jpg 1434w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Auf der Südseite hat die Witterung alle Namen unleserlich werden lassen</figcaption></figure>



<div style="height:72px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Was bleibt, wenn Namen fehlen und andere langsam verschwinden?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Karl beschäftigt die fehlende Erinnerung an Paul in Selm schon viele Jahre. Bereits 2001 wandte er sich an das Tiefbauamt der Stadt Selm und verwies auf frühere Briefe aus den Jahren 1994 und 1996. Er hatte erfahren, dass das Denkmal möglicherweise durch eine weitere Marmortafel ergänzt werden sollte, und bat darum, auch Paul Glowsky zu berücksichtigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr als drei Jahrzehnte sind seit seinem ersten Schreiben vergangen. Pauls Name wurde bislang nicht ergänzt. Die Stadt habe dazu keine Rechtspflicht, teilte sie ihm sinngemäß mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Juristisch mag das zutreffen. Dabei geht es Karl doch gar nicht so sehr darum, seine eigene Familie besonders hervorzuheben. Paul und August sind für ihn vielmehr der Ausgangspunkt für eine größere Frage: Wie vollständig sind die Selmer Namenslisten überhaupt? Und welche Namen fehlen möglicherweise noch?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und vor allem will er deutlich machen: Was geschieht mit einem Mahnmal, dessen Inschriften allmählich unlesbar werden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Karl formulierte es in einer Nachricht an mich so:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="padding-top:var(--wp--preset--spacing--10);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--10)">
<blockquote class="wp-block-quote has-large-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="margin-top:0;margin-right:0;margin-bottom:0;margin-left:0;padding-top:var(--wp--preset--spacing--10);padding-right:0;padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--10);padding-left:0">
<p class="has-alata-font-family has-large-font-size wp-block-paragraph">»Mit den durch Verwitterung verblassten Namen an Mahnmalen verliert ein Mahnmal allmählich seine Wirkung.«</p>
</blockquote>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Damit spricht er einen wichtigen Punkt an: Wer vor einer Reihe unleserlicher Buchstaben steht, erfährt nichts mehr über die Menschen dahinter. Natürlich besteht ein Denkmal nicht allein aus seinen Inschriften. Auch der Ort selbst und die dort stattfindenden Gedenkfeiern tragen zur Erinnerung bei.</p>



<div style="height:72px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Ein bis heute genutzter Erinnerungsort</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist das Selmer Mahnmal gerade kein aufgegebener oder vergessener Ort: Jahr für Jahr findet dort am Volkstrauertag eine Kranzniederlegung statt. Vertreter der Stadt, Verbände, Vereine und weitere Gruppen beteiligen sich daran. Die Freiwillige Feuerwehr stellte bei der Gedenkfeier 2025 Fackelträger für die Ehrenwache. Anschließend gingen die Teilnehmer gemeinsam zur Kapelle St. Josef, wo die Gedenkfeier fortgesetzt wurde. Auch die Schützenbruderschaft St. Fabian und Sebastian ruft ihre Mitglieder zur Teilnahme am Volkstrauertag auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karl war aus Neugier einmal persönlich dabei Seine Kritik richtet sich also gar nicht gegen das Denkmal oder die Gedenkfeier. Im Gegenteil: Weil dort weiterhin öffentlich erinnert wird, stellt sich umso mehr die Frage, ob die Namen lesbar und die zugrunde liegenden Listen möglichst vollständig sein sollten, und wie wir zeitgemäß daran erinnern. Karl schrieb mir außerdem einen Satz, der über seine beiden Großonkel hinausführt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-playfair-display-sc-font-family is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-alata-font-family wp-block-paragraph">»Kriege sind keine Spiele, die jemand gewinnt oder verliert.«</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Männer, deren Namen auf Denkmälern oder Grabsteinen stehen, gab es keinen Sieg. Sie starben, viele jung, und hinterließen abgebrochene Lebenswege bei Eltern ohne Sohn, Frauen ohne Ehemann, und Kinder, die ihren Vater nie kennenlernten.</p>



<div style="height:72px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Weitere Selmer Erinnerungsorte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein zweiter Erinnerungsort befindet sich auf dem Selmer Kommunalfriedhof Auf der Geist. Nach Angaben des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ruhen dort 81 deutsche Kriegstote aus beiden Weltkriegen: zwölf aus dem Ersten und 69 aus dem Zweiten Weltkrieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Namen derer aus dem Zweiten Weltkrieg noch gut lesbar sind (sie sind einzeln auf Steinkreuzen angebracht), sind die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen auf dem großen Gedenkstein kaum noch lesbar. Die Witterung hat dem Gedenkstein zugesetzt, die Schrift wirkt verwaschen, und an einigen Stellen rankt Efeu über die Namen. Mittlerweile zieht sich sogar ein leichter Riss durch den Stein. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Kriegsgräber sind übrigens keine gewöhnlichen Grabstellen, die nach Ablauf einer Ruhefrist verschwinden. Das Gräbergesetz bestimmt, dass die erfassten Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft dauerhaft erhalten bleiben müssen. Ihre Pflege ist damit eine öffentliche Aufgabe.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="548" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegsgraeber_Selm-1024x548.jpg" alt="" class="wp-image-2253" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegsgraeber_Selm-1024x548.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegsgraeber_Selm-300x161.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegsgraeber_Selm-768x411.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegsgraeber_Selm-1536x822.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegsgraeber_Selm.jpg 2017w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="607" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegsgraeber_Selm2-1024x607.jpg" alt="" class="wp-image-2254" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegsgraeber_Selm2-1024x607.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegsgraeber_Selm2-300x178.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegsgraeber_Selm2-768x455.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegsgraeber_Selm2-1536x910.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kriegsgraeber_Selm2.jpg 1823w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Auf dem Selmer Friedhof&#8230;</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im Ortsteil Bork gibt es ein eigenes Kriegerehrenmal. Die Anlage zwischen Lünener Straße und Netteberger Straße nennt 119 gefallene oder vermisste Borker Soldaten des Ersten Weltkriegs. 1959 wurde eine Tafel für die Gefallenen und Opfer des Zweiten Weltkriegs ergänzt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuletzt geriet das Denkmal wegen seines schlechten und teilweise verwilderten Zustands in die Lokalpresse, der aber mittlerweile behoben wurde.</p>



<div style="height:72px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Eine digitale Ergänzung statt neuer Steinplatten?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Karl und ich haben deshalb über eine andere, zusätzliche Form der Erinnerung nachgedacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vorschlag ist vergleichsweise einfach: Auf der Rasenfläche vor dem Selmer Denkmal könnte nahe dem Bürgersteig eine kleine, freistehende Informationstafel oder Stele aufgestellt werden. Darauf befände sich ein QR-Code, der zu einer städtischen Internetseite führt (oder einer anderen örtliche Vereinigung oder Institution).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Seite könnte weit mehr enthalten als eine bloße Namensliste: Zu jedem bekannten Kriegstoten ließen sich Geburtsdatum, Wohnort, Todesdatum und Begräbnisort zusammen tragen. Fotos, Sterbebilder und Dokumente könnten ergänzt werden, sofern die Familien diese noch haben und ihre Verwendung erlauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der entscheidende Vorteil: Eine digitale Liste wäre nicht endgültig. Fehler könnten berichtigt, neue Erkenntnisse ergänzt und bislang fehlende Namen aufgenommen werden. Selmer Bürgerinnen und Bürger könnten dazu aufgerufen werden, Fotos, Briefe und Familienunterlagen beizusteuern.So ließen sich aus Namen wieder Lebensgeschichten machen. Der QR-Code sollte das vorhandene Denkmal also nicht ersetzen. Der Stein bliebe als historisches Zeugnis erhalten. Die digitale Seite könnte jedoch die verblassten Namen wieder lesbar machen und die Menschen dahinter sichtbar werden lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da das Kriegerehrenmal unter Denkmalschutz steht, erscheint eine freistehende Lösung auf der vorgelagerten Fläche sinnvoller als eine Befestigung unmittelbar am Bauwerk. Natürlich müsste ein solcher Vorschlag mit der Stadt, dem Eigentümer der Fläche und der Denkmalpflege abgestimmt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass eine solche Ergänzung grundsätzlich möglich ist, zeigt ein Beispiel aus Billerbeck. Dort wurde zunächst erwogen, Stahlplatten im Inneren des denkmalgeschützten Mahnmals anzubringen. Aus denkmalpflegerischen Gründen entschied man sich schließlich für eine Stele außerhalb des eigentlichen Bauwerks. Interessant am Rande: die Selmer und Billerbecker Denkmäler wurden beide vom selben Architekten u. Bildhauer Bernd Meyer gebaut.</p>



<div style="height:72px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Erinnerung und Mahnung braucht mehr</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein QR-Code wird keinen Krieg verhindern; eine vollständige Namensliste kann keinem Toten das Leben zurückgeben. Trotzdem ist es wichtig, wie wir erinnern. Manchmal muss auch Erinnerungskultur ergänzt oder erneuert werden. Gerade in einer Zeit, in der Krieg in Europa wieder zur Realität geworden ist, gewinnt diese Frage neue Aktualität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Mahnmal sollte nicht nur an einem einzigen Sonntag im November Aufmerksamkeit bekommen. Es sollte auch an einem gewöhnlichen Dienstag lesbar sein – für den Spaziergänger, die Schülerin, den Radfahrer oder jemanden, der wie ich schon hundertmal daran vorbeigefahren ist und plötzlich genauer hinsieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paul Glowsky fehlt dort bis heute. Augusts Name ist mit der Zeit verblasst. Der eine wurde nie eingetragen. Der andere droht durch die Verwitterung zu verschwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über dem alten Familienfoto bleibt Karls Satz:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>»Paul wurde vergessen.«</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Text wird daran nichts Grundsätzliches ändern. Aber vielleicht sorgt er dafür, dass dieser Satz ein kleines Stück weniger wahr ist. Denn aus einem Namen auf einem Denkmal wird erst dann wieder ein Mensch und ein mahnendes Schicksal, wenn wir seine Geschichte kennen: der Schneider aus der Selmer Heide, der in Lyon arbeitete und im Kampf auf einem belgischen Schlachtfeld starb. Dessen Frau, die bei seinem Tod schwanger war, und dessen Sohn, der ihn nie kennenlernen konnte&#8230;</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-6 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large wp-duotone-duotone-1"><img loading="lazy" decoding="async" width="724" height="1024" data-id="2255" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/paul-glwosky-724x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2255" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/paul-glwosky-724x1024.jpg 724w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/paul-glwosky-212x300.jpg 212w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/paul-glwosky.jpg 764w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large wp-duotone-duotone-1"><img loading="lazy" decoding="async" width="705" height="1024" data-id="2256" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/august_glowsky-705x1024.png" alt="" class="wp-image-2256" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/august_glowsky-705x1024.png 705w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/august_glowsky-207x300.png 207w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/august_glowsky.png 744w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></figure>
</figure>



<p class="has-base-2-color has-contrast-2-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-6 wp-block-paragraph"><strong>Haben Sie Familienunterlagen, Fotos oder Erinnerungen zu Selmer Kriegstoten? Wissen Sie von weiteren Namen, die am Mahnmal fehlen oder inzwischen nicht mehr zu entziffern sind? Dann schreiben Sie mir gerne (info@andre-walter.de)</strong></p>



<div style="height:183px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen und Hinweise</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die Angaben zu Paul und August Glowsky beruhen auf Unterlagen und Fotos aus der privaten Sammlung von Karl Glowsky, die er mir zur Veröffentlichung freigegeben hat, sowie auf Informationen <a href="https://glowsky.eu/">seiner privaten Internetseite über seine Familienforschung</a>. <br></li>



<li>Stadt Selm, <a href="https://www.selm.de/files/Selm/media/PlanenBauenWohnen/Denkmalschutz/Denkmalliste.pdf">Denkmalliste A</a>, Eintrag Nummer 57, Kriegerehrenmal Selm, Ecke Kreisstraße/Sandforter Weg.<br></li>



<li><a href="https://www.selm.de/service-aktuelles/aktuelle-meldungen/gedenkfeiern-zum-volkstrauertag-in-allen-ortsteilen-2.html">Stadt Selm,</a> Gedenkfeiern in allen drei Ortsteilen anlässlich des Volkstrauertags am 16. November 2025, veröffentlicht am 11. November 2025.<br></li>



<li>Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, <a href="https://kriegsgraeberstaetten.volksbund.de/friedhof/selm-kommunalfriedhof-auf-der-geist">Selm-Kommunalfriedhof Auf der Geist.</a><br></li>



<li>Bundesministerium der Justiz, <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/gr_bg/BJNR005890965.html">Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.</a><br></li>



<li><a href="http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/selm_wk1_nrw.htm">Onlineprojekt Gefallenendenkmäler</a> zum Ehrenmal als auch zur Gefallenenliste. <br></li>



<li><a href="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Dritte_Flandernschlacht&amp;oldid=266929255">»Dritte Flandernschlacht«.</a> In: Wikipedia&nbsp;– Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 9. Mai 2026, 19:21 UTC. <br></li>



<li>Die übrigen Fotos sind von mir selbst aufgenommen.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Karte der Grafschaft Marck 1775</title>
		<link>https://andre-walter.de/karte-der-grafschaft-marck-1775/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Aug 2026 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte(n) zwischen Lünen und Selm]]></category>
		<category><![CDATA[Karten]]></category>
		<category><![CDATA[Brambauer]]></category>
		<category><![CDATA[Cappenberg]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Müller]]></category>
		<category><![CDATA[Karte]]></category>
		<category><![CDATA[Lünen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=2285</guid>

					<description><![CDATA[Interessante Einblicke zu Lünen: Der Theologe und Pfarrer Friedrich Christoph Müller (1751–1808) hatte ein großes Interesse an der Vermessung der Welt. Er zeichnete mehrere Karten meiner Heimatregion. Eine der ersten war die 1775 von ihm erstellte »Neue und vollständige Special-Situations Charte von der Grafschaft Marck«. Die Karte zeigt die gesamte Grafschaft Marck zwischen Hamm im [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Interessante Einblicke zu Lünen: Der Theologe und Pfarrer Friedrich Christoph Müller (1751–1808) hatte ein großes Interesse an der Vermessung der Welt. Er zeichnete mehrere Karten meiner Heimatregion. Eine der ersten war die 1775 von ihm erstellte  »Neue und vollständige Special-Situations Charte von der Grafschaft Marck«.</strong></p>



<figure class="wp-block-image alignwide size-full"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/3840px-Mueller_-_Neue_und_vollstaendige_Special-Situations_Charte_von_der_Grafschaft_Marck_1775-scaled.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1814" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/3840px-Mueller_-_Neue_und_vollstaendige_Special-Situations_Charte_von_der_Grafschaft_Marck_1775-scaled.jpeg" alt="" class="wp-image-2286" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/3840px-Mueller_-_Neue_und_vollstaendige_Special-Situations_Charte_von_der_Grafschaft_Marck_1775-scaled.jpeg 2560w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/3840px-Mueller_-_Neue_und_vollstaendige_Special-Situations_Charte_von_der_Grafschaft_Marck_1775-300x213.jpeg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/3840px-Mueller_-_Neue_und_vollstaendige_Special-Situations_Charte_von_der_Grafschaft_Marck_1775-1024x726.jpeg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/3840px-Mueller_-_Neue_und_vollstaendige_Special-Situations_Charte_von_der_Grafschaft_Marck_1775-768x544.jpeg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/3840px-Mueller_-_Neue_und_vollstaendige_Special-Situations_Charte_von_der_Grafschaft_Marck_1775-1536x1088.jpeg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/3840px-Mueller_-_Neue_und_vollstaendige_Special-Situations_Charte_von_der_Grafschaft_Marck_1775-2048x1451.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Neue und vollständige Special-Situations Charte von der Grafschaft Marck. Kolorierte Zeichnung. Pastor Müller. (Gemeinfrei)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Karte zeigt die gesamte Grafschaft Marck zwischen Hamm im Norden und Meinerzhagen im Süden. Für mich am interessantesten ist natürlich der Bereich um Lünen, meine Heimat. Leicht zu erkennen am Verlauf der Lippe. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Lünen ist selbst (oder vielmehr das damalige »Amt Lünen«)  ist auch gut zu erkennen, vor allem die heutige Langestraße in der Innenstadt ist darstellt. Vier Wege führen hinaus in alle Richtungen. Bekannte Namen der heutigen Zeit wie Cappenberg, Gahmen und Werne sind eingetragen, ebenso auch Dahl und Horst. </p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfb6a0d&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfb6a0d" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="531" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Karte-Mueller1775-1-1024x531.png" alt="" class="wp-image-2287" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Karte-Mueller1775-1-1024x531.png 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Karte-Mueller1775-1-300x155.png 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Karte-Mueller1775-1-768x398.png 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Karte-Mueller1775-1-1536x796.png 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Karte-Mueller1775-1.png 1995w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Spannend sind zunächst die auffälligen Inseln in der Lippe. Ich vermute, dass Müller den Flusslauf hier stark vereinfacht dargestellt hat – vielleicht wurden auch künstliche Durchstiche oder Schleusenkanäle wie natürliche Seitenarme eingezeichnet. Zwar mäandert die Lippe durch die Landschaft, bildet Nebenarme und wurde an manchen Stellen zwischen zwei Flussschleifen abgekürzt, etwa an der Schleuse Horst. Dass jedoch derart große Inseln mitten im Fluss lagen, erscheint mir eher unwahrscheinlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessant finde ich auch, dass die Buddenburg auf der Karte als eigener Bezirk erscheint. Die Abkürzung »GER.« steht dabei nicht für »Germany«, sondern schlicht für »Gericht«: Gemeint ist das besondere Gericht Buddenburg, das neben der Burg auch Lippholthausen umfasste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz unabhängig war dieses Gebiet allerdings nicht. Herzog Wilhelm von Kleve-Mark hatte die Buddenburg mit ihrem Umland 1549 als selbstständiges Niedergericht anerkannt. Der jeweilige Herr von Frydag war Gerichtsherr und ließ sich durch einen eigenen Richter vertreten; für Berufungen war der Magistrat der Stadt Lünen zuständig. Die sogenannte Herrlichkeit Buddenburg gehörte dennoch zum märkischen Amt Lünen – ein kleines Gebiet mit eigenen Rechten innerhalb eines größeren Territoriums. (<a href="https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/urkunden_datenbank/suche/vollansicht_archiv.php?id=63">vgl. LWL-Portal Westf. Geschichte</a>)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann fällt mir noch auf, dass Brambauer als »Bramburr« bezeichnet ist. Einen Ort gab es damals nicht, die Brambauerschaft war lediglich eine Ansammlung von Höfen. Dennoch ist es interessant, weil ich es bisher nur so kannte, dass es eben als Brambauerschaft oder als Ginsterbauerschaft bezeichnet wurde. Und manchmal sogar nur als Königsheide. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein ganz großes Fragezeichen habe ich allerdings hierbei:</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac21cbfb7179&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac21cbfb7179" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="680" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mueller_Karte-Ausschnitt_1775-luenen-1024x680.png" alt="" class="wp-image-2288" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mueller_Karte-Ausschnitt_1775-luenen-1024x680.png 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mueller_Karte-Ausschnitt_1775-luenen-300x199.png 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mueller_Karte-Ausschnitt_1775-luenen-768x510.png 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mueller_Karte-Ausschnitt_1775-luenen.png 1516w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
			class="lightbox-trigger"
			type="button"
			aria-haspopup="dialog"
			data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel"
			data-wp-init="callbacks.initTriggerButton"
			data-wp-on--click="actions.showLightbox"
			data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight"
			data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop"
		>
			<svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="12" height="12" fill="none" viewBox="0 0 12 12">
				<path fill="#fff" d="M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z" />
			</svg>
		</button></figure>



<p class="wp-block-paragraph">»Der wüste=Berg« lässt sich noch recht gut einordnen. Heute ist die Gegend als Wüstenknapp bekannt. Die dort noch sichtbaren »Berge« sind allerdings künstliche Erhebungen – Bergehalden der ehemaligen Zeche Victoria. Schon vor dem Bergbau befand sich hier jedoch eine natürliche Anhöhe, auf der unter anderem Schützenfeste und Vogelschießen stattfanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rätselhaft bleibt für mich dagegen ein Zeichen über dem Schriftzug »Alt Lünen«. Dort sind gezackte Linien eingezeichnet, darüber ein Quadrat mit hervorstehenden Ecken. Auf den ersten Blick erinnert mich das an die typische Darstellung einer Befestigungsanlage oder Schanze. Demnach müsste sie zwischen Lünen im Süden und Cappenberg im Norden, westlich des Wüstenknapps, gelegen haben. Ich sehe dieses Zeichen hier zum ersten Mal; bislang war mir nicht bekannt, dass sich dort eine solche Anlage befunden haben könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist aber doch Schloss Cappenberg gemeint. Der Hügel, auf dem es steht, fällt nach Süden hin deutlich ab. Auf der Karte erscheint mir das Zeichen allerdings recht weit südlich und auch ziemlich weit vom Schriftzug »Cappenberg« entfernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Möglicherweise hat Müller den Standort des Schlosses an dieser Stelle nur ungenau wiedergegeben. Auffällig ist jedenfalls, dass der Ort Cappenberg außerhalb des Amtes Lünen liegt, das Schloss nach der eingezeichneten Grenzlinie jedoch darin. Oder stellt das Zeichen etwas ganz anderes dar? Zumindest taucht diese vermeintliche Befestigung auf Müllers späteren Karten nicht mehr auf. Und man muss wohl auch bedenken: Um 1775 dürfte eine solche Anlage kaum noch einen nennenswerten militärischen Nutzen gehabt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nach dieser Karte zeichnete Müller noch weitere der Grafschaft Mark. Und sie wurden immer genauer: so führte er 1789 und 1790 sogar eine trigonometrische Landesvermessung durch – eine bemerkenswerte Leistung für jemanden, der hauptberuflich eigentlich auf der Kanzel stand und dies möglicherweise nur nebenher gemacht hat.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr zu diesen Karten folgt!</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 16: Die Suche nach der Kohle</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-16-die-suche-nach-der-kohle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Jul 2026 18:43:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[1907]]></category>
		<category><![CDATA[Lünen]]></category>
		<category><![CDATA[Minister Achenbach]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1857</guid>

					<description><![CDATA[Wie der Bergbau endet, habe ich selbst miterlebt. Dass es aber unheimlich schwierig ist, etwas über den Anfang einer Zeche zu finden, also über den Moment, bevor sie gebaut wird, hat mich dann doch überrascht. Dabei ist genau das ein großes Thema in meinem historischen Roman: wenn die fremden Herren ins alte Dorf kommen, um [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie der Bergbau endet, habe ich selbst miterlebt</strong>. <strong>Dass es aber unheimlich schwierig ist, etwas über den Anfang einer Zeche zu finden, also über den Moment, bevor sie gebaut wird, hat mich dann doch überrascht. Dabei ist genau das ein großes Thema in meinem <a href="https://andre-walter.de/recherche-fuer-meinen-historischen-roman/" data-type="post" data-id="952">historischen Roman</a>: wenn die fremden Herren ins alte Dorf kommen, um unter dessen Feldern nach Kohle zu suchen. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Streng genommen ist es in so ziemlich allen Chroniken, die ich bislang gesehen haben, oft genau ein Satz: »Mutung und Verleihung eines Steinkohlenfeldes«. Wie aus dem Nichts wird dann der Schacht abgeteuft und dann folgen hundert Seiten Chronik und Daten über Fördermengen, Personalbestand, wirtschaftliche und politische Einflüssen, Unglücke und natürlich über das Ende. Doch darüber, wie der Bohrer zum ersten Mal loslegte um zu prüfen, ob und wie tief die Kohle liegt&#8230; fast immer nichts. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Beispielhaft hier einmal die Chronik der Zeche Minister Achenbach in Lünen-Brambauer. Da wird lediglich genannt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="margin-top:0;margin-bottom:0">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In der Zeit von 1873 &#8211; 1876: Mutung und Verleihung von vier Steinkohlefeldern (Helene, Marie, Martha-August und Emma) und drei Eisenerzfeldern (Alfred, Hermann und Karl) in der Brambauerschaft (Tockhausen und Meininghausen) und der Gemeinde Brechten und zum Teil der Gemeinden Waltrop und Lippholthausen gelegen, verliehen im April bzw. Mai 1876 an den Markscheider H.Effing zu Dortmund</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">In den Anlagen dazu geht es dann mehr um die Quadratmeter der Felder. Es folgen Eintragungen über den Zusammenschluss von kleineren Feldern zu größeren (»Konsolidierung«) und dann liest man schon:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="margin-top:0;margin-bottom:0">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">1897: Am 3. August erfolgt der erste Spatenstich zum Abteufen des Schachtes I der Doppelschachtanlage Minister Achenbach 1/2. Als Betriebsführer wird J. Becker bestellt. </p>
</blockquote>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="819" height="707" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Mutung_Achenbach.png" alt="" class="wp-image-1859" style="width:945px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Mutung_Achenbach.png 819w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Mutung_Achenbach-300x259.png 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Mutung_Achenbach-768x663.png 768w" sizes="auto, (max-width: 819px) 100vw, 819px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Fotos sind rar. Zu Minister Achenbach fand ich sodann auch nur Bilder, die zeigen, wie die Schächte errichtet wurden. Nicht aber die Probebohrung. Für die Zeche Victoria in Lünen fand ich aber ein interessantes Foto, dass quasi genau den Übergang zeigt: von der Probebohrung zum Bau des Schachtes:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="728" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/6920-Victoria-I-II-Abteufen-1907-Foto-unbekannt-1024x728.jpeg" alt="" class="wp-image-1860" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/6920-Victoria-I-II-Abteufen-1907-Foto-unbekannt-1024x728.jpeg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/6920-Victoria-I-II-Abteufen-1907-Foto-unbekannt-300x213.jpeg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/6920-Victoria-I-II-Abteufen-1907-Foto-unbekannt-768x546.jpeg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/6920-Victoria-I-II-Abteufen-1907-Foto-unbekannt.jpeg 1519w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Victoria I-II, Abteufen, 1907 &#8211; Unbekannter Verfasser (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Da fällt zuerst der hölzerne Bohrturm auf. Er wirkt fast filigran, obwohl an ihm tonnenschwere Werkzeuge hingen. Davor liegen lange eiserne Gestänge und Maschinenteile. Rund um das Bohrloch stehen Arbeiter, Ingenieure und neugierige Zuschauer. Dahinter ein schlichtes Holzgebäude. Und dahinter nichts als Felder und ein paar Gleise, die schon gelegt wurden &#8211; vermutlich für den Materialtransport. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau das suchte ich. Normalerweise hat man sofort Fördertürme, Kokereien und riesige Industrieanlagen vor Augen. Doch am Anfang war oft nichts weiter als ein Acker mit einem Holzgerüst darauf. Und der Hoffnung, dass darunter Kohle liegt (und diese nicht zu tief). Denn niemand wusste damals, wie der Untergrund tatsächlich aussah. Jeder Meter Bohrung konnte die bisherigen Erwartungen bestätigen – oder plötzlich alles verändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um das herauszufinden, arbeiteten sich die Männer Schicht für Schicht nach unten. Immer wieder wurde das Bohrgut aus der Tiefe geholt, untersucht und dokumentiert. Jeder Meter erzählte etwas über den Untergrund. Doch mehr über die Details will ich hier gar nicht verraten. Im Roman wird das später besser erklärt und vor allem wir dann deutlich: es geht nicht nur um Technik, denn  an so einer Probebohrung bündeln sich ganz unterschiedliche Hoffnungen: die Erwartungen eines Grafen, die Erfahrung eines Bohrmeisters, die Neugier der Dorfbewohner und der Zwiespalt der Bauern zwischen Verlust des Landes und neuen Einnahmequellen&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schreiben wie mit einer Kamera: Vom historischen Foto zur Romanszene</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-arbeit-filmisches-schreiben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 21:12:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1816</guid>

					<description><![CDATA[Die Orte in meinem Roman beschreibe ich meist sehr detailliert: Wie sieht der Flur im Schulgebäude aus? Wo stehen beim Erntedankgottesdienst die Gaben vor dem Altar? Wie riecht es morgens in der Schenke? Wie klingt die Bohrstelle in der Ferne? Ob meine Leser das alles so genau wissen müssen? Wahrscheinlich nicht. Mir ist es dennoch [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Orte in meinem Roman beschreibe ich meist sehr detailliert: Wie sieht der Flur im Schulgebäude aus? Wo stehen beim Erntedankgottesdienst die Gaben vor dem Altar? Wie riecht es morgens in der Schenke? Wie klingt die Bohrstelle in der Ferne?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob meine Leser das alles so genau wissen müssen? Wahrscheinlich nicht. Mir ist es dennoch wichtig, die fiktive Welt meines Romans so vorstellbar wie nur möglich zu zeigen. So als würde –wie in einem Film– eine Kamera durch die Szene fahren und alles einfangen. Das gelingt mir deshalb gut, weil ich fast immer reale Vorbilder im Kopf habe. Echte Orte, Situationen und kleine Beobachtungen aus dem Münsterland, die für meinen Roman Pate standen und hoffentlich für Kopfkino sorgen. 😉</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel aus meinem Roman-Entwurf. Ein Protagonist betritt in einem Kapitel eine Gaststätte:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="padding-top:var(--wp--preset--spacing--10);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--10)">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Über den Schränken blickten Hirschgeweihe auf die Gäste herab. Dann bemerkte er die weißen Buchstaben auf dem dunklen Querbalken, der sich durch den ganzen Raum zog:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein frischer Trunke<br>gibt Mut und Stärke<br>zu neuem Tagewerke</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">An den Wänden hingen Fotografien in dunklen Rahmen: Männer vor einer Kegelbahn. Ein Gesangverein. Eine Gesellschaft in Sonntagskleidung vor dem Lokal selbst. Vor einem der Fenster stand eine hohe Kuchenhaube aus Glas. Darunter lagen mehrere angeschnittene Stücke Streuselkuchen und der besagte Apfelweinkuchen.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann den Nebenraum der Gaststätte:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="margin-top:0;margin-bottom:0;padding-top:var(--wp--preset--spacing--10);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--10)">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aus dem Nebenraum drang gedämpftes Stimmengewirr. Dazwischen ein kurzes Lachen und das Klirren von Biergläsern. Heinrich erkannte Brentrups Stimme noch, bevor er einzelne Worte verstand. Er setzte den Hut wieder auf und ging durch die Tür.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Nebenraum war niedriger als die Schankstube. Dunkle Balken zogen sich unter der Decke und an den Wänden entlang und teilten die weiß gekalkten Wände in ungleiche Felder. Über einer Anrichte hing eine große Pendeluhr zwischen zwei verblichenen Bildern. Mehrere breite Holztische waren davor zu einem offenen Viereck zusammengeschoben worden – und ein gutes Dutzend Veteranen saß um die Tische verteilt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Brentrup saß am Kopfende. Kurz hatte den Gehstock neben sich an die Wand gelehnt. Schmiers saß mit verschränkten Armen am Fenster.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">»Da ist er ja«, sagte Brentrup. Die Männer drehten sich um.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Und schon geht man mit Heinrich zu den Veteranen. Den Raum dazu habe ich hier nicht vollständig erfunden. Vorbild sind unter anderem Fotos ehemaliger Ausflugslokale in meiner Gegend (z.B. der Lüner Brunnen, Bahnhof Bork) sowie ein Raum, den ich vor einiger Zeit im <em>Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster</em> gesehen habe.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="333" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/gaststaetten_raeume-1024x333.jpg" alt="" class="wp-image-1850" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/gaststaetten_raeume-1024x333.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/gaststaetten_raeume-300x98.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/gaststaetten_raeume-768x250.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/gaststaetten_raeume-1536x500.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/gaststaetten_raeume.jpg 1607w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich sitzen dort keine Veteranen aus dem Jahre 1907. Und ein leerer Raum ist noch keine Romanszene. Deshalb schaue ich mir gerne auch historische Fotografien an. Wie saßen die Menschen zusammen? Wie eng standen sie beieinander? Was hielten sie in den Händen und wie trugen sie ihre Kleidung?</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="769" height="717" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/veteranen_luenen.jpg" alt="" class="wp-image-1836" style="aspect-ratio:1.0725230123534717;width:945px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/veteranen_luenen.jpg 769w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/veteranen_luenen-300x280.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 769px) 100vw, 769px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ausschnitt aus dem einem Foto vom Krieger- und Landwehrverein Nordlünen, 1905 (Foto: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="557" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/12457-Kegelclub-Victoria-Luenen-1902-Foto-unbekannt-1024x557.jpg" alt="" class="wp-image-1817" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/12457-Kegelclub-Victoria-Luenen-1902-Foto-unbekannt-1024x557.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/12457-Kegelclub-Victoria-Luenen-1902-Foto-unbekannt-300x163.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/12457-Kegelclub-Victoria-Luenen-1902-Foto-unbekannt-768x417.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/12457-Kegelclub-Victoria-Luenen-1902-Foto-unbekannt-1536x835.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/12457-Kegelclub-Victoria-Luenen-1902-Foto-unbekannt.jpg 1987w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Kegelclub in Lünen 1902 (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Aus beidem entsteht in meinem Kopf langsam die Szene. Der eine Ort liefert mir den Raum, das historische Foto ein Gefühl für das Leben darin. Ich schiebe die Tische zusammen, setze einen Veteranen ans Kopfende, lehne des anderen Gehstock an die Wand und lasse einen Dritten am Fenster sitzen, der dann mit dem Fuß einen Stuhl rüberzieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann kommt mein Protagonist durch die Tür und ist inmitten einer illustren Runde, die Kaffee und Schnaps trinkt, und sich einen Hering einwirft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schreiben, wie ich Karten erstelle?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vielelleicht hatte Sie schon gelesen, dass ich <a href="https://andre-walter.de/kartensammlung/" data-type="page" data-id="140">auch Landkarten erstelle</a>.  In meiner großen QGIS-Grundkarte für Lünen und Selm liegen Straßen, Häuser, Wälder und Bäche auf fast 70 verschiedenen Ebenen übereinander. Für eine Karte blende ich ein, was ich brauche – und lasse weg, was vom eigentlichen Thema ablenkt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Schreiben scheint es ähnlich zu sein. Ebene Tischdecken aus. Ebene Blumen aus. Ebene Veteranen an! Fast wie beim Kartenzeichnen. Dazu kommt wohl mein fotografischer Blick: Ich achte auf Ausschnitte und darauf, wo Dinge im Verhältnis zueinander stehen. Und dann stelle ich mir es bildlich vor, wie wenn ich in diesem Raum wäre. Nicht, weil ich es verfilmen will, doch eine Kamera müsste meinen Figuren durch den Raum schon folgen können. Was sieht sie zuerst? Was hört man vielleicht schon, bevor etwas ins Bild kommt? Wohin bewegt sich eine Figur?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sehe den Raum zuerst wie eine Kamera. Wo steht die Tür? Wo fällt das Licht herein? Wer sitzt am Fenster? Wer hört zuerst das Klappern der Teller? Erst wenn ich den Raum kenne, lasse ich die Figuren hineingehen. Geräusche, Gerüche und kleine Details kommen dazu, bis die Szene für mich lebt. So kann ich meinen Roman-Ort möglichst genau in die Vorstellung der Leser bringen:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="padding-top:var(--wp--preset--spacing--10);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--10)">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><br>Die Kirchentür stand offen, Pastor Tenhage daneben. Die ersten Dorfbewohner begaben sich hinein. Der Duft von Wachs und feuchter Erde lag im Raum. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Am Altar standen die Gaben dicht gedrängt: Garben aus Roggen und Weizen, dazwischen Kartoffeln in flachen Körben, schwere Rüben, Kohlköpfe, Äpfel und Birnen, vereinzelt Quitten, deren Geruch süß zwischen allem lag. Dazwischen lagen dunkle Brotlaibe, noch mehlig an der Kruste, und ein Bündel Flachs, hell und unscheinbar, fast zu übersehen. Ringelblumen steckten zwischen den Halmen. Alles, was draußen gewachsen war, lag hier, dicht an dicht. Über dem Altar hing eine kleine Erntekrone. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Bänke füllten sich, Holz knarrte, ein Husten ging durch den Raum. Am Mittelgang, ein Stück näher am Altar, standen die Fahnen. Die Stangen ruhten auf dem Steinboden, leicht geneigt, damit der Stoff nicht streifte. Hinter ihnen nahmen die Männer Platz, nicht ganz so eng wie die anderen. (&#8230;)</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Das gilt für Szenen draußen in der Natur genauso. Selbst in den Wald nehme ich sie im Roman filmisch mit, weil ich dafür <a href="https://andre-walter.de/waldbilder/" data-type="page" data-id="1370">ebenso echte Vorbilder aus meiner Heimat habe</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein fiktives Dorf liegt dagegen auf keiner echten Landkarte. Aber in meinem Kopf habe ich es längst kartiert. Natürlich habe ich dies – und selbstredend wird der Roman auch eine Landkarte enthalten. Doch dazu ein anderes mal mehr!</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Show, don&#8217;t tell – oder: Warum ich meinen Roman anders schreiben lernte</title>
		<link>https://andre-walter.de/show-dont-tell-oder-warum-ich-meinen-roman-anders-schreiben-lernte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 20:36:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1810</guid>

					<description><![CDATA[Im Frühjahr 2025 begann ich mit den ersten Sätzen für meinen historischen Roman. Eine Szene stellt zu Beginn einen preußischen Beamten vor. Zunächst schrieb ich: Der Berliner Beamte war dafür bekannt, äußerst genau hinzusehen. Er prüfte alles zweimal, selbst auf dem Lüdinghausener Bahnsteig schaute er penibel, ob jeder Stein richtig gesetzt war und ob die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im Frühjahr 2025 begann ich mit den ersten Sätzen für meinen <a href="https://andre-walter.de/recherche-fuer-meinen-historischen-roman/" data-type="post" data-id="952">historischen Roman</a>. Eine Szene stellt zu Beginn einen preußischen Beamten vor. Zunächst schrieb ich:</strong></p>



<blockquote class="wp-block-quote has-medium-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="padding-top:var(--wp--preset--spacing--20);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Berliner Beamte war dafür bekannt, äußerst genau hinzusehen. Er prüfte alles zweimal, selbst auf dem Lüdinghausener Bahnsteig schaute er penibel, ob jeder Stein richtig gesetzt war und ob die Bahnhofsuhr die korrekte Zeit aus Berlin anzeigte. Genauigkeit war ihm wichtig. </p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Der Absatz erklärt eigentlich alles: als Leser weiß man sofort, was für ein Mensch dieser Beamte sein soll. Und trotzdem fühlte sich der Text für mich irgendwie falsch an. Er erklärte mehr, als er erzählte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst später, nach vielen Seiten Text, stieß ich eher zufällig auf eine Schreibempfehlung names »<strong>Show, don&#8217;t tell.</strong>« Auf Deutsch ungefähr: »<strong>Zeig es, statt es zu erklären.</strong>« Im Kern war mir der Gedanke dahinter gar nicht neu. Gemeint ist, Gefühle und Eigenschaften möglichst nicht direkt zu benennen, sondern sie durch Handlungen, Dialoge und Beobachtungen sichtbar zu machen. Als Autor liefere ich nicht gleich die fertige Interpretation – die Leser dürfen sie selbst finden! Dabei fiel mir dann der Sprachkritiker Wolf Schneider wieder ein, dessen Ratgeber für gutes Deutsch ich schon vor 20 Jahren las: »Mit Adjektiven geizen«.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schrieb ich die Szene noch einmal um:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="padding-top:var(--wp--preset--spacing--20);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Beamte zog die Taschenuhr aus der Westentasche und verglich sie mit der Bahnhofsuhr: 10:37 Uhr. Lüdinghausen zeigte die Berliner Zeit. Er blieb einen Augenblick stehen, ließ den Blick über den Bahnsteig gleiten und hob die Hand, um die Manschette seines Rockes zu richten. Erst dann trat er auf das Pflaster. Der Stein war uneben und er bemerkte es sofort. Er setzte den Fuß ein zweites Mal auf, als prüfe er, ob der erste Eindruck getäuscht hatte.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schreibe hier nirgendwo mehr, dass der Beamte penibel oder besonders genau ist. Trotzdem entsteht – so hoffe ich – genau dieser Eindruck. Nicht, weil ich ihn erkläre, sondern weil der Leser den Mann beobachtet:  Er vergleicht die Uhren, rrichtet die Manschette und prüft den Stein ein zweites Mal. Aus diesen kleinen Handlungen setzt sich das Bild fast von allein zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch deutlicher wird der Unterschied wohl bei Gefühlen. Meine erste Fassung lautete ungefähr so:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="padding-top:var(--wp--preset--spacing--20);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Heinrich war nervös. Er hatte Angst, den wichtigen Termin zu verpassen, weil er ihm so viel bedeutete. Deshalb bekam er kaum einen Bissen herunter. Das Essen wurde kalt, und selbst den Streit der Kinder am Tisch nahm er kaum nicht wirklich wahr, ebenso wenig die vielen Gespräche. Sogar seinem Onkel August fiel längst auf, dass Heinrich immer wieder nervös zur Uhr schaute.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Man versteht sofort, was los ist. Aber eigentlich bleibt dem Leser nichts mehr zu entdecken. Die überarbeitete Szene liest sich so:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="padding-top:var(--wp--preset--spacing--20);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Heinrichs Frau sah ihn an, doch er wich mit dem Blick zum Fenster aus. Sie legte ihre Hand auf seinen Arm.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">»Dann iss auch was, Heinrich. Das Fleisch wird kalt.«</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Er griff langsam nach Messer und Gabel. Bernhard und ein Vetter stritten inzwischen über die letzte Kartoffel, seine Mutter schimpfte über irgendetwas und sein Onkel schenkte sich Bier nach. Drei Leute redeten gleichzeitig aufeinander ein, aber Heinrich hörte niemandem richtig zu. Jetzt bemerkte August es. Er stellte die Bierflasche ab und sah zu Heinrich hinüber.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">»Läuft sie heute schneller?«</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">»Wer?«</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">»Na, die Uhr.«</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Einige am Tisch lachten wieder. Heinrich schwieg. Sein Blick lag nicht auf dem Teller. Er wanderte nochmals zur Uhr, dann zum Fenster, dann wieder zurück.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier steht mit keinem Wort, dass Heinrich nervös ist. Es steht auch nirgendwo, dass er Angst hat, den Termin zu verpassen. Stattdessen sieht der Leser, wie er sich verhält. Er hört den Gesprächen nicht zu, isst kaum. Und schaut immer wieder zur Uhr. Sogar sein Onkel macht schon einen Scherz darüber. Der Leser erkennt Heinrichs Unruhe selbst. Genau darin liegt für mich der eigentliche Reiz von <em>Show, don&#8217;t tell</em>: Ich als Autor erkläre nicht sofort, was eine Figur empfindet. Ich zeige eine Szene – und vertraue darauf, dass der Leser seine eigenen Schlüsse zieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das musste ich aber erst lernen. Denn beruflich schreibe ich überwiegend sehr sachlich; da muss stets klar sein, worum es geht. Missverständnisse sind unerwünscht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Roman funktioniert nur genau andersherum: Er lebt davon, dass die Leser zwischen den Zeilen lesen und Dinge selbst entdecken. Andererseits schreibe ich hier auf meiner Internetseite seit vielen Jahren schon oft bildlich, aber dafür normalerweise ohne wörtliche Rede; ohne Dialoge, wie es ein Roman verlangt. Und selbst in meinem ersten Buch (<a href="https://andre-walter.de/der-steiger-kam-am-ersten-mai/">Der Steiger kam am ersten Mai</a>) gibt es nur minimale Dialoge oder Handlungen, weil es eben ein Sachbuch und kein Roman ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt: ganz ohne Erklärungen geht es nun auch. Nicht jede Kutschfahrt muss ausführlich beschrieben werden, nicht jedes Frühstück braucht einen Dialog, und manchmal reicht ein einziger Satz, um den Leser von einem Ort zum nächsten zu führen; oder als Brücke zwischen zwei Szenen. »Show, don&#8217;t tell« ist deshalb für mich immer auch eine Frage des richtigen Augenblicks. Und das ist manchmal dann doch das Schwierigere: abzuwägen, wo es vielleicht auch keinen Sinn ergibt und die Handlung unnötig in die Länge zieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Passend dazu ein Rückblick in das Jahrzehnt meines Romans. Denn das Prinzip <em>Show, don&#8217;t tell</em> wird nämlich oft mit Anton Tschechow in Verbindung gebracht, dem 1904 verstorbenen Schriftsteller. Den Ausdruck selbst hat Tschechow zwar nie verwendet, doch soll er seinem Bruder Alexander geraten haben:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="padding-top:0;padding-bottom:0">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Sage mir nicht, der Mond scheint. Zeige mir den Lichtschein auf zerbrochenem Glas.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist keine wörtliche Übersetzung, aber der Gedanke dahinter ist wichtig und deshalb wird er damit verbunden. Nicht schreiben:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-medium-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="padding-top:0;padding-bottom:0">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><em>Die Nacht war schön.</em></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Sondern etwas Konkretes zeigen, aus dem der Leser die Schönheit selbst erkennt. Das gefällt mir! </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist das am Ende die eigentliche Bedeutung von »Show, don&#8217;t tell«: dem Leser zuzutrauen, dass er Figuren beobachten, zwischen den Zeilen lesen und seine eigenen Schlüsse ziehen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Beim Überarbeiten der bereits geschriebenen Kapitel frage ich mich heute jedenfalls viel stärker als zu Beginn: erkläre ich hier zu viel?</strong> <strong>Und muss ich das überhaupt erklären – oder kann ich es zeigen?</strong> <strong>Durch Handlung, Dialoge, Einrücke?</strong> </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="1686" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Anton_Chekhov_and_Olga_Knipper_1901.jpeg" alt="" class="wp-image-1828" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Anton_Chekhov_and_Olga_Knipper_1901.jpeg 1200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Anton_Chekhov_and_Olga_Knipper_1901-214x300.jpeg 214w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Anton_Chekhov_and_Olga_Knipper_1901-729x1024.jpeg 729w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Anton_Chekhov_and_Olga_Knipper_1901-768x1079.jpeg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Anton_Chekhov_and_Olga_Knipper_1901-1093x1536.jpeg 1093w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption class="wp-element-caption">Anton Tschechow mit Olga Knipper kurz nach der Hochzeit 1901<br>Unbekannter Fotograf.; file author wasTidsskrift for den norske laeggeforening &#8211; http://www.tidsskriftet.no/pls/lts/PA_LTS.Vis_Seksjon?vp_SEKS_ID=2840, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1394224</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 15: Kennen Sie Zichorienkaffee?</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-15-kennen-sie-zichorienkaffee/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Jun 2026 12:42:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[1907]]></category>
		<category><![CDATA[Kaffee]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1772</guid>

					<description><![CDATA[»Erstmal eine gute Tassen Bohnenkaffee!« Genau dieser Satz brachte mich ins Grübeln. Ich habe ihn oft bei älteren Menschen gehört, die nicht nur Kaffee, sondern explizit einen Bohnenkaffee wollten. Doch erst im Zuge meiner Romanrecherche wurde mir klar: ich sollte mir das mit dem Kaffeetrinken im Jahr 1907 vielleicht genauer ansehen. Denn offenbar stand auf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>»Erstmal eine gute Tassen Bohnenkaffee!« Genau dieser Satz brachte mich ins Grübeln. Ich habe ihn oft bei älteren Menschen gehört, die nicht nur Kaffee, sondern explizit einen Bohnenkaffee wollten. Doch erst im Zuge meiner <a href="https://andre-walter.de/recherche-fuer-meinen-historischen-roman/">Romanrecherche</a> wurde mir klar: ich sollte mir das mit dem Kaffeetrinken im Jahr 1907 vielleicht genauer ansehen. Denn offenbar stand auf vielen Küchentischen des Münsterlandes gar kein Bohnenkaffee, sondern etwas ganz anderes, das man trotzdem Kaffee nannte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong> Eine spannende Frage – und durchaus eine Herausforderung für einen Teetrinker wie mich</strong> 😉</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den vergangenen Wochen habe ich mich also intensiv mit dem Thema Kaffeeersatz beschäftigt. Zunächst klang das wenig spektakulär; schließlich wollte ich nur herausfinden, was die Menschen in einem münsterländischen Dorf um 1907 tatsächlich tranken. Doch wie so oft führte eine kleine Frage plötzlich in eine ganz andere Richtung. Ja, es gibt den <strong>»Muckefuck«</strong>. Ein Wort, dass ich auch noch aus meiner Kindheit für alles mögliche kenne, was aussah wie Kaffee, aber wo eben keine Kaffeebohnen drin sind. </p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tassenprobe_in_der_Kathreiner_Malzkaffee-Fabrik.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="875" height="741" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tassenprobe_in_der_Kathreiner_Malzkaffee-Fabrik.jpg" alt="" class="wp-image-1783" style="width:944px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tassenprobe_in_der_Kathreiner_Malzkaffee-Fabrik.jpg 875w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tassenprobe_in_der_Kathreiner_Malzkaffee-Fabrik-300x254.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tassenprobe_in_der_Kathreiner_Malzkaffee-Fabrik-768x650.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 875px) 100vw, 875px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Tassenprobe in der Kathreiner Malzkaffee-Fabrik<br>Landesarchiv Baden-Württemberg, Fotograf: Unifranck Lebensmittelwerke GmbH Ludwigsburg, Werbemittelarchiv, CC BY 3.0 DE <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/deed.en">https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/deed.en</a>, via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Viel häufiger begegnete mir aber: die <strong>Zichorie</strong>. Oder genauer gesagt: die <strong>Gemeine Wegwarte</strong>. Eine unscheinbare Wildpflanze, die an Feldwegen, Böschungen und Wegrändern wächst. Im Sommer trägt sie auffällige hellblaue Blüten, die sich schon von Weitem erkennen lassen. Zumindest wenn man keie Laie ist, wie ich es bin, und Zichorie ständig mit der Kornblume verwechselt&#8230;</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorie_kornblume.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="720" height="962" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorie_kornblume.jpg" alt="" class="wp-image-1774" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorie_kornblume.jpg 720w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorie_kornblume-225x300.jpg 225w" sizes="auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Gemein: Egal wo ich in Selm oder Lünen bisher geschaut habe&#8230;. immer nur Kornblumen und keine Gemeine Wegwarte!</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-7 is-layout-flex wp-container-core-gallery-is-layout-075856af wp-block-gallery-is-layout-flex" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--20);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="771" height="1024" data-id="1775" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume1-771x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1775" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume1-771x1024.jpg 771w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume1-226x300.jpg 226w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume1-768x1020.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume1.jpg 813w" sizes="auto, (max-width: 771px) 100vw, 771px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="771" height="1024" data-id="1777" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume2-771x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1777" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume2-771x1024.jpg 771w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume2-226x300.jpg 226w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume2-768x1020.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume2.jpg 813w" sizes="auto, (max-width: 771px) 100vw, 771px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="771" height="1024" data-id="1776" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume3-771x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1776" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume3-771x1024.jpg 771w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume3-226x300.jpg 226w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume3-768x1020.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume3.jpg 813w" sizes="auto, (max-width: 771px) 100vw, 771px" /></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wobei, auf die blaue Blüte kommt es auch gar nicht an. Denn der interessante Teil der Zichorie ist die Wurzel. Nach dem Ausgraben wurde sie getrocknet, geröstet und gemahlen und mit heißem Wasser aufgegossen. Das Ergebnis war der sogenannte Zichorienkaffee – ein Getränk, das den Menschen um 1907 deutlich vertrauter war als mir. Denn zur Zeit meines Romans kannten die Menschen dieses Getränk bereits seit Generationen; »die Wurzeln« als Kaffeeersatz reichen sogar bis ins 18. Jahrhundert zurück, als man nach einer günstigen Alternative zum teuren Bohnenkaffee suchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens zu Zeiten Napoleons gewann der Kaffeeersatz zusätzlich an Bedeutung. Durch die Kontinentalsperre wurde der Handel mit vielen Waren aus Übersee erschwert, darunter auch Kaffee. Die Menschen mussten erfinderisch werden und griffen auf das zurück, was vor ihrer Haustür wuchs. Dazu gehörte die Gemeine Wegwarte. Ebenso wurden auch Gerste, Roggen und Malz geröstet. Aus ihnen wurde der sogenannte Korn- oder Malzkaffee hergestellt, der vielerorts ebenso alltäglich gewesen sein dürfte wie der Zichorienkaffee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daneben fand ich auch Feigen, Eicheln, Bucheckern, Lupinen und sogar Löwenzahnwurzeln. Allerdings hatte nicht alles davon dieselbe Bedeutung. Manche Zutaten wurden nur regional verwendet, andere spielten eher in Notzeiten oder als Beimischung eine Rolle. Hier kommt auch der beireits erwähnte Name Muckefuck ins Spiel, der für alle möglichen Kaffee-Surrogate genutzt wurde; abgeleitet vom französchen Wor <em>Mocca faux</em>  für <em>falscher Kaffee</em>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Menschen um 1907 dürfte ohnehin etwas anderes wichtiger gewesen sein als die genaue Zusammensetzung: Das Getränk war heiß, dunkel und deutlich günstiger als echter Bohnenkaffee. Und es wärmte.  Und aus heutiger Sicht noch interessant: Zichorienkaffee enthält kein Koffein und kein Gluten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Übrigens, falls Ihnen der Name Zichorie beim Sprechen doch die ganze Zeit bekannt vor kommt: aus einer Kulturform der Gemeinen Wegwarte entstand später der <strong>Chicorée</strong>, den wir heute als Gemüse kennen. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Und wie schmeckts?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich nun schon einen Blogbeitrag über Zichorienkaffee schreibe, dann wollte ich auch wissen, wie er schmeckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also eine Packung bestellt, zwei Teelöffel in die Tasse, heißes Wasser drüber, staunen. Erst war es noch hellbraun, dann wurde es deutlich dunkler. Auf den ersten Blick sah es auch aus wie Kaffee. Auch der Geruch erinnerte mich tatsächlich ein wenig an Kaffee. Allerdings weniger kräftig und deutlich milder. Irgendetwas darin ließ mich sogar kurz an Lakritz denken, auch wenn ich kaum beschreiben kann warum.</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-8 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--20);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="813" height="740" data-id="1786" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_1.jpg" alt="" class="wp-image-1786" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_1.jpg 813w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_1-300x273.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_1-768x699.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 813px) 100vw, 813px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="813" height="740" data-id="1785" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_2.jpg" alt="" class="wp-image-1785" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_2.jpg 813w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_2-300x273.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_2-768x699.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 813px) 100vw, 813px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="813" height="740" data-id="1784" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_3.jpg" alt="" class="wp-image-1784" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_3.jpg 813w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_3-300x273.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_3-768x699.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 813px) 100vw, 813px" /></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dann der erste Schluck –  und (als jemand, der sonst nur Schwarztee trinkt) muss ich festhalten: es schmeckte mir wie Kaffee. Wie ein sehr milder, mit einer leicht erdigen und malzigen Note. Vom Duft her überwog dann aber doch so langsam der Geruch von verbranntem Toastbrot. Meine Frau (Kaffeetrinkerin!) verzog dagegen das Gesicht. »Schmeckt wie warmes Schwarzbier«. Ich trank meine Tasse aus, sie wollte keinen Schluck mehr davon. Es geht ihr doch nichts über echten Bohnenkaffee!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ich werde die Dose nun unter Bekannten und Verwandten weiterreichen. Mal sehen, wie die Reaktionen dort ausfallen. In meinem Roman wird der Zichorien-Kaffee jedenfalls immer wieder präsent sein, ob beim sonntäglichen Kaffeetrinken nach der Messe oder nach einer Beerdigung</strong>. <strong>Und vielleicht finde ich ja irgendwann doch noch eine echte Wegwarte irgendwo zwischen Lünen und Selm&#8230; 😉</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--30);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--30)"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="357" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kaffee_Anzeige_Luener_Zeitung_1908-1024x357.jpg" alt="" class="wp-image-1789" style="aspect-ratio:2.8683573822037194;width:882px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kaffee_Anzeige_Luener_Zeitung_1908-1024x357.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kaffee_Anzeige_Luener_Zeitung_1908-300x105.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kaffee_Anzeige_Luener_Zeitung_1908-768x268.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kaffee_Anzeige_Luener_Zeitung_1908.jpg 1100w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Werbeanzeige in der Lünener Zeitung vom 17.09.1908 (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--30);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--30)"><img loading="lazy" decoding="async" width="1085" height="1450" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2026-06-02-Gedich_Zichorie_Hermann-Loens-1.jpg" alt="" class="wp-image-1794" style="aspect-ratio:0.7482769697821061;width:629px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2026-06-02-Gedich_Zichorie_Hermann-Loens-1.jpg 1085w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2026-06-02-Gedich_Zichorie_Hermann-Loens-1-224x300.jpg 224w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2026-06-02-Gedich_Zichorie_Hermann-Loens-1-766x1024.jpg 766w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2026-06-02-Gedich_Zichorie_Hermann-Loens-1-768x1026.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1085px) 100vw, 1085px" /></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Türen in Lünen</title>
		<link>https://andre-walter.de/tueren-in-luenen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 19:22:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus der heutigen Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte(n) zwischen Lünen und Selm]]></category>
		<category><![CDATA[Lünen]]></category>
		<category><![CDATA[Türen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1737</guid>

					<description><![CDATA[Durch Lünens historische Altstadt bin ich schon so oft in meiner Mittagspause gelaufen. Doch erst jetzt sind mir die teilweise sehr schönen Haustüren aufgefallen. Hier einige davon aus der Roggen-, Silber-, und Mauerstraße:]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Durch Lünens historische Altstadt bin ich schon so oft in meiner Mittagspause gelaufen. Doch erst jetzt sind mir die teilweise sehr schönen Haustüren aufgefallen. Hier einige davon aus der Roggen-, Silber-, und Mauerstraße:</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-full" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--10);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--10)"><img loading="lazy" decoding="async" width="1920" height="1440" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen00.jpg" alt="" class="wp-image-1760" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen00.jpg 1920w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen00-300x225.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen00-1024x768.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen00-768x576.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen00-1536x1152.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></figure>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-9 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex" style="margin-top:0;margin-bottom:0">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1741" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen1-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1741" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen1-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen1-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen1.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1743" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen2-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1743" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen2-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen2-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen2.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1742" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen3-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1742" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen3-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen3-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen3.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1740" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen4-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1740" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen4-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen4-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen4.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen5.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1739" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen5-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1739" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen5-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen5-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen5.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen6.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1738" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen6-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1738" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen6-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen6-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen6.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen7.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1750" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen7-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1750" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen7-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen7-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen7.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen8.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1751" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen8-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1751" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen8-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen8-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen8.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen10.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1747" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen10-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1747" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen10-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen10-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen10.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen9.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1749" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen9-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1749" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen9-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen9-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen9.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen11.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1753" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen11-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1753" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen11-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen11-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen11.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen12.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1754" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen12-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1754" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen12-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen12-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen12.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen13.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1752" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen13-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1752" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen13-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen13-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen13.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen14.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1748" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen14-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1748" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen14-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen14-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen14.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen15.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" data-id="1755" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen15-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1755" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen15-683x1024.jpg 683w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen15-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen15.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>
</figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="592" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen16-1024x592.jpg" alt="" class="wp-image-1757" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen16-1024x592.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen16-300x173.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen16-768x444.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen16-1536x888.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tueren-in-Luenen16.jpg 1869w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wie viel Verkehr fließt durch Selm?</title>
		<link>https://andre-walter.de/wie-viel-verkehr-fliesst-durch-selm/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 15:06:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus der heutigen Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Karten]]></category>
		<category><![CDATA[B236]]></category>
		<category><![CDATA[Bork]]></category>
		<category><![CDATA[Karte]]></category>
		<category><![CDATA[Kreisstraße]]></category>
		<category><![CDATA[QGIS]]></category>
		<category><![CDATA[Selm]]></category>
		<category><![CDATA[Strassen.NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Verkehr]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1687</guid>

					<description><![CDATA[Als ich über die Querungshilfe auf der Selmer Münsterlandstraße schrieb, kam mir die Frage: Wie viele Autos fahren denn überhaupt wirklich dort entlang? Also hab ich mir Zahlen besorgt – die allerdings von 2021 stammen. Denn die neusten Zahlen sind leider nicht mehr bei der Stadt Selm online. Zweifellos ist die Münsterlandstraße viel befahren, doch [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Als ich über die <a href="https://andre-walter.de/keine-querungshilfe-an-der-muensterlandstrasse/" data-type="post" data-id="1598">Querungshilfe auf der Selmer Münsterlandstraße</a> schrieb, kam mir die Frage: Wie viele Autos fahren denn überhaupt wirklich dort entlang?</strong> <strong>Also hab ich mir Zahlen besorgt – die allerdings von 2021 stammen. Denn die neusten Zahlen sind leider nicht mehr bei der Stadt Selm online.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweifellos ist die Münsterlandstraße viel befahren, doch nichts in Selm toppt den Borker Ostwall (B236): Beinahe 16.000 Fahrzeuge rollten dort an einem durchschnittlichen Werktag entlang. Ich habe mir die Zahlen von Straßen.NRW aus dem Jahr 2021 geschnappt und auf eine Karte gepackt:</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/themenkarte2026-06-verkehr_selm.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1920" height="1983" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/themenkarte2026-06-verkehr_selm.jpg" alt="" class="wp-image-1689" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/themenkarte2026-06-verkehr_selm.jpg 1920w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/themenkarte2026-06-verkehr_selm-290x300.jpg 290w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/themenkarte2026-06-verkehr_selm-991x1024.jpg 991w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/themenkarte2026-06-verkehr_selm-768x793.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/themenkarte2026-06-verkehr_selm-1487x1536.jpg 1487w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h3 class="wp-block-heading">Keine Selmer Daten, sondern vom Land</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich gäbe es für Selm sogar aktuelle Zahlen. Denn im Ausschuss für Stadtentwicklung, Mobilität, Umwelt- und Klimaschutz wurden im September 2025 die Ergebnisse der örtlichen Verkehrszählung 2025 vorgestellt, für die Stadt Selm die Firma nts beauftragt hatte. Leider sind diese Zahlen nicht im Bürgerinformationssystem eingestellt; auch im Protokoll dazu finden sich nur kurze Anmerkungen aus der Politik, jedoch nicht die Präsentation (<a href="https://www.sitzungsdienst-selm.de/bi/to020_r.asp?TOLFDNR=17640">siehe ALLRIS</a>). </p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher habe ich mich auf die aktuell veröffentlichten Werte für Nordrhein-Westfalen gestützt, die aus der <a href="https://www.strassen.nrw.de/de/periodische-verkehrszaehlungen.html">»Periodischen Straßenverkehrszählung«</a> vom Jahr 2021 stammen. Diese Straßenverkehrszählung findet bundesweit in der Regel alle fünf Jahre statt. Ursprünglich war die Erhebung für das Jahr 2020 vorgesehen, doch aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen wurde sie  um ein Jahr verschoben. Erst nachdem sich die Verkehrsmengen auf den Straßen wieder einigermaßen dem üblichen Niveau angenähert hatten, erfolgte die Erfassung im Jahr 2021.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Nordrhein-Westfalen wurden im Rahmen der Erhebung Verkehrsdaten an rund 7.000 Zählstellen auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen erfasst. Dabei kamen unterschiedliche Methoden zum Einsatz – von Dauerzählstellen mit Induktionsschleifen in der Fahrbahn über Radarsensoren bis hin zu Video- und manuellen Zählungen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Selm befinden sich die Zählstellen hier.</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1019" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/verkehr_sel-messtationen-1019x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1693" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/verkehr_sel-messtationen-1019x1024.jpg 1019w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/verkehr_sel-messtationen-300x300.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/verkehr_sel-messtationen-150x150.jpg 150w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/verkehr_sel-messtationen-768x772.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/verkehr_sel-messtationen.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1019px) 100vw, 1019px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Zahlen mit Sternchen &#8211; aber neue sind unterwegs</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Zahlen muss man aber bedenken: Zum einen wirkten sich die Folgen der Corona-Pandemie weiterhin auf das Mobilitätsverhalten aus. Homeoffice, eingeschränkte Veranstaltungen und veränderte Pendlerströme beeinflussten vielerorts die Verkehrsmengen. Zum anderen traf Nordrhein-Westfalen im Juli 2021 eine schwere Hochwasserkatastrophe. Zahlreiche Straßen wurden beschädigt oder zeitweise gesperrt, Umleitungen eingerichtet und Verkehrsströme verändert. Diese Ereignisse können sich lokal auf die gemessenen Werte ausgewirkt haben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Straßen.NRW weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass die Verkehrsdaten des Jahres 2021 immer vor dem Hintergrund dieser besonderen Umstände betrachtet werden sollten!</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="525" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_5-1024x525.jpg" alt="" class="wp-image-1694" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_5-1024x525.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_5-300x154.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_5-768x394.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_5-1536x788.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_5-2048x1051.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Verkehr auf der Münsterlandstraße</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Aktuell läuft übrigens bereits die nächste Zählung. Für Herbst 2026 werden die Ergebnisse in Aussicht gestellt, und das Beste (für mich) daran: die Daten liegen dann wieder in verschiedenen Formaten vor. Nicht nur in Texten und Tabellen, sondern auch in sogenannten Shape-Dateien, also Vektordaten. Und genau die sind ideal, wenn man eigene Landkarten basteln möchte! Dafür nutze ich das freie Programm QGIS, <a href="https://andre-walter.de/kartensammlung/" data-type="page" data-id="140">doch dazu mehr hier.</a> </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Daten des Landes geben natürlich noch viel mehr her. Über 300 Datensätze gibt es in der Tabelle je einzelnem Messpunkt. So ließe sich noch viel feiner auseinandernehmen, wie viel Verkehr auf LKW, Busse, Zweiräder, etc. entfällt. Unterschiede zwischen Werktags (sogar einzelne Wochentage) und Wochenende darstellen oder sogar für Sonn- und Feiertage</strong> <strong>– und alles nochmal einzeln aufgeteilt in beiden Fahrtrichtungen</strong>. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="847" height="940" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Datensatzbeschreibung_verkehrsmessung_auszug.jpg" alt="" class="wp-image-1704" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Datensatzbeschreibung_verkehrsmessung_auszug.jpg 847w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Datensatzbeschreibung_verkehrsmessung_auszug-270x300.jpg 270w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Datensatzbeschreibung_verkehrsmessung_auszug-768x852.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 847px) 100vw, 847px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Keine Querungshilfe an der Münsterlandstraße?</title>
		<link>https://andre-walter.de/keine-querungshilfe-an-der-muensterlandstrasse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 Jun 2026 08:33:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus der heutigen Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Lokalpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Selm]]></category>
		<category><![CDATA[Verkehr]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1598</guid>

					<description><![CDATA[»Eine Mittelinsel berge zu viele Gefahren.« Mit dieser Begründung hat Selm Bürgermeister Heinz-Georg Mors den bisherigen Plan einer Querungshilfe zwischen Auenpark und Seilandsiedlung beim Bürgerarbend zurückgewiesen, berichteten die Ruhr Nachrichten am 11. Juni. Ich muss zugeben: So ganz erschließt sich mir diese Argumentation nicht! Natürlich lässt sich von außen schwer beurteilen, welche fachlichen Bewertungen der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>»Eine Mittelinsel berge zu viele Gefahren.« Mit dieser Begründung hat Selm Bürgermeister Heinz-Georg Mors den bisherigen Plan einer Querungshilfe zwischen Auenpark und Seilandsiedlung beim Bürgerarbend zurückgewiesen, berichteten die Ruhr Nachrichten am 11. Juni. Ich muss zugeben: So ganz erschließt sich mir diese Argumentation nicht!</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="703" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_2-1024x703.jpg" alt="" class="wp-image-1611" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_2-1024x703.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_2-300x206.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_2-768x527.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_2-1536x1054.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_2.jpg 1630w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich lässt sich von außen schwer beurteilen, welche fachlichen Bewertungen der Stadt oder den zuständigen Straßenplanern vorliegen. Sichtweiten, Verkehrsaufkommen und weitere Kriterien spielen bei solchen Entscheidungen eine wichtige Rolle. Dennoch bleibt bei mir die Frage, welche konkreten Gründe gegen eine Mittelinsel an dieser Stelle sprechen sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer die Situation vor Ort kennt, weiß, dass die Münsterlandstraße hier bereits heute regelmäßig von Fußgängern und Radfahrern überquert wird. Die Gefahr entsteht also nicht erst durch eine mögliche Querungshilfe. Sie ist bereits vorhanden!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich selbst habe dort auch schon ein öfters mal minutenlang gestanden, weil sich keine Lücke auftat. Gerade mit Kindern oder im fortgestzten Alter braucht man Geduld: ist die eine Seite frei, kommt wieder von der anderen jemand. Das liegt auch daran, dass die beiden Kreisverkehre an den Enden der Straße den Verkehr permanent durchlassen, und nicht wie bei einer Ampelschaltung, in Wellen. (Was natürlich normalerweise bestens ist für den Verkehrsfluss, hier aber eben kaum eine Lücke lässt). Und vom Seiland kommen, erschwert die Kurve die Sicht zusätzlich:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="588" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_3-1024x588.jpg" alt="" class="wp-image-1612" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_3-1024x588.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_3-300x172.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_3-768x441.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_3.jpg 1497w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Wichtige Verbindung im »durchteilten« Selm</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Und das so viele Menschen hier über Straße wollen, hängt mit der Lage der Querungsstelle im Ort zusammen: Die Münsterlandstraße bildet zusammen mit der Bahnlinie eine deutliche Barriere für Fußgänger und Radfahrer. Zwischen dem Seiland, dem Auenpark, den Sportanlagen und den angrenzenden Wohngebieten gibt es jenseits der beiden Kreisverkehre sonst keine Möglichkeit, die Straße auf einer Länge von einem Kilometer zu überqueren. Die bestehende Wegeverbindung zwischen Auenpark und Seilandsiedlung ist deshalb nicht irgendein Übergang, sondern ein wichtiger Knotenpunkt im Fuß- und Radwegenetz:</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="869" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_Muensterlandstrasse_Querung_Karte-869x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1599" style="width:938px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_Muensterlandstrasse_Querung_Karte-869x1024.jpg 869w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_Muensterlandstrasse_Querung_Karte-255x300.jpg 255w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_Muensterlandstrasse_Querung_Karte-768x905.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_Muensterlandstrasse_Querung_Karte.jpg 994w" sizes="auto, (max-width: 869px) 100vw, 869px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kartendaten © OpenStreetMap-Beitragende, die Daten stehen unter der Open Database License (ODbL).Die Daten vom Land NRW (Schummerung, Gemeindegrenzen, etc.) stehen unter der Datenlizenz Deutschland – Zero – Version 2.0</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Karte zeigt sich sofort, dass sich an dieser Stelle verschiedene Wegebeziehungen bündeln. Menschen gelangen hier vom Wohngebiet in den Park oder in die jeweils andere Richtung. Die Verbindung wird genutzt, weil sie sinnvoll ist, weil sich nur hier eine Lücke in dieser »Barriere« befindet.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="530" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_Muensterlandstrasse_Querung_Karte2-1024x530.jpg" alt="" class="wp-image-1614" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_Muensterlandstrasse_Querung_Karte2-1024x530.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_Muensterlandstrasse_Querung_Karte2-300x155.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_Muensterlandstrasse_Querung_Karte2-768x398.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_Muensterlandstrasse_Querung_Karte2-1536x795.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_Muensterlandstrasse_Querung_Karte2.jpg 2017w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kartendaten © OpenStreetMap-Beitragende, die Daten stehen unter der Open Database License (ODbL).Die Daten vom Land NRW (Schummerung, Gemeindegrenzen, etc.) stehen unter der Datenlizenz Deutschland – Zero – Version 2.0</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Was geht in Bork, was in Selm nicht möglich ist?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Warum die bislang geplante Querungshilfe an dieser Stelle auf einmal nicht realisierbar ist&#8230; ich würde gerne die Gründe wissen. Ich frage mich das deshalb, weil es bereits auf genau dieser Bundesstraße in Selm eine Querungshilfe gibt: Nur wenige Kilometer entfernt im Ortsteil Bork befindet sich bereits eine Mittelinsel auf der B236, auf der Lünener Straße kurz vor der Einmündung In den Hahen. Nach meinem Eindruck ist die Fahrbahn dort nicht breiter als an der diskutierten Stelle zwischen Auenpark und Seilandsiedlung, sie ist sogar schmaler. Allein die Straßenbreite kann also kaum das entscheidende Argument sein. Zumal ja auch geplant ist, dass die Münsterlandstraße noch Platz für die Linksabbieger in den Auenpark bekommen soll (Abbiegespur). </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="566" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/luftbild_querungshilfe_selm_seilandstr-1024x566.jpg" alt="" class="wp-image-1606" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/luftbild_querungshilfe_selm_seilandstr-1024x566.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/luftbild_querungshilfe_selm_seilandstr-300x166.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/luftbild_querungshilfe_selm_seilandstr-768x424.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/luftbild_querungshilfe_selm_seilandstr-1536x849.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/luftbild_querungshilfe_selm_seilandstr.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Umso mehr stellt sich die Frage, welche konkreten Gründe gegen eine Querungshilfe sprechen. Sind es die Sichtverhältnisse? Das Verkehrsaufkommen? Vorgaben von Straßen.NRW? Oder andere Faktoren? Vielleicht gibt es gute Gründe. Aus dem Zeitungsbericht gehen sie allerdings nicht hervor und ich selbst war beim Bürgeraben leider nicht dabei. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorstellen könnte ich mir noch, dass man hier schräg über die Straße muss, weil beide Wege versetzt an der Straße enden; die Mittelinsel also ggf. länger sein muss.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="546" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_1-1024x546.jpg" alt="" class="wp-image-1610" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_1-1024x546.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_1-300x160.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_1-768x410.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_1-1536x820.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_1.jpg 1700w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<div style="height:21px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fest steht dagegen eines: Die Bedeutung dieser Verbindung für Fußgänger und Radfahrer wird nicht kleiner werden, je mehr Häuser im Auenpark entstehen</strong>. <strong>Deshalb wäre es wünschenswert, wenn die Diskussion nicht bei der Frage endet, warum eine Mittelinsel angeblich nicht möglich ist, sondern wie sie realisiert werden kann.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn die sichereren Alternative einer Über- oder Unterführung sind zu teuer, dass sagte der Bürgermeister selbst. Zudem haben beide Varianten ihre eigenen Vor-und Nachteile. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann wurde noch die Idee einer Bedarfsampel genannt… die ist für den Verkehrsfluss nicht so schön. Aber bevor auch hier wer sagt, dass geht doch nicht: eine Bedarfsampel gibt es bereits auf derselben Bundesstraße. Natürlich wieder in Bork , in Höhe der Püttstraße (Blumen Ahland) – nur 300 Meter von der dortigen Querungshilfe entfernt. In Bork geht offenbar mehr 😉</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="703" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_4a_KI-1024x703.jpg" alt="" class="wp-image-1726" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_4a_KI-1024x703.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_4a_KI-300x206.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_4a_KI-768x528.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/muensterlandstrasse_selm_4a_KI.jpg 1217w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<div style="height:54px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nachtrag 14.06.2026: Ich habe mir mal die Verkehrszahlen angeschaut. <a href="https://andre-walter.de/wie-viel-verkehr-fliesst-durch-selm/">Mehr dazu hier</a></strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 14: Ernte- und Herbstferien 1907</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-14-herbstferien-1907/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 May 2026 11:50:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte(n) zwischen Lünen und Selm]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[1907]]></category>
		<category><![CDATA[Lünen]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Werbenanzeigen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1547</guid>

					<description><![CDATA[Nachdem ich mich zuletzt mit dem Lehrerinnenzölibat beschäftigt habe, bin ich bei der weiteren Recherche für meinen historischen Roman gleich beim nächsten Schulthema hängen geblieben: den Herbstferien am Ende der Erntezeit. Die Handlung meines Romans beginnt kurz nach dem Herbstanfang im September 1907. Ein Großteil der Ernte ist da bereits eingefahren und das Erntedankfest steht [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nachdem ich mich zuletzt mit dem <a href="https://andre-walter.de/roman-recherche-13-lehrerinnen-zwischen-beruf-und-ehe/" data-type="post" data-id="1539">Lehrerinnenzölibat</a> beschäftigt habe, bin ich bei der weiteren Recherche für meinen <a href="https://andre-walter.de/recherche-fuer-meinen-historischen-roman/" data-type="post" data-id="952">historischen Roman</a> gleich beim nächsten Schulthema hängen geblieben: den Herbstferien am Ende der Erntezeit.</strong>  </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Handlung meines Romans beginnt kurz nach dem Herbstanfang im September 1907. Ein Großteil der Ernte ist da bereits eingefahren und das Erntedankfest steht vor der Tür. Da wie genannt auch eine Lehrerin eine wichtige Rolle im Roman spielt, habe ich versucht herauszufinden, wie es sich mit den Schulferien verhielt. Denn die Frage ist nicht unwichtig, ob meine Lehrerin morgens in der Schule unterrichtet oder ob sie Zeit für anderes hat. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich ist das keine leichte Recherche. Es scheint, dass Ferien damals in einem gewissen Umfang auch an den örtlichen, lokalen Begebenheiten angepasst waren und nicht zentral, wie heute für ein ganzes Bundesland, festgelegt wurde. Besonders spannend wurde es, als ich in der Lünener Zeitung von 1908 in den Septemberausgaben Werbeanzeigen »Zum Schulanfang« fand. Geworben wurde dort allerdings nicht für Schulhefte, Füllfederhalter oder Kreidetafeln, sondern für Bekleidung! Kinderhüte, Schürzenstoffen, Strümpfe, Matrosenmützen und allerlei Weiteres für Jungen und Mädchen:</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-10 is-layout-flex wp-container-core-gallery-is-layout-4ef45aab wp-block-gallery-is-layout-flex" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--10);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--10)">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="696" height="1024" data-id="1549" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang2-696x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1549" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang2-696x1024.jpg 696w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang2-204x300.jpg 204w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang2-768x1130.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang2.jpg 839w" sizes="auto, (max-width: 696px) 100vw, 696px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="619" height="982" data-id="1548" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang.jpg" alt="" class="wp-image-1548" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang.jpg 619w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang-189x300.jpg 189w" sizes="auto, (max-width: 619px) 100vw, 619px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Kleidungsanzeige_Dortmund.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="930" height="1024" data-id="1551" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Kleidungsanzeige_Dortmund-930x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1551" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Kleidungsanzeige_Dortmund-930x1024.jpg 930w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Kleidungsanzeige_Dortmund-272x300.jpg 272w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Kleidungsanzeige_Dortmund-768x846.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Kleidungsanzeige_Dortmund.jpg 948w" sizes="auto, (max-width: 930px) 100vw, 930px" /></a></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anzeigen in der Lünener Zeitung vom 5. bzw. 8. September 1908 (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessant finde ich außerdem, was die Zeitungsanzeigen nicht zeigen:  Während für Kleidung, Schuhe und Hüte großzügig geworben wurde, fand ich keine Werbung für Schulmaterialien. Vielleicht gab es damals eben nur die Kreidetafel oder einen Füllfederhalter und nicht wie heute verlangt, dutzende Stifte, Hefte, Papiere in bestimmten Formen, Farben, Maße.  Ein neuer Anzug oder ein paar ordentliche Schuhe stellten jedenfalls einen deutlich größeren Kostenfaktor dar und vermutlich war es wichtiger, wie das Kind angezogen war (Status).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="698" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-1024x698.jpg" alt="" class="wp-image-1540" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-1024x698.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-300x205.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-768x524.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-1536x1047.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt.jpg 1584w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eine Grundschulklasse aus Lünen 1905 (Quelle: Stadtarchiv Lünen).</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Anzeigen brachten mich aber auch ins Grübeln, wie denn wohl das Schuljahr ausgehen haben mag, wenn Anfang September mit dem Schulanfang geworben wurde.  Zumindest das ist klar: die schulfreien Zeiten orientierten sich sehr stark an der Landwirtschaft, wenn die Kinder auf den Feldern gebraucht wurden. Und im Vergleich zu heute auch noch stärker am kirchlichen Jahreskreis. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun soll mein Roman ja eben ein Roman sein und keine Doktorarbeit über das Kaiserreich, doch gerade solche Feinheiten entscheiden manchmal darüber, ob die Geschichte an der Stelle plausibel wirkt. Gleichzeitig darf ich mich aber (mit Blick auf die Uhr) auch nicht zu sehr in Details vertiefen. Ich nehme daher, als Kompromiss zwischen Recherche und Fiktion für meinen Roman mit:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich gab es im Münsterland um 1907 im Juli und August die großen Ernteferien. Die Äcker wurden abgeerntet, die Scheunen gefüllt. Dann folgte im September der reguläre Unterricht (daher die Zeitungsanzeigen zum Schulstart) und dann gab es nochmal einige Tage zum bzw. nach dem Erntedankfest frei. Die Ernteferien dienten also dazu, bei der Ernte zu helfen, und die Herbstferien lagen anschließend in einer Zeit, in der vielerorts Erntedankgottesdienste gefeiert und Märkte veranstaltet wurden. Danach konnte das Dorf nach den arbeitsreichen Sommermonaten zur Ruhe kommen und sich Anfang Oktober auf den Winter vorbereiten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large wp-duotone-duotone-1"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="739" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-1024x739.jpg" alt="" class="wp-image-938" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-1024x739.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-300x216.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-768x554.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-1536x1108.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-2048x1478.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Foto: G.Claus 1946; Flachsernte in der Geist, Lünen (Stadtarchiv Lünen)</strong></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">So wird es dann auch in meinem Roman geschehen. Am Samstag, 5. Oktober ist der letzte Schultag. Am anschließenden Sonntag findet dann das große Erntedankfest in meinem fiktiven Dorf statt. Mit Erntekrone, Aufzug der Vereine, Gottesdienst, der gemütlichen Einkehr in der Dorfkneipe  und anschließendem, großem Markt und Fest auf dem Dorfplatz. Und dann prallt sie wieder aufeinander, die alte Welt, und die neue Welt, die die Suche nach der Kohle ins Dorf bringt – und dazwischen ein paar Kinder, die sich einen Kohlkopf gemopst haben, um damit Ball zu spielen. Und ein aufgeregter Knecht, der ihnen hinterher rennt&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 13: Lehrerinnen zwischen Beruf und Ehe</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-13-lehrerinnen-zwischen-beruf-und-ehe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 May 2026 20:21:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[Lehrerinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Lünen]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1539</guid>

					<description><![CDATA[Beim Wort »Zölibat« denkt man heute meist an katholische Priester. Doch dass es in Preußen vor 120 Jahren auch ein staatliches Zölibat für Lehrerinnen gab, wurde mir erst bei den Recherchen für meinen historischen Roman bewusst. Ich bin zufällig darüber gestolpert, als ich mehr über Schulen im Münsterland um 1907 wissen wollte. Das sogenannte Lehrerinnenzölibat [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Beim Wort »Zölibat« denkt man heute meist an katholische Priester. Doch dass es in Preußen vor 120 Jahren auch ein staatliches Zölibat für Lehrerinnen gab, wurde mir erst bei den Recherchen <a href="https://andre-walter.de/recherche-fuer-meinen-historischen-roman/" data-type="post" data-id="952">für meinen historischen Roman</a> bewusst. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin zufällig darüber gestolpert, als ich mehr über Schulen im Münsterland um 1907 wissen wollte. Das sogenannte Lehrerinnenzölibat bedeutete, dass eine Lehrerin ihre Stelle aufgeben musste, wenn sie heiratete. Und nicht nur das: auch sämtliche Pensionsansprüche wurden gestrichen, da ja nun ein Mann für sie verantwortlich war. Eine Frau musste sich also entscheiden: unterrichten oder Ehe und Familie. Beides zugleich war ausgeschlossen. (Für männliche Lehrer galt eine solche Regel umgekehrt selbstverständlich nicht.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wirkt lange her, tatsächlich ist die zugrunde liegende Vorstellung aber noch gar nicht so lange aus der Welt verschwunden. Auch Flugbegleiterinnen mussten bei vielen Fluggesellschaften noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein unverheiratet bleiben oder ihre Stelle aufgeben, sobald sie heirateten. Die Idee, dass eine Frau entweder berufstätig sein oder eine Familie gründen könne, hielt sich erstaunlich lange. Erst in den 1970er Jahren verschwanden solche Vorschriften nach und nach.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="698" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-1024x698.jpg" alt="" class="wp-image-1540" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-1024x698.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-300x205.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-768x524.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-1536x1047.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt.jpg 1584w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eine Grundschulklasse aus Lünen 1905 (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Um 1907, der Zeit meines Romans, entsprach das Lehrerinnenzölibat dagegen dem vorherrschenden Rollenbild.  Denn im bürgerlichen Ideal des Kaiserreichs galt der Mann als Ernährer der Familie. Die Frau sollte den Haushalt führen und die eigenen Kinder erziehen. Doch eine Frau, die sich morgens um andere Kinder kümmert, kann keine eigenen Kinder aufziehen oder den Haushalt führen. Eine verheiratete Lehrerin widersprach somit diesem Rollenbild schon allein aus praktischen Gründen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem wurden gerade Volksschullehrerinnen als Erzieherinnen der Jugend gesehen. Viele Behörden waren der Meinung, nur eine unverheiratete Frau könne sich den Schulkindern vollständig widmen. Aus heutiger Sicht  paradox, denn gerade Mütter hätten eigentlich Erfahrung mit Kindererziehung gehabt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt, auch wenn das nicht immer so offen gesagt wurde: Lehrerstellen waren begehrte Beamtenposten und sichere Arbeitsplätze. Viele Politiker und Schulverwaltungen fanden, diese Stellen sollten vorzugsweise Männern offenstehen. Eine verheiratete Frau hatte nach damaliger Vorstellung bereits einen Versorger und sollte daher die Stelle nicht blockieren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann ist da der vielleicht wichtigste Punkt, der ebenso wenig offen genannt wurde: Bildung und ein eigenes Einkommen schaffen Unabhängigkeit. Und wer gelernt hat, Fragen zu stellen, beginnt vielleicht irgendwann auch, bestehende Regeln zu hinterfragen. Immerhin gehörten Lehrerinnen damals zu den wenigen Frauen, die überhaupt eine höhere Bildung erhalten hatten. Sie verdienten ihr eigenes Geld, lasen Zeitungen und hatten Zugang zu Literatur, verfolgten gesellschaftliche Entwicklungen und genossen meist hohes Ansehen. Gerade in einem Dorf konnten sie zu den gebildetsten Frauen überhaupt zählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Lehrerinnenzölibat erzählt uns also einiges mehr über die damalige Zeit, als es zunächst vermuten lässt. Mein fiktives Dorf im Roman liegt zwischen Münster und Dortmund, scheinbar weit entfernt von den großen Debatten der Zeit. Doch auch dort gerät die vertraute Ordnung ins Wanken. Die Suche nach Kohle verspricht den Menschen Wohlstand und Fortschritt, bringt aber auch neue Leute und neue Gedanken ins kleine, katholische Dorf. Gleichzeitig fürchten viele um ihre Heimat und die gewohnte Lebensweise. Die alte und die neue Welt prallen aufeinander, auch in der Schule. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Dorf lebt so eine Frau, die gelesen hat, die Fragen stellt und die sich nicht damit begnügt, alles als gottgegeben hinzunehmen. Sie wird von der Dorfgemeinschaft als Lehrerin zwar äußerst respektiert, aber manchmal sind ihre scharfen Beobachtungen auch lästig. Etwa, wenn sie den Dorftratsch nicht mitmacht, sondern analytisch auf die wahren Hintergründe schaut. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich verrate ich an dieser Stelle nicht, welche Rolle das Thema tatsächlich im Roman spielen wird. Aber beim Lesen über das Lehrerinnenzölibates hatte ich mehrfach das Gefühl, einem historischen Detail zu begegnen, das Größer ist, um nur als Fakt am Rande des Romans mitzuschwingen. Denn letztlich geht es dabei um eine Frage, die heute genau so gilt: Bin ich bereit, meine Leidenschaft und mein Interesse für etwas anderes aufzugeben? Oder zumindest einzutauschen? Es sind Hoffnungen, Zweifel und Sehnsüchte, die Menschen auch heute bewegen. In jedem Fall ist das ein Fundament für die Gestaltung einer meiner Romanfiguren und ihrer Gedankenwelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Offiziell verschwand das Lehrerinnenzölibat übrigens nach dem Ersten Weltkrieg mit der Weimarer Verfassung vom 11. August 1919.</strong> In der Praxis vermutlich nicht so schnell, wie das Beispiel der Flugbegleiterinnen zeigt. Die dürfen heute rechtlich zwar selbstverständlich heiraten, vermutlich ist das aber manchmal aus anderen Gründen, der der Beruf mitbringt,  auch nicht immer so einfach (siehe z.B. dieser Link: <a href="https://cabincrew24.com/de/can-cabin-crew-get-married/">Können Flugbegleiter heiraten? Die Wahrheit über die Liebe am Himme</a>l)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mehr zum Lehrerinnenzölibat im Internet: </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/geschichte-lehrer-bildungspolitik-gleichberechtigung-1.4557432">https://www.sueddeutsche.de/politik/geschichte-lehrer-bildungspolitik-gleichberechtigung-1.4557432</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://idw-online.de/de/news720052">https://idw-online.de/de/news720052</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 12: Als das Fahrrad ins Dorf kam</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-12-als-das-fahrrad-ins-dorf-kam/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 May 2026 09:05:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1383</guid>

					<description><![CDATA[Wenn man heute an das Münsterland denkt, denkt man fast automatisch auch an Fahrräder. Vorallem Münster selbst ist ja der Inbegriff des Fahrradfahrens schlechthin. Doch wie war es vor 120 Jahren, der Zeit meines Romans? Zumindest lässt sich sagen: Um 1900 taucht das Fahrrad plötzlich überall auf. Nicht sofort auf jedem Bauernhof, aber schleichend als [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wenn man heute an das Münsterland denkt, denkt man fast automatisch auch an Fahrräder. Vorallem Münster selbst ist ja der Inbegriff des Fahrradfahrens schlechthin. Doch wie war es vor 120 Jahren, <a href="https://andre-walter.de/recherche-fuer-meinen-historischen-roman/">der Zeit meines Romans?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zumindest lässt sich sagen: Um 1900 taucht das Fahrrad plötzlich überall auf. Nicht sofort auf jedem Bauernhof, aber schleichend als ernstes</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zufällig bin ich vor einiger Zeit im Urlaub im <strong>Phantechnikum in Wismar</strong> (Mecklenburg-Vorpommern) auf mehrere Räder aus genau dieser Zeit gestoßen. Dünne Reifen, schmale Rahmen, Ledersättel, kleine Laternen aus Messing. Alles wirkt gleichzeitig elegant und fragil. Fast so, als dürfe man damit nur bei gutem Wetter fahren. Und doch waren diese Räder gebaut für schlechte Wege, für lange Strecken und für Menschen, die oft nichts anderes hatten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="445" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_2-1024x445.jpg" alt="" class="wp-image-1385" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_2-1024x445.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_2-300x130.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_2-768x334.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_2-1536x668.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_2.jpg 1584w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders interessant fand ich dort eine Tafel zur Entwicklung der modernen Fahrräder zwischen 1900 und 1920. Beschrieben wird, wie aus den frühen Niederrädern nach und nach das Fahrrad entstand, das wir heute noch erkennen würden: zwei gleich große Räder, Kettenantrieb, Sitz zwischen den Rädern. Erst mit dem Freilauf wurde das Fahren wirklich alltagstauglich. Vorher musste man die Füße beim Bergabfahren sogar von den Pedalen nehmen und auf die Vordergabel stellen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="502" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_3-1024x502.jpg" alt="" class="wp-image-1386" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_3-1024x502.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_3-300x147.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_3-768x376.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_3-1536x752.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_3.jpg 1972w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu passt auch ein Foto, das ich auf dem Stadtfest in Selm gemacht habe. Zu sehen ist dort ein sogenanntes Hochrad aus dem späten 19. Jahrhundert,  also noch die Zeit vor den Fahrrädern, wie sie um 1907 bereits üblich wurden. Typisch für diese frühen Modelle war das riesige Vorderrad. Die Pedale saßen damals direkt an dessen Achse. Einen Kettenantrieb gab es noch nicht. Wer schneller fahren wollte, brauchte also schlicht ein größeres Rad.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="689" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hochrad_stadtfest_selm-1024x689.jpg" alt="" class="wp-image-1387" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hochrad_stadtfest_selm-1024x689.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hochrad_stadtfest_selm-300x202.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hochrad_stadtfest_selm-768x517.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hochrad_stadtfest_selm-1536x1034.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hochrad_stadtfest_selm.jpg 1605w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Allein das wirkt heute schon fast absurd. Und bequem oder sicher war das Ganze wohl ebenfalls nicht. Auf schlechten Wegen konnten Fahrer leicht nach vorne stürzen. Trotzdem muss so ein Gefährt damals wie ein Blick in die Zukunft gewirkt haben. Besonders passend fand ich allerdings den Werbespruch auf dem alten Plakat daneben. Das Fahrrad wird dort beschrieben als</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph">»ein immer gesatteltes Pferd, das nichts frisst«.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Besser kann man den technischen Fortschritt jener Zeit wohl kaum zusammenfassen! Für Menschen, die ihr Leben lang mit echten Pferden, Fuhrwerken und langen Fußmärschen aufgewachsen waren, muss genau das die eigentliche Sensation gewesen sein: plötzlich unabhängig zu sein von Stall, Futter und Pferd. Einfach aufsteigen und losfahren – zumindest so weit, wie die eigene Beine Kraft haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für ein Dorf im Münsterland bedeutete ein Fahrrad damit plötzlich etwas ganz Konkretes: Entfernungen schrumpften. Das Fahrrad brachte Bewegung in eine Welt, die jahrhundertelang vergleichsweise klein geblieben war. Viele Menschen verließen ihr Dorf nur selten.  Nun wurde der Weg in die Nachbarstadt kürzer. Knechte, Häncler und Handwerker kamen weiter herum. Junge Leute konnten Orte erreichen, die vorher praktisch außerhalb ihres Lebens lagen. Vor allem für die Landbevölkerung muss das ein Einschnitt gewesen sein, wenn das Zweirad Wege auf ein Drittel oder weniger in der Zeit schrumpfen ließ. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders hängen geblieben ist mir im Museum ein Foto eines Mannes auf Fahrradreise von 1903. Museumskonservator Adolf Stubenrauch schrieb damals trotz »vieler nasser Puckel und des permanenten Regens« begeistert von seiner Tour durch Vorpommern. Das klingt erstaunlich modern. Offenbar gehörte es schon damals dazu, sich über Wetter, schlechte Wege und Müdigkeit zu beklagen  und am nächsten Morgen trotzdem weiterzufahren.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="862" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_1-862x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1388" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_1-862x1024.jpg 862w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_1-253x300.jpg 253w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_1-768x912.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Museum_Wismar_Fahrrad_1.jpg 929w" sizes="auto, (max-width: 862px) 100vw, 862px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die wichtigsten Entwicklungsschritte des Fahrrads bis etwa 1907 lassen sich sogar auf wenige große Erfindungen herunterbrechen. Vieles davon wirkt heute selbstverständlich, war damals aber geradezu revolutionär:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>1817: Die Draisine von Karl von Drais</strong><br>Der eigentliche Beginn der Fahrradgeschichte. Ein lenkbares Zweirad ohne Pedale, das mit den Füßen abgestoßen wurde. Zum ersten Mal funktionierte das Zweiradprinzip überhaupt.<br></li>



<li><strong>1861–1863: Pedale am Vorderrad</strong><br>Pierre Michaux entwickelte das erste Fahrrad mit Tretkurbeln direkt am Vorderrad. Damit wurde aus der Laufmaschine ein echtes Fahr-Rad.<br></li>



<li><strong>Ab 1870: Das Hochrad</strong><br>Um schneller fahren zu können, wurde das angetriebene Vorderrad immer größer. So entstanden die berühmten Hochräder. Schnell, spektakulär — aber auch gefährlich. Viele Fahrer stürzten kopfüber nach vorne.<br></li>



<li><strong>1885: Das Sicherheitsniederrad</strong><br>Der große Durchbruch zum modernen Fahrrad. John Kemp Starley entwickelte das sogenannte »Safety Bicycle« mit zwei ähnlich großen Rädern, Kettenantrieb und niedrigem Schwerpunkt. Dieses Prinzip wird bis heute verwendet.<br></li>



<li><strong>1888: Der Luftreifen</strong><br>John Boyd Dunlop erfand den Luftreifen. Erst dadurch wurden Fahrräder wirklich bequem und alltagstauglich, besonders auf schlechten Straßen und Kopfsteinpflaster.<br></li>



<li><strong>Um 1900: Freilauf und bessere Bremsen</strong><br>Der Freilauf machte das Fahren deutlich angenehmer, weil die Pedale beim Rollen nicht mehr ständig mitdrehten. Gleichzeitig verbesserten sich Bremsen, Rahmen und Bereifung. Das Fahrrad wurde endgültig zum Massenverkehrsmittel.<br></li>



<li><strong>Bis 1907:</strong><br>Das Fahrrad hatte seine heutige Grundform praktisch schon erreicht: Diamantrahmen, Kettenantrieb, Luftreifen, Lenker und zwei gleich große Räder. Viele Räder aus der Zeit um 1907 sehen deshalb überraschend modern aus.<br><br>(Vgl. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Fahrrads">https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Fahrrads</a>)</li>
</ul>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="672" height="992" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Terront.jpg" alt="" class="wp-image-1389" style="width:945px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Terront.jpg 672w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Terront-203x300.jpg 203w" sizes="auto, (max-width: 672px) 100vw, 672px" /><figcaption class="wp-element-caption">Von Henri Meyer / Fortuné Méaulle &#8211; http://www.afn.org/~wilson/terront.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4456097</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Für meinen Roman ist das alles spannend. Denn ein Fahrrad verändert nicht nur Fortbewegung. Es verändert auch das Denken und die Möglichkeiten: Ein junger Mann aus dem Dorf konnte plötzlich regelmäßig in die Stadt fahren. Eine Tochter vom Hof kam vielleicht schneller und unbeobachteter irgendwohin, als ihren Eltern lieb war. Nachrichten, Ideen und Bekanntschaften bewegten sich schneller durch die Gegend.  Vielleicht begann die Moderne auf dem Land für viele leise klackernd mit einer Fahrradkette auf einem sandigen Weg zwischen zwei Feldern?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Großmutter, Jahrgang 1926, erzählte jedenfalls immer mit großer Freude von ihren Fahrten mit dem Fahrrad. Zusammen mit ihrer Freundin fuhr sie von Waltrop nach Selm zur Tante. Ich weiß nicht mehr genau, wie lange die Strecke dauerte und welchen Weg sie nahmen. Aber sie schwärmte immer davon. Der Korb vollgepackt mit Brot, Speck und allem, was man bei der Tante tauschen wollte. Nur einmal wäre eine solche Fahrt beinahe tödlich geendet. Im Zweiten Weltkrieg musste sie sich bei einem Tieffliegerangriff im letzten Moment auf offenem Feld in Sicherheit bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Fahrrad war damals längst mehr geworden als nur ein Fortbewegungsmittel. Es stand für Beweglichkeit, Freiheit und ein Stück neue Zeit. Ähnlich wie die ersten Fabriken, Telegraphenleitungen, Bahnschienen oder später die Automobile. Nicht zufällig entstanden damals vielerorts Radfahrervereine. Und auch neue Wörter verbreiteten sich. In Münster sagte man bald »Leeze«, anderswo »Fietse« und die Zweiräder<strong> </strong>bekamen ihren festen Platz im Alltag.<strong> </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auch in meinem Roman werden Fahrräder eine wichtige Rolle für ein geheimes Treffen spielen. </strong> <strong>Aber damals, im echten Münsterland des Jahres 1907 stand wahrscheinlich irgendwo am Wegrand ein Bauer, sah dem Fahrer nach und dachte: So etwas braucht doch kein Mensch&#8230;</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="847" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hochrad_museum_wismar-847x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1392" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hochrad_museum_wismar-847x1024.jpg 847w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hochrad_museum_wismar-248x300.jpg 248w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hochrad_museum_wismar-768x928.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hochrad_museum_wismar.jpg 1254w" sizes="auto, (max-width: 847px) 100vw, 847px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Selms neue Busverbindungen ab Mai 2026</title>
		<link>https://andre-walter.de/selms-neue-busverbindungen-ab-mai-2026/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 May 2026 19:21:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus der heutigen Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Karten]]></category>
		<category><![CDATA[Bus]]></category>
		<category><![CDATA[Karte]]></category>
		<category><![CDATA[Selm]]></category>
		<category><![CDATA[VKU]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1192</guid>

					<description><![CDATA[Zum 25. Mai 2026 tritt der neue Nahverkehrsplan der VKU in Kraft. Die altbekannten Linien R19 und D19 verschwinden, dafür kommt das neue X- und Y-Liniensystem der VKU nach Selm und bringen eine Direktverbindung nach Werne. X und Y? Was ein wenig nach einer alten Sendung von Eduard Zimmermann klingt, ist ein neues Konzept für [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zum 25. Mai 2026 tritt der neue Nahverkehrsplan der VKU in Kraft. Die altbekannten Linien R19 und D19 verschwinden, dafür kommt das neue X- und Y-Liniensystem der VKU nach Selm und bringen eine Direktverbindung nach Werne</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">X und Y? Was ein wenig nach einer alten Sendung von Eduard Zimmermann klingt, ist ein neues Konzept für den gesamten Nahverkehr im Kreis Unna:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1005" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_neue_Buslinien_ab_2026-05-1-1005x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1195" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_neue_Buslinien_ab_2026-05-1-1005x1024.jpg 1005w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_neue_Buslinien_ab_2026-05-1-295x300.jpg 295w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_neue_Buslinien_ab_2026-05-1-768x782.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_neue_Buslinien_ab_2026-05-1-1508x1536.jpg 1508w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Selm_neue_Buslinien_ab_2026-05-1.jpg 1822w" sizes="auto, (max-width: 1005px) 100vw, 1005px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die X-Linien</strong> verbinden zentrale Punkte im Kreis Unna auf direktem Weg, orientieren sich an der Geschwindigkeit des Autoverkehrs und schließen schienenferne Orte an das Bahnnetz an. Das geht in die Richtung der bisherigen Direktbusse, ist aber noch flotter, da nur noch zentrale Haltestellen bedient werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In Selm beginnt die Linie<strong> X9</strong>: Sie startet am <strong>Bahnhof Beifang</strong> und fährt über das Selmer Zentrum (Haltestellen Schulzentrum und Kamphaus) sowie Bork (Amtshaus) und Cappenberg (Kreuzkamp) nach Werne. Bislang gab es keine durchgehende Linie nach Werne, eher nach Bedarf bzw. vorallem im Schülerverkehr. Hier zeigt sich schon die Beschleunigung, denn es werden in Selm, Bork und Cappenberg eben auch nur die vier genannten Haltestellen angefahren. Alles dazwischen wird nicht bedient. Von Werne führt die X9 weiter über Bergkamen bis nach Kamen</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Y-Linien</strong> bildet das dazugehörige Erschließungsnetz. Diese Linien dienen als lokale Zu- und Abbringer, die Wohngebiete und Stadtteile flächig abdecken und die Fahrgäste zu den zentralen Knotenpunkten oder Bahnhöfen transportieren. Regionallinien tragen dabei dreistellige Nummern, örtliche Linien zweistellige Nummern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Selm bedeutet das: ab dem 25. Mai werden aus R19/D19  die Regionalinien 210 und 211, ergänzt um die örtliche Linie 10. Die gewohnten Verbindungen nach Lünen und Lüdinghausen werden neu aufgeteilt und sind nur zum Teil identisch mit den beiden Vorläufern:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Regionallinie 211:</strong> Sie übernimmt die die bisherige Strecke Selm Bahnhof – Bork – Lünen ZOB. Es ist ein grober Ersatz für die R19/D19, denn die neue Route konzentriert sich stärker auf die Hauptverkehrszeiten. Im Gegensatz zur alten R19, führt die neue Strecke auch <strong>nicht mehr über Cappenberg</strong>, sondern direkt nach Lünen, wie einst die D19. Doch ab der Stadtgrenze gibt es Änderungen, denn die 221 folgt in nicht mehr der Borker Straße wie die D19, sondern führt über Laakstraße und Cappenberger Straße. Einerseits <strong>entfällt dadurch leider der wichtige Halt am Marienhospital</strong>, andererseits ist die Führung durch Nordlünen »entschlackter«. Die Fahrtzeit verkürzt sich dadurch. <strong>Zudem wird die Linie ab dem ZOB noch bis ins Geistviertel verlängert (Ersatz für die alte Linie 118), wer von Selm dorthin will, kann also einfach sitzen bleiben.</strong> Zudem wird die Weiterführung nach Lüdinghausen jetzt nur noch teilweise bedient; hier ist das Angebot eingeschränkter. <br><br></li>



<li><strong>Regionallinie 210:</strong> Diese Linie übernimmt die Anbindung von Cappenberg an den Lüner ZOB. Also den Part, den die R19 früher übernahm, aber ab Mai dann auch hier: direkt zum ZOB. Ohne Umwege und somit annähernd dieselbe Route, die man auch mit dem PKW fahren würde. Wobei, nicht ganz. Neu ist hier die Haltestelle Rosenstraße und eben der Umstand, dass diese Linie wirklich nur Cappenberg mit Lünen verbindet, und sonst nichts. <br><br></li>



<li><strong>Stadtlinie 10</strong>: Sie beginnt am Bahnhof Beifang, der bislang ja nicht regulär angefahren wurde. Die Route führt über die neue Haltstelle Campus Süd (Sunshine/Turnhalle) durch das Dorf und Werner Straße, und folgt dann größtenteils auf der Kreisstraße wieder der alten R19-Streckenführung bis nach Cappenberg, wo Endstation ist. <br><br></li>



<li>Ergänzt wird das Angebot noch um die <strong>»Linie auf Bestellung« 319:</strong> Bahnhof Selm – Bork – Cappenberg – Werne-Langern – Varnhövel – Werne, Stadthaus. Diese Linie ist nicht im Plan oben eingezeichnet, das sie nur nach telefonischer Anmeldung fährt. </li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Knotenpunkt Bahnhof Selm-Beifang</strong><br>Der Bahnhof Beifang gewinnt durch den neuen Plan an sehr an Bedeutung. Er fungiert künftig als Verknüpfungspunkt zwischen der Regionalbahn 51 und der neuen X9 bzw. der Stadtlinie 10. Wer aus dem Zug steigt, hat dort künftig den direkten Anschluss Richtung Werne und in weite Teile des Stadtgebietes. Zudem wird der Bahnhof auch zur sogenannten »Mobilstation«, einem neuen Angebot in NRW für »die letzte Meile«. Das bedeutet, hier werden alle möglichen Leistungen rund um Mobiliät nochmal gebündelt und verknüpft. (mehr dazu auf der <a href="https://www.mobil.nrw/verbinden/vernetzt-mobil-dank-mobilstationen.html" data-type="link" data-id="https://www.mobil.nrw/verbinden/vernetzt-mobil-dank-mobilstationen.html">Internetseite der Mobilstationen NRW</a>)</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="773" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mobilstation-nrw-sandforterweg-selm-773x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1200" style="width:905px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mobilstation-nrw-sandforterweg-selm-773x1024.jpg 773w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mobilstation-nrw-sandforterweg-selm-226x300.jpg 226w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mobilstation-nrw-sandforterweg-selm-768x1018.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mobilstation-nrw-sandforterweg-selm.jpg 815w" sizes="auto, (max-width: 773px) 100vw, 773px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="514" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mobilstation_Bahnhof_Beifang_Selm-1024x514.jpg" alt="" class="wp-image-1206" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mobilstation_Bahnhof_Beifang_Selm-1024x514.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mobilstation_Bahnhof_Beifang_Selm-300x151.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mobilstation_Bahnhof_Beifang_Selm-768x385.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mobilstation_Bahnhof_Beifang_Selm-1536x771.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/mobilstation_Bahnhof_Beifang_Selm-2048x1028.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Neu ist auch: Haltestellen, die nur bei Bedarf oder unregelmäßig angefahren werden, haben jetzt keinen Aushangfahrplan mehr. Lediglich ein QR-Code weist auf Näheres hin:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="912" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/fahrplan-qr-vku-912x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1196" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/fahrplan-qr-vku-912x1024.jpg 912w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/fahrplan-qr-vku-267x300.jpg 267w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/fahrplan-qr-vku-768x862.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/fahrplan-qr-vku.jpg 962w" sizes="auto, (max-width: 912px) 100vw, 912px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Meine <strong>Gedanken als Busnutzer zum neuen Plan</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nachdem ich selbst viele Jahre die Linie R19/D19 für meinen Arbeitsweg genutzt habe, fallen mir einige Punkte dazu ein. </strong><br><strong>Ab hier also meine sehr persönliche Meinung als »Kunde«:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Grundsätzlich ist der Plan für Selm solide und hat viele neue Ansätze, die mir gefallen. Darunter die Anbindung des Beifanger Bahnhofs, die Haltstelle am Campus, die Direkverbindung von Cappenberg nach Lünen und die Expresslinie nach Werne auch. Insgesamt wirkt Selm besser angeschlossen. <strong>Vorallem die Aufwertung des Beifanger Bahnhof finde ich richtig gut!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Schade (aber nachvollziehbar) finde ich, dass der <strong>Bahnhof Bork nicht in die Linie 10 integriert werden kann.</strong>  Das hätte zwar die Anbindung ins Dorfzentrum ermöglicht, nur sind die Gründe vielfältig, die dagegen sprechen. Einerseits die Bahnzeiten: Denn wenn man unterstellt, dass es schon am Bahnhof Beifang passen mussen, dann wäre das in Bork nur mit langen Wartezeiten möglich gewesen (schließlich liegen ja nur 2-3 Minuten Bahnfahrtzeit zwischen den Bahnhöfen). Bringt ja auch nichts, wenn der Bus 30 Minuten nach dem Zug in Bork kommt. Möglicherweise ist die Bahnhofstraße/Hauptstraße aber auch schlicht zu eng für einen Bus; gerade im Bereich der Kirche ist mit dem PKW schon eng. Und Donnerstag ist die Straße auch noch stundenweise für den Wochenmarkt gesperrt. <br><br></li>



<li><strong>Für die Linie 211 sehe ich wirklich verschenktes Potenzial, dass sie ab dem Amtshaus Bork ähnlich der alten D19 nach Lünen fährt. Hier wäre eine Route über Alstedde nach Lünen meiner Einschätzung nach ein großer Gewinn geworden. </strong> Dadurch hätte zum Beispiel das LAFP angebunden werden können, das bislang nicht im Netz ist; ebenso den Bereich Fasenstraße/Heidestraße. Zudem wäre Alstedde auch mal in die andere Richtung an die Welt angeschlossen und nicht nur nach Lünen. Das wäre ja zumindest bis zu dem Tag interessant gewesen, bis Alstedde den Bahnhalt der RB51 zwischen Selm und Lünen erhält (irgendwann nach 2030&#8230;). Zu guter letzt hätte man damit <strong>weiterhin das St. Marien-Hospital in Lünen direkt mit Selm verbunden gehabt.</strong> Das finde ich sogar den wichtigsten Punkt, denn (in meiner nicht repräsentativen Einschätzung) war die Haltestelle viel genutzt von ambulanten Patienten, Besuchern und Beschäftigten. Die müssen jetzt am ZOB in den Bus nach Alstedde wieder umsteigen. Vielleicht sind hier der limitieren Faktor aber auch ganz simpel die 4 Meter Durchfahrtshöhe der Eisenbahnbrücke (Waltroper Straße). Gut möglich, dass da gar kein Bus drunter her passt?<br><br></li>



<li><strong>Als Gewinn sehe ich, dass die Linien 210 und 211 jetzt die Cappenberger Straße direkt zum ZOB runter rollen.</strong> Die bisherigen Schlenker durch Nordlünen habe ich nie verstanden. Zumindest seit dem Tag, seitdem große Gelenkbusse im Einsatz sind, war mir dieses Durchzwängen durch die Hans-Böckler-Straße immer ein Unverständnis. Wie oft der Bus in Milimeterarbeit sich zwischen Autos und Mülltonnen bewegen musste&#8230;.und das machte diese Route im Vergleich zum PKW auch wirklich unattraktiv. Besonders, wenn man das Ziel (den ZOB) schon in Sichtweite hatte, der Bus aber kaum von der Ernst-Bäcker-Straße dorthin kam, weil sich der Verkehr auf der Hauptstraße staute. Das wird nun leichter, wenn der Bus schon auf der Hauptstraße ist. <br><br></li>



<li><strong>Bezüglich der Linie X9 bin ich hin und hergerissen</strong>&#8230; Die Anbindung nach Werne ist vom Grunsatz bestens und nötig. Ich frage mich aber auch, <strong>ob es nicht ein Versuch Wert gewesen wäre, die Linie direkt nach der Haltestelle Kamphaus nach Werne zu führen</strong>. Also nicht über Bork und nicht über Cappenberg. Denn damit hätte sich die Chance auf eine Haltstelle im Industriegebiet ergeben, welches auch im neuen Plan überhaupt nicht angebunden ist. Ich schätze, dass dies mit dem Schülerverkehr von Bork und Cappenberg nach Werne zu tun hat bzw. die Bedarfsanalyse der VKU eben viele Fahrgäste auch aus Bork sieht. <br><br></li>



<li>Im Gegenzug wäre eine <strong>Weiterführung der X9 vom Bahnhof Beifang nach Olfen</strong> sicher auch eine Option gewesen. Im Grunde sogar, wenn man das jetzt in einem größeren Maßstäb über die Verkergesellschaften/-Verbünde hinaus denken würde, wäre damit eine direkte Schnellverbindung Haltern &#8211; Olfen &#8211; Selm &#8211; Werne &#8211; Hamm möglich gewesen. Also genau quer zu den drei Bahnlinien nach Münster. Aber das wäre wohl zu viel Wunschdenken und da muss man realistisch sagen: es wären nicht nur die Kosten, sondern auch fünf Städte, zwei Kreise und zwei Bezirksregierungen, die man da unter einen Hut bringen müsste.  Unrealistisch, doch manchmal muss man sich vielleicht etwas Großes wünschen, damit wenigstens etwas Kleines dabei heraus kommt? 😉</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Alle Angaben basieren auf eigene Recherche, allerdings ohne Gewähr. Bei mehr Interesse, finden sich hier die Pläne aller Kommunen im Kreis Unna: </strong><a href="https://www.vku-online.de/liniennetzplaene/"><strong>https://www.vku-online.de/liniennetzplaene/</strong></a>  <strong>sowie die Fahrplanauskunft: <a href="https://www.vku-online.de/fahrt-planen/fahrplanauskunft/">https://www.vku-online.de/fahrt-planen/fahrplanauskunft/</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="613" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/vku-neue-linienfuehrung-schilder-1024x613.jpg" alt="" class="wp-image-1197" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/vku-neue-linienfuehrung-schilder-1024x613.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/vku-neue-linienfuehrung-schilder-300x180.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/vku-neue-linienfuehrung-schilder-768x460.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/vku-neue-linienfuehrung-schilder-1536x920.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/vku-neue-linienfuehrung-schilder.jpg 1804w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Damit die Busse den neuen Routen folgen, hängen schon Schilder überall in Selm</figcaption></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 11: Von der Sedanstraße und alten Veteranen</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-11-von-der-sedanstrasse-und-alten-veteranen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 May 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte(n) zwischen Lünen und Selm]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[1870/71]]></category>
		<category><![CDATA[Lünen]]></category>
		<category><![CDATA[Straßennamen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1153</guid>

					<description><![CDATA[Drei alte Männer sitzen vor der Kamera: weiße Bärte, dunkle Anzüge, Orden auf der Brust. Im Jahr 1907, der Zeit meines Historienromans, liegt der Krieg, in dem sie kämpften schon drei Jahrzehnte zurück. Aber seine Spuren und Erinnerungen sind damals noch überall im Alltag präsent, selbst in einem kleinen Münsterländer Dorf. Besonders spannend: Diese Spuren [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Drei alte Männer sitzen vor der Kamera: weiße Bärte, dunkle Anzüge, Orden auf der Brust. Im Jahr 1907, d<a href="https://andre-walter.de/recherche-fuer-meinen-historischen-roman/" data-type="post" data-id="952">er Zeit meines Historienromans</a>, liegt der Krieg, in dem sie kämpften schon drei Jahrzehnte zurück. Aber seine Spuren und Erinnerungen sind damals noch überall im Alltag präsent, selbst in einem kleinen Münsterländer Dorf. </strong><br><br><strong>Besonders spannend: Diese Spuren sind sogar heute, im Jahr 2026, noch da: auf einem unscheinbaren Straßenschild Namens »Sedanstraße« in Lünen und vielen anderen Städten. </strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2282-Veteranen-deutsch-franzoesischer-Krieg-1870-71-um-1928-Foto-unbekannt.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="667" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2282-Veteranen-deutsch-franzoesischer-Krieg-1870-71-um-1928-Foto-unbekannt-1024x667.jpg" alt="" class="wp-image-1156" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2282-Veteranen-deutsch-franzoesischer-Krieg-1870-71-um-1928-Foto-unbekannt-1024x667.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2282-Veteranen-deutsch-franzoesischer-Krieg-1870-71-um-1928-Foto-unbekannt-300x195.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2282-Veteranen-deutsch-franzoesischer-Krieg-1870-71-um-1928-Foto-unbekannt-768x500.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2282-Veteranen-deutsch-franzoesischer-Krieg-1870-71-um-1928-Foto-unbekannt-1536x1000.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2282-Veteranen-deutsch-franzoesischer-Krieg-1870-71-um-1928-Foto-unbekannt.jpg 1659w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Veteranen 1928, Unbekannter Fotograf (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man in die Gesichter dieser drei Männer blickt, sieht man weit mehr als nur alte Veteranen. Das Foto, aufgenommen im Lünen des Jahres 1928, zeigt, wie sie im hohen Alter noch einmal ihren »Sonntagsstaat« angelegt haben. Die dunklen Anzüge sitzen tadellos, die Bärte sind akkurat gestutzt. Zu der Zeit war der <strong>Deutsch-Französische Krieg von 1870/71</strong> bereits 51 Jahre vergangen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie in diesen Krieg zogen, waren sie junge Männer. Und als dieses Foto entstand, hatten sie ein halbes Jahrhundert Leben hinter sich. Alle drei Männer tragen auf dem Foto eine Mischung aus Kriegsdenkmünzen, Veteranenauszeichnungen und vermutlich Vereinszeichen. Denn viele ehemalige Teilnehmer des Krieges 1870/71 organisierten sich in Veteranenvereinen, die seit dem Jahr 1900 meist dem sogenannten <em>Kyffhäuserbund </em>(<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kyffh%C3%A4userbund">Wikipedia</a>) angehörten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich es richtig erkenne, tragen alle drei auch die  <em>Zentenarmedaille</em>, die 1897 von Kaiser Wilhelm an alle aktiven und ehemaligen, noch lebenden, Soldaten ausgeben wurde (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zentenarmedaille">siehe Wikipedia</a>). Aufgrund der gelb leuchtenden Farbe wurde die Medaille umgangssprachlich oft auch als »Zitronenorden« bezeichnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau solche Details helfen mir, authentische Charaktere und Details in meinen Roman einzubauen. Und zu diesen Details gehört auch ein zunächst ganz gewöhnliches Straßenschild im heutigen Lünen, das direkt in den Verbindung mit den drei Veteranen steht: die <strong>»Sedanstraße«</strong> </p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Sedanstraße</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrasse_luenen_2026.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="546" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrasse_luenen_2026-1024x546.jpg" alt="" class="wp-image-1159" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrasse_luenen_2026-1024x546.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrasse_luenen_2026-300x160.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrasse_luenen_2026-768x409.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrasse_luenen_2026-1536x819.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrasse_luenen_2026.jpg 2026w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Foto zeigt das Schild der Sedanstraße im Mai 2026. Im Hintergrund ein Backsteinhaus aus der <em>Ziethensiedlung</em>, der bekannten Arbeitersiedlung der ehemaligen Zeche Preußen. Doch mit Bergbau hat »Sedan« gar nichts zu tun. Mit Preußen dagegen schon mehr. Vorallem aber mit: Frankreich!  <strong>Denn Sedan ist eine Stadt in Frankreich.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur warum trägt eine Straße im Ruhrgebiet den Namen einer französischen Stadt? Warum tragen dutzende Straßen in Deutschland ebenfalls den Namen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort führt wieder in den Deutsch-Französischen Krieg: Am 1. und 2. September 1870 kam es bei Sedan zur entscheidenden Schlacht. Truppen aus Preußen und den verbündeten deutschen Staaten umzingelten die französische Armee. Dabei musste sich Kaiser Napoleon III. ergeben und geriet in Gefangenschaft. Militärisch war der Krieg damit zwar längst nicht entschieden, doch <strong>die Schlacht von Sedan wurde zum Symbol von Stärke und Einigkeit der deutschen Truppen, die Seite an Seite mit Preußen gegen Frankreich kämpften. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der endgültigen Kapitulation Frankreichs wurde schließlich am 18.01.1871 der preußische König Wilhelm I im Spiegelsaal von Versailles zum Kaiser ausgerufen: das Deutsche Reich war damit gegründet. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/A_v_Werner_-_Kaiserproklamation_am_18_Januar_1871_3._Fassung_1885.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="758" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/A_v_Werner_-_Kaiserproklamation_am_18_Januar_1871_3._Fassung_1885-1024x758.jpg" alt="" class="wp-image-1168" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/A_v_Werner_-_Kaiserproklamation_am_18_Januar_1871_3._Fassung_1885-1024x758.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/A_v_Werner_-_Kaiserproklamation_am_18_Januar_1871_3._Fassung_1885-300x222.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/A_v_Werner_-_Kaiserproklamation_am_18_Januar_1871_3._Fassung_1885-768x568.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/A_v_Werner_-_Kaiserproklamation_am_18_Januar_1871_3._Fassung_1885.jpg 1482w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Von Anton von Werner &#8211; Museen Nord / Bismarck Museum: Picture, Gemeinfrei, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2481294">https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2481294</a></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Doch eine Schwierigkeit gab es damals: es gab keinen allgemein akzeptierten Nationalfeiertag, mit dem alle Teile des Reiches einverstanden waren. Einige bevorzugten neben Sedan die Kaiserproklamation als Datum, andere den Friedensschluss (dazu später noch mehr).</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Preußen setzten sich vielerorts der Sedantag durch. Der 2. September erinnerte somit an den Sieg, an die Reichseinigung und an die gemeinsame Kriegserfahrung aller Deutschen. Zwar war er nie offizieller Nationalfeiertag, wurde aber de facto zu einem wichtigen Gedenktag.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/SedanBrandenburgerTor.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="618" height="412" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/SedanBrandenburgerTor.jpg" alt="" class="wp-image-1169" style="width:944px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/SedanBrandenburgerTor.jpg 618w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/SedanBrandenburgerTor-300x200.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 618px) 100vw, 618px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Von »Scanned by Immanuel Giel &#8211; Bismarck. Des eisernen Kanzlers Leben in annähernd 200 seltenen Bildern nebst einer Einführung. Herausgegeben von Walter Stein. Im Jahre des 100. Geburtstags Bismarcks und des großen Krieges 1915«. Hermann Montanus, Verlagsbuchhandlung Siegen und Leipzig, Gemeinfrei, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=129291">https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=129291</a></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Sedan wurde gefeiert &#8211; aber nicht (mehr) von allen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Letzlich wurde in weiten Teilen des Reiches Sedan gefeiert. Es gab Festzüge, Musik, Reden, Illuminationen, Schulfeiern, Fahnen, Schützenwettbewerbe und Vereinsabende. Oft fand die Feier auch am ersten Wochenende des Septembers statt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In Lünen war dies ebenso. So fand ich beispielsweise in der <em>Lüner Zeitung</em> vom 05. September 1908 den Aufruf zur »Sedanfeier« des Krieger- und Landwehr-Vereins am Folgetag. Diese Anzeige verrät viel über das Selbstverständnis des Vereins. Pünktlich um »½3 Uhr«– also um 14:30 Uhr – hieß es: Antreten! Und zwar beim Vorsitzenden A. Potthoff persönlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>(Wenn ich in das <a href="https://andre-walter.de/roman-recherche-10-wenn-jeder-mit-seinem-beruf-im-adressbuch-steht/" data-type="post" data-id="1072">Adressbuch von 1907</a> schaue, könnte es sich um den Fabrikbesitzer Alfred Potthoff als Vorsitzenden handeln. Er wohnte damals in der Dortmunder Straße 22.)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei gab es einen interessanten Anreiz für die Kameraden: Wer pünktlich zum Antreten erschien, zahlte für drei Schuss beim Preisschießen nur 30 Pfennig. Diejenigen, die erst später direkt zum Schützenplatz kamen, mussten mit 50 Pfennigen deutlich tiefer in die Tasche greifen. Disziplin und das geschlossene Auftreten im Festzug wurden also direkt belohnt. Man wollte offenbar eben ein ordentliches Bild abgeben, wenn man durch die Straßen Lünens zum Schützenplatz marschierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem offiziellen Teil mit Konzert und Schießen folgte dann der gesellige Abschluss: die Preisverteilung im Vereinslokal und anschließend einem Ball. Gerade diese Mischung aus militärischem Drill (Antreten und Preisschießen unter dem Eisernen Kreuz und dem preußischen Adler) und dem anschließenden Tanzvergnügen fängt die Atmosphäre dieser Zeit gut ein. Und genau solche kleinen Details wie der »Pünktlichkeits-Rabatt« von 20 Pfennigen machen die Charaktere in meinem Roman lebendig: War mein Protagonist einer derjenigen, die strammstanden, um zu sparen, oder gehörte er zu den »Gelangweilten« die lieber später dazu stießen?</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanfeier_luenen_1908.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="767" height="864" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanfeier_luenen_1908.jpg" alt="" class="wp-image-1162" style="aspect-ratio:0.887727664896087;width:727px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanfeier_luenen_1908.jpg 767w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanfeier_luenen_1908-266x300.jpg 266w" sizes="auto, (max-width: 767px) 100vw, 767px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischendurch wird sich vermutlich einmal für ein Gruppenfoto zusammengefunden, wobei dieses Bild hier von 1905 stammt:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/267-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="498" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/267-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-1024x498.jpg" alt="" class="wp-image-1163" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/267-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-1024x498.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/267-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-300x146.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/267-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-768x374.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/267-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-1536x748.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/267-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-2048x997.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Krieger- und Landwehrverein Nordlünen, 1905 (Foto: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings: viele junge Männer kannten den Krieg nur noch aus Erzählungen. Die Begeisterung früherer Jahrzehnte klang mit der Zeit immer weiter ab; mehr und mehr Veteranen verstarben. Aus der reinen Siegesfeier wurde zunehmend ein allgemeiner Reichsgedenktag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig nahm mit jedem Jahr die Selbstverständlichkeit der Feiern ab. Man feierte zwar weiter – aber nicht mehr mit dem Pathos wie am Anfang, sondern mehr aus Gewohnheit. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Überhaupt waren Sedanfeiern damals von Anfang an auch umstritten. Viele Katholiken lehnten den Sedantag ab, vor allem wegen des <em>Kulturkampfs</em> (siehe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturkampf_in_Preu%C3%9Fen_und_im_Deutschen_Reich">Wikipedia</a>). Die Sozialdemokraten kritisierten dagegen den antifranzösischen und militaristischen Ton vieler Feiern und waren aufgrund des <em>Sozialistengesetzes </em>(siehe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistengesetz">Wikipedia</a>) ablehnend. Das ist wiederum auch ein interessantes Detail mit Blick auf den heranziehenden, ersten Weltkrieg: manche Kreise waren der Ansicht, es müsse auch mal genug sein mit der jährlichen Demütigung des Nachbarn, um Revanchismus zu verhindern. Erst recht, als um 1900 deutsche und französiche Truppen gemeinsam mit anderen europäischen Staaten im <em>Boxerkrieg </em>gegen China kämpften. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In Bayern bevorzugte man dagegen andere Erinnerungsdaten und -Anlässe; Elsaß-Lothringen wollte zudem Rücksicht auf seine französischen Bewohner nehmen.  Ein wirklich von allen im Reich getragenes Nationalfest wurde der Sedantag also nie. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In Lünen aber wurde er gefeiert. Und so standen dann am Schützenplatz vielleicht auch Skeptiker und Gelangweilte. Viele Gewohnheitsgäste und alte Kameraden. Aber vielleicht auch junge Männer, die zwar ihren Militärdienst geleistet hatten, aber mit dem großen Krieg von damals nichts anfangen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gruppenbilder jener Zeit von Lüner Krieger- und Landwehrvereinen zeigen Männer mit Schnurrbärten, dunklen Jacken, Mützen und Orden. Reihenweise sitzen sie vor Gasthäusern oder Vereinslokalen (die Orte sind weder benannt noch erkenne ich sie). Manche tragen ihre Auszeichnungen sichtbar, manche fast beiläufig. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Worüber die Männer wohl damals geredet haben, kann ich nur spekulieren. Gab es Kalauer, lustige Anekdoten über den Krieg oder bedauerten sie eher gefallene Kameraden, ihr Alter oder sogar fehlende Disziplin im Zivilleben? Worüber wurde vielleicht auch geschwiegen?</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="485" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/269-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-1024x485.jpg" alt="" class="wp-image-1164" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/269-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-1024x485.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/269-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-300x142.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/269-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-768x364.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/269-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-1536x728.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/269-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-2048x971.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Krieger- und Landwehrverein Nordlünen, 1905 (Foto: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die letzten Spuren des Kaiserreiches </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zumindest kam das Ende der Sedanfeiern abrupt: nach dem Ersten Weltkrieg musste Kaiser Wilhelm II. abdanken; das Kaiserreich ging in die Weimarer Republik über. Und dort war kaum Platz für die alten Helden und Siege, neben den Millionen Toten und Kriegsinvaliden und den wirtschaftlichen Folgen. Die Sedanfeste verschwanden in der Bedeutungslosigkeit. 1919 erklärte das Innenministerium der Weimarer Republik sogar offiziell, dass es keine Sedanfeiern mehr geben werde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch auf den Lüner Straßenschildern wurde preußische Generäle und Adelige der Kaiserzeit durch andere ersetzt. So wurde etwa die Prinz-Friedrich-Karl-Straße in Rathenaustraße umbenannt (nach Walther Rathenau, dem 1922 verstorbenen linksliberalen Politiker).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg war dann erst recht kein Platz mehr für den alten, preußischen Militarismus. In der neuen Bundesrepublik als auch in der DDR sowie den von Polen und der Sowjetunion besetzten Gebiete endete die Geschichte Preußens rechtlich wie faktisch. In der DDR wurden meines Wissens sämtliche Sedanstraßen umbenannt, sodaß sich heute in den östlichen Bundesländern keine einzige mehr finden dürfte. Aber auch Rheinland-Pfalz und das Saarland haben offenbar heute keine Sedanstraßen mehr, wie ich bei einer Abfrage von OpenStreetMap herausgefunden habe:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrassen-in-Deutschland.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="797" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrassen-in-Deutschland-797x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1160" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrassen-in-Deutschland-797x1024.jpg 797w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrassen-in-Deutschland-234x300.jpg 234w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrassen-in-Deutschland-768x986.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrassen-in-Deutschland.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 797px) 100vw, 797px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Sedanstraßen in Deutschland 2026. Eigene Darstellung auf Basis von: <strong>©</strong> OpenStreetMap und Mitwirkende (lizenziert unter <a href="https://opendatacommons.org/licenses/odbl/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ODbL</a>)“</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In Lünen und über 60 anderen Städten Deutschlands hat die Sedanstraße dagegen die Zeit überdauert. Nur denkt vermutlich niemand mehr an die Schlacht von Sedan, wenn ihr Name auf dem Straßenschild auftaucht? Manche Straßennamen überleben eben den Zeitgeist, der sie einst hervorgebracht hat. Darum gibt es sie noch, die Sedanstraßen, die Bismarckstraßen, die Moltkestraßen &#8211; auch in Lünen.  Es sind Straßenschilder aus einer anderen Zeit – jene Kaiserzeit, über die ich in meinem Roman schreibe. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dennoch muss man schon kritisch Anmerken, dass gerade heute, wo Deutschland und Frankreich Freunde und Bündnispartner sind, die Erinnerung an Sedan vielleicht noch weniger zeitgemäß ist als je zuvor. Immerhin gibt es seit 2009 ja sogar eine gemeinsame Deutsch-Französische Brigade mit knapp 9.000 Soldaten. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Übrigens, kurzer Einschub am Rande:  es gibt in Lünen-Süd, unweit der Sedanstraße, auch noch eine <em>Blücherstraße</em>. Die hat zwar nichts mit meinem Roman zu tun, hängt aber zusammen mit dem (heute kaum noch bekannten) Ausspruch:  »Der geht ran wie Blücher an der Katzbach!«. Doch in das Jahr 1813 springen wir ein anderes mal&#8230;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wertvolle Einblicke für meinen Roman</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie auch immer: in meinem Werk wird eine Sedanfeier Erwähnung finden und einige Veteranen werden ihren Auftritt bei einem Fest haben.  Natürlich schreibe ich nicht über genau diese drei Menschen vom ersten Foto (kenne ich doch leider nicht einmal ihre Namen) aber sie wirken als Romanvorlage stellvertretend für viele alte Soldaten dieser Zeit. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten von ihnen waren übrigens einfache Soldaten. Männer, die zuvor auf dem Acker standen oder in der Grube schufteten und nun jung in den Krieg zogen. Auf den Fotos aus Lünen sind sie Jahrzehnte später alte Männer mit Erinnerungen. Wie viele ihrer Kameraden im Krieg gefallen sind  oder bereits verstorben, lässt sich nicht sagen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>In jedem Fall freue ich mich sehr über die mir, vom Stadtarchiv Lünen, zur Verfügung gestellten Bilder. Denn mein Roman lebt von Menschen und ihren Geschichten. Und manchmal, da wirkt die Vergangenheit stärker in die Gegenwart, als gedacht – und sei es nur auf einem Straßenschild mit den Worten »Sedan«</strong>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1440" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260430_064310143-edited-1-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1182" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260430_064310143-edited-1-scaled.jpg 2560w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260430_064310143-edited-1-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260430_064310143-edited-1-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260430_064310143-edited-1-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260430_064310143-edited-1-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260430_064310143-edited-1-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/10447-Dortmund-Brechten-Krieger-Landwehrverein-1898F-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="412" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/10447-Dortmund-Brechten-Krieger-Landwehrverein-1898F-1024x412.jpg" alt="" class="wp-image-1166" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/10447-Dortmund-Brechten-Krieger-Landwehrverein-1898F-1024x412.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/10447-Dortmund-Brechten-Krieger-Landwehrverein-1898F-300x121.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/10447-Dortmund-Brechten-Krieger-Landwehrverein-1898F-768x309.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/10447-Dortmund-Brechten-Krieger-Landwehrverein-1898F-1536x618.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/10447-Dortmund-Brechten-Krieger-Landwehrverein-1898F-2048x824.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Der Krieger &amp; Landwehrverein von Dortmund-Brechten, aufgenommen 1898. (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Inspiration: Den Kirchturm hinauf</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-inspiration-den-kichturm-hinauf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2026 20:22:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte(n) zwischen Lünen und Selm]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Selm]]></category>
		<category><![CDATA[St. Ludger]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1103</guid>

					<description><![CDATA[2014 erfüllte sich für mich ein alter Wunsch: Den Kirchturm der Ludgerikirche hinaufsteigen und den Blick über Selm genießen. Denn ich wollte wissen, wie sich meine Stadt von dort oben anfühlt, wie der Ausblick von dort ist. Am Ende hat mich dieser Aufstieg so sehr beeindruckt, dass ich ihn auch zwölf Jahre später unbedingt in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>2014 erfüllte sich für mich ein alter Wunsch: Den Kirchturm der Ludgerikirche hinaufsteigen und den Blick über Selm genießen. Denn ich wollte wissen, wie sich meine Stadt von dort oben anfühlt, wie der Ausblick von dort ist.  Am Ende hat mich dieser Aufstieg so sehr beeindruckt, dass ich ihn auch zwölf Jahre später unbedingt in meinem <a href="https://andre-walter.de/category/roman-arbeit/" data-type="category" data-id="7">historischen Roman</a> einbauen möchte. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Romanhandlung spielt  im Jahr 1907 – genau dem Jahr, in dem die Ludgerikirche gebaut wurde. Doch es geht mir gar nicht um das Gebäude selbst. Die neugotische Backsteinfassade steht nicht Pate für meine fiktive <em>»St. Anna-Kirche«</em> im Roman, denn die kleine Dorfkirche sieht anders aus. <strong>Es ist vielmehr der Aufstieg, der mich nicht loslässt</strong>: Das Knarren des alten Schlüssels im Schloss, das Schwanken der Holzleiter, der Moment, in dem sich der Blick auf das Dorf öffnet. Das sind die Bilder aus einer alten Zeit, die ich in meine Geschichte einbauen will.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-1-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1105" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-1-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-1-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-1-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-1-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-1-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Den Wunsch, den Turm hinaufgehen zu dürfen, erfüllte mir damals die Katholische Kirchengemeinde St. Ludger um Pfarrer Theman</strong>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war kurz nach zehn an einem wolkenfreien Freitag Vormittag, als ich mich mit ihm an der Seitentür der Kirche traf (Das Foto oben hatte ich ein paar Tage zuvor aufgenommen). Und als er den großen Eisenschlüssel in die Holztür steckte, überkam mich ein geheimnisvolles, fast schon anachronistisches Gefühl. Wo gibt es heute schließlich noch solche Schlösser, die auch noch solche Geräusche beim Drehen des Schlüssels machen?</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-2-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1106" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-2-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-2-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-2-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-2-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-2-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sakristei lag im Halbdunkel, nur durch die bunten Kirchenfenster fiel Licht. Für einen Augenblick absolute Stille an diesem Ort. »Ab hier dürfen Sie allein weiter«, sagte Pfarrer Themann und zeigte mir den Weg hinauf zur Orgel. </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-11 is-layout-flex wp-container-core-gallery-is-layout-26c25ec2 wp-block-gallery-is-layout-flex" style="margin-top:0;margin-bottom:0">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" data-id="1107" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-3-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1107" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-3-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-3-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-3-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-3-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-3-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-38.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" data-id="1142" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-38-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1142" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-38-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-38-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-38-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-38-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-38-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise versperrt ein Gitter die Treppe – doch an diesem Tag stand sie mir offen. Eine langgezogene Steintreppe führte mich ab der Orgel eine Ebene höher zur nächsten Tür. Dahinter ging es über eine Wendeltreppe weiter hoch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab hier merkte ich schon, dass mit jeder Stufe die Temperatur ein kleines bisschen anstieg. Am Ende der Treppe eröffnete sich mir ein kleiner Nebenraum. Die Fenster ließen jedoch noch keinen Blick nach draußen zu. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-5-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1109" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-5-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-5-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-5-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-5-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-5-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür ging es  ab hier auf einer Holztreppe weiter. Sie brachte mich auf die Glockenebene. Drei Stück hängen hier insgesamt und weil ich noch einige Minuten bis zum Viertelstundenschlag hatte, versackte ich einen kurzen Moment. Das Arrangement aus Stein, Metall und Eisen faszinierte mich. Es sah aus wie eine grobe Maschine, die man so heute nirgends mehr sieht. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-6-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1110" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-6-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-6-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-6-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-6-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-6-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Holzbretter, die auf dem Foto hinter den Glocken zu sehen sind, würden später für mich nochmal wichtig werden. Zur Orientierung: ich stand hier etwa auf halber Turmhöhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von der Glockenebene führt eine steile Holzleiter weiter nach oben. Sprosse für Sprosse kletterte ich nach oben, während die Leiter leicht schwankte. War ich nervös? Ein wenig. Ich vertraute der Leiter, dass sie vielleicht schon über 100 Jahre gehalten hat. Mit Erfolg. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie führte mich auf ein Zwischengeschoss. Hier sah ich an den Kirchturmecken jeweils ein paar kleinere Fensteröffnungen ohne Glasscheiben. Lediglich ein Maschendrahtzaun hielt die Tauben draußen. Etwas kühlere Luft wehte mir willkommen entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur zum Fotografieren boten sich die Fenster nicht gut an, da sie von der Leiter zu weit weg waren und ich nicht direkt zu ihnen gelangen konnte ohne gefährliche Verrenkungen. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-12-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1116" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-12-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-12-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-12-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-12-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-12-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="670" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/St-ludger-selm233-1024x670.jpg" alt="" class="wp-image-1186" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/St-ludger-selm233-1024x670.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/St-ludger-selm233-300x196.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/St-ludger-selm233-768x502.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/St-ludger-selm233-1536x1005.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/St-ludger-selm233.jpg 1651w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Glocken dann zu Viertel nach zehn schlugen, waren sie doch nicht so laut wie befürchtet. Ich musste mir weder die Ohren zu halten, noch war es unangenehm. Laut ja, aber keinesfalls schlimm.  </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom Zwischengeschoss führt die Leiter noch höher in die Turmspitze. Ein paar Tritte später dachte ich mir dann aber, dass es sich nicht mehr lohnen dürfte. Denn ganz oben in der Turmspitze erkannte ich nur kleines Dachfenster, und dafür wollte ich nicht die wackelige Leiter noch weiter nach oben gehen. Zumal ich mir jetzt schon wie in der Sauna vorkam, so warm war es hier oben unter dem vielen Holz.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-9-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1113" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-9-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-9-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-9-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-9-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-9-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-11-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1115" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-11-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-11-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-11-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-11-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-11-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Als bester Punkt zum Fotografieren erschienen mit die besagten Holzbretter bei den Glocken, denn die Schlitze dazwischen waren breit genug für meine Kamera. Ich begab mich also wieder runter zu den Glocken und tatsächlich: Durch die Schlitze ließen sich gute Fotos schießen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So sah Selm also vom Kirchturm 2014 aus:</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-12 is-layout-flex wp-container-core-gallery-is-layout-1ff04349 wp-block-gallery-is-layout-flex" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--20);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" data-id="1131" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-27-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1131" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-27-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-27-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-27-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-27-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-27-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" data-id="1121" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-17-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1121" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-17-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-17-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-17-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-17-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-17-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" data-id="1124" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-20-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1124" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-20-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-20-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-20-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-20-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-20-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" data-id="1125" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-21-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1125" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-21-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-21-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-21-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-21-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-21-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" data-id="1127" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-23-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1127" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-23-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-23-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-23-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-23-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-23-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="240" data-id="1135" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-31-1024x240.jpg" alt="" class="wp-image-1135" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-31-1024x240.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-31-300x70.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-31-768x180.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-31-1536x360.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-31-2048x480.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" data-id="1130" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-26-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1130" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-26-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-26-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-26-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-26-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-26-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="681" data-id="1129" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-25-1024x681.jpg" alt="" class="wp-image-1129" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-25-1024x681.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-25-300x200.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-25-768x511.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-25-1536x1022.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-25-2048x1363.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" data-id="1128" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-24-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1128" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-24-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-24-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-24-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-24-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-24-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" data-id="1117" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-13-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1117" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-13-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-13-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-13-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-13-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-13-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" data-id="1118" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-14-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1118" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-14-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-14-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-14-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-14-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-14-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Gemächlich kletterte ich die Leiter wieder runter. Dann über die Steintreppen, zurück in den Kirchraum, wo mich die angenehme Kühle wieder empfing.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fotos dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass man oben im Turm zunächst gar nichts sieht. Es gibt dort keine Aussichtsplattform, sondern nur vereinzelte, kleine Fensterchen und Schlitze in der Holzverkleidung im Glockenbereich. Dadurch, dass ich die Kamera immer ganz nah daran gehalten hatte, wirkt die Aussicht größer, als sie tatsächlich war. Auch war das Wetter fast schon zu gut; es war leicht diesig und die Fernsicht getrübt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem entstanden alle Fotos auch nicht von ganz oben, sondern in etwa auf halber Turmhöhe – aber selbst das genügt schon für diesen wunderbaren Blick auf die Stadt!</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="771" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/St-ludger-selmtuer2-771x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1189" style="width:947px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/St-ludger-selmtuer2-771x1024.jpg 771w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/St-ludger-selmtuer2-226x300.jpg 226w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/St-ludger-selmtuer2-768x1020.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/St-ludger-selmtuer2.jpg 813w" sizes="auto, (max-width: 771px) 100vw, 771px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="412" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-37-1024x412.jpg" alt="" class="wp-image-1141" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-37-1024x412.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-37-300x121.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-37-768x309.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-37-1536x618.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-37-2048x824.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="511" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-36-1024x511.jpg" alt="" class="wp-image-1140" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-36-1024x511.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-36-300x150.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-36-768x383.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-36-1536x767.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-36-2048x1022.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="682" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-35-682x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1139" style="width:936px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-35-682x1024.jpg 682w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-35-200x300.jpg 200w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-35-768x1154.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-35-1022x1536.jpg 1022w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Ludgeriekirche_selm-35.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 682px) 100vw, 682px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dieser Aufstieg hat mich bis heute nachhaltig beeindruckt. Der Eisenschlüssel, die Holztür, das Schwanken auf der Leiter, das kühle Metall der Glocken im Kontrast zum Holz: ein wunderbarer Hintergrund für einen kleinen Plot im Roman. Einerseits die alte Kirche, die seit Jahrhunderten das Maß der Dinge im Dorf ist – andererseits sind von ihrer Spitze bereits die Vorboten der Industrialisierung sichtbar. Welch interessantes Gespräch zweier meiner Protagonisten hier wohl führen könnten? </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>An dieser Stelle aber zunächst erneut vielen Dank an die Kirchengemeinde und Herrn Pfarrer Theman, dass sie mich hineingelassen haben &#8211; und für die nachhaltige Inspiration!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 10: Wenn jeder mit seinem Beruf im Adressbuch steht</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-10-wenn-jeder-mit-seinem-beruf-im-adressbuch-steht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Apr 2026 16:21:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte(n) zwischen Lünen und Selm]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[1907]]></category>
		<category><![CDATA[Adressbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Lünen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1072</guid>

					<description><![CDATA[Stellen Sie sich vor, es gäbe ein amtliches, hochoffizielles Buch, in dem jede Familie einer Stadt mit ihrer Anschrift und dem Beruf des Hauptverdieners stünde. Sie wüssten sofort, ob ihre Nachbarn, Freunde und Bekannten sich wirklich das neue Haus oder den neuen Wagen leisten könnten. Oder ob sie ihnen was vormachen und der »Hochdotierte Job [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Stellen Sie sich vor, es gäbe ein amtliches, hochoffizielles Buch, in dem jede Familie einer Stadt mit ihrer Anschrift und dem Beruf des Hauptverdieners stünde. Sie wüssten sofort, ob ihre Nachbarn, Freunde und Bekannten sich wirklich das neue Haus oder den neuen Wagen leisten könnten. Oder ob sie ihnen was vormachen und der »Hochdotierte Job bei einer Wirtschaftskanzlei« doch nur daraus besteht, Kaffee an die Beschäftigen auszuschenken.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute eine undenkbare Vorstellung. Doch vor 120 Jahren war das anders, wie ich bei meiner <a href="https://andre-walter.de/recherche-fuer-meinen-historischen-roman/">Roman-Recherche</a> bemerkte. Denn um das fiktives Dorf zwischen Münster und Dortmund im Buch so authentisch wie möglich zu gestalten, habe ich mir u.a. ein besonderes Dokument angeschaut: das <strong>Adressbuch für Lünen von 1907</strong>.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="581" height="837" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuchluenen1907.jpg" alt="" class="wp-image-1034" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuchluenen1907.jpg 581w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuchluenen1907-208x300.jpg 208w" sizes="auto, (max-width: 581px) 100vw, 581px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Und 1907 stand nicht der Datenschutz im Vordergrund, sondern die soziale Stellung. In der Gesellschaft von einst war es überlebenswichtig, den Stand des Gegenübers zu kennen. Das Adressbuch lieferte die Antwort auf die Frage: »Wer ist das und was darf er?« Ohne den Beruf war der Name beinahe wertlos. Man musste wissen, ob man es mit einem »ehrbaren« Schreinermeister oder einem einfachen Tagelöhner zu tun hatte. Diese Information entschied darüber, wie man sich grüßte, ob man gemeinsam am Wirtshaustisch saß oder ob eine Heirat überhaupt denkbar war. Andererseits gab es, soweit mir bekannt, zu der Zeit noch kein Zentrales Einwohnermeldewesen, daher kam dem Adressbuch auch diese Funktion zu. In der Regel wurde es alle zwei bis drei Jahre erneuert. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Buch gliedert sich in folgende Teile:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1. Teil:</strong> Bürgermeister, Behörden, besondere Beamte, etc. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2. Teil:</strong> <strong>Einwohner der Stadt Lünen. Hierbei handelt es sich um ein alphabetisches Verzeichnis der Haushaltsvorstände inklusive deren Anschrift und dem Beruf (Überschlägig ca. 500 Haushalte)</strong>. Die übrigen Familienangehören sind nicht aufgeführt. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>3. Teil:</strong> Verzeichnis der Geschäfts- und Gewerbetreibenden der Stadt Lünen</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>4. Teil:</strong> Einwohner in der »Umgegend von Lünen« <br>(nach Gemeinden getrennt):</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Gemeinde Altenderne-Niederbecker</li>



<li>Gemeinde Altenderne-Oberbecker</li>



<li>Gemeinde Beckinghausen</li>



<li>Gemeinde Gahmen</li>



<li>Gemeinde Horstmar</li>



<li>Gemeinde Hostedde</li>



<li>Gemeinde Kirchderne</li>



<li>Gemeinde Lippholthausen</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mir geht hier in in diesem Beitrag heute nur um Teil 2: Die Bewohner Lünens um 1907.</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="653" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-1-653x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1089" style="width:929px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-1-653x1024.jpg 653w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-1-191x300.jpg 191w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-1.jpg 716w" sizes="auto, (max-width: 653px) 100vw, 653px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die Industrie hält Einzug</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich durch das Adressbuch blättere, fällt mir auf, dass es sehr viele Maurer, Zimmerleute und Dachdecker zu der Zeit in Lünen gab. Offenbar herrschte zu der Zeit ein Baurausch. Und das ist auch plausibel, denn in Lünen setzte die Industrialisierung gerade ein. Erste Bergwerke entstanden, Zechenkolonien, Fabriken. Erwartbarer sind da die zahlreichen Bergmänner, Hauer, Schlepper.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meinem Roman-Dorf steht dies erst noch bevor, doch gerade deshalb ist das Adressbuch von Lünen so spannend, denn es zeigt die Transformation; den Übergang von der alten (ländlichen) Welt in die moderne Industriewelt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Umbruch wird greifbar, wenn man die Namen hinter den Berufen betrachtet. Es ist ein Spiel der Kontraste, das die soziale Kluft jener Tage offenbart. Auf der einen Seite begegnen uns Männer wie der <strong>Sanitätsrat Dr. Ludwig Althoff</strong> in der Bäckerstraße. Sein Titel war nicht nur eine Berufsbezeichnung, sondern ein unantastbares Privileg. Ebenso der bekanntere <strong>Alfred Potthoff</strong>, Fabrikbesitzer der »Luisenhütte«, der späteren Eisengießerei und Maschinenfabrik Potthoff &amp; Flume AG, dessen Villa heute noch an der Dortmunder Straße hervorsticht. Beide verkörperten beispielhaft die akademische oder wirtschaftliche Elite, die in großen, herrschaftlichen Zimmern residierte und deren Wort im Dorf oder der Stadt Gesetz war. Oder schlicht Menschen, die aus welchem Umständen auch immer, zu Geld gekommen waren, wie der <strong>Privatier August Meermann</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="303" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-4-1024x303.jpg" alt="" class="wp-image-1078" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-4-1024x303.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-4-300x89.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-4-768x227.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-4-1536x455.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-4-2048x607.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dem gegenüber steht das neue Gesicht Lünens: Männer wie der Hauer <strong>Anton Gurski</strong> oder der Schlepper <strong>Stanislaus Nowaczyk</strong>. Ihre Namen zeugen von Zuwanderung aus dem Osten, die damals ins Ruhrgebiet durch den Bergbau einsetzte. Sie wohnten oft in den engen, teilweise noch mittelalterlichen Häusern (beide hier in der Mauerstraße) oder eben in den Zechenkolonien. Für sie bedeutete der Aufbruch in die Moderne nicht Prestige, sondern zunächst harte, gefährliche Knochenarbeit unter Tage. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Invaliden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann gibt es jene, die den Preis für diesen Fortschritt, für die harte Arbeit, bereits bezahlt hatten: Männer wie <strong>Gottlieb Brenk</strong>, hinter dessen Namen nur noch das Wort <strong>»Invalide«</strong> steht. Wo er genau seine Gesund verloren hat, läßt sich nur mutmaßen. Im Besten Fall bekam er ein wenig Geld aus der Invalidenversicherung,  viele erhielten damals auch gar keine staatliche Unterstützung. Wieder andere, etwa <strong>Adam Klaßen</strong>,  trugen die konkretere Bezeichnung <strong>»Reichsinvalide«.</strong> Hierbei vermute ich, dass es sich um ehemaligen Soldaten handeln könnte, Kriegsopfer, die eben eine (kleine) Entschädigung durch das Deutsche Reich bekamen. Manche wie <strong>»Friedrich Lange«</strong> tragen auch die explizite Bezeichnung <strong>»Berginvalide«</strong>. Hier lässt sich zumindest eine gewisse Fürsorge durch die Knappschaft vermuten, doch sicherlich nicht vergleichbar mit heutigen Förderungen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht in Lünen, aber in manch anderer Stadt, gab es schließlich auch Invalidenhäuser und Invalidenstraßen; also Orte, wo einige zumindest kostenlose Unterkunft und Verpflegung erhielten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-6.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="779" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-6-779x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1085" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-6-779x1024.jpg 779w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-6-228x300.jpg 228w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-6-768x1009.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-6.jpg 937w" sizes="auto, (max-width: 779px) 100vw, 779px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die dazwischen und die vom Rand </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders faszinierend für meinen Roman sind aber jene, die in der Mitte sitzen. Zwischen den Oberen und den Neuen nämlich die, die  dem alten Handwerk nachgehen. Seilmacher, Wagner, Sägemüller, Weber, Schmiede, Töpfer usw&#8230;  Da ist zum Beispiel <strong>Bernhard Bäumer</strong>, der in der Cappenbergerstraße eine eigene Pfeifenfabrik betrieb. Er steht für das alte Handwerk, das sich gegenüber der neuen Industriewelt aus Kohle und Stahl behaupten musste. Oder der »<strong>Modelleur</strong>« <strong>August Angerstein</strong>, der mit seinem künstlerischen Geschick vermutlich jetzt die Gussformen für die Fabriken schuf. Ebenso all die anderen Kaufleute, Händler, Metzger, Bäcker. Aber auch: Straßenbahnschaffner (es gab zu der Zeit eine Straßenbahnverbindung nach Dortmund!), </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazwischen immer wieder auch solche, die eher niederen Tätigkeiten nachgingen, etwa der <strong>»Lumpensammler« Hermann Lenz</strong> oder der <strong>»Handlanger« Theoder Lüttecke</strong> oder die unzähligen <strong>Tagelöhner.</strong> Alles für jeden niedergeschrieben im Adressbuch. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Unklar ist mir, was genau <strong>Georg Schulz </strong>Tätigkeit war, wenn er als »<strong>Leibzüchter</strong>« tituliert wird. Ich vermute, es geht hier nicht um körperliche Züchtigung, sondern Richtung <em>Leibgedinge </em>– also jemand, der ein Nutzungsrecht an z.B. Land oder einem Hof hatte und davon ggf. leben konnte. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Frauen und andere Unsichtbare</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders auffällig ist aber die ökonomische Unsichtbarkeit der Frauen. Im Adressbuch 1907 tauchen sie meist nur dann als Haushaltsvorstände auf, wenn sie als <strong>»Witwen«</strong> geführt werden (Kürzel Ww). Ihr gesellschaftlicher Status war oft nur ein Echo des verstorbenen Ehemannes, ein bloßer Platzhalter in einer männlich dominierten Welt. Doch beim genauen Hinsehen entdeckt man jene Frauen, die vermutlich den Mut und die Chance hatten, den vorgezeichneten Weg zu verlassen und sich eine eigene Existenz aufzubauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da sind etwa <strong>Ida und Martha Appel</strong>, beide wohnhaft in der Langestraße 9. Ida ist mit einem Stickgeschäft verzeichnet, Martha als »Handarbeits- und Turnlehrerin« gelistet. Da Martha als Lehrerin (ein Beruf für ledige Frauen, Stichwort »Lehrerinnen-Zölibat«) und Ida mit einem eigenen Geschäft aufgeführt ist, vermute ich, dass es sich um unverheiratete Schwestern oder eine Witwe mit ihrer erwachsenen Tochter handeln könnte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch <strong>Adelgunde Ackermann</strong> oder <strong>Sophie Klostermann</strong> als Krankenschwestern oder die Witwe <strong>Schulte-Derne</strong>, die mit ihrer Wirtschaft »Waldlust« einen ganzen Betrieb leitete, zeigen: Es gab sie, die Risse im starren Gefüge, durch die der Wille nach einem selbstbestimmten Leben schimmerte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="974" height="478" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-3.jpg" alt="" class="wp-image-1077" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-3.jpg 974w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-3-300x147.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-3-768x377.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 974px) 100vw, 974px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz einiger Ausnahmen: in den allermeisten Fällen erscheinen Frauen mit dem Kürzel »Ww«. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich gibt es die unsichtbare Armee von <strong>Dienstboten und Haushälterinnen</strong>, die oft gar nicht namentlich, sondern nur indirekt über die Größe und Art der Haushaltungen im Adressbuch mitschwingen. Ein Haushalt wie der des <strong>Sanitätsrats Althoff</strong> oder des <strong>Oberlehrers Saarmann</strong> funktionierte nur durch dieses Personal, das meist aus den umliegenden Dörfern kam, um in der Stadt »in Stellung« zu gehen (<a href="https://andre-walter.de/roman-zeitungsanzeigen/">Siehe dazu meinen Artikel über die Zeitungsanzeigen</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für meinen Roman sind das brauchbare Details: Die Begegnung zwischen der Tochter aus gutem Hause und dem Dienstmädchen, das im selben Haus lebt und doch in einer völlig anderen Welt gefangen ist. Es zeigt die scharfe Trennung zwischen denen, die bedient wurden, und jenen, die im Verborgenen dafür sorgten, dass der bürgerliche Alltag aufrecht erhalten wurde. Und ebenso die wenigen Frauen, die den Mut oder die Chance hatten, unabhängig ihren eigenen Weg gegen jeden Widerstand zu gehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Welten aufeinanderprallen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Doch nicht nur einzelner Mut und soziale Schichten trafen in Lünen aufeinander, sondern auch Welten. Beim Durchblättern der Seiten stolpere ich immer wieder über Namen wie <strong>Majewski</strong>, <strong>Kosciow</strong> oder <strong>Napieralski</strong>. Diese Männer kamen nicht aus Westfalen, sondern aus dem Osten; aus Schlesien z.B., Angelockt von der Aussicht auf Geld auf der Zeche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und genau dieser <strong>Zusammenprall von Welten</strong> befeuert auch die Dynamik in meinem Roman. Es war ein ständiges Messen: Wer darf wen zuerst grüßen? Wer muss den Bürgersteig räumen? Wer darf welches Fräulein ansprechen oder zum Tanz bitten? Zudem kam mit der Kohle Geld in Schichten der Gesellschaft, die vorher schlicht nicht existierten. Ein erfahrener Hauer verdiente plötzlich mehr als mancher kleine Beamte. Das alte Gefüge aus »Glaube, Gewissheit und Sage«, das mein Dorf im Roman so lange getragen hat, bekommt Risse. Wenn der »einfache« evangelische Bergmann aus Schlesien am Sonntag den gleichen »Sonntagsstaat« trägt wie der katholische alteingessene Kaufmann, bricht für die alte Elite möglicherweise eine Welt zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Roman nutze ich diese Reibungspunkte. Wenn sich die fremden Arbeiter mit den Dorfmädchen anfreunden wollen. Oder der Pastor sieht, wie immer mehr Protestanten vor seiner katholischen Kirche stehen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Für meine Geschichte ist das ein entscheidendes Motiv: Wie reagiert eine eingeschworene Gemeinschaft auf diese »Fremden«, deren Namen man kaum aussprechen kann und die nun das schwarze Gold unter ihren vertrauten Ackern holen wollen? Das Adressbuch hilft mir, die Gräben innerhalb der Gemeinschaft plausibel zu ziehen: Zwischen denen, die an der alten Gewissheit festhalten, und jenen, die im Ruß der neuen Zeit eine Chance auf Veränderung erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und dann zeigt das Adressbuch noch andere schöne Dinge, die spannend sind: alte Straßennamen, ein Blick in die Geschäftswelt und zu den beliebtesten Vornamen jener Tage. Doch darüber, schreibe ich ein anderes mal.  </strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-5.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="545" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-5-1024x545.jpg" alt="" class="wp-image-1079" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-5-1024x545.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-5-300x160.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-5-768x409.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-5-1536x817.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-5.jpg 1658w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Walter gab es auch welche, aber keine Verwandten von mir 😉</figcaption></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>»Das war mein Leben«: Erika und ihre Liebe zur Zeche Minister Achenbach</title>
		<link>https://andre-walter.de/auffen-puett-lass-ich-nichts-kommen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 18:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bergbau]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte(n) zwischen Lünen und Selm]]></category>
		<category><![CDATA[Brambauer]]></category>
		<category><![CDATA[Minister Achenbach]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1047</guid>

					<description><![CDATA[Erika Kreisherr-Matthes aus Brambauer lässt nichts auf den Bergbau kommen: »Das war mein Leben. Das war eine schöne Zeit!«. Schon als Sechsjährige schlich sie sich heimlich auf die Zechen-Seilbahn. Erlaubt war das natürlich nicht, aber Erika und ihre Freundin waren pfiffig: Sie passten immer genau ab, wann der Aufseher zum Klo ging, und sprangen schnell [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erika Kreisherr-Matthes</strong> aus Brambauer lässt nichts auf den Bergbau kommen: »Das war mein Leben. Das war eine schöne Zeit!«. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon als Sechsjährige schlich sie sich heimlich auf die Zechen-Seilbahn. Erlaubt war das natürlich nicht, aber Erika und ihre Freundin waren pfiffig: Sie passten immer genau ab, wann der Aufseher zum Klo ging, und sprangen schnell in eine der Loren. Eines Tages wurden sie dennoch erwischt. Ein Bergmann zeigte ihnen daraufhin eindringlich, wie tief es nach unten ging. Erst da wurde den Mädchen klar, wie gefährlich ihr Abenteuer eigentlich war.</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-13 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/horstadrianseilbahn.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="827" data-id="1048" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/horstadrianseilbahn-1024x827.jpg" alt="" class="wp-image-1048" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/horstadrianseilbahn-1024x827.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/horstadrianseilbahn-300x242.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/horstadrianseilbahn-768x620.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/horstadrianseilbahn.jpg 1071w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Aus Erikas Foto-Album: <br>Ihr Bekannter Horst Adrian mit der Seilbahn im Hintergrunfd</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/18678Seilbahn-Goldstein.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="985" data-id="1057" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/18678Seilbahn-Goldstein-1024x985.jpg" alt="" class="wp-image-1057" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/18678Seilbahn-Goldstein-1024x985.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/18678Seilbahn-Goldstein-300x289.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/18678Seilbahn-Goldstein-768x739.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/18678Seilbahn-Goldstein-1536x1477.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/18678Seilbahn-Goldstein.jpg 1888w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Seilbahn bei Schacht IV (Foto: G. Goldstein, Ruhr Nachrichten)</figcaption></figure>
</figure>



<h3 class="wp-block-heading">Saubere Arbeit am Schacht I/II</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Erika wurde 1944 am Alfredplatz 5 in Brambauer geboren. Zur Zeche Minister Achenbach kam sie Ende der 1970er Jahre: Als Reinigungskraft sorgte sie für Sauberkeit in den Büros der Zechenverwaltung am Schacht I/II – bis zum letzten Tag 1992.</p>



<p class="wp-block-paragraph">»Mit den Steigern kam ich gut aus, ich habe alles für die gemacht« erzählt Sie mir bei unserem Treffen. »Weihnachten hab ich Ihnen immer einen Teller mit Plätzchen hingestellt. Sogar Pfannkuchen hab ich gebacken und Pellkartoffeln mit Heringsstip. Ich hab sie alle versorgt!«</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wertschätzung basierte auf Gegenseitigkeit: Erika durfte 1992 als eine der letzten Besucherinnen noch nach Untertage. Gemeinsam mit acht Freundinnen bzw. Arbeitskolleginnen und ihrer Tochte folgte sie der Einladung der Steiger, auf Schacht I/II einzufahren.  Besonders fasziniert hatten sie die Wettertüren im Bergwerk: »Wenn man da durchgegangen ist, musste man sich festhalten, sonst ist man weggewehnt worden«.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die Hitze: Von 42 Grad berichtet sie, und wie sie und die Frauen in voller Montur geschwitzt haben. »Die Männer waren ja alle mit nackten Oberkörper und sagten scherzhaft, wir sollen uns doch auch einfach die Hemden ausziehen« Erika schmunzelt dabei. »Zumindest wusste ich nun, warum mein Opa so eine gute Rente bekamt. Es war höllisch da unten. Ich gönnte es ihm und allen Bergleuten«.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich bekam Erika nach ihrer Seilfahrt auch den Ehrenhauerbrief verliehen. Dazu gehörte der traditionelle Ehrenhauerschlag: mit der dicken Schüppe (dem sogenannten »Weiberarsch«) bekam sie einen auf den Hintern.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthesbrief.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="771" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthesbrief-771x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1049" style="width:913px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthesbrief-771x1024.jpg 771w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthesbrief-226x300.jpg 226w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthesbrief-768x1020.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthesbrief.jpg 813w" sizes="auto, (max-width: 771px) 100vw, 771px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">1992 kam dann das Ende. Bei den Sprengungen war sie live dabei, näher als viele andere. »Erika, bringe morgen den Tuppertopf mit« sagte man ihr. Stolzenhoff hatte ein großes Buffet aufgefahren, und Erika konnte mitnehmen, was übrig bliebt. Auch jede Menge Schnapps. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakraushaarmattes_achenbachi-ii-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="914" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakraushaarmattes_achenbachi-ii-914x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1059" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakraushaarmattes_achenbachi-ii-914x1024.jpg 914w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakraushaarmattes_achenbachi-ii-268x300.jpg 268w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakraushaarmattes_achenbachi-ii-768x860.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakraushaarmattes_achenbachi-ii-1371x1536.jpg 1371w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakraushaarmattes_achenbachi-ii-1828x2048.jpg 1828w" sizes="auto, (max-width: 914px) 100vw, 914px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Aus Erikas Fotoalbum: Schacht I/II im Abriss</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h3 class="wp-block-heading">Wohnzimmer-Museum</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In all den Jahren hat Erika auch eine große Sammlung Bergbau-Relikte zusammen getragen. Über die Jahre wuchs ihre Wohnung am Espelweg zu einem kleinem Museum an. Grubenlampen, echte Kohlenbrocken, Fotos, Zeitungsausschnitte, einen Meterstock, Porzellanteller und noch mehr Lampen aus dem Bergbau. Stolz zeigt sie mir eine Figur, die Achenbach-Lehrlinge nur aus Schrauben hergestellt haben. Im Wohnzimmer steht nebem dem Sofa eine Schaufensterpuppe mit Hemd und Krawatte der RAG (Ruhrkohle AG). »Und hier ist noch ein alter Stiefel, der lag einfach so unten im Schacht rum«</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-14 is-layout-flex wp-container-core-gallery-is-layout-7bdbb6b7 wp-block-gallery-is-layout-flex" style="border-style:none;border-width:0px;border-top-left-radius:0px;border-top-right-radius:0px;border-bottom-left-radius:0px;border-bottom-right-radius:0px;margin-top:var(--wp--preset--spacing--20);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthessammlung.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="550" data-id="1051" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthessammlung-1024x550.jpg" alt="" class="wp-image-1051" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthessammlung-1024x550.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthessammlung-300x161.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthessammlung-768x412.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthessammlung-1536x824.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthessammlung.jpg 2012w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakraushaarmattes4-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="879" data-id="1058" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakraushaarmattes4-1024x879.jpg" alt="" class="wp-image-1058" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakraushaarmattes4-1024x879.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakraushaarmattes4-300x257.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakraushaarmattes4-768x659.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakraushaarmattes4-1536x1318.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakraushaarmattes4-2048x1758.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dann erzählt sie noch freudig, wie sie einmal einen Dieb erwischt hat, der PCs aus den Büros der Zeche klauen wollte. »Der hat dann auch mehrere Computer einfach in einer WC-Kabine eingeschlossen, wohl um sie am nächsten Tag abzuholen«. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel erlebt hat sie, Übertage, in den Büros. Sie sagt:»Der Bergbau war mein Leben. Da gebe ich nichts drauf. Das war eine so tolle Zeit!«</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Schließung der Zeche sorgte sie noch im Brambauer Krankenhaus für Sauberkeit. 1994 erfüllte sich ein Traum von ihr: bei einem RTL-Gewinnspiel gewann sie eine zweiwöchige Reise nach New York. Das war deshalb ganz besonders, weil sie bereits 1990 eine Reise in die USA gebucht hatte, um Verwandte zu sehen – doch die Reise wurde aufgrund des Golfkrieges storniert. Nun konnte sie den Besuch nachholen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute ist Erika 82 Jahre alt. Auch wenn sich in ihrer Familie niemand mehr für den Bergbau interessiert, brennt ihr Feuer für die Zechenzeit ungehindert weiter. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Über meinen Cousin, der ihren Partner pflegt, kam unser Kontakt zustande. Denn er schenkte ihr vor einigen Wochen mein Buch <em><a href="https://andre-walter.de/der-steiger-kam-am-ersten-mai/" data-type="page" data-id="560"><strong>»Der Steiger kam am ersten Mai«</strong></a></em>. »Die kenne ich alle darin!«, rief sie begeistert. Beeindruckt von den Erinnerungen und der umfangreichen Sammlung sage auch ich: vielen Dank, Erika!</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthes.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="795" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthes-795x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1050" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthes-795x1024.jpg 795w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthes-233x300.jpg 233w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthes-768x990.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/erikakrausmatthes.jpg 838w" sizes="auto, (max-width: 795px) 100vw, 795px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie haben auch Erinnerungen an Minister Achenbach oder haben sich in meinem Buch wiedererkannt? </strong><br><strong>Schreiben Sie mir gerne an hallo@andre-walter.de!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 9: Von der harten »Beschüte« zum feinen »Biskuit«</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-9-von-der-harten-beschuete-zum-feinen-biskuit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Apr 2026 19:04:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[Münsterland]]></category>
		<category><![CDATA[Plattdeutsch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1036</guid>

					<description><![CDATA[Wenn es ums Essen geht, darf in meinem Münsterländer Historienroman eines nicht fehlen: die »Beschüte«. Heute ist das Wort vielleicht nur noch den Großeltern bekannt, obwohl es damals allgegenwärtig war. Beschüte sind nämlich das, was wir heute als Zwieback kennen. Zwieback = Zweifach gebacken. Sie waren eine Art Grundnahrungsmittel. Überall präsent und überaus haltbar! Zudem [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Wenn es ums Essen geht, darf in meinem Münsterländer Historienroman eines nicht fehlen: die <strong>»Beschüte«</strong>. Heute ist das Wort vielleicht nur noch den Großeltern bekannt, obwohl es damals allgegenwärtig war. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Beschüte sind nämlich das, was wir heute als <strong>Zwieback</strong> kennen. Zwieback = Zweifach gebacken. Sie waren eine Art Grundnahrungsmittel. Überall präsent und überaus haltbar!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem ist ein Gebäck mit einer faszinierenden, fast weltmännischen Geschichte. Denn das Wort Beschüte leitet sich direkt vom lateinischen <em>bis coctus</em> ab, was schlicht »zweimal gebacken« bedeutet. Durch das doppelte Backen von Weißbrot entweicht die Feuchtigkeit, wodurch es extrem haltbar wird. Parallel gab es aber bereits den aus dem Französischen entlehnten Begriff »<strong>Biskuit</strong>«. Bis ins 17. Jahrhundert bezeichnete man im Deutschen damit jedoch eher <strong>Schiffszwieback</strong>. Das war ein schlichtes Brot, das in Scheiben geschnitten und ein zweites Mal gebacken wurde, bis es staubtrocken und mürbe war. Ein idealer Proviant für Seereisen, Soldaten und   die harte Arbeit auf den Feldern. Während sich daraus im Englischen das Wort <strong>»Biscuit«</strong> entwickelte, das dort bis heute den harten Keks meint, setzte sich bei uns im Deutschen später die wörtliche Übersetzung durch: der Zwieback.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Münsterländer blieben jedoch bei ihrem alten Wort <strong>Beschüte</strong>. Oft wurden sie in Ersatzkaffee (Muckefuck, Zichorienkaffeee, etc.) oder in Milch getunkt, um sie essbarer zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und sie blieben auch bei diesem Wort und diesem Bodenständigen Gebdäck, als die Zuckerbäcker im 18. Jahrhundert begannen, Eier zu trennen und Eischnee unterzuheben. Plötzlich wurde aus dem harten Brot eine luftig-leichte Masse. In den Bauernkaten standen also die Blechdose mit der harten Beschüte, während man im Schloss des Grafen zum Tee vielleicht schon den feinen Sponge Cake oder Löffelbiskuit reicht – jene moderne, fluffige Varianten, die mit der harten Kost der Vorfahren kaum noch etwas gemein hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Münsterländer Platt hat hier ein echtes Fossil bewahrt. Während die Hochsprache zum Zwieback wechselte und das Französische heute »Biscotte« und das Englische »Biscuit« sagt, konserviert die Münsterländer <strong>Beschüte</strong> den ursprünglichen Klang der Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in meinem Roman wird Beschüte immer wieder seinen Platz finden: am Kaminfeuer, beim Sonntagskaffee, bei einer Beerdigung&#8230;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/beschuete-1024x683.png" alt="" class="wp-image-1038" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/beschuete-1024x683.png 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/beschuete-300x200.png 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/beschuete-768x512.png 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/beschuete.png 1536w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">So ungefähr sahen sie aus, die Beschüte: rund geschnittenes, doppelt gebackenes Weißbrot. Das Bild ist mit einem KI-Bildgenerator erstellt worden. </figcaption></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 8: Die Hauderei</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-8-die-hauderei/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Mar 2026 20:08:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[1907]]></category>
		<category><![CDATA[Adressbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Kutsche]]></category>
		<category><![CDATA[Lünen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1032</guid>

					<description><![CDATA[Während ich für meinen Roman in das Jahr 1907 eintauche, stolpere ich immer wieder über Begriffe, die heute fast vergessen sind, damals aber zum Alltag gehörten. Einer davon ist die »Hauderei«. Diesen Begriff las ich zum ersten mal in meinem Leben, als ich beim Blick ins Adressbuch der Stadt Lünen von 1907 schauten, und diese [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Während ich für meinen Roman in das Jahr 1907 eintauche, stolpere ich immer wieder über Begriffe, die heute fast vergessen sind, damals aber zum Alltag gehörten. Einer davon ist die »Hauderei«.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesen Begriff las ich zum ersten mal in meinem Leben, als ich beim Blick ins Adressbuch der Stadt Lünen von 1907 schauten, und diese Anzeige sah:</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-15 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="581" height="837" data-id="1034" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuchluenen1907.jpg" alt="" class="wp-image-1034" style="aspect-ratio:1" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuchluenen1907.jpg 581w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuchluenen1907-208x300.jpg 208w" sizes="auto, (max-width: 581px) 100vw, 581px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="551" height="422" data-id="1033" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hauderei.jpg" alt="" class="wp-image-1033" style="aspect-ratio:1" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hauderei.jpg 551w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hauderei-300x230.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 551px) 100vw, 551px" /></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man sich die Mobilität im Münsterland vor 120 Jahren vorstellt, denkt man oft zuerst an die Postkutsche. Doch abseits der festen Postrouten gab es die Hauderer. Sie waren quasi das »Uber« bzw. Taxi der Kaiserzeit: freie Fuhrunternehmer, die ihre Kutschen und Pferde gegen Entgelt vermieteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Handwerk hinter dem Namen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Begriff leitet sich vom alten Wort »haudern« ab, was schlicht das Reiten auf Mietpferden oder das Fahren in Mietwagen beschrieb. Ein Hauderer war ein Macher: Er wartete an markanten Plätzen auf Kundschaft oder wurde für ganz besondere Momente gebucht. Ob es die festliche Hochzeitsfahrt zum Nachbardorf war oder der dringende Transport von Gütern – der Hauderer war die Lösung, wenn man selbst kein eigenes Gespann besaß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Recherche zu meinem Dorf zwischen Münster und Dortmund ist das spannend: Wie hat sich das Dorf verändert, als die ersten Bergwerke entstanden? Plötzlich gab es mehr Verkehr, mehr Fremde und einen ganz neuen Bedarf an Transportmöglichkeiten. Die Hauderei war genau an dieser Schnittstelle zwischen ländlicher Tradition und dem Aufbruch in die Moderne.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="981" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8557-Fuhrmannsverein-Luenen-1907_haudereit-981x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1765" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8557-Fuhrmannsverein-Luenen-1907_haudereit-981x1024.jpg 981w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8557-Fuhrmannsverein-Luenen-1907_haudereit-288x300.jpg 288w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8557-Fuhrmannsverein-Luenen-1907_haudereit-768x801.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8557-Fuhrmannsverein-Luenen-1907_haudereit.jpg 1035w" sizes="auto, (max-width: 981px) 100vw, 981px" /><figcaption class="wp-element-caption">Lünen, 1906: Im Vordergrund der Fuhrmannverein, im Hintergrund auf dem Haus Werbung für eine Hauderei</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Blick über die Grenzen: Die »Cabs«</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanterweise gab es dieses Prinzip überall. In London etwa nannte man die Mietkutschen »Hackney Carriages«. Dort setzten sich besonders die leichten, zweirädrigen »Cabriolets« durch. Die Engländer kürzten das Wort im Alltag einfach auf <strong>»Cab«</strong> ab; ein Begriff, der heute weltweit jeder kennt, während unser heimischer »Hauderer« still und leise aus unserem Sprachschatz verschwunden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum mir diese Details so wichtig sind</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Roman geht es um den Moment, in dem die alte Welt auf die neue trifft. Wenn der Graf nach Kohle graben lässt, bricht die Moderne über das Dorf herein. Solche Begriffe wie die Hauderei helfen mir, diesen Rahmen authentisch und plausibel zu gestalten. Es sind diese kleinen Wörter, die die Atmosphäre von 1907 wieder zum Leben erwecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fotos: Stadtarchiv Lünen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 7:  Flachs</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-7-flachs/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Mar 2026 21:02:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte(n) zwischen Lünen und Selm]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[Flachs]]></category>
		<category><![CDATA[Lünen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=937</guid>

					<description><![CDATA[Für eine realistische Darstellung des Münsterlandes um 1907 in meinem Roman, darf ein Blick auf Feld und Acker nicht fehlen. Denn die Landwirtschaft bestimmte den Tagesablauf und das dörfliche Leben – und beschäftige ein Großteil der Menschen. Ganz besonders hat es mir jedoch der der Flachsanbau angetan. Dazu habe ich im Lünener Stadtarchiv ein passendes [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large wp-duotone-duotone-1"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="739" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-1024x739.jpg" alt="" class="wp-image-938" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-1024x739.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-300x216.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-768x554.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-1536x1108.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-2048x1478.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Foto: G.Claus 1946; Flachsernte in der Geist, Lünen (Stadtarchiv Lünen)</strong></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Für eine realistische Darstellung des Münsterlandes um 1907 in meinem Roman, darf ein Blick auf Feld und Acker nicht fehlen. Denn die Landwirtschaft bestimmte den Tagesablauf und das dörfliche Leben – und beschäftige ein Großteil der Menschen. Ganz besonders hat es mir jedoch der der Flachsanbau angetan.</strong><br><br>Dazu habe ich im Lünener Stadtarchiv ein passendes Foto von 1946 gefunden. Es trägt den Titel »Flachsernte in der Geist«, daher sind im Hintergrund vermutlich der Turm der Kirche St. Marien sowie die Lippebrücke zu erkennen. Das Foto wird sehr wahrscheinlich auf dem Gelände des heutigen Segelflugplatzes aufgenommen worden sein und wird sich zu Arbeit um 1907 kaum unterscheiden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Vordergrund des Bildes stehen kleine Bündel gezogenen Flachses auf dem Feld. Dominiert wird das Bild aber von dem Wagen, mit dem der Flachs abtransportiert wird. Über die Menschen auf dem Bild ist nichts bekannt. Ist der junge Mann mit der Forke der Sohn des Bauern oder ein angestellter Ackerknecht? Auch Kinder sind auf dem Foto zu sehen und packen mit an, denn so war das früher: die harte Arbeit auf dem Feld, die Versorgung der Tiere und die Weiterverarbeitung der Ernten forderte alle in der Familie. Versorgte ein Betrieb um 1900 sich selbst und etwa vier weitere Personen, sind es in heutiger Zeit schon 160 Menschen (<a href="https://www.agrarheute.com/land-leben/landwirtschaft-100-jahren-zwischen-nostalgie-knochenarbeit-hof-628755">lt. agrarheute</a>).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Anbau und Ernte des Flachses</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Anbau von Flachs begann im Frühjahr. Der Boden musste besonders feinkrümelig vorbereitet werden, da die Pflanzen dicht gesät wurden und empfindlich auf grobe Erdklumpen reagierten. Wenn die jungen Pflanzen nur wenige Zentimeter hoch waren, musste das Feld sorgfältig von Unkraut befreit werden. Diese Arbeit geschah meist von Hand, oft gebückt oder kniend zwischen den Pflanzen, um die empfindlichen Stängel nicht zu beschädigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühsommer blühte der Flachs mit seinen hellblauen Blüten, die ein Feld für kurze Zeit vollständig blau erscheinen lassen konnten. Nach der Blüte bildeten sich Samenkapseln, in denen die Leinsamen heranreiften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Flachsernte unterschied sich deutlich von der Getreideernte. Flachs wurde nicht geschnitten, sondern mit der Hand aus dem Boden gezogen, damit die Fasern ihre volle Länge behielten. Die Pflanzen wurden anschließend zu kleinen Bündeln gebunden und auf dem Feld gesammelt, bevor sie abtransportiert wurden &#8211; genau so, wie es das Foto oben zeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Ernte folgten mehrere weitere Arbeitsschritte. Zunächst wurden die Samen aus den Kapseln ausgedroschen. Danach wurde der Flachs mehrere Wochen auf Wiesen ausgebreitet, damit Tau und Feuchtigkeit die Fasern aus den Stängeln lösen konnten. Ein Vorgang, der als <strong>»Röste« </strong>bezeichnet wurde. Beim »<strong>Braken</strong>« wurden anschließend die getrockneten Flachsstängel in einer hölzernen Vorrichtung – der Brake – gebrochen. Durch wiederholtes Herunterdrücken eines Hebels zerbrachen die holzigen Teile der Pflanze, während die Fasern erhalten blieben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst danach konnten die Fasern weiter gereinigt werden. Letzlich enstand erst hier die spinnfähige Faser, aus der Garn hergestellt und schließlich Leinenstoff gewebt werden konnte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="756" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/flachs-1024x756.jpg" alt="" class="wp-image-944" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/flachs-1024x756.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/flachs-300x221.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/flachs-768x567.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/flachs-1536x1134.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/flachs.jpg 1650w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schaukasten „Der Flachs“ vom Rohstoff zum Endprodukt. Bergisches Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe, Burggraben 9-21 in Bergisch Gladbach. Foto von Frank Vincentz &#8211; Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12602377</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Ein Blick in die eigene Familiengeschichte</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verbindung zwischen Flachs und Leinen ist auch in meiner eigenen Familiengeschichte zu finden. Mein Ur-Urgroßvater Bernhardt Trottenberg wird in historischen Quellen um 1860 als <strong>»Leinenweber und Kötter«</strong> in Waltrop bezeichnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Begriff Kötter bezeichnete in unserer Region einen Kleinbauern mit einem kleinen Hof, einem sogenannten Kotten. Dieser war oft nicht im Eigentum, sondern waren von einem anderen Bauern gepachtet. Da das Land oft nicht ausreichte, um eine Familie vollständig zu ernähren, gingen viele Kötter zusätzlich einer handwerklichen Tätigkeit nach. Eine verbreitete Nebentätigkeit war etwa die Leinenweberei. Der Flachs wurde teilweise selbst angebaut oder aus der Umgebung bezogen. Nach der Verarbeitung der Fasern entstand Garn, das auf einem Handwebstuhl zu Leinenstoff verarbeitet und dann verkauft wurde. </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Apropos Geschichte: <br>Zwar wird der Flach auch eine Rolle in meinem Roman spielen, doch viel Interessanter: Als der tschechische Zeichner Zdeněk Miler einen Zeichentrickfilm über die Verarbeitung von Flachs erstellen wollte, suchte er nach einer geeigneten Zeichentrickfigur. Einer Legende nach stolperte er eines Tages über einen Maulwurfshügel – und so entstand 1957 der Film <em>Wie der Maulwurf zu seinen Hosen kam</em>. Die erste Folge der bekannten Kinderserie »Der kleine Maulwurf« handelt tatsächlich vom Flachs 🙂</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 6: Hüte</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-6-huete/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Mar 2026 14:14:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=791</guid>

					<description><![CDATA[Wichtig für all meine Charaktere im Historienroman: Vor 100 Jahren trug jeder einen Hut! Und der Hut war mehr als ein Accessoire – er war Statussymbol, Berufsmerkmal und Teil der sozialen Ordnung. Filzhut, Homburg, Fedora oder wenigstens eine Schiebermütze: Form, Farbe und Trageweise sagten viel über Herkunft und Rolle aus. Bei der Charakterentwicklung für den [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="645" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/trauerhalle_Brambauer-1024x645.jpg" alt="" class="wp-image-792" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/trauerhalle_Brambauer-1024x645.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/trauerhalle_Brambauer-300x189.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/trauerhalle_Brambauer-768x483.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/trauerhalle_Brambauer-1536x967.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/trauerhalle_Brambauer.jpg 1741w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wichtig für all meine Charaktere im Historienroman: Vor 100 Jahren trug jeder einen Hut!</strong><br><br>Und der Hut war mehr als ein Accessoire – er war Statussymbol, Berufsmerkmal und Teil der sozialen Ordnung. Filzhut, Homburg, Fedora oder wenigstens eine Schiebermütze: Form, Farbe und Trageweise sagten viel über Herkunft und Rolle aus. Bei der Charakterentwicklung für den Roman sollte daher immer auch an die &#8222;passende&#8220; Kopfbedeckung gedacht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Foto ganz oben stammt von 1928 und zeigt wichtige Persönlichkeiten bei der Einweihung der Trauerhalle auf dem Kommunalfriedhof in Lünen (Zum Gottesacker) (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="920" height="926" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Anzeige1908Huete-Luenen.jpg" alt="" class="wp-image-941" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Anzeige1908Huete-Luenen.jpg 920w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Anzeige1908Huete-Luenen-298x300.jpg 298w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Anzeige1908Huete-Luenen-150x150.jpg 150w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Anzeige1908Huete-Luenen-768x773.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px" /><figcaption class="wp-element-caption">Anzeige eines Hutgeschäftes in Lünen von 1908 (Lüner Zeitung vom 19. September 1908, Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Hier einige gängige Hutarten für Herren zur Zeit meines Romans:</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="591" height="647" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/huete.jpg" alt="" class="wp-image-795" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/huete.jpg 591w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/huete-274x300.jpg 274w" sizes="auto, (max-width: 591px) 100vw, 591px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Filzhut</strong><br>Ein allgemeiner Oberbegriff für Hüte aus gefilzter Wolle oder Tierhaar. Filzhüte sind formstabil, wetterfest und lassen sich in vielen Formen herstellen. Sie waren im 19. und frühen 20. Jahrhundert weit verbreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zylinder</strong><br>Ein hoher, zylindrischer Hut mit flacher Oberseite und schmaler Krempe. Der Zylinder galt im 19. Jahrhundert als formeller Herrenhut und wurde zu festlichen Anlässen, in der Diplomatie oder bei gehobener Gesellschaft getragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Melone (Bowler)</strong><br>Ein runder, halbkugelförmiger Filzhut mit relativ schmaler Krempe. Die Melone entstand im 19. Jahrhundert in England und wurde vor allem von Geschäftsleuten und Beamten getragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Strohhut</strong><br>Ein leichter Hut aus geflochtenem Stroh oder ähnlichen Pflanzenfasern. Durch seine luftige Struktur eignet er sich besonders für warme Temperaturen und wird traditionell im Sommer getragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Homburg</strong><br>Ein eleganter Filzhut mit eingedrückter Längsfurche auf der Krone und leicht aufgebogener Krempe. Der Homburg wurde im späten 19. Jahrhundert populär und galt lange als formeller, aber weniger strenger Hut als der Zylinder.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fedora</strong><br>Ein weicher Filzhut mit länglicher Delle in der Krone und vorne meist leicht nach unten gebogener Krempe. Der Fedora wurde im frühen 20. Jahrhundert sehr populär und ist heute eine der bekanntesten klassischen Hutformen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schiebermütze</strong><br>Eine flache Stoffmütze mit rundem, nach vorne gezogenem Oberteil und kleinem Schirm. Sie wurde besonders von Arbeitern und Handwerkern getragen und ist auch als Flat Cap oder Newsboy Cap bekannt.<br><br><strong>Ich selbst trage übrigens auch immer einen Hut, wenn ich draußen bin: praktisch bei Sonne, bei Regen, selbt bei Wind &#8211; und absolut stylisch.</strong></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-455392de wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="983" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260209_202537201-983x1024.jpg" alt="" class="wp-image-622" style="aspect-ratio:1;object-fit:cover" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260209_202537201-983x1024.jpg 983w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260209_202537201-288x300.jpg 288w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260209_202537201-768x800.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260209_202537201.jpg 1065w" sizes="auto, (max-width: 983px) 100vw, 983px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ich selbst&#8230;</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="620" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250224_1745351832-edited-620x1024.jpg" alt="" class="wp-image-676" style="aspect-ratio:1;object-fit:contain" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250224_1745351832-edited-620x1024.jpg 620w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250224_1745351832-edited-182x300.jpg 182w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250224_1745351832-edited-768x1269.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250224_1745351832-edited-929x1536.jpg 929w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20250224_1745351832-edited.jpg 1146w" sizes="auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px" /></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="319" height="466" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/goertz_hut.jpg" alt="" class="wp-image-801" style="aspect-ratio:1;object-fit:cover" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/goertz_hut.jpg 319w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/goertz_hut-205x300.jpg 205w" sizes="auto, (max-width: 319px) 100vw, 319px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Großvater</p>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hochzeit meiner Urgroßeltern 1926</title>
		<link>https://andre-walter.de/734-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Mar 2026 23:43:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=734</guid>

					<description><![CDATA[Für meinen Roman recherchiere ich nicht nur im Archiv, sondern auch in meiner eigenen Familiengeschichte. Hier ist ein ganz besonderes Schätzchen aus dem Fundus: Das Hochzeitsfoto meiner Urgroßeltern von 1926, die in Waltrop-Brockenscheidt gelebt haben. In der Mitte, die Braut: Maria Pötter (1904-1992); rechts daneben der Bräutigam Johann Bernhard Trottenberg (1900 &#8211; 1964). Die anderen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="678" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/trb2-1024x678.jpg" alt="" class="wp-image-735" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/trb2-1024x678.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/trb2-300x199.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/trb2-768x509.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/trb2-1536x1018.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/trb2-2048x1357.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Für meinen Roman recherchiere ich nicht nur im Archiv, sondern auch in meiner eigenen Familiengeschichte.  Hier ist ein ganz besonderes Schätzchen aus dem Fundus:<br><br><strong>Das Hochzeitsfoto meiner Urgroßeltern von 1926, die in Waltrop-Brockenscheidt gelebt haben.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Mitte, die Braut: Maria Pötter (1904-1992); rechts daneben der Bräutigam Johann Bernhard Trottenberg (1900 &#8211; 1964). Die anderen Personen sind mir leider nicht bekannt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch eine Frage drängt sich auf: Warum trägt die Braut Schwarz?<br><br>Was heute nach Trauer aussieht, war damals im Münsterland und Ruhrgebiet – besonders in Arbeiter- und Bauernfamilien – gelebte Tradition:<br><br><strong>Pragmatismus</strong>: Ein weißes Kleid war purer Luxus und konnte nur einmal getragen werden. Das schwarze Seidenkleid hingegen war das „beste Stück“ im Schrank. Es wurde nach der Hochzeit zu jedem hohen Festtag und sogar als Trauerkleidung getragen.<br><br><strong>Reinheit</strong>: Ein weißes Kleid sauber zu halten, war in einer Zeit ohne moderne Waschmaschinen fast unmöglich (außer mit viel Sonnenbleiche). Schwarz war schlichtweg praktischer.<br><br><strong>Der Schleier:</strong> Er war das eigentliche Symbol der Braut und bildete den strahlend weißen Kontrast zum dunklen Kleid.<br><br>Das Bild enstand zwar gut 19 Jahre nach der Zei, in der mein Roman spielt, aber die Protagonisten könnten vielleicht als Kinder im Buch einen Gastauftritt bekommen!</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 5: Zeitungsanzeigen</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-zeitungsanzeigen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Mar 2026 22:24:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=683</guid>

					<description><![CDATA[Für meinen Roman schaue ich auch in alte Zeitungen aus dem Jahr 1907. Hier zum Beispiel der Anzeigenteil einer (mutmaßlich) Dortmunder Zeitung: &#8211; Morgenmädchen gesucht.&#8211; Abendmädchen gesucht.&#8211; Ein properes Mädchen gesucht. Junge Frauen boten ihre Arbeitskraft stundenweise an – für Küche, Kinder, Wäsche und Ordnung. Kein Vertrag. Kein Mindestlohn. Aber ein tadelloser Ruf war damals [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-455392de wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2-Kopie-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-686" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2-Kopie-1024x1024.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2-Kopie-300x300.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2-Kopie-150x150.jpg 150w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2-Kopie-768x768.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2-Kopie.jpg 1080w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Für meinen Roman schaue ich auch in alte Zeitungen aus dem Jahr 1907. Hier zum Beispiel der Anzeigenteil einer (mutmaßlich) Dortmunder Zeitung:</strong><br><br>&#8211; Morgenmädchen gesucht.<br>&#8211; Abendmädchen gesucht.<br>&#8211; Ein properes Mädchen gesucht.<br><br>Junge Frauen boten ihre Arbeitskraft stundenweise an – für Küche, Kinder, Wäsche und Ordnung. Kein Vertrag. Kein Mindestlohn. Aber ein tadelloser Ruf war damals absolute Pflicht (und oft auch dieselbe Religion).<br><br>Ein <strong>Morgenmädchen </strong>kam früh am Tag: Feuer machen, Betten richten, Frühstück vorbereiten.<br><br>Ein <strong>Abendmädchen </strong>arbeitete nachmittags und abends: Tisch decken, Abwasch, Kinder hüten.<br><br>Und ein »<strong>Properes Mädchen</strong>« bedeutete: sauber, ordentlich – und vor allem von gutem Ruf und moralisch »einwandfrei« (keine Gerüchte, keine unehelichen Kinder, kein »lockerer Lebenswandel«).<br><br>Der Begriff war vor 120 Jahren keine Berufsbezeichnung, sondern ein soziales Qualitätsurteil – extrem wichtig, besonders für Haushalte mit Kindern oder alleinstehenden Männern.<br><br><strong>Kurzum: es wurde nicht gefragt, was kannst du, sondern: wie bist du, was sagen die Leute über dich?</strong><br><br>(genauer Name der Zeitung und Datum der Ausgabe im Moment unbekannt)</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 4: Namen um 1900</title>
		<link>https://andre-walter.de/namen-finden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 22:31:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=691</guid>

					<description><![CDATA[Bevor meine Roman-Figuren im Münsterland des Jahres 1907 sprechen dürfen, müssen sie zunächst einen richtigen Namen erhalten. Vielmehr: einen »authentischen« Namen. Ein Kevin im Jahr 1907? Eher unwahrscheinlich&#8230; Inspiration hole ich mir dafür beispielsweise in einem Kirchenbuch von 1865 – geschrieben in deutscher Kurrentschrift (die ich leider nur rudimentär lesen kann). Zeile für Zeile steht [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-455392de wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-692" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1-1024x1024.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1-300x300.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1-150x150.jpg 150w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1-768x768.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1.jpg 1080w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Bevor meine Roman-Figuren im Münsterland des Jahres 1907 sprechen dürfen, müssen sie zunächst einen richtigen Namen erhalten. Vielmehr: einen »authentischen« Namen. Ein Kevin im Jahr 1907? Eher unwahrscheinlich&#8230;<br><br>Inspiration hole ich mir dafür beispielsweise in einem Kirchenbuch von 1865 – geschrieben in deutscher Kurrentschrift (die ich leider nur rudimentär lesen kann).<br><br>Zeile für Zeile steht dort streng geordnet: Name des Kindes, Geburtsdatum und -uhrzeit, ehelich oder nicht,<br>Beruf und Name des Vaters, Name der Mutter, Tauftermin, Taufpaten.<br><br>Sehr oft gibt es dort Namen wie Heinrich, Wilhelm, Maria, Elisabeth&#8230; und gerade im katholischen Münsterland oft auch zahlreich aneinander gereit (z.B. Bernhard Wilhelm Josef).<br><br>Das ist doch eine gute Inspiration &#8211; und ein Charakter, der 1871 geboren wurde, wäre im Roman 36 Jahre alt. Vielleicht also einen Wilhelm Bernhard? 😉</p>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 3: Autokenzeichen</title>
		<link>https://andre-walter.de/autos/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Mar 2026 23:36:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=726</guid>

					<description><![CDATA[Bild: Werbeanzeige der Frankfurter Adlerwerke. Von Unbekannt, Führer von Frankfurt, Hg. Verkehrsverein Frankfurt am Main Bartetzko, Hoffmann, Junker, Schmidt-Linsenhoff: Wie Frankfurt fotografiert wurde. 1850-1914. München 1977 Gemeinfrei, Wikimedia-Commons: https://de.wikipedia.org/wiki/Adlerwerke#/media/Datei:Werbung_Adlerwerke_Frankfurt_1907.png Münsterland, 1907: Die neuen Kutschen ohne Pferde waren noch Exoten – laut, rußig und teuer. Und wenn jemand z.B. mit so einem »Adler-Wagen« durchs Dorf knatterte [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-455392de wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1012" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adler-1012x1024.jpg" alt="" class="wp-image-727" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adler-1012x1024.jpg 1012w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adler-296x300.jpg 296w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adler-768x777.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adler.jpg 1143w" sizes="auto, (max-width: 1012px) 100vw, 1012px" /></figure>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Bild: Werbeanzeige der Frankfurter Adlerwerke. Von Unbekannt, Führer von Frankfurt, Hg. Verkehrsverein Frankfurt am Main Bartetzko, Hoffmann, Junker, Schmidt-Linsenhoff: Wie Frankfurt fotografiert wurde. 1850-1914. München 1977 Gemeinfrei, <br>Wikimedia-Commons: https://de.wikipedia.org/wiki/Adlerwerke#/media/Datei:Werbung_Adlerwerke_Frankfurt_1907.png</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Münsterland, 1907:<br><br>Die neuen Kutschen ohne Pferde waren noch Exoten – laut, rußig und teuer. Und wenn jemand z.B. mit so einem »Adler-Wagen« durchs Dorf knatterte und dabei Staub, Hühner und Gemüter aufscheuchte,<br>wollte man wenigstens wissen, wer das war.<br><br>Die Lösung: Kennzeichen. Zwar hatte viele Städte schon welche eingeführt, doch ab dem 1.Oktober 1907 galt im gesamten Deutschen Reich ein einheitliches Nummerierungssystem.<br><br>Im Münsterland war dies : „I M“ –<br>I (Römisch I) für Preußen, M für den Regierungsbezirk Münster, dazu eine laufende Nummer für die neuen Herren der Landstraße.<br><br>Ein Schild wie „I M 27“ bedeutete also:<br>modern, motorisiert – und eindeutig identifizierbar aus dem Bezirk Münster in Preußen.<br><br>Ich sammle solche Details für meinen historischen Roman.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 2: Bauernhöfe</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-2-bauernhoefe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Mar 2026 09:58:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=741</guid>

					<description><![CDATA[Das Foto zeigt den Hof „Große-Meininghaus“ im heutigen Lünen-Brambauer, stellvertretend für viele Höfe, wie sie um 1900 in Westfalen ausgesehen haben. Interessant ist hier auch, was das Foto nicht zeigt: Unter dem Land des Hofes war einige Jahre zuvor ein unterirdischer Kanal gebaut worden. Denn ab 1894 wurden die Abwässer Dortmunds auf den Feldern zwischen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-455392de wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Unbenannt-1-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-742" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Unbenannt-1-1024x1024.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Unbenannt-1-300x300.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Unbenannt-1-150x150.jpg 150w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Unbenannt-1-768x768.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Unbenannt-1-1536x1536.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Unbenannt-1.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Das Foto zeigt den Hof „Große-Meininghaus“ im heutigen Lünen-Brambauer, stellvertretend für viele Höfe, wie sie um 1900 in Westfalen ausgesehen haben.<br><br>Interessant ist hier auch, was das Foto nicht zeigt: Unter dem Land des Hofes war einige Jahre zuvor ein unterirdischer Kanal gebaut worden. Denn ab 1894 wurden die Abwässer Dortmunds auf den Feldern zwischen Waltrop, Datteln und Lünen verrieselt – daher der bis heute gebräuchliche Name „Rieselfelder“.<br><br>Die genauen Umstände sind mir nicht bekannt. Im Dortmunder Archiv findet sich jedoch der Hinweis, dass der Landwirt gegen die Entschädigung geklagt hat. Das lässt vermuten, dass der Kanal zunächst ohne ausreichende Entschädigung gebaut wurde.<br><br>Solche Details sammle ich für meinen historischen Roman. Denn nicht zuletzt brauchte auch die sich ausbreitende Industrie (Zechen, Stahlwerken, Schienen) Land, das nicht alle einfach so hergeben wollten&#8230;.<br><br>Notiz am Rande: Brambauer war zu dieser Zeit eine eigenständige Gemeinde im Landkreis Dortmund (die Eingemeindung nach Lünen erfolgte erst 1928)<br><br>(Foto: Friedhelm Eschner, bearbeitet durch mich)</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 1: Bahnfahrplan</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-1-bahnfahrplan/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Feb 2026 19:58:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnhof]]></category>
		<category><![CDATA[Eisenbahn]]></category>
		<category><![CDATA[Selm]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=960</guid>

					<description><![CDATA[Pünktlichkeit ist eine Zier&#8230; seit mindestens 120 Jahren! Diesen alten Fahrplan der &#8222;Westmünsterlandbahn&#8220; von 1906 habe ich bei meiner Recherche für den Roman entdeckt. Interessant dabei, dass der Zug damals schon fast zur selben Zeit in Selm abfuhr wie heute (8:35 Uhr statt wie jetzt 8:38 Uhr) &#8211; für die Fahrt nach Lünen aber statt [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Pünktlichkeit ist eine Zier&#8230; seit mindestens 120 Jahren! </strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="957" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/bahnfahrplan-1024x957.jpg" alt="" class="wp-image-961" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/bahnfahrplan-1024x957.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/bahnfahrplan-300x280.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/bahnfahrplan-768x718.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/bahnfahrplan.jpg 1199w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Diesen alten Fahrplan der &#8222;Westmünsterlandbahn&#8220; von 1906 habe ich bei meiner Recherche für den Roman entdeckt. Interessant dabei, dass der Zug damals schon fast zur selben Zeit in Selm abfuhr wie heute (8:35 Uhr statt wie jetzt 8:38 Uhr) &#8211; für die Fahrt nach Lünen aber statt der heutigen neun Minuten doch 21 brauchte (und überhaupt nur viermal am Tag fuhr!)<br><br>Für meinen Roman ist dieser Fahrplan Gold wert, denn meine Geschichte beginnt auf einem der im Fahrplan genannten Bahnhöfe. So wird einer meiner Protagonisten zur rechten Zeit aus dem Zug aussteigen. Denn hier muss man schon genau hinschauen, weil nicht alle der heutigen Bahnstrecken vorhanden waren (die Bahnlinie Lünen &#8211; Münster z.B. gab es 1906 noch nicht!) Andersherum gab in früheren Zeiten auch viele Strecken, deren Gleise schon seit etlichen Jahrzehnten abgebaut wurden (z.B. die Zechenbahn in Selm oder die Kleinbahn Rinkerode–Ascheberg). Aber das wäre eine eigene Geschichte Wert.<br><br>Historische Romane müssen nicht penibel sein – aber plausibel sollten sie sein. Eine &#8222;glaubhafte Welt&#8220; darlegen und das tue ich, denn den Bahnhof in meinem Roman gab es 1907 und der Zug wird vielleicht pünklich gemäß Fahrplan dort angehalten haben. 😉</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
