Olfener Straße: bald kein Linksabbiegen mehr, dafür bleiben die Schranken länger oben

Published by André Walter on

Langes Warten, langer Rückstau, genervte Menschen: keine Frage, es muss sich was ändern am Bahnübergang Olfener Straße. Testweise soll die Schranken jetzt später fallen – doch dafür muss auch das Linksabbiegen zum Bahnhof fallen…

Am Beifanger Bahnhof gehen die Schranken automatisch runter, wenn sich der Zug zweimal die Stunde nähert. Am Selmer Bahnhof geht dies allerdings wie eh und je nur per Hand. Weniger aus technischen Gründen, sondern der Sicherheit wegen: Denn hier sind beiderseits der Schranken direkt zwei Kreuzungsbereiche, auf denen sich Linksabbieger stauen. Deshalb achtet hier ein Schrankenwärter, dass die Schranken auch wirklich erst dann runter gehen, wenn der Querungsbereich frei ist. Die Folge: viele Minuten bevor der Zug kommt, sind die Schranken schon unten. Und es staut sich, manchmal bis zum Kreisverkehr am Rewe/Lidl. Die Bundesstraße 236 ist dicht.

Luftbild © Kreis Unna – Vermessung und Kataster, CC BY-NC-SA 4.0 2019 – Eigene Bearbeitung unter gleicher Lizenz.

Die Stadt Selm und die Bahn sind da offenbar schon länger im Gespräch. Und da es eine Bundesstraße ist, ist da buchstäblich noch ein Dritter »im Bunde«. Nun geht es aber voran. In der Ratssitzung vom 15.09 berichtete die Verwaltung über eine anstehende Veränderung, um die Schrankenzeiten zu verringern. Grundlage dazu ist eine Analyse der Bahn, konkreter: der DB Netz AG.

Vier Varianten hat die DB Netz AG dabei zusammen gestellt:

▪ Variante 1: Abknickende Vorfahrtstraße

▪ Variante 2: Linksabbiegen verhindern für alle Fahrzeuge


▪ Variante 3: Verschwenkung der Straßenführung (Linksabbiegen nur für Lkw verhindern)


▪ Variante 4: eine Bahnübergangs- und Straßensicherungs-Anlage (BÜSTRA im Fachjargon, ich nenne es mal laienhaft schlicht »Ampeln«)

Link zur Präsentation im Bürgerinformationssystem (Sie verlassen meine Seite)

https://www.sitzungsdienst-selm.de/bi/___tmp/tmp/45-181-136630217901/630217901/00093757/57-Anlagen/01/VariantenBUeOlfenerStrasseLph1.pdf

(seit dem 11.10.2022 ist die Präsentation nicht abrufbar, es folgt lediglich eine Fehlermeldung, dass die Datei nicht gefunden wurde)

Die Stadtverwaltung ist für die zweite Variante, da sie am kostengünstigsten und schnellsten umgesetzt werden kann. Konkret bedeutet das:

Wer von Olfen oder dem Sandforter Weg kommt und über den Bahnübergang fährt, darf bald nicht mehr links in die Lüdinghausener Straße (Bahnhof, Raiffeisen-Markt) abbiegen. Wer dort hin will, muss bis zum Kreisel am Rewe/Lidl fahren und dann zweimal links abbiegen. Umgekehrt ist es aber weiterhin möglich, vom Bahnhof rechts abzubiegen.

Luftbild © Kreis Unna – Vermessung und Kataster, CC BY-NC-SA 4.0 2019 – Eigene Bearbeitung unter gleicher Lizenz.

Da es sich bei der Präsentation um eine sogenannte »Mitteilung der Verwaltung« handelt, kommt es nicht zu einer Abstimmung des Rates, da es ja eben nur eine Mitteilung, eine Information ist. Die Ratsmitglieder äußern sich laut Sitzungsprotokoll in der Tendez auch eher für Variante 2, aber mit Bedenken. So sollen z.B. die Gartenstraße und die Blumenstraße nicht durch zusätzlichen Verkehr belastet werden, wenn die Autos nun die nächste Straße sofort links reinfahren, statt bis zum Kreisel zu fahren.

Auch die Linkssabbieger von der Olfener- in die Römerstraße sollen bedacht werden. Da ist das Problem ja noch größer sogar, weil es hier gar keine separate Linksabbiegespur gibt.

Der Rat beschließt lt. Protokoll, Variante 2 für die Dauer von 6 Monaten, zu testen. Was interessant ist, weil es es ja eben nur eine Mitteilung ist, bei der ja wie gesagt gar nichts zu beschließen ist. Die Ruhr Nachrichten berichten da wohl genauer:

Mit Klopfen auf den Tischen signalisierten die Ratsmitglieder ihre Zustimmung. Inklusive einer neuen Beschilderung würde die Veränderung etwa 10.000 Euro kosten, wie Stadtsprecher Malte Woesmann auf Nachfrage der Redaktion erklärte. „Wer diese Kosten übernimmt, ist noch nicht geklärt“, sagt er außerdem. Die Olfener Straße ist eine Bundesstraße.

Ruhr Nachichten Selm vom 23.09.2022, Artikel: Schranke an Olfener Straße: Verkehrssituation am Bahnübergang ändert sich. (Artikel hinter Bezahlschranke)

Richtig ist auf jeden Fall, dass sich an dem Bahnübergang etwas ändern muss und dass sich die Wartezeiten deutlich verkürzen müssen. Zumidenst solange, wie es keine »große Lösung« gibt, mit Umgehungsstraßen und vielleicht doch mal einem Tunnel unter den Bahngleisen anderswo – aber das ist eine andere Geschichte 😉 Deshalb bin ich auch sehr gespannt, wie das Fazit nach den sechs Monaten sein wird – und vorallem, wie viel später die Schranken jetzt wirklich runter dürfen, wenn es auf einer Schrankenseite keinen Linksabbieger-Rückstau mehr gibt.

Die erste Einfahrt in die Lüdinghausener Straße ist ja bereits heute schon gesperrt, da es ein kleines Stück Einbahnstraße nur für Busse ist. Noch lässt sich aber fünf Meter weiter reinfahren….

Links abbiegen geht hier bald aber gar nicht mehr…

Hoffentlich gilt es auch für den Mini-Bahnübergang

Meines Wissens ist der Fußgänger-Bahnübergang zwischen Grüner Weg und Römerstraße direkt mit dem an der Olfener Straße verbunden, die Schranken gehen also zeitgleich runter. Wenn sich hier die Wartezeiten durch die Änderung ebenfalls verkürzen, wäre das wirklich klasse. Denn ist alles andere als schön, so als Fußgänger oder Radfahrer, da Minutenlang einfach nur warten zu müssen und es kommt und kommt kein Zug….

»Knotenpunkt« seit 1875…

Natürlich konnte beim Bau der Eisenbahnstrecke 1875 niemand ahnen, dass es mal Autos geben wird. Und erst recht nicht, dass davon mal beinahe 50 Millionen Stück auf Deutschlands Straßen fahren werden und das dieser Bahnübergang somit mal eine quälende Zumutung für die Menschen der Stadt wird.

Dennoch bleibt es mir ein Rätsel, warum die Bahnstrecke schon damals genau durch die Kreuzung gehen musste. Auf dieser Karte von 1925 sieht das ja ganz nett aus, so ein »Verkehrsknoten« im Buchstäblichen Sinne. Mit Bahnhofsgebäude (das es nicht mehr gibt) und einem kleinen Platz davor. Trotzdem frage ich mich, was der Grund dafür ist und warum es nicht möglich war, die Strecke um wenige Grad anders gelegt zu haben. Aber auch das bleibt wohl (zunächst) ein Rätsel der Vergangenheit…

Quelle: Landesarchiv Nordrhein-Westfalen. Abteilung Westfalen, W 051, 43482. Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland. Gefunden auf Archivportal-D , eigene Bearbeitung.