Neues zum Stand zahlreicher Bauprojekte und Vorstellung des Klimaschutzkonzeptes für Selm: Bei der Bürgerversammlung am 4.11.2019 gab es viele Infos direkt vom Bürgermeister.

Aktuelle Projekte in Selm, das städtische Klimaschutzkonzept und anschließende Diskussion: In diese drei Teile gliederte sich die Bürgerversammlung am Montag und etwas über 100 Menschen fanden sich dafür um 19 Uhr im Selmer Bürgerhaus ein. Nachdem noch zusätzliche Stühle herangeschafft wurden, begann Bürgermeister Löhr zunächst mit einem etwa 30-Minütigem »Informations-Rundumschlag« zu aktuellen Hochbauprojekten in Selm:

Teil 1: Aktuelle Bauprojekte in Selm

Hochbau

  • Das Jugendzentrum »Sunshine« öffnet im Dezember (Umbaukosten 2,3 Mio. Euro)
  • Die neue Zweifachsporthalle am Campusplatz wird ca. im Juni 2020 fertig (Baukosten 5,2 Mio. Euro)
  • Die Umgestaltung der Dreifachsporthalle am Campusplatz ist für Sommer 2020 geplant und kostet 11,5 Mio. Euro. Das Gebäude wird entkernt, bekommt ein neues Dach und neue Böden. Fördermittel gibt es hierfür diesmal keine.
  • Der Umbau der Burg Botzlar startet noch 2019 und soll 2020 fertig werden. Der Burggraben wird wiederhergestellt, aber ohne Wasser. Stattdessen erfolgt eine reine Bepflanzung. Umbaukosten Innen und Außen ca. 4,4 Mio. Euro, davon 0,9 Mio für die Außenanlagen
  • Aus dem Fördertopf »Gute Schule« erhält Selm 2,48 Mio Euro. Zunächst wird das Gymnasium gefördert, anschließen die übrigen Schulen
  • Die Verwaltung ist komplett auf LED umgestellt worden. In den Schulen läuft die Umstellung noch; mit Ausnahme des Gymnasiums, da hier noch keine Fördermittel bewilligt wurden.
  • Die Erweiterung des Amtshauses steht bald an: Das Bürgerbüro wird vergrößert und ein Aufzug angebaut. Bislang war der fehlende Aufzug besonders bei Hochzeiten in Manko des Altbaus.
  • Ein Neubau für den Offenen Ganztag ist nötig und kostet ca. 3 Mio. Euro am Standort Gymnasium / Overberg-Grundschule
  • Aus dem heutigen »4Elements« soll mal ein öffentliches Hallenbad werden. Kosten ca. 8,5 Mio. Euro. Allerdings gilt es hier offenbar noch den Spagat zu finden zwischen einem Spaßbad und einem schlichten, ganz normalen Hallenbad.
  • Es sind mehrere Blockheizkraftwerke geplant. Damit sollen zunächst Overbergschule, Gymnasium und die beiden Turnhallen versorgt werden.
  • Die Turnhallendächer sollen mit Photovoltaik ausgestattet werden.
Die neue Zweifachsporthalle am Campusplatz wird ca. im Juni 2020 fertig

Straßenbau

  • Kurzer Bericht zur Fertigstellung der Kreisstraße (B236) im Juli
  • Fertigstellung der Baustelle zwischen Selm und Bork im Bereich der Haus-Berge-Straße. Bei letzterem wurden in 14 Tagen 520.000 € verbaut. 300.000 € sind noch an Fördermitteln beantragt für den Umbau der Bushaltestelle nebst Querungshilfe. Der Baubeginn ist noch offen.
  • Cappenberger Damm 1.Bauabschnitt zwischen Südkirchen und Cappenberg ist fertig. Der 2.Bauabschnitt zwischen Lünen und Cappenberg folgt demnächst.
  • Auf der Geist wird für 1,1 Mio. Euro die Fahrbahndecke, die Kanäle und Hausanschlüsse erneuert.
  • Der Parkplatz-Neubau an der Kreisstraße wird jetzt im November fertig. Dann sind 90 neue Parkplätze geschaffen (Baukosten 390.000 Euro)
  • Die Uhlandstraße erhält eine Kanalsanierung für 136.000 Euro
  • Der Weg Schrippenbach wird für 390.000 Euro saniert.
  • Die Fahrradstraße in Bork, da habe »wohl jeder seine eigenen Erfahrung mit machen dürfen«, sagte Löhr. Insgesamt sei die Rückmeldung an die Verwaltung im Schnitt aber positiv und auch Teil des neuen Klimakonzeptes. (Kosten der Umwidmung ca. 30.000 Euro für Schilder, Markierungen, etc.)
  • Der Sandforter Weg wird auch zur Fahrradstraße werden. Ebenso alle abgehenden Straßen, die saniert werden (vielleicht meinte Löhr das anders, aber ich hab es so verstanden)
Fahrradstraße in Bork (Waltroper Straße). Demnächst auch der Sandforter Weg

Neue Wohnflächen

  • Am Auenpark werden für die »Stadt am Wasser« 50.000 m³ bebaut.
  • Hinter dem Lidl in Bork wird ein großzügiges Wohngebiet ausgewiesen.
  • Am Fährenkamp werden 13 Hektar zur Bebauung freigegeben
  • Am Kirchplatz in Bork hat die Verwaltung bereits vier von fünf Immobilien gekauft. Im Januar 2020 folgt eine Bürgerversammlung zu den Umbauplänen.
  • Neubau von Wohnungen auf dem Gelände der abgerissenen Lutherschule (4 Gebäude)
(C) Kreis Unna – Vermessung und Kataster, CC BY-NC-SA 4.0 – Eigene Bearbeitung

Gewerbe und Unternehmen

  • Die ARAL-Tankstelle schließt Mitte Dezember. Wann sie am neuen Standort weiter südlich neu eröffnet, wurde nicht gesagt (offenbar gibt es da noch rechtliche Fragen, die zu Klären sind)
  • Neubau der Caritas in Bork.
  • Das Gewerbegebiet Dieselweg…. da hab ich den Bürgermeister leider nicht so recht verstanden. Es klang, als sei das Gewerbegebiet nicht in der Form zum Gewerbegebiet geworden, in der es wohl geplant war. Die Flächen gehen weg, aber offenbar nicht für „übliches“ Gewerbe sondern eher Anwälte, Ärzte, etc.
  • McAirlaids baut demnächst.
  • Der Großinvestor am Standort Werner Straße sei (entgegen mancher Gerüchte) nicht abgesprungen. Die Gespräche laufen weiter.
  • Neubau der Saria-Verwaltung ist fertig; die Zufahrt (auch zum Phillips-Billigmarkt) wurde bereits zum Kreisel umgelegt.

Bus und Bahn:

  • Bahnhof Beifang: Wurde gerade umgebaut. Radstation inklusive Bäckerei soll folgen. Die Stadt gibt jährlich 20.000 € zur Miete dazu, weil die Radstation (auch mit Blick auf der später vorgestellte Mobilitätskonzept) wichtig ist.
  • Bahnhof Selm: Es laufen Gespräche mit dem Eigentümer zur Umgestaltung.
  • Bahnhof Bork: Förderantrag zur Umgestaltung ist gestellt.
  • Ein Verein für den Bürgerbus ist in Gründung (1. Quartal 20) Der Bürgermeister ist auch dabei. Was genau der Bürgerbus bieten soll, wurde nicht aufgezeigt (also z.B. welche Routen)

Teil 2: Das Klimaschutzkonzept

Über ein Jahr haben Stadtverwaltung, das externe Ingeniersbüro Gertex sowie weitere Akteure Daten, Fakten, Szenarien und Handlungsempfehlungen zum Klima und dessen Schutz in Selm zusammengetragen. Am 10.10.19 hatte der Rat der Stadt Selm dem » Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept für die Stadt Selm « zugestimmt.

Julia Schmidt von der Stadtplanung trug die Informationen in einer halbstündigen Präsentation vor. Trotz schöner Schaubilder war es ein ziemlich »technischer« Vortrag, dem meiner Meinung nach nicht alle folgen konnten. Dafür waren es zu viele Informationen auf einmal. Kein Wunder: Der Gesamtbericht umfasst 200 Seiten, die jetzt auf 23 Powerpoint-Folien herunter gebrochen waren!

Inhaltlich Wiedergeben will ich den Bericht deshalb hier auch nicht und verweise lieber auf das Original im Netz. Darin enthalten ist ein dickes Maßnahmenbündel aus allen möglichen Bereichen; teilweise ist manchen oben auch schon genannt (z.B. die Radstation, die Fahrradstraßen, etc. :

Drei trotzdem erwähnenswerte Punkte zum dem Thema blieben mir dennoch hängen:

  1. Scheint es nach Darstellung von Löhr zwei extreme Lager zum Klima in Selm zu geben. Die, die verbindliche Maßnahmen der Stadt fordern, die auch mal wehtun und die Bürger »zum Guten« zwingen (z.B. durch Verbot von Steingärten und Zwang zu Null-Energie-Häusern) – und die, die von all dem gar nichts halten und meinen, die Stadt soll sich raus halten, weil sie am Weltklima nichts ändern kann. Die Politik/Verwaltung erkenne laut Löhr beides an und empfiehlt deshalb manches und setzt in Ihrer Zuständig auch einiges um (siehe Konzept), zwingt aber ihre Bürgerinnen und Bürger möglichst zu nichts:

Klimaschutz ja. Aber kein Zwang. Jeder kann, aber niemand muss. Bevormundung ist mit mir nicht zu machen!

Bürgermeister Löhr über die Ausrichtung der Stadt zum Klimaschutz

2. Der Großteil der CO²-Emmissionen entfällt auf die privaten Haushalte. Genauer: Auf die Heizung und den Verkehr.

3. Es gibt in Selm 13 Elektroautos. Dreizehn!

Teil 3: Diskussion

Die anschließende Diskussion startete etwas zögerlich. Dann aber kam ein bunter Themenmix zur Sprache. Es ging um das Klimakonzept (»zu lasch«, »wer bezahlt mir denn eine neue Heizung«, »was soll eine Klimareise bringen?«), um Ausgleichsflächen für die viele neue Bebauung, um alternative Wohnformen wie »Tiny-Houses« (Löhr: nicht gewünscht)um Elektroladestationen, Breitbandausbau, Straßensanierungen…

Ich habe der Diskussion leider nicht ganz bis zum Ende zusehen können. Doch bei den vielen Fragen und Meinungen stand definitiv das Thema Mobilität im Mittelpunkt. Nicht nur aus Klima-Sicht, sondern weil es einfach alle -buchstäblich- »bewegt«!

Lange Wartezeiten am Bahnübergang Olfener Straße (Löhr: Stadt nicht zuständig), Schlangen hinter der Müllabfuhr, miserable Taktung der Busse und der Bahn (Löhr: Kreis Unna ist zuständig und so schlimm ist es nun auch wieder nicht), noch miserablere Anbindung der Berufsschule in Werne (Löhr: wir haben das Problem erkannt) die Diskussion um Parkplätze an der Kreisstraße, das morgendliche Verkehrschaos vor Schulen und Kitas…

Die Leute sind zu faul zum Laufen!
(Beifall im Publikum)

Bürgermeister Löhr zur Parksituation und rücksichtslosem Verhalten.

Ja, das hat er treffend gesagt – und kaum eine Aussage bekam mehr Beifall an diesem Montagabend! Darüber könnte ich auch Seitenweise schreiben, heute bleibt es zunächst beim Bericht über die Versammlung. Und Mobilität war dort definitiv das Kernthema. (Der Bürgermeister fährt nach eigener Aussage übrigens gerne Auto 😉

Viel mehr noch ließ sich schreiben über all die Gedanken und Meinungen dieses Abends. Wie auch immer: es war wiedermal eine willkommene Veranstaltung. Nun kann man vom Bürgermeister halten, was man will, doch zweierlei ist meines Erachtens nach wie vor gut:

  • Das es die Bürgerversammlungen zu so vielen allgemeinen Themen überhaupt gibt (nicht in jeder Stadt ist das üblich)
  • Und dass er sich da vorne hinstellt und zu so vielen Themen was sagen – und Fragen beantworten kann.

Ich kann nur empfehlen, bei der nächsten Versammlung hinzugehen. So gebündelt kompakte Informationen gibt es sonst nicht zum Leben in der Stadt!

Und falls noch nicht angeklickt: Hier nochmal der Link zum umfangreichen Klimakonzept: Lesen, eigene Meinung bilden!

Bürgerversammlung im Bürgerhaus

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