Tausche Routine gegen einen kurzen Moment des Glückes und der Zufriedenheit: manchmal lohnen sich Umwege! (Neue Sprüchekarten)

Erinnern Sie sich noch an den letzten Sonnenaufgang, den Sie bewusst gesehen haben? Vielleicht was es auf dem Weg zur Arbeit? Es sind leider flüchtige, sehr kurze Momente des Schönen, wenn man beide Hände am Lenkrad haben muss und der Blick nach vorne gerichtet ist. Selbst in der Bahn sitzend, zieht der bunte Aufgang schnell davon, unterbrochen von Wald und Stadt, während man selbst versunken ist in einem Buch und nur kurz aufschaut.

Und das ist oft im Leben so: der Alltag rauscht so dahin und verstellt den Blick auf manches, was einfach da ist, wenn man genauer hinschauen würde – aber nicht kann oder will, weil man in der gewohnten Routine unterwegs ist.

Ich biege dann mal ab…

An jenem Dezembermorgen 2020 sollte es anders werden. Ich war auf dem Weg zur Arbeit. Und schon sehr spät dran, sogar etwas verärgert, dass ich es nicht eher ins Auto geschafft hatte. Und so vieles anderes schwirrte durch den Kopf. Als ich aus Selm heraus fuhr, begann der Himmel sich durch den bevorstehenden Sonnenaufgang allmählich zu verfärben; und ein Stern strahlte einsam am Horizont, die Venus.

Nun, wo ich schon so spät dran war und den Himmel sah und mich ärgerte, da fiel mir etwas von meinem Lieblingsautor Dale Carnegie ein:

Mir kam so die Idee, das Schauspiel diesmal nicht als bloßes Beiwerk meines Arbeitsweges ab zu tun. Ich überlegte auf der dunklen Landstraße zwischen Selm und Lünen, wo ich halten könnte. Nirgendwo möglich, Bäume, Wassergräben, keine Chance.

Dann der Einfall: es gibt da einen Weg zur Kleingartenanlage in Alstedde, und von da einen Feldweg. Vorteil: nichts in der Nähe, was den Blick versperrt.

Wenn ich also schon zu spät kommen, dann kommt es auf ein paar Minuten auch nicht mehr an. Also bog ich zum Kleingarten ab und folgte ein Stück dem Feldweg:

Angehalten. Ausgestiegen. Genossen! Ein wundervoller Anblick, den kein Foto einfangen kann (ich versuchte es natürlich trotzdem 😉 . Die Venus über Lünen – und die Gewissheit, dass da noch viel mehr als das gerade sichtbare ist:

Fotomontage: Da ist mehr, als man auf den ersten Blick sieht (dank ans Stellarium)

Welch feine Sache, dieser kleine Umweg. Ein kurzer Moment des Glücks, der jede Verspätung weg gezaubert hat. Und das ist noch eine Erkenntnis:

Manchmal sieht man etwas fern des Wegessrand, vielleicht sogar häufiger, beachtet es in seinem Alltag aber nicht weiter. Und dann doch eines Tages, nimmt man seinen Mut zusammen und biegt ab auf einen anderen Weg, um sich das näher anzuschauen, ungewiss, wohin er führen mag. Und wird auf eine besondere Art dafür belohnt.

Im Bestfall findet man vielleicht zusätzlich noch eine Abkürzung zu seinem eigentlich Ziel. Oder etwas völlig anderes, als man gesucht oder erwartet hat. »Serendipity!« heißt es so schön im Englischen, im Deutschen gerne als der »glückliche Zufall« bezeichnet. Wenn man Amerika entdeckt, obwohl man Indien sucht. Wenn man plötzlich einen wundervollen Menschen findet, den man gar nicht gesucht hat. Eine »schicksalhafte Begegnung« eben.

Und so fand ich an diesem Morgen zumindest einen schönen Moment des Glückes und der Zufriedenheit vor, als ich da ein paar Augenblicke am Feldrand stand, der Venus entgegen sah, indem ich einmal vom alltäglichen Weg abwich.

Manche Bücher oder Ratgeber empfehlen, eine Station eher aus dem Bus zu steigen. Oder das Auto weiter weg zu parken: für neue Eindrücke, mehr Bewegung und Wohlempfinden! Da biete ich heute einmal eine Abwandlung an: ab und an einmal in einen Feldweg abbiegen – und genießen.

Denn auch dies wohnt dem Glück inne: ein täglicher Stopp an diesem Feldweg würde es wohl ziemlich relativieren – und die »verlorenen« Minuten sich summieren. Zumal ganz konkret, die Sonne immer anders aufgeht.

Doch auch dies mag vielleicht nur eine Frage das Standpunktes sein, wie ein bekannter Spruch es sagt:

Dennoch: gelegentlich tut es gut! Das gilt übrigens ganz besonders für das herbstliche Wolkenmorgenrot. Dafür bin ich auch schon einmal ausgestiegen:

Auch zwischen Selm und Lünen…

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