Die Sitzecke im Mühlenbachtal

Letzte Änderung: 22. April 2012 um 09:06 Uhr

Verliebte Pärchen, junge Familien mit Kinderwagen, der ältere Herr mit seinem Dackel -  viele Leute nahmen schon im Schatten der Eiche Platz. Da wurde gelacht, geweint und gefeiert. Die Sitzecke im Mühlenbachtal war ein gut besuchter Ort am Rande Brambauers. Wer hier saß, schaute über ein Fleckchen Grün, dass schon mehrmals gegen Bebauung verteidigt wurde. Stets Zielscheibe für Vandalismus und Müll, endete die Geschichte der Sitzecke 2011 – doch mit  Ehrenamt und Tatendrang  wurde sie 2012 wieder aufgebaut.

Die Sitzecke, um die es in diesem Artikel geht,  gehört dem Sauerländischen Gebirgsverein (SGV), der sie Anfang der 1990er Jahre anlegte. Zwei Bänke mit Blickrichtung Südost wurden im Halbkreis einer Hecke angelegt.  Eine Eiche zwischen Bänken und Hecke sorgt für Schatten. Ein Mülleimer war dabei und auch eine Wanderkarte. Jahrelang und  regelmäßig kümmerte sich der SGV um die Pflege der Ecke. Doch stetiger Vandalismus und Schmierereien einiger Zeitgenossen machte die Arbeit leider immer häufiger zunichte, sodass der Verein die Sitzecke nach einigen Jahren aufgab und sie verständlicherweise nicht weiter pflegte. Zu viel Geld, zu viel Zeit ging dafür drauf.

Die Sitzecke ein Jahr nach ihrer Anlegung 1992 (Foto: Erwin Meschke)

Die Lage der Sitzecke in Brambauer:


Direkt auf Openstreetmap.com anzeigen

Die Renovierung 2007

Mit Aufgabe der Pflege durch den SGV zeigte sich die Sitzecke dann in den folgenden Jahren noch mehr trostlos, vermüllt  und wenig einladend. Die Wanderkarte, die einst dort aufgehangen wurde, war nicht mehr da.  Die Bänke waren beschädigt und etliche Leute hatten ihre Spuren mit Stift und Messer hinterlassen. Genug davon, dachte ich mir: Zeit, das zu ändern! Inspiriert von einem damaligen Artikel in der Lokalpresse zum Thema „Brambauer schöner machen″ kam mir der Gedanke, der Sitzecke nochmal eine Chance zu geben.

Keine Karte, beschädigte Bänke: so sah es 2007 aus

 

Hier hing schon länger nichts mehr

Helfer gesucht und gefunden!

Die Idee war also da, eine Karte vom Mühlenbachtal hatte ich einige Monate zuvor gezeichnet —  nur Zeit und Handwerksgeschick fehlten mir. Im Brambauer-Forum fand ich in Uli Schmidt einen Helfer mit Zeit und Können. Gemeinsam sprachen wir beim SGV vor und warben für unsere Idee.   Die Vereinsmitglieder waren von der Aktion begeistert uns gaben unserem Projekt als Eigentümer der Sitzecke ihre  Zustimmung!

Warnschild von Uli

Von da an ging es schnell und vor allem  Uli konnte ans Werk gehen. Er tauschte Bretter aus,  strich Bänke und Schautafel und versah letztere mit einem neuen Dach. Hilfe gab es ganz unerwartet vom nahen Landwirt Brügmann, der für die Arbeiten einen Stromanschluss bereitstellte. Währendessen zeichnete ich eine Kartenversion speziell für die Sitzecke, nämlich eine die einem mittels rotem Pfeil anzeigt, wo man sich denn gerade befindet.  Nach dem Druck schraubten wir sie sicher hinter Plexiglas auf der Schautafel an.  Uli brachte dann ein letztes mal die Sitzecke auf Vordermann. Weg mit leeren Getränkedosen und Taschentüchern, weg mit altem Gestrüpp.

Einweihung am 15.Januar 2008

Dann war es geschafft, aus einer Idee wurde tatsächlich Wirklichkeit. An einem sonnigen, aber sehr kalten Freitag Morgen enthüllten wir die Sitzecke vor Publikum und Presse Die Ruhr Nachrichten berichteten über die Einweihung unter dem Titel: Liebesgrüße an die grüne Schöne.

Ein Foto für die Presse

Im Sommer 2008

In den folgenden zwei Jahren blieb die Sitzecke in einem ordentlichen Zustand und viele Leute nahmen Platz im Schatten der Eiche. Im Frühjahr 2010 besprühte jemand die Karte, aber binnen weniger Tage war die Schmiererei  dank Uli Schmidt wieder beseitigt.

2011 -  Bänke zerstört, Schautafel umgeworfen

Es bliebt zunächst ruhig, aber ab Ende 2010  wurden vermehrt die Bänke beschädigt. Uli reparierte nochmal,  doch dann -im Mai 2011- wurden die Bänke mutwillig komplett zerstört und  die Schautafel aus ihrer Verankerung gerissen und in die Büsche geworfen. Unverständnis bei allen Liebhabern der Ecke; die Täter wurden zudem nie gefasst.

Da auch regelmäßig die von Kurt Glodny im Tal aufgestellten Schilder mit den Bachnamen beschädigt wurden, wollte ich mich nicht ein zweites mal für die  Sitzecke engagieren. Zu teuer wären neue Bänke, zu viel Zeit wäre draufgegangen und immer mit der Frage: wofür? Mein Entschluß stand fest, obwohl in den Wochen nach der Zerstörung durchaus noch Gedankespiele im Brambauer-Forum vorkamen.

Die Schautafel umgehauen, die Bänke beschädigt.

Die Schautafel am Boden zerstört

Ein neuer Anfang: Der Wiederaufbau 2012

Dafür tat sich im Herbst aber etwas an ganz anderer, unverhoffter Stelle : Die Bürgerinitative »Stoppt den Landschaftsfraß« und die Siedlergemeinschaft Kelmbach beschlossen, die Sitzecke neu aufzubauen zu wollen und zu meiner Überaschung fanden sich zahlreiche Leute zusammen, die dies unterstützen würden. Metallbänke sollten es diesmal werden, denn mit denen wurden bereits gute Erfahrung an anderer Stelle des Tals gemacht. Doch solche Bänke, der Aufbau und das ganze Drumherum kosten einige tausend Euro und da lag es nahe, einen Spendenaufruf an die Brambauer Bevölkerung zu starten.

Würstchen für Metallbänke

Anfang Dezember 2011  lud die Bürgerinitiative zusätzlich zu einem  »Benefiznachmittag« ein. Im Garagenhof des Dr.Schimanski  – ganz in der Nähe der Sitzecke, Am Kelmbach-   wurden Würstchen gegrillt, Waffeln gebacken, Kaffee, Glühwein und Tee in Bechern verkauft und jeder eingenommene Euro kam in Spendenglas.  Auch das bis dahin gesammelte Geld wurde stolz präsentiert.

Die bisher gesammelten Spenden werden präsentiert

Weitere Spenden folgten und mit knapp 3.000 €  konnte der Wiederaufbau im März 2012 beginnen. Unterstützung gab es dabei von der Umweltwerkstatt Unna, genauer von der Produktionsschule Metall. Die dort beschäftigen und von der Arbeitsagentur geförderten jungen Menschen erstellten die Bänke und halfen beim Aufbau tatkräftig mit – ebenso zahlreiche anderer Helfer und besonders Uli Schmidt war wieder mit an Bord, der mit mir ja 2007 schon einmal die Ecke renovierte.  Die jungen Leute der Umweltwerkstatt waren übrigens dieselben, die auch schon die Grillhütte in Tockhausen wieder herrichteten.

Da wird kräftig gewerkelt (Foto: H.G. Hamelmann)

Ende März war es geschafft -  die Bänke standen und überhaupt war alles wieder in einem ordentlichen Zustand. Das Grundgerüst für eine neue Schautafel war errichtet und so waren alle Helferinnen und Helfer, die Presse und überhaupt alle interessierten zur Einweihung eingeladen und gekommen. Herr Hamelmann von der Siedlergemeinschaft erinnerte an die Wichtigkeit des Mühlenbachtals, es gab ein Gläschen Sekt, lockere Gespräche folgten und natürlich ein großes Gruppenfoto aller. DerWesten.de schreibt:

“Mit Hilfe von Spenden und Benefiz-Aktionen haben Naturschützer und Vereine aus dem Lüner Stadtteil Brambauer die durch Vandalismus zerstörte Bankanlage wieder aufbauen können”.

â–º Zum Artikel inklusive dem Gruppenfoto

Zu Beginn der Einweihungsparty

Neue Karte mit Infotafel und Sponsorenliste

Beim Osterfeuer auf Kersebohms Wiese kamen weitere Spenden zusammen. Noch fehlte allerdings die Karte, die dort aufgehangen werden soll. An dieser Stelle habe ich mich dann doch eingebracht und diese Karte entworfen:

 

Diese Karte hängt an der Sitzecke

Die Karte ist  detaillierter als mein Vorgänger von 2007 und sie ist  mit gedruckten 105 x 70 cm auch ein gutes Stück größer.  Während obige Datei verkleinert ist, hat das Original eine Auflösung, die der Druckgröße bei 300 DPI entspricht; will sagen: Auch hängend ist die Karte noch scharf und gut lesbar.

Ansonsten bleibt an dieser Stelle nur mein Dank an die Organisatoren der BI Stoppt den Landschaftsfraß und des Arbeitskreises Umwelt und Heimat, die den erneuten Aufbau organisiert und bezahlt haben. Die Helfer, Unterstützer und (größeren) Spender im Einzelnen, so wie sie auch auf der Karte genannt werden:

  • Bürgerinitiative »Stoppt den Landschaftsfraß«
  • Arbeitskreis Umwelt und Heimat
  • Umweltwerkstatt Lünen – Produktionsschule Metal-
  • Jobcenter Kreis Unna
  • Sauerländischer Gebirgsverein
  • Uli Schmidt
  • Siedlergemeinschaft „Am Kelmbach“
  •  Siedlergemeinschaft „Hasenweg“
  • Familie I. Kersebohm
  • Familie B. Kersebohm
  • Familie G. Schimanski
  • Familie H.-G. Hamelmann
  • Familie M. Krippes
  • Familie M. Voerste
  • Familie A. Wiese
  • Familie F. Zielasko
  • und viele, viele weitere Spender.

Die Jungs der Umweltwerkstatt sind indes schon im nächsten Einsatz: Diesmal wird der Nordpark hergerichtet, speziell der alte Ententeich im Park selbst.

 

 Creative-Commons gilt auf dieser Seite nur für Text und Karte;  nicht aber für die Fotos!