Grillhütte: eine neue Hoffnung?

Geschrieben am 17. Juli 2011 um 00:20 Uhr, Kategorie: Allgemeines, Brambauer, Ehrenamt, Meine Meinung, Natur

Die Grillhütte in Tockhausen ist seit Jahren ein siffiger, zugemüllter und ausladender Ort, der den Namen Grillhütte gar nicht mehr verdient. 2008 vorm Abriss gerettet, fristete sie weiterhin ein tristes Dasein. Nun haben engagierte Schülerinnen und Schüler die Hütte renoviert!

18 junge Menschen des Lippe-Berufs-Kollegs haben Hämmer, Schaufeln, Sägen und einen Eimer grüner Farbe in die Hand genommen um der Tockhauser Grillhütte ein neues Leben zu geben – aber auch einigen »Waldgeistern«, die nun über die Hütte wachen sollen. Stadtgrün hatte dafür den ziemlich hoffnungslosen Fall Grillhütte im Rahmen einer Projekt-Werkstatt zur Verfügung gestellt.1

Sieht doch einladend aus - war aber bisher ganz anders

Leidensweg einer Grillhütte

Die Vorgeschichte: Vielen Ehrenamtlichen ist es zu verdanken, dass in Tockhausen 1984 die Grillhütte eingeweiht werden konnte.2 Doch spätestens seit Ende der 90er Jahre kenne ich sie  nur noch als  zugesifften Ort, an dem ich freiwillig nicht grillen würde. Anfangs waren es ja nur  Bierdosen, Zigarettenstummel und besoffene Zeitgenossen, die sich dort ansammelten, was wenigstens noch der Intention der Hütte entsprach: nämlich ein Ort der Geselligkeit zu sein.  Dann kamen zerbrochene Glasflaschen und Bänke hinzu, Uringeruch (s.u.) Schmierereien an  Hütte und  Grill  und so allmählich überwucherten Gräser und Sträucher das Gelände – der umgebende Wald zog die Schlinge zu.  Die Tanzfläche ließ sich nur noch durch die verrosteten Laternenpfahle drumherum erahnen.

Hier grillt doch jeder gerne... oder?

2008 bringt die Entscheidung

2007 begann eine öffentliche Diskussion über die Zukunft der Hütte: abreißen, renovieren oder gar neu bauen? Der Angelsportverein hatte eigentlich die Patenschaft über die Hütte von der Stadt übernommen, doch sah die zuständige Jugendabteilung des Vereins nie einen Cent für die Pflege.3 Hinzu kam, dass angeblich immer mehr  Jugendliche wie auch Erwachsene sich dort zum Trinken treffen würden und eine soziale Kontrolle fehlen würde. Der benachbarte Hundeverein leide nach eigenen Angaben unter der Situation, doch die Polizei  hielt entgegen: Die Grillhütte sei kein besonders auffallender Treffpunkt für Jugendliche oder wen auch immer.

Ich denke, die meisten Brambaueraner waren damals dennoch für einen gnadenlosen Abriss,  wo hingegen Lokalpolitik und rund 20 Vereine sich für den Erhalt aussprachen; ein Abriss würde das Problem ja nur verlagern. So kam es dann 2008 und die Hütte wurde nicht abgerissen, aber besser wurde die Situation auch nicht.

Die beschädigte Grillhütte im August 2010: gegrillt wurde dort schon lange nicht mehr

Im Gegenteil: 2010 ging es sogar an die Substanz der Hütte, indem einzelne Bretter und Pfosten herausgerissen wurden.  Ich selbst war damals übrigens für einen einfachen Neubau, der weniger Angriffsfläche bietet.

Kaminpinkeln

Weshalb Neubau? Der wunde Punkt ist nämlich nicht nur die einsame Lage im Wald, sondern die Bauweise der Hütte, genauer das Dach. Da es nach hinten abfällt, ist es trotz Zaun im wahrsten Sinne des Wortes ein einladendes»Kinderspiel« dort hinaufzuklettern. Schließlich kann man von oben wunderbar Flaschen durch den Kamin fallen lassen – oder gleich ganze Fahrräder vom Dach werfen. Vor einigen Jahren hatten zwei Jugendliche ihren Fahrrad-Weitwurf gefilmt und ins Netz gestellt; später wurde der Film aber wieder gelöscht. Auch beliebt ist das in »in den Kamin pinkeln«, bei dem der Reihe nach von oben auf den Grill gemacht wird. Alles schon gesehen. Ich will gar nicht wissen, wie viele Liter Urin dort niedergingen, aber der Geruch war immer allgegenwärtig – und ist es leider bis heute noch.

Das Dach lädt zum besteigen ein

Dreimal in jeder Woche acht Stunden arbeit

Trotz Geruch und Bauweise der Hütte: die Schülerinnen und Schüler habe sich seit September 2010 ordentlich angestrengt und das Beste daraus gemacht. Da wurden Bretter ausgetauscht, neue Fenster geschaffen und die Hütte grün angestrichen; wild wuchernde Wiesen und Sträucher beseitigt und neuer Rasen gesäht; die Wege neu gepflastert oder mit Splitt neu gezogen und das Dach repariert – das Ganze drei mal acht Stunden pro Woche.1 Die Tanzfläche wurde freigelegt, poliert und mit Steinbänken eingerahmt; um sie herum wachen mehrere holzgeschnitzte »Waldgeister« und zur Mittagszeit ist sie erhellt vom Sonnenlicht, während die Hütte im Schatten der Bäume bleibt.

Jetzt in grün: die renovierte Grillhütte

Die Grillhütte; im Hintergrund die Tanzfläche

Die Tanzfläche mit den neuen Bänken

Detailaufnahme der Bänke

Auch die Wege wurden erneuert

Für die (lt. Lokalpresse »teilweise schulmüden«) Jugendlichen war es zudem die Möglichkeit, ihr Handwerkskönnen in verschiedenen Disziplinen zu testen und zu entdecken – für zwei gar der Sprung zu einem Ausbildungsplatz, für andere der Weg zum Hauptschulabschluss.5

Alles weitere zeigt die Zeit

Für Tockhausen ist die erneuerte Grillhütte eine kleine Aufwertung, auch wenn mir ein einfacherer Neubau lieber gewesen wäre. Während sich der Angelverein  gut um den Ententeich kümmert, und ich mir in diesem Jahr wohl erneut die Halde vor die Brust nehme, bleibt zweierlei zu Hoffen: Dass die Hütte in ihrem jetzt besseren Zustand bleibt und dass es Nachahmer für andere Projekte gibt. Doch bei Ersterem habe ich Zweifel wegen des jahrelangen Elends mit der Hütte – aber auch aufgrund meiner Erfahrung mit der Sitzecke im Mühlenbachtal.

Bleibt für mich nur noch eine Frage: Wer hat eigentlichen den Schlüssel für den Grillrost?

Der Grill mit Schloß am Rost

  1. DerWesten.de: Soziales – Waldgeister wachen über Grillhütte
  2. Westfälische Rundschau vom 08.03.2008, Lokalteil Lünen, Artikel: Bald Entscheidung über Erhalt oder Abriss der Grillhütte
  3. Ruhr Nachrichten vom 08.03.2008, Lokalteil Lünen, Artikel: Bekenntnis zur Grillhütte
  4. DerWesten.de: Soziales – Waldgeister wachen über Grillhütte
  5. ebd

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