»Eine Mittelinsel berge zu viele Gefahren.« Mit dieser Begründung hat Selm Bürgermeister Heinz-Georg Mors den bisherigen Plan einer Querungshilfe zwischen Auenpark und Seilandsiedlung beim Bürgerarbend zurückgewiesen, berichteten die Ruhr Nachrichten am 11. Juni. Ich muss zugeben: So ganz erschließt sich mir diese Argumentation nicht!

Natürlich lässt sich von außen schwer beurteilen, welche fachlichen Bewertungen der Stadt oder den zuständigen Straßenplanern vorliegen. Sichtweiten, Verkehrsaufkommen und weitere Kriterien spielen bei solchen Entscheidungen eine wichtige Rolle. Dennoch bleibt bei mir die Frage, welche konkreten Gründe gegen eine Mittelinsel an dieser Stelle sprechen sollen.
Wer die Situation vor Ort kennt, weiß, dass die Münsterlandstraße hier bereits heute regelmäßig von Fußgängern und Radfahrern überquert wird. Die Gefahr entsteht also nicht erst durch eine mögliche Querungshilfe. Sie ist bereits vorhanden!
Ich selbst habe dort auch schon ein öfters mal minutenlang gestanden, weil sich keine Lücke auftat. Gerade mit Kindern oder im fortgestzten Alter braucht man Geduld: ist die eine Seite frei, kommt wieder von der anderen jemand. Das liegt auch daran, dass die beiden Kreisverkehre an den Enden der Straße den Verkehr permanent durchlassen, und nicht wie bei einer Ampelschaltung, in Wellen. (Was natürlich normalerweise bestens ist für den Verkehrsfluss, hier aber eben kaum eine Lücke lässt). Und vom Seiland kommen, erschwert die Kurve die Sicht zusätzlich:

Wichtige Verbindung im »durchteilten« Selm
Und das so viele Menschen hier über Straße wollen, hängt mit der Lage der Querungsstelle im Ort zusammen: Die Münsterlandstraße bildet zusammen mit der Bahnlinie eine deutliche Barriere für Fußgänger und Radfahrer. Zwischen dem Seiland, dem Auenpark, den Sportanlagen und den angrenzenden Wohngebieten gibt es jenseits der beiden Kreisverkehre sonst keine Möglichkeit, die Straße auf einer Länge von einem Kilometer zu überqueren. Die bestehende Wegeverbindung zwischen Auenpark und Seilandsiedlung ist deshalb nicht irgendein Übergang, sondern ein wichtiger Knotenpunkt im Fuß- und Radwegenetz:

Auf der Karte zeigt sich sofort, dass sich an dieser Stelle verschiedene Wegebeziehungen bündeln. Menschen gelangen hier vom Wohngebiet in den Park oder in die jeweils andere Richtung. Die Verbindung wird genutzt, weil sie sinnvoll ist, weil sich nur hier eine Lücke in dieser »Barriere« befindet.

Was geht in Bork, was in Selm nicht möglich ist?
Warum die bislang geplante Querungshilfe an dieser Stelle auf einmal nicht realisierbar ist… ich würde gerne die Gründe wissen. Ich frage mich das deshalb, weil es bereits auf genau dieser Bundesstraße in Selm eine Querungshilfe gibt: Nur wenige Kilometer entfernt im Ortsteil Bork befindet sich bereits eine Mittelinsel auf der B236, auf der Lünener Straße kurz vor der Einmündung In den Hahen. Nach meinem Eindruck ist die Fahrbahn dort nicht breiter als an der diskutierten Stelle zwischen Auenpark und Seilandsiedlung, sie ist sogar schmaler. Allein die Straßenbreite kann also kaum das entscheidende Argument sein. Zumal ja auch geplant ist, dass die Münsterlandstraße noch Platz für die Linksabbieger in den Auenpark bekommen soll (Abbiegespur).

Umso mehr stellt sich die Frage, welche konkreten Gründe gegen eine Querungshilfe sprechen. Sind es die Sichtverhältnisse? Das Verkehrsaufkommen? Vorgaben von Straßen.NRW? Oder andere Faktoren? Vielleicht gibt es gute Gründe. Aus dem Zeitungsbericht gehen sie allerdings nicht hervor und ich selbst war beim Bürgeraben leider nicht dabei.
Vorstellen könnte ich mir noch, dass man hier schräg über die Straße muss, weil beide Wege versetzt an der Straße enden; die Mittelinsel also ggf. länger sein muss.

Fest steht dagegen eines: Die Bedeutung dieser Verbindung für Fußgänger und Radfahrer wird nicht kleiner werden, je mehr Häuser im Auenpark entstehen. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn die Diskussion nicht bei der Frage endet, warum eine Mittelinsel angeblich nicht möglich ist, sondern wie sie realisiert werden kann.
Denn die sichereren Alternative einer Über- oder Unterführung sind zu teuer, dass sagte der Bürgermeister selbst. Zudem haben beide Varianten ihre eigenen Vor-und Nachteile.
Dann wurde noch die Idee einer Bedarfsampel genannt… die ist für den Verkehrsfluss nicht so schön. Aber bevor auch hier wer sagt, dass geht doch nicht: eine Bedarfsampel gibt es bereits auf derselben Bundesstraße. Natürlich wieder in Bork , in Höhe der Püttstraße (Blumen Ahland) – nur 300 Meter von der dortigen Querungshilfe entfernt. In Bork geht offenbar mehr 😉
