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	<title>Straßennamen &#8211; André Walter</title>
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	<title>Straßennamen &#8211; André Walter</title>
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		<title>Roman-Recherche 11: Von der Sedanstraße und alten Veteranen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 May 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte(n) zwischen Lünen und Selm]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche für Historienroman 1907]]></category>
		<category><![CDATA[1870/71]]></category>
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					<description><![CDATA[Drei alte Männer sitzen vor der Kamera: weiße Bärte, dunkle Anzüge, Orden auf der Brust. Im Jahr 1907, der Zeit meines Historienromans, liegt der Krieg, in dem sie kämpften schon drei Jahrzehnte zurück. Aber seine Spuren und Erinnerungen sind damals noch überall im Alltag präsent, selbst in einem kleinen Münsterländer Dorf. Besonders spannend: Diese Spuren [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Drei alte Männer sitzen vor der Kamera: weiße Bärte, dunkle Anzüge, Orden auf der Brust. Im Jahr 1907, d<a href="https://andre-walter.de/recherche-fuer-meinen-historischen-roman/" data-type="post" data-id="952">er Zeit meines Historienromans</a>, liegt der Krieg, in dem sie kämpften schon drei Jahrzehnte zurück. Aber seine Spuren und Erinnerungen sind damals noch überall im Alltag präsent, selbst in einem kleinen Münsterländer Dorf. </strong><br><br><strong>Besonders spannend: Diese Spuren sind sogar heute, im Jahr 2026, noch da: auf einem unscheinbaren Straßenschild Namens »Sedanstraße« in Lünen und vielen anderen Städten. </strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2282-Veteranen-deutsch-franzoesischer-Krieg-1870-71-um-1928-Foto-unbekannt.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="667" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2282-Veteranen-deutsch-franzoesischer-Krieg-1870-71-um-1928-Foto-unbekannt-1024x667.jpg" alt="" class="wp-image-1156" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2282-Veteranen-deutsch-franzoesischer-Krieg-1870-71-um-1928-Foto-unbekannt-1024x667.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2282-Veteranen-deutsch-franzoesischer-Krieg-1870-71-um-1928-Foto-unbekannt-300x195.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2282-Veteranen-deutsch-franzoesischer-Krieg-1870-71-um-1928-Foto-unbekannt-768x500.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2282-Veteranen-deutsch-franzoesischer-Krieg-1870-71-um-1928-Foto-unbekannt-1536x1000.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/2282-Veteranen-deutsch-franzoesischer-Krieg-1870-71-um-1928-Foto-unbekannt.jpg 1659w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Veteranen 1928, Unbekannter Fotograf (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p>Wenn man in die Gesichter dieser drei Männer blickt, sieht man weit mehr als nur alte Veteranen. Das Foto, aufgenommen im Lünen des Jahres 1928, zeigt, wie sie im hohen Alter noch einmal ihren »Sonntagsstaat« angelegt haben. Die dunklen Anzüge sitzen tadellos, die Bärte sind akkurat gestutzt. Zu der Zeit war der <strong>Deutsch-Französische Krieg von 1870/71</strong> bereits 51 Jahre vergangen. </p>



<p>Als sie in diesen Krieg zogen, waren sie junge Männer. Und als dieses Foto entstand, hatten sie ein halbes Jahrhundert Leben hinter sich. Alle drei Männer tragen auf dem Foto eine Mischung aus Kriegsdenkmünzen, Veteranenauszeichnungen und vermutlich Vereinszeichen. Denn viele ehemalige Teilnehmer des Krieges 1870/71 organisierten sich in Veteranenvereinen, die seit dem Jahr 1900 meist dem sogenannten <em>Kyffhäuserbund </em>(<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kyffh%C3%A4userbund">Wikipedia</a>) angehörten.</p>



<p>Wenn ich es richtig erkenne, tragen alle drei auch die  <em>Zentenarmedaille</em>, die 1897 von Kaiser Wilhelm an alle aktiven und ehemaligen, noch lebenden, Soldaten ausgeben wurde (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zentenarmedaille">siehe Wikipedia</a>). Aufgrund der gelb leuchtenden Farbe wurde die Medaille umgangssprachlich oft auch als »Zitronenorden« bezeichnet.</p>



<p>Genau solche Details helfen mir, authentische Charaktere und Details in meinen Roman einzubauen. Und zu diesen Details gehört auch ein zunächst ganz gewöhnliches Straßenschild im heutigen Lünen, das direkt in den Verbindung mit den drei Veteranen steht: die <strong>»Sedanstraße«</strong> </p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Sedanstraße</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrasse_luenen_2026.jpg"><img decoding="async" width="1024" height="546" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrasse_luenen_2026-1024x546.jpg" alt="" class="wp-image-1159" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrasse_luenen_2026-1024x546.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrasse_luenen_2026-300x160.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrasse_luenen_2026-768x409.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrasse_luenen_2026-1536x819.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrasse_luenen_2026.jpg 2026w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p>Das Foto zeigt das Schild der Sedanstraße im Mai 2026. Im Hintergrund ein Backsteinhaus aus der <em>Ziethensiedlung</em>, der bekannten Arbeitersiedlung der ehemaligen Zeche Preußen. Doch mit Bergbau hat »Sedan« gar nichts zu tun. Mit Preußen dagegen schon mehr. Vorallem aber mit: Frankreich!  <strong>Denn Sedan ist eine Stadt in Frankreich.</strong></p>



<p>Nur warum trägt eine Straße im Ruhrgebiet den Namen einer französischen Stadt? Warum tragen dutzende Straßen in Deutschland ebenfalls den Namen?</p>



<p>Die Antwort führt wieder in den Deutsch-Französischen Krieg: Am 1. und 2. September 1870 kam es bei Sedan zur entscheidenden Schlacht. Truppen aus Preußen und den verbündeten deutschen Staaten umzingelten die französische Armee. Dabei musste sich Kaiser Napoleon III. ergeben und geriet in Gefangenschaft. Militärisch war der Krieg damit zwar längst nicht entschieden, doch <strong>die Schlacht von Sedan wurde zum Symbol von Stärke und Einigkeit der deutschen Truppen, die Seite an Seite mit Preußen gegen Frankreich kämpften. </strong></p>



<p>Nach der endgültigen Kapitulation Frankreichs wurde schließlich am 18.01.1871 der preußische König Wilhelm I im Spiegelsaal von Versailles zum Kaiser ausgerufen: das Deutsche Reich war damit gegründet. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/A_v_Werner_-_Kaiserproklamation_am_18_Januar_1871_3._Fassung_1885.jpg"><img decoding="async" width="1024" height="758" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/A_v_Werner_-_Kaiserproklamation_am_18_Januar_1871_3._Fassung_1885-1024x758.jpg" alt="" class="wp-image-1168" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/A_v_Werner_-_Kaiserproklamation_am_18_Januar_1871_3._Fassung_1885-1024x758.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/A_v_Werner_-_Kaiserproklamation_am_18_Januar_1871_3._Fassung_1885-300x222.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/A_v_Werner_-_Kaiserproklamation_am_18_Januar_1871_3._Fassung_1885-768x568.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/A_v_Werner_-_Kaiserproklamation_am_18_Januar_1871_3._Fassung_1885.jpg 1482w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Von Anton von Werner &#8211; Museen Nord / Bismarck Museum: Picture, Gemeinfrei, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2481294">https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2481294</a></figcaption></figure>



<p>Doch eine Schwierigkeit gab es damals: es gab keinen allgemein akzeptierten Nationalfeiertag, mit dem alle Teile des Reiches einverstanden waren. Einige bevorzugten neben Sedan die Kaiserproklamation als Datum, andere den Friedensschluss (dazu später noch mehr).</p>



<p>In Preußen setzten sich vielerorts der Sedantag durch. Der 2. September erinnerte somit an den Sieg, an die Reichseinigung und an die gemeinsame Kriegserfahrung aller Deutschen. Zwar war er nie offizieller Nationalfeiertag, wurde aber de facto zu einem wichtigen Gedenktag.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/SedanBrandenburgerTor.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="618" height="412" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/SedanBrandenburgerTor.jpg" alt="" class="wp-image-1169" style="width:944px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/SedanBrandenburgerTor.jpg 618w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/SedanBrandenburgerTor-300x200.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 618px) 100vw, 618px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Von »Scanned by Immanuel Giel &#8211; Bismarck. Des eisernen Kanzlers Leben in annähernd 200 seltenen Bildern nebst einer Einführung. Herausgegeben von Walter Stein. Im Jahre des 100. Geburtstags Bismarcks und des großen Krieges 1915«. Hermann Montanus, Verlagsbuchhandlung Siegen und Leipzig, Gemeinfrei, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=129291">https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=129291</a></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Sedan wurde gefeiert &#8211; aber nicht (mehr) von allen</h2>



<p>Letzlich wurde in weiten Teilen des Reiches Sedan gefeiert. Es gab Festzüge, Musik, Reden, Illuminationen, Schulfeiern, Fahnen, Schützenwettbewerbe und Vereinsabende. Oft fand die Feier auch am ersten Wochenende des Septembers statt. </p>



<p>In Lünen war dies ebenso. So fand ich beispielsweise in der <em>Lüner Zeitung</em> vom 05. September 1908 den Aufruf zur »Sedanfeier« des Krieger- und Landwehr-Vereins am Folgetag. Diese Anzeige verrät viel über das Selbstverständnis des Vereins. Pünktlich um »½3 Uhr«– also um 14:30 Uhr – hieß es: Antreten! Und zwar beim Vorsitzenden A. Potthoff persönlich.</p>



<p><em>(Wenn ich in das <a href="https://andre-walter.de/roman-recherche-10-wenn-jeder-mit-seinem-beruf-im-adressbuch-steht/" data-type="post" data-id="1072">Adressbuch von 1907</a> schaue, könnte es sich um den Fabrikbesitzer Alfred Potthoff als Vorsitzenden handeln. Er wohnte damals in der Dortmunder Straße 22.)</em></p>



<p>Dabei gab es einen interessanten Anreiz für die Kameraden: Wer pünktlich zum Antreten erschien, zahlte für drei Schuss beim Preisschießen nur 30 Pfennig. Diejenigen, die erst später direkt zum Schützenplatz kamen, mussten mit 50 Pfennigen deutlich tiefer in die Tasche greifen. Disziplin und das geschlossene Auftreten im Festzug wurden also direkt belohnt. Man wollte offenbar eben ein ordentliches Bild abgeben, wenn man durch die Straßen Lünens zum Schützenplatz marschierte.</p>



<p>Nach dem offiziellen Teil mit Konzert und Schießen folgte dann der gesellige Abschluss: die Preisverteilung im Vereinslokal und anschließend einem Ball. Gerade diese Mischung aus militärischem Drill (Antreten und Preisschießen unter dem Eisernen Kreuz und dem preußischen Adler) und dem anschließenden Tanzvergnügen fängt die Atmosphäre dieser Zeit gut ein. Und genau solche kleinen Details wie der »Pünktlichkeits-Rabatt« von 20 Pfennigen machen die Charaktere in meinem Roman lebendig: War mein Protagonist einer derjenigen, die strammstanden, um zu sparen, oder gehörte er zu den »Gelangweilten« die lieber später dazu stießen?</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanfeier_luenen_1908.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="767" height="864" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanfeier_luenen_1908.jpg" alt="" class="wp-image-1162" style="aspect-ratio:0.887727664896087;width:727px;height:auto" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanfeier_luenen_1908.jpg 767w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanfeier_luenen_1908-266x300.jpg 266w" sizes="auto, (max-width: 767px) 100vw, 767px" /></a></figure>



<p></p>



<p>Zwischendurch wird sich vermutlich einmal für ein Gruppenfoto zusammengefunden, wobei dieses Bild hier von 1905 stammt:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/267-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="498" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/267-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-1024x498.jpg" alt="" class="wp-image-1163" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/267-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-1024x498.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/267-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-300x146.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/267-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-768x374.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/267-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-1536x748.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/267-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-2048x997.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Krieger- und Landwehrverein Nordlünen, 1905 (Foto: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p>Allerdings: viele junge Männer kannten den Krieg nur noch aus Erzählungen. Die Begeisterung früherer Jahrzehnte klang mit der Zeit immer weiter ab; mehr und mehr Veteranen verstarben. Aus der reinen Siegesfeier wurde zunehmend ein allgemeiner Reichsgedenktag.</p>



<p>Gleichzeitig nahm mit jedem Jahr die Selbstverständlichkeit der Feiern ab. Man feierte zwar weiter – aber nicht mehr mit dem Pathos wie am Anfang, sondern mehr aus Gewohnheit. </p>



<p>Überhaupt waren Sedanfeiern damals von Anfang an auch umstritten. Viele Katholiken lehnten den Sedantag ab, vor allem wegen des <em>Kulturkampfs</em> (siehe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturkampf_in_Preu%C3%9Fen_und_im_Deutschen_Reich">Wikipedia</a>). Die Sozialdemokraten kritisierten dagegen den antifranzösischen und militaristischen Ton vieler Feiern und waren aufgrund des <em>Sozialistengesetzes </em>(siehe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistengesetz">Wikipedia</a>) ablehnend. Das ist wiederum auch ein interessantes Detail mit Blick auf den heranziehenden, ersten Weltkrieg: manche Kreise waren der Ansicht, es müsse auch mal genug sein mit der jährlichen Demütigung des Nachbarn, um Revanchismus zu verhindern. Erst recht, als um 1900 deutsche und französiche Truppen gemeinsam mit anderen europäischen Staaten im <em>Boxerkrieg </em>gegen China kämpften. </p>



<p>In Bayern bevorzugte man dagegen andere Erinnerungsdaten und -Anlässe; Elsaß-Lothringen wollte zudem Rücksicht auf seine französischen Bewohner nehmen.  Ein wirklich von allen im Reich getragenes Nationalfest wurde der Sedantag also nie. </p>



<p>In Lünen aber wurde er gefeiert. Und so standen dann am Schützenplatz vielleicht auch Skeptiker und Gelangweilte. Viele Gewohnheitsgäste und alte Kameraden. Aber vielleicht auch junge Männer, die zwar ihren Militärdienst geleistet hatten, aber mit dem großen Krieg von damals nichts anfangen konnten.</p>



<p>Gruppenbilder jener Zeit von Lüner Krieger- und Landwehrvereinen zeigen Männer mit Schnurrbärten, dunklen Jacken, Mützen und Orden. Reihenweise sitzen sie vor Gasthäusern oder Vereinslokalen (die Orte sind weder benannt noch erkenne ich sie). Manche tragen ihre Auszeichnungen sichtbar, manche fast beiläufig. </p>



<p>Worüber die Männer wohl damals geredet haben, kann ich nur spekulieren. Gab es Kalauer, lustige Anekdoten über den Krieg oder bedauerten sie eher gefallene Kameraden, ihr Alter oder sogar fehlende Disziplin im Zivilleben? Worüber wurde vielleicht auch geschwiegen?</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="485" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/269-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-1024x485.jpg" alt="" class="wp-image-1164" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/269-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-1024x485.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/269-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-300x142.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/269-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-768x364.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/269-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-1536x728.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/269-Krieger-und-Landwehr-Verein-Nordluenen-um-1905-Foto-unbekannt-2048x971.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Krieger- und Landwehrverein Nordlünen, 1905 (Foto: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die letzten Spuren des Kaiserreiches </h2>



<p>Zumindest kam das Ende der Sedanfeiern abrupt: nach dem Ersten Weltkrieg musste Kaiser Wilhelm II. abdanken; das Kaiserreich ging in die Weimarer Republik über. Und dort war kaum Platz für die alten Helden und Siege, neben den Millionen Toten und Kriegsinvaliden und den wirtschaftlichen Folgen. Die Sedanfeste verschwanden in der Bedeutungslosigkeit. 1919 erklärte das Innenministerium der Weimarer Republik sogar offiziell, dass es keine Sedanfeiern mehr geben werde.</p>



<p>Auch auf den Lüner Straßenschildern wurde preußische Generäle und Adelige der Kaiserzeit durch andere ersetzt. So wurde etwa die Prinz-Friedrich-Karl-Straße in Rathenaustraße umbenannt (nach Walther Rathenau, dem 1922 verstorbenen linksliberalen Politiker).</p>



<p>Nach Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg war dann erst recht kein Platz mehr für den alten, preußischen Militarismus. In der neuen Bundesrepublik als auch in der DDR sowie den von Polen und der Sowjetunion besetzten Gebiete endete die Geschichte Preußens rechtlich wie faktisch. In der DDR wurden meines Wissens sämtliche Sedanstraßen umbenannt, sodaß sich heute in den östlichen Bundesländern keine einzige mehr finden dürfte. Aber auch Rheinland-Pfalz und das Saarland haben offenbar heute keine Sedanstraßen mehr, wie ich bei einer Abfrage von OpenStreetMap herausgefunden habe:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrassen-in-Deutschland.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="797" height="1024" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrassen-in-Deutschland-797x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1160" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrassen-in-Deutschland-797x1024.jpg 797w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrassen-in-Deutschland-234x300.jpg 234w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrassen-in-Deutschland-768x986.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/sedanstrassen-in-Deutschland.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 797px) 100vw, 797px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Sedanstraßen in Deutschland 2026. Eigene Darstellung auf Basis von: <strong>©</strong> OpenStreetMap und Mitwirkende (lizenziert unter <a href="https://opendatacommons.org/licenses/odbl/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ODbL</a>)“</figcaption></figure>



<p>In Lünen und über 60 anderen Städten Deutschlands hat die Sedanstraße dagegen die Zeit überdauert. Nur denkt vermutlich niemand mehr an die Schlacht von Sedan, wenn ihr Name auf dem Straßenschild auftaucht? Manche Straßennamen überleben eben den Zeitgeist, der sie einst hervorgebracht hat. Darum gibt es sie noch, die Sedanstraßen, die Bismarckstraßen, die Moltkestraßen &#8211; auch in Lünen.  Es sind Straßenschilder aus einer anderen Zeit – jene Kaiserzeit, über die ich in meinem Roman schreibe. </p>



<p><em>Dennoch muss man schon kritisch Anmerken, dass gerade heute, wo Deutschland und Frankreich Freunde und Bündnispartner sind, die Erinnerung an Sedan vielleicht noch weniger zeitgemäß ist als je zuvor. Immerhin gibt es seit 2009 ja sogar eine gemeinsame Deutsch-Französische Brigade mit knapp 9.000 Soldaten. </em></p>



<p>Übrigens, kurzer Einschub am Rande:  es gibt in Lünen-Süd, unweit der Sedanstraße, auch noch eine <em>Blücherstraße</em>. Die hat zwar nichts mit meinem Roman zu tun, hängt aber zusammen mit dem (heute kaum noch bekannten) Ausspruch:  »Der geht ran wie Blücher an der Katzbach!«. Doch in das Jahr 1813 springen wir ein anderes mal&#8230;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wertvolle Einblicke für meinen Roman</h2>



<p>Wie auch immer: in meinem Werk wird eine Sedanfeier Erwähnung finden und einige Veteranen werden ihren Auftritt bei einem Fest haben.  Natürlich schreibe ich nicht über genau diese drei Menschen vom ersten Foto (kenne ich doch leider nicht einmal ihre Namen) aber sie wirken als Romanvorlage stellvertretend für viele alte Soldaten dieser Zeit. </p>



<p>Die meisten von ihnen waren übrigens einfache Soldaten. Männer, die zuvor auf dem Acker standen oder in der Grube schufteten und nun jung in den Krieg zogen. Auf den Fotos aus Lünen sind sie Jahrzehnte später alte Männer mit Erinnerungen. Wie viele ihrer Kameraden im Krieg gefallen sind  oder bereits verstorben, lässt sich nicht sagen. </p>



<p><strong>In jedem Fall freue ich mich sehr über die mir, vom Stadtarchiv Lünen, zur Verfügung gestellten Bilder. Denn mein Roman lebt von Menschen und ihren Geschichten. Und manchmal, da wirkt die Vergangenheit stärker in die Gegenwart, als gedacht – und sei es nur auf einem Straßenschild mit den Worten »Sedan«</strong>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1440" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260430_064310143-edited-1-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1182" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260430_064310143-edited-1-scaled.jpg 2560w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260430_064310143-edited-1-300x169.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260430_064310143-edited-1-1024x576.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260430_064310143-edited-1-768x432.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260430_064310143-edited-1-1536x864.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/PXL_20260430_064310143-edited-1-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/10447-Dortmund-Brechten-Krieger-Landwehrverein-1898F-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="412" src="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/10447-Dortmund-Brechten-Krieger-Landwehrverein-1898F-1024x412.jpg" alt="" class="wp-image-1166" srcset="https://andre-walter.de/wp-content/uploads/10447-Dortmund-Brechten-Krieger-Landwehrverein-1898F-1024x412.jpg 1024w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/10447-Dortmund-Brechten-Krieger-Landwehrverein-1898F-300x121.jpg 300w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/10447-Dortmund-Brechten-Krieger-Landwehrverein-1898F-768x309.jpg 768w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/10447-Dortmund-Brechten-Krieger-Landwehrverein-1898F-1536x618.jpg 1536w, https://andre-walter.de/wp-content/uploads/10447-Dortmund-Brechten-Krieger-Landwehrverein-1898F-2048x824.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Der Krieger &amp; Landwehrverein von Dortmund-Brechten, aufgenommen 1898. (Quelle: Stadtarchiv Lünen)</figcaption></figure>



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