Über Lünens kleinsten Ortsteil gibt es eine erstaunlich detaillierte Karte aus dem Jahr 1803. Sie zeigt das ehemalige Haus Buddenburg und die dazugehörigen Ländereien noch vor dem Bau bekannten Schlosses, welches 1845 erbaut und 1977 abgerissen wurde:

Lageplan des Gerichts und Guts Buddenburg mit Dorf Lippholthausen – 1803. Zuschnitt und Kontrast von mir bearbeitet (Quelle und Rechtsstatus siehe unter Quellenangaben)

Auch wenn der erste Gedanke beim Wort »Dorf« es vermuten lässt: Ein geschlossenes Dorf ist Lippholthausen selbstverständlich nie gewesen. Vielmehr war es eine Ansammlung einzelner Bauernhöfe zu einer sogenannten Bauerschaft, die dem Haus Buddenburg zugehörig waren:

Die Besitzer der Buddenburg hatten das Nutzungsrecht der benachbarten Marken südlich der Lippe. Sämtliche Höfe in der Bauerschaft Lippholthausen waren von den Buddenburgern abhängig. Die Bauern mussten eine Teil ihrer Erträge auf dem Gutshof abliefern und dort Hand- und Spanndienste leisten.

Kleine Geschichte der Stadt Lünen, Seite 361

Details:

Auschnitt Haus Buddenburg – Eigene Bearbeitung.

Direkt am Haus Buddenburg ist die Ähnlichkeit mit heute deutlich, denn eine Brücke führt genau dort zweihundert Jahre später immer noch über die Lippe. Selbst der Knick in der Schloßalle ist heute noch vorhanden.

Das bekannte, klassizistische Schloss Buddenburg gab es bei Erstellung der Karte noch nicht. Hier eingezeichnet ist der Grundriss des Vorgängerbaus. Das Schloss wurde 1845 zudem ein Stück nach Nordost versetzt gebaut.

Besser sichtbar wird dass, wenn ich ein aktuelles Luftbild2 unter den alten Plan lege (es also »georeferenziere« -siehe Tutorial)

Vergleich 1803 mit 2020
Schloß Buddenburg 2017 (Blick von der Brücke kommend)

Die Schlossallee existiert heute nach wie vor. Auch der Wald nach Osten ist heute noch vorhanden. Auffällig sind die vielen Wege darin, möglicherweise war es mehr eine Art Park. Heute sind dort im Wald keine Wege mehr zu erkennen. Ebenso ist die kleine Lehmgrube heute nicht mehr sichtbar. Das Gelände ist relativ flach, ehe es ein Stück weiter westlich angehoben zum heutigen WBL/Remondis-Parkplatz ist.

Die Schlossmühle gibt es heute noch. Der Mühlenteich scheint damals einige Meter weiter nördlich als heute gelegen zu haben – und er war ca. doppelt so groß.

Die restaurierte Schlossmühle 2008

Bereits eingezeichnet ist auch der »Gesundbrunnen«, der Lippholthausen (für die damalige Zeit und etwas salopp gesagt) zum Ferien- und Erholtungsort machte:

Ende des 18.Jahrhunderts wurde die Ortschaft Lippholthausen weiter bekannt, als hier eine Mineralquelle entdeckt und ein Heilbad eingericht wurde. Den Mittelpunkt bildete das komfortable Kurhaus »am Lüner Brunnen«3

Quellenverzeichnis

Die hier gezeigte Karte mit dem Namen:

Buddenburg (Lünen) – Lageplan des Gerichts und Guts Buddenburg mit Dorf Lippholthausen – 1803 – 60 Ruten = 11,2 cm – 91 x 133 – kol. Zeichnung – Henrich Wilhelm Buchholtz – KSA Nr. 235

stammt aus dem digitalen Angebot des Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, 6959 und kann dort online abgerufen werden (Link).

Sie steht unter der Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland

  1. Niklowitz, Fredy; Heß, Wilfried (1992) Kleine Geschichte der Stadt Lünen
  2. Luftbild abgerufen in QGIS via Web Map Services (WMS) der Bezirksregierung Köln unter der Datenlizenz Deutschland – Zero – Version 2.0
  3. Niklowitz, Fredy; Heß, Wilfried: a.a.O.

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