Meine lokale Kartenwerkstatt

Schon immer war ich fasziniert von der Darstellung der Welt auf Papier, von Atlanten und Karten. Seit 2007 bastle und erstelle ich eigene Landkarten über meine Heimat. So wundert es kaum, dass ich hier auf meiner Internetseite auch viele Landkarten zur Untermalung meiner Texte nutze. Dafür nutze ich das Programm QGIS, einem Open-Source-Geoinformationssystem, und meistens Daten von OpenStreetMap.

Die Basis ist meine sogenannte »Grundkarte für Lünen und Selm«. Anstatt für jede Karte mühsam bei null anzufangen, habe ich mir über Jahre hinweg -angefangen als einfaches Hobby- eine eigene Karte für meine beiden Städte erstellt. Sie ist die Grundlage für alles. Wenn ich dann ein neues Kartenprojekt starte, gleicht das eher einem Baukasten: Durch wenige Klicks kommen Häuser dazu oder verschwinden wieder. Straßen werden mal dick gezeichnet, mal dünn, oder sie fallen komplett weg, je nachdem, worauf der Fokus gerade liegen soll. Hier mal alles nur Graustufen, da richtig bunt. Was immer ich brauche, stelle ich mir zusammen; selbst, wenn es mal über die Stadtgrenzen hinaus geht.

Die Grundkarte besteht aus mittlerweile fast 70 verschiedenen Datenebenen. Man kann sich das wie die klassischen Overheadprojektor-Folien aus der Schule vorstellen, die man übereinanderleg, nur eben digital. So sind Hauptstraßen und Nebenstraßen eigenen Folien, Wälder, Bäche und Häuser ebenso.

Der Großteil dieser Daten stammt von OpenStreetMap (OSM), der freien Weltkarte. Das ist für mich eine echte Herzensangelegenheit, denn dort bringe ich selbst seit vielen Jahren mein lokales Wissen ein, um die Region digital für alle zu erfassen. Um den Karten Tiefe und Plastizität zu verleihen, lade ich mir zusätzlich offizielle Geodaten des Landes Nordrhein-Westfalen (Geobasis NRW) dazu. Das digitale Höhenmodell z.B. sorgt im Hintergrund dafür, dass Hänge, Hügel und Senken plastisch schattiert werden. Dies dann geschickt mit den Wald- und Wiesenflächen vermischt und fertig ist ein leichter 3D-Look auf den Karten.

Aus dieser einen, mächtigen Grundkarte leite ich mittlerweile alles ab: Egal ob es um das Visualisieren von Buslinien geht, um die Darstellung historischer Stadtgrenzen oder einfach nur um ein stimmungsvolles Bild im Pergament-Stil für die nächste Geschichte »zwischen Lünen und Selm«. 

Der Grund, warum ich überhaupt angefangen habe, Karten zu zeichnen, war übrigens ganz praktisch: In den Nullerjahren gab es kaum brauchbare Karten im Internet. Google Maps existierte noch nicht und OpenStreetMap steckte bestenfalls in den Kinderschuhen. Die großen Stadtplanverlage hatten ihre Pläne natürlich online, aber diese waren aufgrund des Urheberrechtes nicht für mich nutzbar. Wollte ich also zu einem lokalen Thema eine Karte beilegen, gab es schlicht keine kostenlosen oder lizenzfreien Alternativen. Und so nahm ich selbst den digitalen Pinsel in die Hand.

Mein allererster Stadtplan entstand 2007 in MS Paint. Er zeigte ziemlich pixelig den Stadtteil Brambauer.

2008 und 2010 wurde er in den nächsten Version zwar schöner und besser, war aber immer noch komplett per Maus gezeichnet (jetzt aber mit Photoshop). Er war zwar soweit korrekt, aber jegliche Änderung war mühselig – und eine Erweiterung auf ganz Lünen und auch noch Selm hätte mich Monate, gar Jahre gekostet. Zudem war das Ganze nicht skaliert. Das bedeutet: Auf dem damaligen Röhrenmonitor sah es zwar ganz nett aus, aber beim Rein- oder Rauszoomen wurde es schnell grauenhaft.

Mit QGIS und OSM ist heute alles einfacher. Mit wenigen Klicks habe ich immer das aktuelle Straßennetz in meiner Karte. Da alles auf Vektoren basiert und nicht mehr auf starren Pixeln, ist die Karte in jegliche Größe skalierbar. Ganz gleich, ob ich sie am Ende als Poster drucken oder auf dem Smartphone nutzen will.

Für den letzten Feinschliff nutze ich dann gelegentlich noch Photoshop oder GIMP. Und fertig ist das Gefühl, ein Stück Heimat exakt nach den eigenen Vorstellungen visualisiert zu haben.

»André Walter kann auch Karten. Er kann auch Fotografie. Er kann auch von sich sagen, dass er der einzige nichtkommerzielle private Kartograf Brambauers ist, der dem Wirrwarr und Weitwinkligen Straßen und Wege ein System verpasst und es protokollarisch archiviert hat«

Karl-Heinz-Knepper
In: Brambauer, Stadtteil mit Herz 2012

Sonstige bzw. ältere Karten