Es ist eigentlich nur eine kleine Randnotiz in der Chronik Brambauers: »1601: Gefecht zwischen Märkischen und Dortmunder Truppen um die Schanze beim Hof Ferige«. Dahinter steckt ein »heimlicher Anschlag«, eine gescheiterte Rückeroberung und ein daraus entstandenes Spottlied.  Möglicherweise zeigt ein Luftbild von 1926 sogar die Umrisse der alten Schanze unter der heutigen Heitfeldsiedlung im Süden Brambauers.

Brambauer um 1600

Viel ist nicht über Brambauers Zeit vor dem Bergbau überliefert. Denn bevor 1897 die Kohlenförderung begann, gab es keinen Ort Brambauer; kein Dorf und keine Siedlung. Brambauer, das war Jahrhundertelang lediglich eine Ansammlung von Bauernhöfen, der sogenannten »Ginsterbauerschaft« oder »Brambauerschaft«, die 1545 erstmalig erwähnt wird, als sich die Städte Dortmund und Lünen um Weiden stritten.1.


Auszug aus einer des heutigen Ruhrgebietes von 1681. Von Nicolas Sanson. Gemeinfrei.
Quelle: Wikipedia

Um 1600 war die Brambauerschaft Teil der Grafschaft Dortmund, die zur Stadt Dortmund gehörte. Die Stadt Lünen war damals Teil der Grafschaft Mark, deren Grafen zu den mächtigsten und einflussreichsten westfälischen Regenten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zählten.2 Waltrop wiederum gehörte zum Vest Recklinghausen. Die Brambauerschaft war somit Grenzland der Dortmunder – und umstritten, denn die Grafen von der Mark sowie das Vest Recklinghausen hegten Ansprüche auf die Brambauerschaft; ganz besonders auf die »Königsheide«, in der sich die Handelswege von Waltrop und Dortmund sowie von Lünen nach Mengede kreuzten.3

Dies zwang die Dortmunder, eine Sperrlandwehr auf der Grafschaftsgrenze in der Brambauerschaft zu errichten.4 Erdwälle, Hecken und Gräben sollten die begehrlichen Nachbarn fernhalten – anscheinend aber mit mäßigem Erfolg, wie sich weiter unten zeigen wird.

Die Schanze

Eine erste Spur im Stadtarchiv Lünen

Um mehr über diese Zeit und die Schanze zu erfahren, wandte ich mich 2010 an Wilfried Heß und Fredy Niklowitz, letzterer Stadtarchivar Lünens, beide zusammen Autoren zahlreicher Werke über die Geschichte der Stadt Lünen. Die Schanze war bisher nicht Gegenstand ihrer Forschung, Fredy Niklowitz erwähnt sie aber der Vollständigkeit halber in seinem Buch über die Brambauer Geschichte5

Niklowitz gab mir aber damals den entscheidenden Tipp, in eine Veröffentlichung des Dortmunders Paul Grävinghoff von 1984 zu schauen. Dieser schrieb eine umfangreiche Abhandlung über den »Verlauf und (die) Geschichte der Dortmunder Grafschaftsgrenze von der Emscher beim ehemaligen Haus Altenmengede bis zum ´Derner Baum´ mit ihren Landwehren, Grenzbächen, Schlagbäumen und Schanzen“.6 Es ist ein umfangreiches Werk über den gesamten Grenzverlauf und vieler Streitigkeiten, die sich sogar hinter der eigenen Dortmunder Sperrlandwehr abspielten, die Grenze also nur bedingt schützte. Und es finden sich weitere Hinweise auf die Schanze in Brambauer:

Entstehung der »Schanze am Ferigen Hofe«

Grävinghoff kommt zu der Feststellung:

 Des ständigen Gerangels in dieser Grenzzone müde, legte der Dortmunder Rat wahrscheinlich gegen Ende des 16. Jahrhunderts eine rückwertige Grenzwehr an und sicherte diese an der Durchgangstraße Waltrop-Elmenhorst-Brechten-Dortmund mit einer Schanze. Nach dem nächstliegenden Gehöft nannte man sie die Schanze am Ferigen Hofe – PAUL GRÄVINGHOFF 1984, Seite 37.7

Die »rückwertige Schanze« als zweite Verteidigungslinie, ist mir in ihrem Gesamtverlauf unbekannt. Heute nachweisbar ist nur ein kleines Teilstück im Volkspark, denn Graben und Hügel von damals sind heute noch dort vorhanden (Fotos folgen) und vielleicht bist du als Kind oder Jugendlicher ja auch schon einmal diese Hügel-Gräben-Kombination unwissentlich mit dem Fahrrad rauf und runter gefahren? Der Standort der Schanze ist mir bisher nur grob anhand folgender Überlieferung bekannt gewesen:

Lage und Beschreibung

Brambauers Heimatforscher Justus Pabst (*1875 †1950) notierte 1946 die mündliche Überlieferung des Landwirts Heinrich Ferige, der von seinem Großvater folgendes überliefert bekamt:8

Die Schanze stand ungefähr 400m nordöstlich von der evangelischen Kirche in Brambauer auf einer Insel. Die nannten sie „In der Sud“. In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts (1890er, Anm. meinerseits) war diese Insel noch da und war damals mit Rottannen bewachsen.

Der Wassergraben um diese Insel herum hatte eine Brücke von 6 bis 8 m. Mein Großvater hatte mir aber vor Jahrzehnten erzählt, dass es ein steinernes Bauwerk gewesen ist. Die Insel war 1/4 Morgen groß.

Der Ablaufgraben von dem früheren Wassergraben ist, sagte der Bauer Ferige, zum Teil noch zu sehen. Das Wasser ist früher nach Südwesten nach der Emscher abgeflossen. Direkt neben der Insel war ein kleiner Bach, der nach Osten, nach der Lippe hin abfloß. Die alte Schanze stand unmittelbar auf der Wassergrenze zwischen Emscher und Lippe auf der höchsten Stelle der Gegend (+92 m).

Von hier konnten sie die damaligen 4 alten Wege übersehen, den Weg von Waltrop über Brambauer nach Brechten, die Wege von Lünen und Mengede nach Brambauer und dem Rixweg. Die Flur heißt heute noch im Kataster „in der Sud“. – LANDWIRT HEINRICH FERIGE 1946

Wilfried Heß merkte dazu kritisch an, dass ein Wassergraben auf einem Hügel unwahrscheinlich klinge. Denn wie Heinrich Ferige berichtet, floss das Wasser zu beide Seiten – zu Emscher und Lippe hin – ab. Doch wo sollte das Wasser des Grabens herkommen? Der Calversbach entspringt zwar ganz in der Nähe, jedoch einige Meter tiefergelegen nahe der heutigen Karl-Haarmann-Straße. Hier stellt sich in der Tat die Frage, ob es dort Wasser gab und wo es hergekommen sein könnte.

Paul Grävinghoff zitiert Justus Pabst weiter:

… Dieser Schanze war etwa 100 m nördlich ein kleines Vorwerk vorgelagert. Der Brambauer Konrektor Heinrich Wibbeling hatte an dieser Stelle (etwa 100 östlich des alten Krankenhauses, jetzt DRK-Station) eine von einem Graben umgebene Fläche von etwa 4 m Durchmesser vorgefunden. Die Grabung brachte aber keine Funde.

In der »Königlichen Preußischen Landesaufnahme« von 1892 finde ich leider keine Hinweise mehr auf die Schanze. Dies mag daran liegen, dass der Schanze schon früh ein schnelles Ende gemacht wurde:

Kampf um die Schanze

Der „heimliche Anschlag“ vom 7. Oktober 1601

Die Grafschaft Mark war vermutlich nicht sehr erfreut über die Schanze südlich der Grenze. Drost Johann von und zu der Wenge aus Hörde, ein Feind der Dortmunder, eroberte die Schanze daher am 7. Oktober 1601. Mit 18 Soldaten, darunter ein Hans Kamphanen, soll er sie »heimlich und in verräterischer Weise« eingenommen und besetzt gehalten haben.9 10 Über den genauen Ablauf gibt es jedoch keine genaueren Aufzeichnungen.

Rückeroberung mit 250 Mann schlägt fehlt

Zwei Monate später, am 9. Dezember 1601, will ein Dortmunder Bürger mit Namen Johann Brock11 oder Hanß Berck12 die Schanze ohne Blutvergießen zurückerobert haben. Detmar Mülher berichtet13, dass dieser Dortmunder mitsamt 250 bewaffneten anderen Dortmunder Bürger Abends um zehn Uhr durch das Dortmunder Stadttor gelassen wurde. An seine Seite wurden als Hauptleute berufen:

  • Johann Melman, Freigraf aus dem Rhade
  • Caspar Berchfeld auß den Erbsaßen
  • Henrichen Godschalk, Wirt des Rehfuß und »Capiten« (Hauptmann).14

Den Bürgern voraus ging auch Hilbrand Beckhoff mit seinem Pferd, das einen flachen Wagen / Karren mit »Brettern, Hacken, Schupfen, Teerkränzen und anderem« zog. Auf dem Weg zur Schanze kam es wohl zu einem Streit. Caspar Berchfeld nahm sich die »Trommete« (Trompete) von Stadtspielmann M.Gerwin, der jedoch nicht mehr mitkommen wollte, wenn er nicht der »Feld-Tommeter« sein könnte. An dieser Stelle ist die mir vorliegende Übersetzung von Detmar Mulhers Text sehr ungenau, was das das Ausscheiden von M. Gerwin für den Plan bedeutet haben könnte.15 Unabhängig davon sollte die Musik der Trompete den Soldaten Mut bringen und die Gegner einschüchten. Doch es kam anders:

An der Schanze angekommen, schienen die Dortmunder von ca. 16 Märkischen Soldaten um Hans Kamphanen erwarten zu werden.  Es kam zu einem »scharf Scharmützel« bei dem zuerst das Pferd vor Hilbrand Beckhoffs Wagen erschossen wurde.  Weitere Verluste der Dortmunder:16

  • Mertin von Bourdan, aus der Buttergilde, gebürtiger Franzose – erschossen
  • Herman Luegs, ein Arbeitsmann –  erschossen
  • Herman Heseler, gebürtig aus Schwerte, –  erlag etwas später einem Schuss in den Kopf
  • Schotte Dobbe, Goldschmiedmeister, gebürtig aus Lünen – wurde ins Bein geschossen. Er überlebte offenbar.

Bei den Belagerern der Schanze ist von einem Toten die Rede (»getroffen und todt geblieben«) sowie von einem bellenden Hund, der ebenfalls erschossen wurde.14

Die Dortmunder Hauptleute erkannten ihre Niederlage; die Schanze war nicht zu erobern. Freigraf Johan Melman, der vielleicht als einziger jetzt noch ein Pferd und eine ordentliche Rüstung hatte, begab sich zurück nach Dortmund. Die anderen Hauptleute folgten ihm sogleich zu Fuß mit den Bürger sowie den Toten und Verletzten auf einem Schlitten. Da das Zugpferd tot war, musste Hilbrand Beckhoff seinen Wagen mit den Werkzeugen und Waffen zurücklassen und auch zu Fuß zurück.18 Um fünf Uhr morgens am 10.Dezember erreichen die erfolglosen Streiter wieder das Dortmunder Stadttor.19

Verteidiger Hans Kamphanen verkaufte später Beckhoffs zurückgelassenen Wagen für 19 1/2 Taler in Lünen. Die Teerkränze wurde zum Hohn und Spott an die Schanzen in Derne, Bodelschwing, »Schneißen« (?)und am Haus Wenge aufgehangen.20

Zerstörung der Schanze

Zwei Tage nach der gescheiterten Rückeroberung, am 11. Dezember 1601, ließ Johann von und zu der Wenge durch eine große Anzahl Bauern die Schanze schleifen. Übrig blieben Schutt und Trümmer.21 Damit hatten die Dortmunder ihre Grenzbefestigung zur Sicherung der Handelswege verloren.

Spott für die Dortmunder

Auf Märkischer Seite entstand dagegen ein Spottlied über den mißglückten Eroberungsversuch, bei dem 250 Mann nicht gegen die 16 auf der Schanze gewinnen konnten. Auf Insgesamt 47 Strophen werden die Dortmunder lächerlich gemacht, wobei dies eher ein Rundumschlag gegen Dortmund insgesamt sein dürfte, denn es werden mehrere Ereignisse dieser Zeit dort verarbeitet, teilweise auch sehr übertrieben oder ungenau. Um die Schanze Ferige geht es konkret in den Strophen 24-34. Dort heisst es:

24. Am Ferigen Hofe ligt ein Plaggenhaus;
Das wolten sie befechten.
Mit funfhundert Man stormen auß,
Höret, höret, wie sie es bedechten!

25. Sie brachte zu wege Roß und Man
in Meinung, die Schantz zu gewinnen,
Dar zu ihrer Wagen und Span.
Das mocht ihn[en] nicht gelingen.

26. Leddern, Schuppen und Bredder,
Prechkrentze und Hacken mit Pylen,
Ihre Emmer, gemacht von Ledder,
Wolten die Schantze erilen

27. Weil sie noch waren in der Stadt
Do werens hertzhafte Gesellen
Und hetten in der Mawren das Gatt
Wollten sie gar viel bestellen.

28. Also zog Reinoldus darher
und sah im Felder gar übel
Ein Nachtrock und weiße Feder
ein junger Teufel.

29. Dar es nun kam zu halber Nacht,
Dar hörte man die Trommeten schallen.
Die Trumme ging mit vuller Macht.
Reinoldung thedt hardt anfallen.

30. Kamphan, ein Soldate gut,
Der Thede sich tapfer wehren.
Die Schantze war ihm anvertrawet,
Die von Dortmund darab zu kehren.

31. Mit sechzehn Soldaten wohlgemut
Thede er ihnen zujegen schießen.
Ihrer etliche blieben todt;
Den Verwundeten thets verdrießen.

32. Da ward den armen Stumpers so bang,
In die Hosen theden sie kacke,
Daß ihnen das Hirn zum Haubt aussprang.
Sie wiesen die Soldaten die Hacken.

33. Ihre Befehlshaber weren auch tapfere Held
Hinder die Eichbanner verborgen.
Dar warten sie von achter das Feldt
Und durften fur die Schuß nicht sorgen.

34. Da haben sie bedacht einen andern Rhadt
Und kamen hinzu von ferne.
Die Soldaten beden sie um Genad,
Sie wollten nicht schießen mere.

–  aufgezeichnet von Detmar Mulher in der ANNALES TREMONENSIS

An einigen Stellen sicherlich übertrieben, doch war den Dortmundern Hohn und Spott wohl gewiss.

Dies alles ist ein kurzer Blick in die Geschichte der Schanze. Abgesehen vom Scharmützel im Jahre 1601 konnte ich keine weiteren Informationen dazu finden. Auch die Standortbeschreibung aus den Information von Justus Pabst/Heinrich Ferige ließ nur eine ungefähre Positionsbestimmung zu.

Zeigt ein Luftbild von 1926 Spuren?

Weil am vermuteten Standort heute alles bebaut ist, fallen aktuelle Luftbilder weg. Die mir bekannten Kriegsluftbilder von 1945 sind in zu schlechter Qualität. Allerdings zeigt ein Bild von 1926 (!) in erstaunlich guter Qualität etwas im Boden, dass auf die Schanze hinweisen könnte. Schauen wir uns einmal das Areal an:

Östlich vom Sportplatz handelt es sich offenbar nicht um natürliche Verwerfungen, sondern um künstliche Spuren mit zum Teil klaren Linien und Kanten. Die Entfernungs- und Richtungsangaben aus der Beschreibung von Heinrich Ferige / Justus Pabst passen (400m nordöstlich der Kirche) und die sichtbare Struktur scheint mir plausibel auf Vorbau (»100 m nördlich der Schanze«), Brücke und Graben hinzudeuten. Wohl möglich handelt es sich hier tatsächlich um die Spuren der alte Schanze im Boden?

Luftbild invertiert und mit meinen Vermutungen versehen

2015 ist auf aktuellen Luftbilder nichts mehr zu sehen. Der gesamte Bereich wurde bebaut, wie diese Fotomontage zeigt:

Einschub: Warum Felder von oben stumme Zeitzeugen sind

Wie kann hunderte Jahre später noch was auf dem Luftbild zu sehen sein? Nun, Äcker und Felder können Zeitzeugen früherer Tage sein, wenn sich unter ihnen Überbleibsel der Vergangenheit befinden: Mauern, zugeschüttete Gräben, eingeebnete Wege. Obwohl ein Acker aus Augenhöhe zunächst völlig unscheinbar aussehen mag, wachsen die Pflanzen oberhalb eines zugeschütteten Grabens auch hunderte Jahre später noch anders als jene neben dem früheren Graben. In der Archäologie werden sie Bewuchsmerkmale genannt. Damit ist gemeint, dass die einzelnen Getreidepflanzen auf einem Acker nicht alle gleich hoch wachsen oder gleich reif sind, wenn sich unter den Pflanzen im Boden eben Mauern, zugeschüttete Gräben oder eingeebnete Wege aus früheren Tagen befinden. Auf Luftbilder werden solche Abweichung deutlich sichtbar. In der Wikipedia ist das beim Thema Luftbildarchäologie gut erklärt.

Unstimmigkeiten des Standortes bleiben

Die Höhenangabe von Heinrich Ferige deckt sich nicht ganz mit dem Luftbild. Er berichtete, dass die Schanze auf der Wasserscheide zwischen Emscher und Lippe sowie der damals höchsten Stelle der Gegend stand (und gibt die Höhe mit 92 Metern an). Brambauer liegt auf jeden Fall auf der Wasserscheide: Der im Volkspark entspringende Dusbach mündet (über den Illänder-Bach) in der Emscher und auf der anderen Seite, fließen Calversbach und die beiden Rettelsbäche über den Mühlenbach in die Lippe22 Die heute höchste, natürliche Erhebung, ist jedoch der Friedhofsberg, der sogenannten »Sudberg« mit rund 90 Metern an der Friedhofstraße. Die Heitfeld-Siedlung liegt dagegen auf einer Höhe von ca. 88m. Ich vermute, dass 100 Jahre Bergbau unter Brambauer den Höhenunterschied verursacht haben könnte. Bisher gelang es mir aber noch nicht, genaue, kleinteilige Informationen über Bergabsenkungen im Stadtteil zu erfahren. Andererseits zeigt die »Königliche Preußischen Landesaufnahme« von 1892 durchaus, dass hier ein höchster Punkt relativ zur Umgebung war. Möglicherweise war der Sudberg auch gar nicht gemeint mit »in dieser Gegend«, da er immerhin fast einen ganzen Kilometer weiter nördlich ist.

Justus Pabst berichtet ferner, dass beim Bau der Neuen Kolonie (Karl-Haarmann-Straße) im Jahr 1903 der ringsrum verlaufenden Graben unter Gestrüppt gefunden worden sei.23 Nach meiner Auffassung -mit Blick aufs Luftbild- wäre die Karl-Haarmann-Straße grundsätzlich aber 100 Meter zu weit nördlich, als dass man den Graben beim Kolonie-Bau entdeckt haben könnte. Möglicherweise reichte der Graben bis zur Kolonie heran, aber leider gibt es hier keine Angaben, wo genau der Graben aufgefunden wurde – also direkt unter den heutigen Koloniehäusern oder eben nur am Rande. Allerdings schreibt Pabst auch, dass 100 Meter östlich des damaligen Krankenhauses (heute Gustav-Sybrecht-Straße) das Vorwerk gestanden haben soll. Dies wäre dann rund 150 Meter weiter nördlicher, als es auf dem Luftbild zu sehen ist. Demnach hätte die Schanze recht genau auf der heutigen Karl-Haarmann-Straße gestanden. Dazu passen könnte auch, das dass Flurstück »In der Süth«, das Heinrich Ferige erwähnt, ebenfalls eher an der heutige Karl-Haarmann-Straße gelegen haben dürfte als dort, wo das Luftbild die Umrisse zeigt. Dies prüfe ich zurzeit noch.

Vielleicht ist das auf dem Luftbild Sichtbare nur ein Teil der Schanze – und das Vorwerk stand tatsächlich mehr nördlich?

Aufzeichnungen zur Grabung 1903 im Krieg verloren gegangen

Als 1903 der Graben gefunden sein sollte, hätte Museumsdirektor Braun aus Dortmund dort gegraben- jedoch mit mäßigem Erfolg.24  Meine Anfrage im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte ergab 2012, dass leider alle Aufzeichnungen über diese Grabung im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen sind.

Fazit

Trotz einiger Ungereimtheiten zwischen dem Luftbild und den Angaben von Justus Pabst, der die Schanze 100-150 Meter weiter nördlich an die Karl-Haarmann-Straße verortete, spricht für mich das Luftbild eine eindeutige Sprache: Dort stand etwas Größeres. Dass es die Schanze Ferige war halte ich für sehr wahrscheinlich – möglicherweise haben Justus Pabst und ich aber auch beide Recht mit dem Ergebnis, dass die Anlage sich über ein größeres Areal erstreckt, als auf dem Luftbild von 1926 erkennbar.

Was aber auf jeden Fall gesichert aus dieser Zeit bleibt, sind neben den Erzählungen und Dokumenten, die noch sichtbaren Überreste der Sperrlandwehr am Ententeich in Tockhausen sowie der zweiten Linie im Volkspark.

Quellenverzeichnis:

Das Wappen der Grafen von der Mark:  von unbekannt – Zeichnung von Professor Ad. M. Hildebrandt; in: Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, Görlitz 1901-1903/Band 2/Tafel 208-1, gefunden auf Wikimedia.org (Gemeinfrei)

Die Erzählung von der Eroberung und der gescheiterten Rückeroberung findet sich sowohl bei Fredy Niklowitz, bei Magdalena Risse (Quellen siehe unten),  in vielen davon abgeschriebenen, anderen Texten in unterschiedlicher Länge und Detailgenauigkeit sowie  in einer mir vorliegenden, aber von einem mir unbekannten Autor übersetzten Fassung der ANNALES TREMONENSIS von Dettmar Mulher aus dem Jahr 1604, die sehr detailliert ist. Da es sich um einen sehr alten Text handelt, ist meine Wiedergabe  etwas allgemeinsprachlicher und in eigenen Worten gehalten.

Fußnoten:

  1. Theodor Schmidt (Hrsg), Fredy Niklowitz (Autor) “Brambauer – von der Bauerschaft zum Industrieort”, Seite 9
  2. Zitiert in Anlehnung an den Wikipedia-Artikel über die Grafschaft Mark, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Mark
  3.   Bei der Kreuzung der alten Handeslwege handelt es sich nach meinem Verständnis nicht um die heutige Hauptkreuzung im Ort beim ehemaligen Kaufhaus Hufnagel, sondern vielmehr um die Kreuzung der heutigen Friedhof-, Gustav-Sybrecht-, Brambauerstraße und der Königsheide.
  4. Schmidt, Niklowitz, Seite 9
  5. Schmidt, Niklowitz
  6. Grävinghoff, Paul: „Verlauf und (die) Geschichte der Dortmunder Grafschaftsgrenze von der Emscher beim ehemaligen Haus Altenmengede bis zum „Derner Baum“ mit ihren Landwehren, Grenzbächen, Schlagbäumen und Schanzen“ – Ein Beitrag zur Geschichte Dortmunds von Paul Grävinghoff, Dortmund, Dezember 1984″
  7. Grävighoff unter Verweis auf „Weichs, von, Dortmund Beiträge Band 68 (1973), Seite 30 Anm. 61
  8. Pabst, Justus: Die Bauernhöfe von Brambauer, Manuskript 1946, Stadtarchiv Lünen, Bez.1005; auch zitiert in Grävinghoff 1984, Seite 38
  9. ANNALES TREMONENSIS, Historia oder Chronica von Dortmund, von Herrn Dettmar Mulher angefangen vid. not. ad 30. Aug. 1604, S. 2
  10. auch in Schmidt/Niklowitz, S.11
  11. Schmidt/Niklowitz, Seite 12 unter Berufung auf Risse
  12. ANNALES TREMONENSIS, S.2
  13. ebd.   
  14. vgl. ebd
  15. ebd
  16. vgl. ebd
  17. vgl. ebd
  18. vgl. ebd, auch Niklowitz und Risse
  19. vgl.  ebd
  20. vgl. ebd 
  21. vgl. ebd, auch bei Niklowitz und Risse
  22. Nach Angaben des Stadtbetriebes Abwasserbeseitigung Lünen (SAL) vom 12. Juli 2010, Herr Klaer.
  23. Pabst, Justus: Die Bauernhöfe von Brambauer, Manuskript 1946, Stadtarchiv Lünen, Bez.1005;
  24. Pabst, Justus, ebd.

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