Kirchen, Friedhöfe, Gedenkstätten
Nachstehend geht es um Stätten der Religion und des Gedenkens aus städtebaulicher Sicht und ihrer Funktion als Landmarken; nicht aber um Religion selbst, den jeweiligen Glaubensgemeinschaften und ihrem Gemeindeleben!
Christliche Kirchen
Pfarrkiche Herz-Jesu
Auf dem Grund der heutigen Herz-Jesu-Kirche wurde 1904 Brambauers erste Kirche errichtet. Aus dieser damaligen Notkirche entstand dann in den 1920er Jahren das heutige Bauwerk. Dessen Pläne und die Baugenehmigung stammen noch aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, konnten aber aufgrund des Krieges erst ab 1922 umgesetzt werden: In zwei Bauabschnitten wurde die heutige Kirche an die alte Kirche herangebaut, die alte dann abgerissen und dort der neue Eingang samt 52 Meter1 hohem Kirchturm errichtet. 1929 wurde die fertige Kirche geweiht und hat sich seitdem äußerlich kaum verändert. Übrigens: Welche Aussicht der Kirchturm aus 30 Metern Höhe bietet, erfährst du hier!
Martin-Luther-Kirche
Die evangelische Martin-Luther-Kirche wurde 1909 eingeweiht, nachdem 1907 die Grundsteinlegung erfolgte. Seit dem Abriss der katholischen Notkirche in den 1920ern ist sie Brambauers ältestes Kirchengebäude. Im Mauerbogen über dem Altarraum wurden die Worte der ersten Predigt – Hebräer 13:8 – angebracht:
JESUS CHRISTUS GESTERN UND HEUTE UND DER DERSELBE AUCH IN EWIGKEIT!
Während des 2. Weltkrieges wurde die Kirche mehrfach beschädigt, besonders 1943 als das Gewölbe einstürzte2. Nach Kriegsende erfolgte eine rasche Reparatur. Seitdem wurde sie im Inneren noch mehrmals renoviert und umgestaltet; zuletzt zum 100-jährigen Bestehen mit Wiedereröffnung im Sommer 2009. Fotos von der Wiedereröffnung und dem Kircheninneren gibt es hier.

Die Martin-Luther-Kirche im November 1947: die Kriegsschäden sind beseitigt (Foto: Justus-Papst / Stadtarchiv Lünen)
Das beide Fotos dieselbe Uhrzeit zeigen, ist übrigens Zufall!
St.-Barbara-Kirche
1957 gründete sich der katholische »Kirchenbauverein St.Barbara« mit dem Zweck, eine neue Pfarrgemeinde mit Kirche im Osten Brambauers zu gründen. Zehn Jahre später -1967- war die Kirche zwischen Reichsweg und Mühlenbachstraße errichtet und trägt seitdem den Namen St.Barbara.3 1975 folgte ein Gemeindehaus4, einige Jahre später der freistehende Kirchturm.
Neuapostolische Kirche
Die neuapostolische Kirche samt Gemeindezentrum steht an der Königsheide. Das heutige Gebäude wurde 1982 errichtet – auf diesem Grundstück entstand auch schon 1928 die erste neuapostolische Kirche, von der heute nichts mehr erhalten ist. Aus Platzgründen befindet sich die eigentliche Kirche innerhalb des Gebäudes im Obergeschoss.
Moscheen
Ulu-Moschee (DITIB)
In den Kelleräumen eines früheren Kinos befindet sich seit 1982 die Ulu-Moschee (Ulu-Camii). Sie gehört zur Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (türkisch: Diyanet IÅŸleri Türk Islam Birligi, abgekürzt DITIB) und steht auf einem Eckgrundstück an der Heinrichstraße / Waltroper Straße. Die Fliesen an den Wänden wurden in der Türkei handbemalt.5. Das mittägliche Freitagsgebet wird mittels Lautsprecher auch nach Außen übertragen.
VIKZ-Moschee
Ganz unauffällig befindet sich eine Moschee am Emil-Stade-Platz: Kein Schild oder Aushang macht auf Sie aufmerksam. Sie gehört dem Verein zur Förderung der Integration und Bildung e. V, unter dem Dach des Verband der islamischen Kulturzentren e.V (VIKZ). Untergebracht ist sie in den Räumen einer früheren Gaststätte mit großem Saal direkt auf der Ecke Schulenkampstraße / Ottostraße.
Friedhöfe und Gedenkstätten
Kommunalfriedhof
Nördlich der Heinrichstraße liegt Brambauers großer Friedhof, der 1929 eröffnete Kommunalfriedhof. Hier finden überwiegend die Brambauer Bestattungen statt. Von der Waltroper Straße kommend, führt die Straße Zum Gottesacker durch den Haupteingang hindurch direkt auf die Trauerhalle zu. Bewirtschaftet wird der Friedhof von WBL, die linkerhand der Trauerhalle einen Betriebshof haben. Auf dem Friedhof sind zudem 256 Kriegstote bestattet, darunter 129 aus der ehemaligen Sowjetunion6.
Alter Friedhof
Brambauers ältester Friedhof ist Namensgeber der Straße, an der er liegt: Die Friedhofstraße. Zugleich ist er der kleinere der beiden Friedhöfe. Er wurde 1904 angelegt mit einem breitem Hauptweg in der Mitte, der ihn in einen evangelischen Süd- und einen katholischen Nordteil trennte7. Auf dem alten Friedhof wird auch heute noch bestattet. Zudem erinnert und mahnt der Friedhof an zahlreiche Tote aus Brambauers Geschichte; dazu gehören unter Anderem:
- ein Gedenkstein für 16 Sowjetbürger, die im Zweiten Weltkrieg in Brambauer umkamen (meist durch Zwangsarbeit)
- eine Gedenkstätte für verunglückte Bergleute zweier Schlagwetterexplosionen 1912 und 19148
- Ein Ehrenmal für die in Kriegsgefangenschaft gestorbenen Soldaten des Ersten Weltkriegs (1929 errichtet)
- Ein Gedenkstein für die Juden, die 1939 vom Lüner Judenfriedhof nach Brambauer umgebettet wurden.
- eine Kriegsgräberstätte mit 18 Gefallenen des Ersten Weltkrieges und 17 des Zweiten Weltkrieges6
Ehrenmal Brechtener Straße
Für alle gefallenen Soldaten Brambauers entstand 1933 ein Ehrenmal auf der Ecke Brechtener Straße / Elsa-Brändström-Straße. In 14 Steintafeln sind dort die Namen derer eingemeißelt, die während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 starben oder auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges umkamen. Auch diejenigen die während des Ruhrkampfs starben, sind dort erwähnt. Auf den Mauern zu beiden Seiten des Eingangs wurde je eine Inschrift angebracht: »Der Opfer gedenket von Geschlecht zu Geschlecht« sowie »Für Vaterland, Freiheit und Recht«. 1964 wurde inmitten der Anlage eine Gedenktafel für aufgestellt, deren Worte lauten:
Zum Gedenken
der Toten und Vermißten des zweiten Weltkrieges der durch Kriegseinwirkung in der Heimat Verstorbenen der Opfer, der politisch, rassisch und religiös Verfolgten.
1939 – 1945
Auffallend ist ein etwa 10 Meter hoher Steinturm, welcher direkt am Eingang steht. Die Pflege der Anlage liegt in den Händen des Brambauer Schützenvereins, der alljährlich zum Volkstrauertag einen Kranz dort niederlegt.10
- O.V.: Festschrift 100 Jahre Herz Jesu Brambauer; 2002, Seite 30. ↩
- Vgl. Niklowitz, Fredy; T.Schmidt (Hrsg.): Brambauer: Von der Bauerschaft zum Industrieort. Lünen, 2.Auflage 1982; Seite 45 ↩
- O.V.: Festschrift: 10 Jahre Kath.St.Barbara Brambauer, 1977, Seite 7. ↩
- a.a.O, Seite 7. ↩
- Westfälische Rundschau vom 23.04.2007, Lokalteil Brambauer, Artikel: Uli Moschee präsentiert sich als ein Teil dieser Gesellschaft. ↩
- Angaben nach dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge; www.volksbund.de ↩
- Niklowitz, Fredy; T.Schmidt (Hrsg.): Brambauer: Von der Bauerschaft zum Industrieort. Lünen, 2.Auflage 1982; Seite 50 ↩
- Ausführliche Informationen über die Schlagwetterexplosion auf Wolfgang Schuberts Seite: www.minister-achenbach.de/grubenungluecke.html ↩
- Angaben nach dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge; www.volksbund.de ↩
- Ein Teil der Angaben über das Ehrenmal stammt von Tanja Trittel, der ich an dieser Stelle vielmals danke! Sie hatte in einem Projekt ihrer Schule zahlreiche Informationen zusammengetragen. ↩











