Mein historischer Roman spielt in einer fiktiven Gegend »irgendwo zwischen Münster und Dortmund«. Beliebig sollte sie deshalb aber nicht sein, sondern authentisch. Flüsse, Bäche, Dörfer, Straßen und Höfe sollen so heißen und dort liegen, wie sie auch in der wirklichen Welt hätten heißen und liegen können. Hier kommt mir natürlich mein Faible für Landkarten zugute. Also habe ich meine Romanwelt als Karte angelegt – mit allem, was dazugehört.
Seien Sie also Willkommen in »Haselbrock« im Jahre 1907!

Haselbrock. Das Dorf ist ländlich geprägt. Die Menschen leben von Ackerbau und Viehzucht, ein wenig auch vom Torf. Die Industrialisierung des Ruhrgebiets scheint noch weit genug entfernt zu sein. Aber sie rückt näher. Mein ausgedachter Ort liegt zwar im echten Bistum Münster, gehört Verwaltungstechnisch aber in den ebenso erfundenen »Kreis Vennstedde«. Dem gehören außerdem die kleineren Dörfer »Haverhorst« und »Emkentrup«, sowie die »Kattendieker Bauerschaft« an. Durch den Kreis schlängelt sich die »Wenneke«, ein etwas breiterer Fluss, der von zahlreichen kleineren Bächen gespeist wird. Zudem gibt es einen langgezogenen Höhenzug, der noch eine wichtige Rolle spielen wird.

Was der Name Haselbrock genau bedeutet und welche Legende es zu dem Dorf gibt, verrate ich im Roman. Aber so viel lässt sich vielleicht erahnen: Mit Haselnüssen hat die Sache durchaus etwas zu tun 😉
Natürlich hat Haselbrock auch eine Geschichte. Und seine (fiktive) Geschichte erklärt, warum die Straßen verlaufen, wie sie verlaufen, warum Höfe dort stehen, wo sie stehen, und warum Haselbrock im Jahr 1907 so aussieht, wie es aussieht.
Für die ein oder andere Szenerie stehen natürlich teilweise Originalschauplätze aus dem Münsterland Pate, aber letztlich ist es nicht nur ein Arrangement dieser, sondern eine -wie ich finde- organische und glaubhafte Romanwelt. Denn Haselbrock soll erfunden sein, aber nicht erfunden wirken! Daher habe ich auch auf die Topografie geachtet. Wo ist das Gelände höher, wo niedriger? Wie verlaufen deshalb Bäche her und wo nicht.

Und das wiederum hilft mir beim Schreiben. Ich habe nicht nur die wichtigen Handlungsorte vor Augen, sondern auch Entfernungen und Sichtachsen. Wenn zwei meiner Figuren auf einem Hügel stehen und über das Land blicken, weiß ich, was sie von dort aus sehen können. Fährt jemand mit der Kutsche ins nächste Dorf, kenne ich den Weg – und kann abschätzen, wie lange die Fahrt dauert und was sie unterwegs sehen.

Angefangen hatte alles mit einer groben Skizze auf Papier. Gebastelt habe ich diese Karte dann aber nicht in einem Zeichenprogramm, sondern wieder mit QGIS, also einem echten Geoinformationssystem. Damit erstelle ich schon länger zahlreiche Karten aus meiner Heimat. Für meine Romanwelt hat das einen schönen Nebeneffekt: Die Karte sieht nicht nur wie eine Karte aus, sie verhält sich auch so. Ich konnte sie immer wieder ein bisschen umbauen und anpassen, Entfernungen messen und ziemlich genau nachvollziehen, wie weit meine Figuren tatsächlich unterwegs sind. Von Haverhorst bis zum Ausflugslokal der alten Grete sind es beispielsweise nicht ganz 2,1 Kilometer:

Sicherlich hätte ich auch einfach schreiben können, dass hinter einem Abzweig nach dem Dorf das Lokal liegt. Aber genau das wollte ich nicht. So habe ich beim Schreiben den genauen Ort vor mir:
Hinter dem Dorf Haverhorst blieb sein Blick an einem Schild hängen: »Ausflugslokal Grete Haverhorst«. Ihm lag schon die Frage auf der Zunge, wer hier wohl nach wem benannt sei, doch da durchbrach der Kutscher schließlich die Stille. Er zeigte auf den Fluss, der sich vor ihnen auftat: »Kiek mo, das ist die Wenneke! (…) Hinter der Brücke machte die Wenneke zu seiner Linken einen scharfen Knick und folgte fortan parallel dem Weg. Zur Rechten erhob sich ein Steilhang, darüber dichter, dunkler Forst. Erst nach einer langgezogenen Kurve um den Hang herum öffnete sich der Blick: Eine lange Allee lag vor ihnen und schnitt durch die Felder. Klein am Horizont zeichnete sich ein Kirchturm ab. Sie fuhren direkt darauf zu. Ein verwittertes Holzschild am Wegesrand wies knapp den Weg zum »Hof Krose«. (…)
Im Moment experimentiere ich noch mit verschiedenen Stilen, aber das Schöne ist ja: anpassbar und verschiebbar ist alles noch bis zum Buchdruck.

Doch wie ich es auch drehe und wende: mein Haselbrock in Vennstedde bleibt fiktiv. Ja, es gibt tatsächlich ein echtes »Hasselbrock« in Norddeutschland (Gemeinde Walchum), aber das hat mit meinem Haselbrock nichts gemein. Auch die Wenneke fließt nirgendwo, und auch nach Haverhorst oder Emkentrup wird kein Wegweiser führen. Trotzdem möchte ich, dass es ich sich anfühlt, wie echt. Und dieses Gefühl will ich auch in meinen Romantext bringen, sodass Sie beim Lesen spüren: ich war zwar noch nie dort, aber es kommt mir… vertraut vor.
Die Landkarte ist noch in Arbeit und wird später in passender Form natürlich auch im Roman abgedruckt.
