FAHRRADSTRAßE steht in weißer Schrift auf dem Sandforter Weg. Denn seit dem 21.07.2020 ist der Sandforter Weg nun teilweise ganz offiziell eine Fahrradstraße – eine Straße, in der Fahrräder Vorrang haben und Autos auch mal hinten anstehen müssen.

Das gilt von nun an für den Abschnitt vom Beifanger Bahnhof bis zum Sunshine Jugendzentrum am neuen Campusplatz. Anfang und Ende sind mit den großen weißen Buchstaben auf der Straße und Schildern am Rande gekennzeichnet, und an allen Kreuzungen weisen Schilder nochmal separat in den querenden Straßen darauf hin, dass hier jetzt eine Fahrradstraße ist.

Die Schilder sind stets mit dem Hinweis »KFZ-Verkehr frei« versehen, weil es sonst rechtlich ein reiner Radweg wäre, auf dem Autos nicht fahren dürften.

Kreuzung Lange Straße

Es ist die zweite Fahrradstraße in Selm. Zuvor wurde im April 2019 die Waltroper Straße in Bork zur Fahrradstraße.

Die neue Fahrradstraße ist gut 200m länger als die in Bork und anders bepinselt: Während in Bork die Kreuzungsbereiche eine große rote Fläche sind mit weißer Randmarkierung, sind auf dem Sandforter Weg zwei separate Radwege auf die Straße gemalt. Das sieht durch viele weiße (alte wie neue) Linien wirr aus, ist dafür aber kein großer roter Klecks:

Fahrradstraße Nummer 1 in Bork

Fahrradstraße Nummer 2 in Selm

Bisher gibt es keine einheitliche Gestaltung und keine klaren Vorgaben, außer der durch die StVO vorgegebenen Beschilderung. Die geltenden Regeln, wie die Erlaubnis zum Nebeneinanderfahren, sind allerdings nur etwa der Hälfte der Verkehrsteilnehmer bekannt. Entsprechend ist es wichtig, auch durch die Gestaltung die Funktion der Fahrradstraße selbsterklärend zu machen. In verschiedenen Städten werden Fahrradstraßen jeweils ohne oder mit unterschiedlichen Markierungen verdeutlicht. Zum Einsatz kommen weiße oder blaue Piktogramme mit Radfahrenden oder Längsmarkierungen zur Fahrbahnbegrenzung.

Die Wikipedia zum Thema Gestaltung (link)

Alter Radweg wurde teilweise zum Parkplatz….

Bislang war nur auf der nördlichen Fahrbahnseite ein durchgängig gekennzeichneter Radweg, also Richtung Bahnhof. Teilweise führte dieser Radweg über einen ehemaligen Parkstreifen.

Durch die Verlagerung des Radweges auf die Straße konnte der Parkstreifen reaktiviert werden. Zwei Stunden parken unter der Woche ist nun dort erlaubt, wo zuvor die Räder entlang fuhren. Das entspricht der Parkzeit auch der bisherigen Stellplätze am Sandforter Weg weiter in Richtung Bahnhof.

Gut zu erkennen: Spuren der früheren Radwegmarkierung, die entfernt wurde.
Bis auf einige Grundstückzufahrten, ist der ehemalige Radweg nun Parkfläche für Autos.

Vielleicht entzerrt das auch die Parksituation vor der Apotheke und den Arztpraxen. In der Fußlahmen Zeit, in der wir heute leben, wurde bislang gerne auch mal der Bürgersteig zugeparkt, wenn vor der Apotheke schon alle Stellplätze belegt waren. Oder es wurde auf dem Radweg geparkt.

In Richtung Campus gab es stellenweise eine Radspur mit gestrichelter Linie, die nun komplett entfernt ist.

… und teilweise ist er noch vorhanden

Von der Kreuzung Lange Straße bis zum Bahnhof ist die dicke weiße Trennlinie des vorherigen Radweges noch vorhanden. Die Räder sollen nun aber auf der Straße fahren, was die neuen Symbole und Farbmarkierungen verdeutlichen. Viele Radfahrer fahren dennoch wie gewohnt ganz rechts, obwohl sie eigentlich jetzt mehr in der Mitte fahren dürften.

Im Grunde dürfte der Radfahrer viel mehr in der Mitte fahren, statt auf dem alten Radweg. Oder müsste er das gar?
Rechts im Bild noch der alte Radstreifen

Bin gespannt, ob die Linie bleibt. Als Parkstreifen ist es offensichtlich zu schmal, an sich ist die Linie auf den ersten Blick aber hinfällig durch die neue Markierung.

Fahrradstraße bedeutet:

Fahrräder stehen nun im Vordergrund. Rechtlich bedeutet das im Detail bei einer Fahrradstraße:

  • Der Radverkehr hat immer Vorrang auf der Fahrbahn
  • Das Nebeneinander-fahren von Radfahrern – auch in Gruppen- ist ausdrücklich erlaubt.
  • Kraftfahrzeuge dürfen die Fahrradstraße nur befahren, wenn das durch das Zusatzzeichen »Kfz-Verkehr frei« o.ä. gewährt wird (da ist hier der Fall).
  • Radfahrer dürfen nur mit einem Sicherheitsabstand von 1,50 Metern überholt werden.
  • Der Radverkehr bestimmt die Höchstgeschwindigkeit. Bei Bedarf müssen Kraftfahrzeuge langsam hinterherfahren, wenn der Mindestabstand beim Überholen nicht eingehalten werden kann.
  • In jedem Fall ist die Höchstgeschwindigkeit 30 km/h, wenn dadurch Radfahrer nicht gefährdet oder behindert werden.
  • Die bestehenden Vorfahrtsregel bleiben bestehen. Rechts-vor-Links würde also auch auf der Fahrradstraße gelten, trifft hier aber nicht zu, weil der Sandforter Weg auch weiterhin eine Vorfahrtsstraße ist.
  • Fußgänger bleiben weiterhin auf dem Gehweg, ebenso Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr mit dem Rad. Bis zum 10.Geburtstag dürfen Kinder sowohl Gehweg als auch Fahrradstraße nutzen.

(Die Auflistung ist frei angelehnt an die Präsentation der Stadtverwaltung zur Eröffnung der Fahrradstraße in Bork, siehe hier)

Wer es ganz genau wissen will: Anlage 2 zu § 41 der Straßenverkehrsordnung (StVO), etwa hier bei deJure.org (laufende Nummer 23).

Das ist nun erlaubt: nebeneinander fahren – und Autos müssen hinterher fahren, wenn nicht genug Platz zum überholen ist (1,5 Meter Abstand)

Eine gute Woche Arbeit

Die Arbeiten begannen am 17. Juli und waren am 21.Juli abgeschlossen. Zwischendurch roch es sehr stark nach Farbe, denn es gab auch jede Menge aufzutragen. Die weiße, gestrichelte Linie wurde mit einem speziellen »Handschieber« aufgetragen. Ein Arbeiter schob das Gerät vor sich her und es setzte im Richtigen Abstand automatisch Striche.

17.Juli: ab jetzt wird aufgemalt!

Im Zuge der Arbeiten für die Fahrradstraße wurde übrigens auch die Begegnungszone am Campusplatz nochmal deutlich beschildert: Achtung Fußgänger!

Weitere Fahrradstraßen geplant

Die Verwaltung plant offenbar weitere Fahrradstraßen einzurichten. Wo und wann die Nächste entsteht, ist mir nicht bekannt. Benannt wurden in der Öffentlichkeit bislang verschiedene Straßen, darunter

Gerne mehr!

Die Fahrradstraße in Bork bin ich mehrmals mit dem Rad als auch mit dem Auto gefahren. Sowohl auf dem Fahrradsattel als auch im Autositz finde ich es angenehm.

Auf dem Fahrrad ist es natürlich nur so lange angenehm, wie sich auch alle an die Regeln halten mit dem nicht Überholen, Drängeln, usw. Hier habe ich ehrlicherweise keine Informationen, wie das in Bork klappt. Vielleicht ist es durch den Blitzer dort auch nicht vergleichbar; ich habe als Radfahrer bislang nichts zu beanstanden – und als Autofahrer auch nicht. Die Stadtverwaltung spricht indes von »durchweg positiven Erfahrungen« (laut Ruhr Nachrichten, paywall, sowie in der Presserklärung zur Neuen)

Für den PKW selbst ist es nicht so angenehm, wenn er mit etwas über Schrittgeschwindigkeit fahren muss, weil das verbrauchstechnisch in der Regel kein guter Drehzahlbereich ist (»für den ersten Gang zu schnell, für den Zweiten zu langsam« nenne ich das mal als Laie). Bei den zunehmend verbreiteten Hybrid- und Elektroautos relativiert sich das selbstredend, da gibt es das Problem mit dem »ungünstigen Verbrauchsmoment« gar nicht.

Letztlich ist diese Fahrradstraße ein richtiger Baustein zu einer fahrradfreundlicheren Stadt. Die Verbindung zwischen Bahnhof und dem neuen Zentrum (Campus) mit Jugendzentrum, Schulen und Sportstätten sowie der Selmer Alststadt wird bereits sehr viel von Fahrradfahrenden genutzt – und ist nun aufgewertet und sicherer!

Zum Weiterlesen:

Presserklärung der Stadt Selm und der neue Flyer zu Fahrradstraßen in Selm, sowie der passende Wikipediartikel.


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