Wenn es ums Essen geht, darf in meinem Münsterländer Historienroman eines nicht fehlen: die »Beschüte«. Heute ist das Wort vielleicht nur noch den Großeltern bekannt, obwohl es damals allgegenwärtig war.
Beschüte sind nämlich das, was wir heute als Zwieback kennen. Zwieback = Zweifach gebacken. Sie waren eine Art Grundnahrungsmittel. Überall präsent und überaus haltbar!
Zudem ist ein Gebäck mit einer faszinierenden, fast weltmännischen Geschichte. Denn das Wort Beschüte leitet sich direkt vom lateinischen bis coctus ab, was schlicht »zweimal gebacken« bedeutet. Durch das doppelte Backen von Weißbrot entweicht die Feuchtigkeit, wodurch es extrem haltbar wird. Parallel gab es aber bereits den aus dem Französischen entlehnten Begriff »Biskuit«. Bis ins 17. Jahrhundert bezeichnete man im Deutschen damit jedoch eher Schiffszwieback. Das war ein schlichtes Brot, das in Scheiben geschnitten und ein zweites Mal gebacken wurde, bis es staubtrocken und mürbe war. Ein idealer Proviant für Seereisen, Soldaten und die harte Arbeit auf den Feldern. Während sich daraus im Englischen das Wort »Biscuit« entwickelte, das dort bis heute den harten Keks meint, setzte sich bei uns im Deutschen später die wörtliche Übersetzung durch: der Zwieback.
Die Münsterländer blieben jedoch bei ihrem alten Wort Beschüte. Oft wurden sie in Ersatzkaffee (Muckefuck, Zichorienkaffeee, etc.) oder in Milch getunkt, um sie essbarer zu machen.
Und sie blieben auch bei diesem Wort und diesem Bodenständigen Gebdäck, als die Zuckerbäcker im 18. Jahrhundert begannen, Eier zu trennen und Eischnee unterzuheben. Plötzlich wurde aus dem harten Brot eine luftig-leichte Masse. In den Bauernkaten standen also die Blechdose mit der harten Beschüte, während man im Schloss des Grafen zum Tee vielleicht schon den feinen Sponge Cake oder Löffelbiskuit reicht – jene moderne, fluffige Varianten, die mit der harten Kost der Vorfahren kaum noch etwas gemein hat.
Das Münsterländer Platt hat hier ein echtes Fossil bewahrt. Während die Hochsprache zum Zwieback wechselte und das Französische heute »Biscotte« und das Englische »Biscuit« sagt, konserviert die Münsterländer Beschüte den ursprünglichen Klang der Geschichte.
Auch in meinem Roman wird Beschüte immer wieder seinen Platz finden: am Kaminfeuer, beim Sonntagskaffee, bei einer Beerdigung…
