Dr. Vollmers Miniatur-Nachbau der Zeche Minister Achenbach IV

Angefangen hatte alles im Keller von Dr. Friedrich Vollmer. Nun begrüßt das ehemalige Bergwerk im Maßstab 1:89 die Besucher des Brambauer Krankenhauses – und lässt sogar unter die Erde schauen!

Wie viele Stunden Dr. Vollmer in seinem Keller verbracht hat, wussten er und seine Frau nicht mehr genau. Doch ganz oft, nachdem die letzten Patientien in seiner Praxis an der Friedhofstraße versorgt waren, werkelte er unter seiner Praxis weiter. Hatte es zunächst klassisch mit einer Modelleisenbahn in dem 11 Quadratemeter großen Raum angefangen, wurde daraus später etwas einmaliges: ein Nachbau des ehemaligen Schachtes IV der Zeche Minister Achenbach. Erst recht, als er 2022 in den Ruhestand wechselte: ab da an wuchs das Modell Gebäude um Gebäude, Szene um Szene. Und vorallem auch: Untertage!

In liebevoller Kleinarbeit hat Dr. Vollmer über die Jahre die Gebäude der Zeche nachgebaut. Unterstützung gab es dafür von ehemaligen Bergleuten, die Pläne, Grundrisse, Zeichnungen, Fotos und besonders Erinnerungen beisteuerten – und sicherlich auch die ein oder andere Szene einstreuten, sodaß Dr. Vollmer sie mit einer chirurgischen Präzision umsetzen konnte und das ganze Modell absolut lebhaft wird: Da spielt eine Kapelle der Steigerlied auf der Stellenbachstraße, drei Bergleute genießen derweil Ihre Pause mit nem Bierchen und am Fuße des Förderturms findet ein Rettungseinsatz statt. Derweil wird Kohle in einen Keller geschaufelt und wenn es Nacht wird, geht die Beleuchtung an. Unzählige LED hat er im Modell verbaut.

Gerade diese Lebendigkeit macht das Modell so sehenswert, genau so aber auch der Detailreichtum an den Gebäuden und in den Flözen Untertage. Abgesehen vom Förderturm, den es von der Firma Joswood als passendes Modell des echten Förderturmes zu kaufen gibt, ist alles selbst gebastelt und konstruiert. Zumindest war durch den Förderturm der der Maßstab HO, also 1:87, vorgegeben, doch damit war Dr. Vollmer durch seine Modelleisenbahn bestens vertraut. Und er hatte noch viel mehr eingebaut: Fahrzeuge, die fahren, Züge, die über die Gleise rollen, Räder und Maschinen, die sich drehen. Doch die Technik dahinter musste nach dem Umzug größtenteils deaktiviert werden, damit das Modell auch unbeaufsichtigt dauerhaft im Foyer stehen bleiben kann.

Eine besondere Rolle bei dem Modell hat der ehemalige Bergmann und Versichertenälteste Dieter Kniffka. Denn er war es, der sich stark dafür gemacht hat, dass das fertige Modell seinen Weg ins Foyer des Brambauer Krankenhauses fand. Kniffka ist auch Patientenfürsprecher und hat zusammen mit dem Förderverein der Knappschaft Kliniken Sponsoren mit ins Boot geholt. So konnte das Modell sicher ins Krankenhaus transportiert und in ein passendes Glasgehäuse eingesetzt werden.

Die feierliche Einweihnung fand dann am 16. Juli 2025 statt. Die Küche der Klinik hatte Currywurst und verschiedene Canapes aufgetischt und Dieter Kniffka einen Tisch mit Wetterlampen und Grubenhelmen zur Schau gestellt. Es gab viele lobende Worte für das Modell und manch Erinnerung an die Zeche, die in dem Moment fast genau 33 Jahre schon geschlossen hatte. Redner waren etwa Michael Hausstein (SPD), Michel Kleinschmidt (Geschäftsführung der Knappschaft Kliniken), Michael Weberink (Vorstand des Branchenverbandes Steinkohle und Nachbergbau.

Freudige Überraschung für mich: als kleines Geschenk überreichte Dieter Kniffka mein Buch an Dr. Vollmer. Und hier schließt sich auf witzige Art der Kreis, denn durch Dieters Erzählungen vorher, hatte Dr. Vollmer gleich die Anfangsszene aus meinem Buch ins Modell interpretiert: wie ich als Schulkind am Zaun stehe und einen Weg hinein suche. Danach wurde das Steigerlied angestimmt und selbstredend ein Pinnchen Korn zur letzten Strophe getrunken.

Die Anfangsszene aus meinem Buch….ich stehe 1993 am Zaun von Schacht IV
André Walter & Dr. Friedrich Vollmer

Mehr zu dieser Tradition und dem Steigerlied dann auch in meinem Buch: