<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>1907 &#8211; André Walter</title>
	<atom:link href="https://andre-walter.de/tag/1907/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://andre-walter.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Sat, 20 Jun 2026 19:06:49 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>

<image>
	<url>https://andre-walter.de/wp-content/uploads/portraimithut-150x150.png</url>
	<title>1907 &#8211; André Walter</title>
	<link>https://andre-walter.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Roman-Recherche 15: Kennen Sie Zichorienkaffee?</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-15-kennen-sie-zichorienkaffee/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Jun 2026 12:42:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[1907]]></category>
		<category><![CDATA[Kaffee]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1772</guid>

					<description><![CDATA[»Erstmal eine gute Tassen Bohnenkaffee!« Genau dieser Satz brachte mich ins Grübeln. Ich habe ihn oft bei älteren Menschen gehört, die nicht nur Kaffee, sondern explizit einen Bohnenkaffee wollten. Doch erst im Zuge meiner Romanrecherche wurde mir klar: ich sollte mir das mit dem Kaffeetrinken im Jahr 1907 vielleicht genauer ansehen. Denn offenbar stand auf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>»Erstmal eine gute Tassen Bohnenkaffee!« Genau dieser Satz brachte mich ins Grübeln. Ich habe ihn oft bei älteren Menschen gehört, die nicht nur Kaffee, sondern explizit einen Bohnenkaffee wollten. Doch erst im Zuge meiner <a href="https://andre-walter.de/recherche-fuer-meinen-historischen-roman/">Romanrecherche</a> wurde mir klar: ich sollte mir das mit dem Kaffeetrinken im Jahr 1907 vielleicht genauer ansehen. Denn offenbar stand auf vielen Küchentischen des Münsterlandes gar kein Bohnenkaffee, sondern etwas ganz anderes, das man trotzdem Kaffee nannte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong> Eine spannende Frage – und durchaus eine Herausforderung für einen Teetrinker wie mich</strong> 😉</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den vergangenen Wochen habe ich mich also intensiv mit dem Thema Kaffeeersatz beschäftigt. Zunächst klang das wenig spektakulär; schließlich wollte ich nur herausfinden, was die Menschen in einem münsterländischen Dorf um 1907 tatsächlich tranken. Doch wie so oft führte eine kleine Frage plötzlich in eine ganz andere Richtung. Ja, es gibt den <strong>»Muckefuck«</strong>. Ein Wort, dass ich auch noch aus meiner Kindheit für alles mögliche kenne, was aussah wie Kaffee, aber wo eben keine Kaffeebohnen drin sind. </p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tassenprobe_in_der_Kathreiner_Malzkaffee-Fabrik.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="875" height="741" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tassenprobe_in_der_Kathreiner_Malzkaffee-Fabrik.jpg" alt="" class="wp-image-1783" style="width:944px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tassenprobe_in_der_Kathreiner_Malzkaffee-Fabrik.jpg 875w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tassenprobe_in_der_Kathreiner_Malzkaffee-Fabrik-300x254.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Tassenprobe_in_der_Kathreiner_Malzkaffee-Fabrik-768x650.jpg 768w" sizes="(max-width: 875px) 100vw, 875px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Tassenprobe in der Kathreiner Malzkaffee-Fabrik<br>Landesarchiv Baden-Württemberg, Fotograf: Unifranck Lebensmittelwerke GmbH Ludwigsburg, Werbemittelarchiv, CC BY 3.0 DE <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/deed.en">https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/deed.en</a>, via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Viel häufiger begegnete mir aber: die <strong>Zichorie</strong>. Oder genauer gesagt: die <strong>Gemeine Wegwarte</strong>. Eine unscheinbare Wildpflanze, die an Feldwegen, Böschungen und Wegrändern wächst. Im Sommer trägt sie auffällige hellblaue Blüten, die sich schon von Weitem erkennen lassen. Zumindest wenn man keie Laie ist, wie ich es bin, und Zichorie ständig mit der Kornblume verwechselt&#8230;</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorie_kornblume.jpg"><img decoding="async" width="720" height="962" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorie_kornblume.jpg" alt="" class="wp-image-1774" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorie_kornblume.jpg 720w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorie_kornblume-225x300.jpg 225w" sizes="(max-width: 720px) 100vw, 720px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Gemein: Egal wo ich in Selm oder Lünen bisher geschaut habe&#8230;. immer nur Kornblumen und keine Gemeine Wegwarte!</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--20);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="771" height="1024" data-id="1775" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume1-771x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1775" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume1-771x1024.jpg 771w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume1-226x300.jpg 226w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume1-768x1020.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume1.jpg 813w" sizes="(max-width: 771px) 100vw, 771px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="771" height="1024" data-id="1777" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume2-771x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1777" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume2-771x1024.jpg 771w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume2-226x300.jpg 226w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume2-768x1020.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume2.jpg 813w" sizes="auto, (max-width: 771px) 100vw, 771px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="771" height="1024" data-id="1776" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume3-771x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1776" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume3-771x1024.jpg 771w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume3-226x300.jpg 226w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume3-768x1020.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/kornblume3.jpg 813w" sizes="auto, (max-width: 771px) 100vw, 771px" /></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wobei, auf die blaue Blüte kommt es auch gar nicht an. Denn der interessante Teil der Zichorie ist die Wurzel. Nach dem Ausgraben wurde sie getrocknet, geröstet und gemahlen und mit heißem Wasser aufgegossen. Das Ergebnis war der sogenannte Zichorienkaffee – ein Getränk, das den Menschen um 1907 deutlich vertrauter war als mir. Denn zur Zeit meines Romans kannten die Menschen dieses Getränk bereits seit Generationen; »die Wurzeln« als Kaffeeersatz reichen sogar bis ins 18. Jahrhundert zurück, als man nach einer günstigen Alternative zum teuren Bohnenkaffee suchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens zu Zeiten Napoleons gewann der Kaffeeersatz zusätzlich an Bedeutung. Durch die Kontinentalsperre wurde der Handel mit vielen Waren aus Übersee erschwert, darunter auch Kaffee. Die Menschen mussten erfinderisch werden und griffen auf das zurück, was vor ihrer Haustür wuchs. Dazu gehörte die Gemeine Wegwarte. Ebenso wurden auch Gerste, Roggen und Malz geröstet. Aus ihnen wurde der sogenannte Korn- oder Malzkaffee hergestellt, der vielerorts ebenso alltäglich gewesen sein dürfte wie der Zichorienkaffee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daneben fand ich auch Feigen, Eicheln, Bucheckern, Lupinen und sogar Löwenzahnwurzeln. Allerdings hatte nicht alles davon dieselbe Bedeutung. Manche Zutaten wurden nur regional verwendet, andere spielten eher in Notzeiten oder als Beimischung eine Rolle. Hier kommt auch der beireits erwähnte Name Muckefuck ins Spiel, der für alle möglichen Kaffee-Surrogate genutzt wurde; abgeleitet vom französchen Wor <em>Mocca faux</em>  für <em>falscher Kaffee</em>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Menschen um 1907 dürfte ohnehin etwas anderes wichtiger gewesen sein als die genaue Zusammensetzung: Das Getränk war heiß, dunkel und deutlich günstiger als echter Bohnenkaffee. Und es wärmte.  Und aus heutiger Sicht noch interessant: Zichorienkaffee enthält kein Koffein und kein Gluten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Übrigens, falls Ihnen der Name Zichorie beim Sprechen doch die ganze Zeit bekannt vor kommt: aus einer Kulturform der Gemeinen Wegwarte entstand später der <strong>Chicorée</strong>, den wir heute als Gemüse kennen. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Und wie schmeckts?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich nun schon einen Blogbeitrag über Zichorienkaffee schreibe, dann wollte ich auch wissen, wie er schmeckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also eine Packung bestellt, zwei Teelöffel in die Tasse, heißes Wasser drüber, staunen. Erst war es noch hellbraun, dann wurde es deutlich dunkler. Auf den ersten Blick sah es auch aus wie Kaffee. Auch der Geruch erinnerte mich tatsächlich ein wenig an Kaffee. Allerdings weniger kräftig und deutlich milder. Irgendetwas darin ließ mich sogar kurz an Lakritz denken, auch wenn ich kaum beschreiben kann warum.</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--20);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="813" height="740" data-id="1786" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_1.jpg" alt="" class="wp-image-1786" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_1.jpg 813w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_1-300x273.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_1-768x699.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 813px) 100vw, 813px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="813" height="740" data-id="1785" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_2.jpg" alt="" class="wp-image-1785" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_2.jpg 813w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_2-300x273.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_2-768x699.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 813px) 100vw, 813px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="813" height="740" data-id="1784" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_3.jpg" alt="" class="wp-image-1784" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_3.jpg 813w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_3-300x273.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/zichorienkaffee_selbstversuch_3-768x699.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 813px) 100vw, 813px" /></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dann der erste Schluck –  und (als jemand, der sonst nur Schwarztee trinkt) muss ich festhalten: es schmeckte mir wie Kaffee. Wie ein sehr milder, mit einer leicht erdigen und malzigen Note. Vom Duft her überwog dann aber doch so langsam der Geruch von verbranntem Toastbrot. Meine Frau (Kaffeetrinkerin!) verzog dagegen das Gesicht. »Schmeckt wie warmes Schwarzbier«. Ich trank meine Tasse aus, sie wollte keinen Schluck mehr davon. Es geht ihr doch nichts über echten Bohnenkaffee!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ich werde die Dose nun unter Bekannten und Verwandten weiterreichen. Mal sehen, wie die Reaktionen dort ausfallen. In meinem Roman wird der Zichorien-Kaffee jedenfalls immer wieder präsent sein, ob beim sonntäglichen Kaffeetrinken nach der Messe oder nach einer Beerdigung</strong>. <strong>Und vielleicht finde ich ja irgendwann doch noch eine echte Wegwarte irgendwo zwischen Lünen und Selm&#8230; 😉</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--30);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--30)"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="357" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kaffee_Anzeige_Luener_Zeitung_1908-1024x357.jpg" alt="" class="wp-image-1789" style="aspect-ratio:2.8683573822037194;width:882px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kaffee_Anzeige_Luener_Zeitung_1908-1024x357.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kaffee_Anzeige_Luener_Zeitung_1908-300x105.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kaffee_Anzeige_Luener_Zeitung_1908-768x268.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Kaffee_Anzeige_Luener_Zeitung_1908.jpg 1100w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Werbeanzeige in der Lünener Zeitung vom 17.09.1908 (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-full" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--30);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--30)"><img loading="lazy" decoding="async" width="1085" height="1450" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2026-06-02-Gedich_Zichorie_Hermann-Loens-1.jpg" alt="" class="wp-image-1794" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2026-06-02-Gedich_Zichorie_Hermann-Loens-1.jpg 1085w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2026-06-02-Gedich_Zichorie_Hermann-Loens-1-224x300.jpg 224w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2026-06-02-Gedich_Zichorie_Hermann-Loens-1-766x1024.jpg 766w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2026-06-02-Gedich_Zichorie_Hermann-Loens-1-768x1026.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1085px) 100vw, 1085px" /></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 14: Ernte- und Herbstferien 1907</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-14-herbstferien-1907/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 May 2026 11:50:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte(n) zwischen Lünen und Selm]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[1907]]></category>
		<category><![CDATA[Lünen]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Werbenanzeigen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1547</guid>

					<description><![CDATA[Nachdem ich mich zuletzt mit dem Lehrerinnenzölibat beschäftigt habe, bin ich bei der weiteren Recherche für meinen historischen Roman gleich beim nächsten Schulthema hängen geblieben: den Herbstferien am Ende der Erntezeit. Die Handlung meines Romans beginnt kurz nach dem Herbstanfang im September 1907. Ein Großteil der Ernte ist da bereits eingefahren und das Erntedankfest steht [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nachdem ich mich zuletzt mit dem <a href="https://andre-walter.de/roman-recherche-13-lehrerinnen-zwischen-beruf-und-ehe/" data-type="post" data-id="1539">Lehrerinnenzölibat</a> beschäftigt habe, bin ich bei der weiteren Recherche für meinen <a href="https://andre-walter.de/recherche-fuer-meinen-historischen-roman/" data-type="post" data-id="952">historischen Roman</a> gleich beim nächsten Schulthema hängen geblieben: den Herbstferien am Ende der Erntezeit.</strong>  </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Handlung meines Romans beginnt kurz nach dem Herbstanfang im September 1907. Ein Großteil der Ernte ist da bereits eingefahren und das Erntedankfest steht vor der Tür. Da wie genannt auch eine Lehrerin eine wichtige Rolle im Roman spielt, habe ich versucht herauszufinden, wie es sich mit den Schulferien verhielt. Denn die Frage ist nicht unwichtig, ob meine Lehrerin morgens in der Schule unterrichtet oder ob sie Zeit für anderes hat. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich ist das keine leichte Recherche. Es scheint, dass Ferien damals in einem gewissen Umfang auch an den örtlichen, lokalen Begebenheiten angepasst waren und nicht zentral, wie heute für ein ganzes Bundesland, festgelegt wurde. Besonders spannend wurde es, als ich in der Lünener Zeitung von 1908 in den Septemberausgaben Werbeanzeigen »Zum Schulanfang« fand. Geworben wurde dort allerdings nicht für Schulhefte, Füllfederhalter oder Kreidetafeln, sondern für Bekleidung! Kinderhüte, Schürzenstoffen, Strümpfe, Matrosenmützen und allerlei Weiteres für Jungen und Mädchen:</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--10);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--10)">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="696" height="1024" data-id="1549" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang2-696x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1549" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang2-696x1024.jpg 696w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang2-204x300.jpg 204w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang2-768x1130.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang2.jpg 839w" sizes="auto, (max-width: 696px) 100vw, 696px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="619" height="982" data-id="1548" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang.jpg" alt="" class="wp-image-1548" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang.jpg 619w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Schulanfang-189x300.jpg 189w" sizes="auto, (max-width: 619px) 100vw, 619px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Kleidungsanzeige_Dortmund.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="930" height="1024" data-id="1551" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Kleidungsanzeige_Dortmund-930x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1551" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Kleidungsanzeige_Dortmund-930x1024.jpg 930w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Kleidungsanzeige_Dortmund-272x300.jpg 272w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Kleidungsanzeige_Dortmund-768x846.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/Luenener_Zeitung_1908_Kleidungsanzeige_Dortmund.jpg 948w" sizes="auto, (max-width: 930px) 100vw, 930px" /></a></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anzeigen in der Lünener Zeitung vom 5. bzw. 8. September 1908 (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessant finde ich außerdem, was die Zeitungsanzeigen nicht zeigen:  Während für Kleidung, Schuhe und Hüte großzügig geworben wurde, fand ich keine Werbung für Schulmaterialien. Vielleicht gab es damals eben nur die Kreidetafel oder einen Füllfederhalter und nicht wie heute verlangt, dutzende Stifte, Hefte, Papiere in bestimmten Formen, Farben, Maße.  Ein neuer Anzug oder ein paar ordentliche Schuhe stellten jedenfalls einen deutlich größeren Kostenfaktor dar und vermutlich war es wichtiger, wie das Kind angezogen war (Status).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="698" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-1024x698.jpg" alt="" class="wp-image-1540" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-1024x698.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-300x205.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-768x524.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt-1536x1047.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/1456-Volksschule-Derne-Schulklasse-um-1905-Foto-unbekannt.jpg 1584w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eine Grundschulklasse aus Lünen 1905 (Quelle: Stadtarchiv Lünen).</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Anzeigen brachten mich aber auch ins Grübeln, wie denn wohl das Schuljahr ausgehen haben mag, wenn Anfang September mit dem Schulanfang geworben wurde.  Zumindest das ist klar: die schulfreien Zeiten orientierten sich sehr stark an der Landwirtschaft, wenn die Kinder auf den Feldern gebraucht wurden. Und im Vergleich zu heute auch noch stärker am kirchlichen Jahreskreis. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun soll mein Roman ja eben ein Roman sein und keine Doktorarbeit über das Kaiserreich, doch gerade solche Feinheiten entscheiden manchmal darüber, ob die Geschichte an der Stelle plausibel wirkt. Gleichzeitig darf ich mich aber (mit Blick auf die Uhr) auch nicht zu sehr in Details vertiefen. Ich nehme daher, als Kompromiss zwischen Recherche und Fiktion für meinen Roman mit:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich gab es im Münsterland um 1907 im Juli und August die großen Ernteferien. Die Äcker wurden abgeerntet, die Scheunen gefüllt. Dann folgte im September der reguläre Unterricht (daher die Zeitungsanzeigen zum Schulstart) und dann gab es nochmal einige Tage zum bzw. nach dem Erntedankfest frei. Die Ernteferien dienten also dazu, bei der Ernte zu helfen, und die Herbstferien lagen anschließend in einer Zeit, in der vielerorts Erntedankgottesdienste gefeiert und Märkte veranstaltet wurden. Danach konnte das Dorf nach den arbeitsreichen Sommermonaten zur Ruhe kommen und sich Anfang Oktober auf den Winter vorbereiten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large wp-duotone-duotone-1"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="739" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-1024x739.jpg" alt="" class="wp-image-938" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-1024x739.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-300x216.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-768x554.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-1536x1108.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8134-FlachsernteIn-der-Geist1946e-2048x1478.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Foto: G.Claus 1946; Flachsernte in der Geist, Lünen (Stadtarchiv Lünen)</strong></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">So wird es dann auch in meinem Roman geschehen. Am Samstag, 5. Oktober ist der letzte Schultag. Am anschließenden Sonntag findet dann das große Erntedankfest in meinem fiktiven Dorf statt. Mit Erntekrone, Aufzug der Vereine, Gottesdienst, der gemütlichen Einkehr in der Dorfkneipe  und anschließendem, großem Markt und Fest auf dem Dorfplatz. Und dann prallt sie wieder aufeinander, die alte Welt, und die neue Welt, die die Suche nach der Kohle ins Dorf bringt – und dazwischen ein paar Kinder, die sich einen Kohlkopf gemopst haben, um damit Ball zu spielen. Und ein aufgeregter Knecht, der ihnen hinterher rennt&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 10: Wenn jeder mit seinem Beruf im Adressbuch steht</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-10-wenn-jeder-mit-seinem-beruf-im-adressbuch-steht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Apr 2026 16:21:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte(n) zwischen Lünen und Selm]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[1907]]></category>
		<category><![CDATA[Adressbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Lünen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1072</guid>

					<description><![CDATA[Stellen Sie sich vor, es gäbe ein amtliches, hochoffizielles Buch, in dem jede Familie einer Stadt mit ihrer Anschrift und dem Beruf des Hauptverdieners stünde. Sie wüssten sofort, ob ihre Nachbarn, Freunde und Bekannten sich wirklich das neue Haus oder den neuen Wagen leisten könnten. Oder ob sie ihnen was vormachen und der »Hochdotierte Job [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Stellen Sie sich vor, es gäbe ein amtliches, hochoffizielles Buch, in dem jede Familie einer Stadt mit ihrer Anschrift und dem Beruf des Hauptverdieners stünde. Sie wüssten sofort, ob ihre Nachbarn, Freunde und Bekannten sich wirklich das neue Haus oder den neuen Wagen leisten könnten. Oder ob sie ihnen was vormachen und der »Hochdotierte Job bei einer Wirtschaftskanzlei« doch nur daraus besteht, Kaffee an die Beschäftigen auszuschenken.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute eine undenkbare Vorstellung. Doch vor 120 Jahren war das anders, wie ich bei meiner <a href="https://andre-walter.de/recherche-fuer-meinen-historischen-roman/">Roman-Recherche</a> bemerkte. Denn um das fiktives Dorf zwischen Münster und Dortmund im Buch so authentisch wie möglich zu gestalten, habe ich mir u.a. ein besonderes Dokument angeschaut: das <strong>Adressbuch für Lünen von 1907</strong>.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="581" height="837" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuchluenen1907.jpg" alt="" class="wp-image-1034" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuchluenen1907.jpg 581w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuchluenen1907-208x300.jpg 208w" sizes="auto, (max-width: 581px) 100vw, 581px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Und 1907 stand nicht der Datenschutz im Vordergrund, sondern die soziale Stellung. In der Gesellschaft von einst war es überlebenswichtig, den Stand des Gegenübers zu kennen. Das Adressbuch lieferte die Antwort auf die Frage: »Wer ist das und was darf er?« Ohne den Beruf war der Name beinahe wertlos. Man musste wissen, ob man es mit einem »ehrbaren« Schreinermeister oder einem einfachen Tagelöhner zu tun hatte. Diese Information entschied darüber, wie man sich grüßte, ob man gemeinsam am Wirtshaustisch saß oder ob eine Heirat überhaupt denkbar war. Andererseits gab es, soweit mir bekannt, zu der Zeit noch kein Zentrales Einwohnermeldewesen, daher kam dem Adressbuch auch diese Funktion zu. In der Regel wurde es alle zwei bis drei Jahre erneuert. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Buch gliedert sich in folgende Teile:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1. Teil:</strong> Bürgermeister, Behörden, besondere Beamte, etc. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2. Teil:</strong> <strong>Einwohner der Stadt Lünen. Hierbei handelt es sich um ein alphabetisches Verzeichnis der Haushaltsvorstände inklusive deren Anschrift und dem Beruf (Überschlägig ca. 500 Haushalte)</strong>. Die übrigen Familienangehören sind nicht aufgeführt. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>3. Teil:</strong> Verzeichnis der Geschäfts- und Gewerbetreibenden der Stadt Lünen</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>4. Teil:</strong> Einwohner in der »Umgegend von Lünen« <br>(nach Gemeinden getrennt):</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Gemeinde Altenderne-Niederbecker</li>



<li>Gemeinde Altenderne-Oberbecker</li>



<li>Gemeinde Beckinghausen</li>



<li>Gemeinde Gahmen</li>



<li>Gemeinde Horstmar</li>



<li>Gemeinde Hostedde</li>



<li>Gemeinde Kirchderne</li>



<li>Gemeinde Lippholthausen</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mir geht hier in in diesem Beitrag heute nur um Teil 2: Die Bewohner Lünens um 1907.</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="653" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-1-653x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1089" style="width:929px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-1-653x1024.jpg 653w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-1-191x300.jpg 191w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-1.jpg 716w" sizes="auto, (max-width: 653px) 100vw, 653px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die Industrie hält Einzug</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich durch das Adressbuch blättere, fällt mir auf, dass es sehr viele Maurer, Zimmerleute und Dachdecker zu der Zeit in Lünen gab. Offenbar herrschte zu der Zeit ein Baurausch. Und das ist auch plausibel, denn in Lünen setzte die Industrialisierung gerade ein. Erste Bergwerke entstanden, Zechenkolonien, Fabriken. Erwartbarer sind da die zahlreichen Bergmänner, Hauer, Schlepper.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meinem Roman-Dorf steht dies erst noch bevor, doch gerade deshalb ist das Adressbuch von Lünen so spannend, denn es zeigt die Transformation; den Übergang von der alten (ländlichen) Welt in die moderne Industriewelt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Umbruch wird greifbar, wenn man die Namen hinter den Berufen betrachtet. Es ist ein Spiel der Kontraste, das die soziale Kluft jener Tage offenbart. Auf der einen Seite begegnen uns Männer wie der <strong>Sanitätsrat Dr. Ludwig Althoff</strong> in der Bäckerstraße. Sein Titel war nicht nur eine Berufsbezeichnung, sondern ein unantastbares Privileg. Ebenso der bekanntere <strong>Alfred Potthoff</strong>, Fabrikbesitzer der »Luisenhütte«, der späteren Eisengießerei und Maschinenfabrik Potthoff &amp; Flume AG, dessen Villa heute noch an der Dortmunder Straße hervorsticht. Beide verkörperten beispielhaft die akademische oder wirtschaftliche Elite, die in großen, herrschaftlichen Zimmern residierte und deren Wort im Dorf oder der Stadt Gesetz war. Oder schlicht Menschen, die aus welchem Umständen auch immer, zu Geld gekommen waren, wie der <strong>Privatier August Meermann</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="303" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-4-1024x303.jpg" alt="" class="wp-image-1078" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-4-1024x303.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-4-300x89.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-4-768x227.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-4-1536x455.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-4-2048x607.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dem gegenüber steht das neue Gesicht Lünens: Männer wie der Hauer <strong>Anton Gurski</strong> oder der Schlepper <strong>Stanislaus Nowaczyk</strong>. Ihre Namen zeugen von Zuwanderung aus dem Osten, die damals ins Ruhrgebiet durch den Bergbau einsetzte. Sie wohnten oft in den engen, teilweise noch mittelalterlichen Häusern (beide hier in der Mauerstraße) oder eben in den Zechenkolonien. Für sie bedeutete der Aufbruch in die Moderne nicht Prestige, sondern zunächst harte, gefährliche Knochenarbeit unter Tage. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Invaliden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann gibt es jene, die den Preis für diesen Fortschritt, für die harte Arbeit, bereits bezahlt hatten: Männer wie <strong>Gottlieb Brenk</strong>, hinter dessen Namen nur noch das Wort <strong>»Invalide«</strong> steht. Wo er genau seine Gesund verloren hat, läßt sich nur mutmaßen. Im Besten Fall bekam er ein wenig Geld aus der Invalidenversicherung,  viele erhielten damals auch gar keine staatliche Unterstützung. Wieder andere, etwa <strong>Adam Klaßen</strong>,  trugen die konkretere Bezeichnung <strong>»Reichsinvalide«.</strong> Hierbei vermute ich, dass es sich um ehemaligen Soldaten handeln könnte, Kriegsopfer, die eben eine (kleine) Entschädigung durch das Deutsche Reich bekamen. Manche wie <strong>»Friedrich Lange«</strong> tragen auch die explizite Bezeichnung <strong>»Berginvalide«</strong>. Hier lässt sich zumindest eine gewisse Fürsorge durch die Knappschaft vermuten, doch sicherlich nicht vergleichbar mit heutigen Förderungen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht in Lünen, aber in manch anderer Stadt, gab es schließlich auch Invalidenhäuser und Invalidenstraßen; also Orte, wo einige zumindest kostenlose Unterkunft und Verpflegung erhielten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-6.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="779" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-6-779x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1085" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-6-779x1024.jpg 779w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-6-228x300.jpg 228w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-6-768x1009.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-6.jpg 937w" sizes="auto, (max-width: 779px) 100vw, 779px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die dazwischen und die vom Rand </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders faszinierend für meinen Roman sind aber jene, die in der Mitte sitzen. Zwischen den Oberen und den Neuen nämlich die, die  dem alten Handwerk nachgehen. Seilmacher, Wagner, Sägemüller, Weber, Schmiede, Töpfer usw&#8230;  Da ist zum Beispiel <strong>Bernhard Bäumer</strong>, der in der Cappenbergerstraße eine eigene Pfeifenfabrik betrieb. Er steht für das alte Handwerk, das sich gegenüber der neuen Industriewelt aus Kohle und Stahl behaupten musste. Oder der »<strong>Modelleur</strong>« <strong>August Angerstein</strong>, der mit seinem künstlerischen Geschick vermutlich jetzt die Gussformen für die Fabriken schuf. Ebenso all die anderen Kaufleute, Händler, Metzger, Bäcker. Aber auch: Straßenbahnschaffner (es gab zu der Zeit eine Straßenbahnverbindung nach Dortmund!), </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazwischen immer wieder auch solche, die eher niederen Tätigkeiten nachgingen, etwa der <strong>»Lumpensammler« Hermann Lenz</strong> oder der <strong>»Handlanger« Theoder Lüttecke</strong> oder die unzähligen <strong>Tagelöhner.</strong> Alles für jeden niedergeschrieben im Adressbuch. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Unklar ist mir, was genau <strong>Georg Schulz </strong>Tätigkeit war, wenn er als »<strong>Leibzüchter</strong>« tituliert wird. Ich vermute, es geht hier nicht um körperliche Züchtigung, sondern Richtung <em>Leibgedinge </em>– also jemand, der ein Nutzungsrecht an z.B. Land oder einem Hof hatte und davon ggf. leben konnte. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Frauen und andere Unsichtbare</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders auffällig ist aber die ökonomische Unsichtbarkeit der Frauen. Im Adressbuch 1907 tauchen sie meist nur dann als Haushaltsvorstände auf, wenn sie als <strong>»Witwen«</strong> geführt werden (Kürzel Ww). Ihr gesellschaftlicher Status war oft nur ein Echo des verstorbenen Ehemannes, ein bloßer Platzhalter in einer männlich dominierten Welt. Doch beim genauen Hinsehen entdeckt man jene Frauen, die vermutlich den Mut und die Chance hatten, den vorgezeichneten Weg zu verlassen und sich eine eigene Existenz aufzubauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da sind etwa <strong>Ida und Martha Appel</strong>, beide wohnhaft in der Langestraße 9. Ida ist mit einem Stickgeschäft verzeichnet, Martha als »Handarbeits- und Turnlehrerin« gelistet. Da Martha als Lehrerin (ein Beruf für ledige Frauen, Stichwort »Lehrerinnen-Zölibat«) und Ida mit einem eigenen Geschäft aufgeführt ist, vermute ich, dass es sich um unverheiratete Schwestern oder eine Witwe mit ihrer erwachsenen Tochter handeln könnte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch <strong>Adelgunde Ackermann</strong> oder <strong>Sophie Klostermann</strong> als Krankenschwestern oder die Witwe <strong>Schulte-Derne</strong>, die mit ihrer Wirtschaft »Waldlust« einen ganzen Betrieb leitete, zeigen: Es gab sie, die Risse im starren Gefüge, durch die der Wille nach einem selbstbestimmten Leben schimmerte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="974" height="478" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-3.jpg" alt="" class="wp-image-1077" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-3.jpg 974w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-3-300x147.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-3-768x377.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 974px) 100vw, 974px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz einiger Ausnahmen: in den allermeisten Fällen erscheinen Frauen mit dem Kürzel »Ww«. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich gibt es die unsichtbare Armee von <strong>Dienstboten und Haushälterinnen</strong>, die oft gar nicht namentlich, sondern nur indirekt über die Größe und Art der Haushaltungen im Adressbuch mitschwingen. Ein Haushalt wie der des <strong>Sanitätsrats Althoff</strong> oder des <strong>Oberlehrers Saarmann</strong> funktionierte nur durch dieses Personal, das meist aus den umliegenden Dörfern kam, um in der Stadt »in Stellung« zu gehen (<a href="https://andre-walter.de/roman-zeitungsanzeigen/">Siehe dazu meinen Artikel über die Zeitungsanzeigen</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für meinen Roman sind das brauchbare Details: Die Begegnung zwischen der Tochter aus gutem Hause und dem Dienstmädchen, das im selben Haus lebt und doch in einer völlig anderen Welt gefangen ist. Es zeigt die scharfe Trennung zwischen denen, die bedient wurden, und jenen, die im Verborgenen dafür sorgten, dass der bürgerliche Alltag aufrecht erhalten wurde. Und ebenso die wenigen Frauen, die den Mut oder die Chance hatten, unabhängig ihren eigenen Weg gegen jeden Widerstand zu gehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Welten aufeinanderprallen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Doch nicht nur einzelner Mut und soziale Schichten trafen in Lünen aufeinander, sondern auch Welten. Beim Durchblättern der Seiten stolpere ich immer wieder über Namen wie <strong>Majewski</strong>, <strong>Kosciow</strong> oder <strong>Napieralski</strong>. Diese Männer kamen nicht aus Westfalen, sondern aus dem Osten; aus Schlesien z.B., Angelockt von der Aussicht auf Geld auf der Zeche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und genau dieser <strong>Zusammenprall von Welten</strong> befeuert auch die Dynamik in meinem Roman. Es war ein ständiges Messen: Wer darf wen zuerst grüßen? Wer muss den Bürgersteig räumen? Wer darf welches Fräulein ansprechen oder zum Tanz bitten? Zudem kam mit der Kohle Geld in Schichten der Gesellschaft, die vorher schlicht nicht existierten. Ein erfahrener Hauer verdiente plötzlich mehr als mancher kleine Beamte. Das alte Gefüge aus »Glaube, Gewissheit und Sage«, das mein Dorf im Roman so lange getragen hat, bekommt Risse. Wenn der »einfache« evangelische Bergmann aus Schlesien am Sonntag den gleichen »Sonntagsstaat« trägt wie der katholische alteingessene Kaufmann, bricht für die alte Elite möglicherweise eine Welt zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Roman nutze ich diese Reibungspunkte. Wenn sich die fremden Arbeiter mit den Dorfmädchen anfreunden wollen. Oder der Pastor sieht, wie immer mehr Protestanten vor seiner katholischen Kirche stehen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Für meine Geschichte ist das ein entscheidendes Motiv: Wie reagiert eine eingeschworene Gemeinschaft auf diese »Fremden«, deren Namen man kaum aussprechen kann und die nun das schwarze Gold unter ihren vertrauten Ackern holen wollen? Das Adressbuch hilft mir, die Gräben innerhalb der Gemeinschaft plausibel zu ziehen: Zwischen denen, die an der alten Gewissheit festhalten, und jenen, die im Ruß der neuen Zeit eine Chance auf Veränderung erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und dann zeigt das Adressbuch noch andere schöne Dinge, die spannend sind: alte Straßennamen, ein Blick in die Geschäftswelt und zu den beliebtesten Vornamen jener Tage. Doch darüber, schreibe ich ein anderes mal.  </strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-5.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="545" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-5-1024x545.jpg" alt="" class="wp-image-1079" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-5-1024x545.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-5-300x160.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-5-768x409.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-5-1536x817.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuch1907luenen-5.jpg 1658w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Walter gab es auch welche, aber keine Verwandten von mir 😉</figcaption></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Roman-Recherche 8: Die Hauderei</title>
		<link>https://andre-walter.de/roman-recherche-8-die-hauderei/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Mar 2026 20:08:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[1907]]></category>
		<category><![CDATA[Adressbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Kutsche]]></category>
		<category><![CDATA[Lünen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://andre-walter.de/?p=1032</guid>

					<description><![CDATA[Während ich für meinen Roman in das Jahr 1907 eintauche, stolpere ich immer wieder über Begriffe, die heute fast vergessen sind, damals aber zum Alltag gehörten. Einer davon ist die »Hauderei«. Diesen Begriff las ich zum ersten mal in meinem Leben, als ich beim Blick ins Adressbuch der Stadt Lünen von 1907 schauten, und diese [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Während ich für meinen Roman in das Jahr 1907 eintauche, stolpere ich immer wieder über Begriffe, die heute fast vergessen sind, damals aber zum Alltag gehörten. Einer davon ist die »Hauderei«.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesen Begriff las ich zum ersten mal in meinem Leben, als ich beim Blick ins Adressbuch der Stadt Lünen von 1907 schauten, und diese Anzeige sah:</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="581" height="837" data-id="1034" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuchluenen1907.jpg" alt="" class="wp-image-1034" style="aspect-ratio:1" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuchluenen1907.jpg 581w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/adressbuchluenen1907-208x300.jpg 208w" sizes="auto, (max-width: 581px) 100vw, 581px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="551" height="422" data-id="1033" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hauderei.jpg" alt="" class="wp-image-1033" style="aspect-ratio:1" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hauderei.jpg 551w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/hauderei-300x230.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 551px) 100vw, 551px" /></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man sich die Mobilität im Münsterland vor 120 Jahren vorstellt, denkt man oft zuerst an die Postkutsche. Doch abseits der festen Postrouten gab es die Hauderer. Sie waren quasi das »Uber« bzw. Taxi der Kaiserzeit: freie Fuhrunternehmer, die ihre Kutschen und Pferde gegen Entgelt vermieteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Handwerk hinter dem Namen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Begriff leitet sich vom alten Wort »haudern« ab, was schlicht das Reiten auf Mietpferden oder das Fahren in Mietwagen beschrieb. Ein Hauderer war ein Macher: Er wartete an markanten Plätzen auf Kundschaft oder wurde für ganz besondere Momente gebucht. Ob es die festliche Hochzeitsfahrt zum Nachbardorf war oder der dringende Transport von Gütern – der Hauderer war die Lösung, wenn man selbst kein eigenes Gespann besaß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Recherche zu meinem Dorf zwischen Münster und Dortmund ist das spannend: Wie hat sich das Dorf verändert, als die ersten Bergwerke entstanden? Plötzlich gab es mehr Verkehr, mehr Fremde und einen ganz neuen Bedarf an Transportmöglichkeiten. Die Hauderei war genau an dieser Schnittstelle zwischen ländlicher Tradition und dem Aufbruch in die Moderne.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="981" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8557-Fuhrmannsverein-Luenen-1907_haudereit-981x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1765" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8557-Fuhrmannsverein-Luenen-1907_haudereit-981x1024.jpg 981w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8557-Fuhrmannsverein-Luenen-1907_haudereit-288x300.jpg 288w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8557-Fuhrmannsverein-Luenen-1907_haudereit-768x801.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/8557-Fuhrmannsverein-Luenen-1907_haudereit.jpg 1035w" sizes="auto, (max-width: 981px) 100vw, 981px" /><figcaption class="wp-element-caption">Lünen, 1906: Im Vordergrund der Fuhrmannverein, im Hintergrund auf dem Haus Werbung für eine Hauderei</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Blick über die Grenzen: Die »Cabs«</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanterweise gab es dieses Prinzip überall. In London etwa nannte man die Mietkutschen »Hackney Carriages«. Dort setzten sich besonders die leichten, zweirädrigen »Cabriolets« durch. Die Engländer kürzten das Wort im Alltag einfach auf <strong>»Cab«</strong> ab; ein Begriff, der heute weltweit jeder kennt, während unser heimischer »Hauderer« still und leise aus unserem Sprachschatz verschwunden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum mir diese Details so wichtig sind</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Roman geht es um den Moment, in dem die alte Welt auf die neue trifft. Wenn der Graf nach Kohle graben lässt, bricht die Moderne über das Dorf herein. Solche Begriffe wie die Hauderei helfen mir, diesen Rahmen authentisch und plausibel zu gestalten. Es sind diese kleinen Wörter, die die Atmosphäre von 1907 wieder zum Leben erwecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fotos: Stadtarchiv Lünen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
