Wo bist du? Ich sitze auf der Bank bei ///frage.gewinner.abhilfe. Wo bitte? Na auf der Bank da am Springbrunnen vorm Selmer Bürgerhaus. Ach da, sag das doch!

Manchmal genügt eine genaue Ortsbeschreibung, um jemanden oder irgendetwas zu finden. Zur Not lassen sich auch altbewährte GPS-Koordinaten verschicken – oder einfach der eigene Standort teilen. Seit 2013 gibt es noch eine weitere Möglichkeit: »what3words«, zu deutsch: «welche drei Wörter«. Die Idee ist simpel: aus einer Kombination von drei Wörtern lässt sich die Welt neu adressieren (im Fachjargon georeferenzieren).

Wikipedia erklärt dazu:

what3words legt über die Erde ein Raster von 3 mal 3 Metern, bestehend aus 57 Billionen Quadraten. Durch diese Rasterung werden auch Orte auf der Erdoberfläche abgedeckt, die über keine Gebäudeadresse wie Straße und Hausnummer verfügen.

Jedes dieser Quadrate wird eindeutig durch eine Kombination von drei Wörtern gekennzeichnet (w3w-Adresse). Diese drei ursprünglich englischen Wörter sind in einer Vielzahl von anderen Sprachen verfügbar.

Hierdurch wird es fremdsprachigen Benutzern ermöglicht, das System what3words in ihrer Muttersprache zu nutzen, Adressen lassen sich allerdings nicht durch die Übersetzung der einzelnen Wörter in eine andere Sprache übertragen.

Seite „What3words“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. August 2021, 10:04 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=What3words&oldid=214754562 (Abgerufen: 29. August 2021, 16:53 UTC)
Ein paar what3words-Quadrate auf dem Selmer Marktplatz

Und so verteilen sich die 3 x 3 Meter Kästchen über die ganze Welt und mein heimisches Selm. Hier ein paar Beispiele für Adressen:

  • ///tanzt.wolle.wünsche (Eingang Amtshaus Bork)
  • ///abspielen.einiges.mithalten (Eingang Burg Botzlar)
  • ///zeichnen.leicht.frohes (Tor zu Schloss Cappenberg)

Im Alltag ist der Nutzen begrenzt: ohne Gerät in der Hand geht nichts. Die Wortkombinationen lassen keinerlei Rückschlüsse auf den echten Standort zu. Dennoch wird dieses System in einigen Ländern für die Postzustellung genutzt, etwa der Mongolei.

Auch die Deutsche Bahn (DB Schenker z.B.) nutzt das Dreiwortsystem für Lieferungen, z.B. zu Messen und großen Lagerhäusern, wie in diesem (englischsprachigen) Video zu sehen ist.

Und in Selm? Vermutlich gibt es auch hier Möglichkeiten zur Anwendung. Die Straßenlaterne ist defekt, oder das Schild umgefahren worden, da am Kreisverkehr. Wo genau? Na bei ///gestoppt.sammelt.gründete.

Eigentlich finde ich es ganz interessant. Eigentlich, weil ich freie Dienste wie OpenStreetMap wo möglich proprietären Angeboten vorziehe. Zum anderen muss auch mein Gegenüber mit Dreiwortkombis etwas anfangen können. Sonst klappt es nicht. Und da sieht man ja schon bei Whatsapp, dass kaum jemand auf Alternativen guckt. Und auch sonst, sehe ich für mich heute noch wenig nutzen.

Etwa -falls es irgendwann nach der Pandemie wieder möglich ist- bei einem großen Fest auf dem Campusplatz, wo sich hunderte Menschen vor der Bühne tummeln:

Wo seit ihr? Wir stehen bei ///friede.tochter.obfrau. Wo? Na da bei der Sparkasse auf der Ecke! Achso, wir kommen!

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